KZ-Außenlager Fischhorn

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Schloss Fischhorn, Ostansicht

Das KZ-Außenlager Fischhorn war in der NS-Zeit eines der zwei im Pinzgau befindlichen Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau.

Einführung

Im Pinzgau bestanden während der NS-Zeit zwei Außenlager des KZ Dachau und ein Außenlager des KZ Mauthausen – letzteres im Schloss Mittersill. Die Dachauer Außenlager befanden sich in Uttendorf (KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee) und in Bruck an der Großglocknerstraße.

Standort

Die Dienststelle der SS befand sich im damals beschlagnahmten Schloss Fischhorn.

Der exakte Standort der Häftlingsbaracken ist hingegen heute nicht mehr feststellbar. Es gibt aber sehr konkrete Hinweise darauf, dass Häftlinge des Außenlagers Fischhorn im damals bestehenden Barackenlager in Aufhausen in Piesendorf untergebracht waren. (Albert Knoll, Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Dachau, konnte im Jahr 2009 einen der Überlebenden in Frankreich besuchen und erhielt dabei wichtige Informationen. Unter anderem eine ausführliche Beschreibung des Außenlagers und einen gezeichneten Lageplan der Häftlingsbaracken, die sich einige Kilometer außerhalb des Schlosses befanden, nämlich am Rande des Dorfes Aufhausen.)

Organisation

Wie aus Dokumenten des Archives der KZ-Gedenkstätte Dachau hervorgeht, waren damals zwei Außenkommandos im Schloss Fischhorn eingerichtet. Zum einen das Kommando Zentralbauleitung der Waffen-SS der SS-WVHA Amtsgruppe C (Bauwesen). Zum anderen das Kommando SS-Remonteamt, im Auftrag des Reichskriegsministeriums zuständig für die Ergänzung des Pferdebestandes für das deutsche Heer. Beide Kommandos wurden am 6. September 1944 installiert und existierten bis zur Befreiung im Mai 1945.

Schloss Fischhorn in der NS-Zeit

Das Schloss zählte zu Kriegsbeginn zusammen mit der dazugehörigen Landwirtschaft zum Eigentum des ehemaligen deutschen Botschafters in Peru, Heinrich Gildemeister. 1943 wurde der Besitz enteignet und von der SS beschlagnahmt. Nachfolgend etablierten sich der Stab einer SS-Division und das SS-Remonteamt im Schloss. Der ehemalige Häftling Franc Mlinaric spricht von etwa 50 SS-Leuten, die im Schloss untergebracht waren.

Gegen Ende des Krieges wurde hier auch wertvolle Kunst-Gegenstände, die aus dem NS-Kunstraub in Polen stammten, deponiert, darunter das Kreuz aus Limoges.

Das SS-Kommando auf Schloss Fischhorn

Erster Kommandoführer der SS im Schloss Fischhorn war Hans Hahn, damals 50 Jahre alt, seit 1939 in den KZ Flossenbürg und Dachau als Wachmann beschäftigt. Aufgrund von Rivalitäten verlor er dieses Kommando – es war sein erstes und letztes – am 10. Februar 1945 an Oberscharführer Hermann Rostek, zuvor Kommandoführer in Radolfzell. Seine Untergebenen, die SS-Wachleute, deren genaue Anzahl nicht mehr eruierbar ist, setzten sich vor allem aus Volksdeutschen zusammen. Sie sind den Häftlingen als zumeist jüngere, etwa 20 Jahre alte „Bessarabiendeutsche“ aus Rumänien in Erinnerung.

Personell und räumlich ist eine Unterteilung der beiden Kommandos nicht mehr nachvollziehbar. In den Abrechnungsdokumenten wird die Unterteilung in das Kommando Zentralbauleitung einerseits und das SS-Remonteamt andererseits durch unterschiedliche Rechnungsadressen deutlich.

Im Dachauer KZ-Außenlager Fischhorn waren zumeist rund 150 männliche Häftlinge eingesetzt. Lediglich in den letzten Wochen vor der Befreiung wurde die Anzahl der Häftlinge auf die Hälfte reduziert. Nach Nationalitäten überwogen Häftlinge aus der Sowjetunion, gefolgt von Franzosen, Polen und Italienern. Ein erster Transport von 50 Häftlingen erfolgte nachweislich am 9. September 1944, der zweite Transport fand am 18. September 1944 statt und brachte weitere 100 Häftlinge in das Außenlager. Das Alter der Zwangsarbeiter betrug zwischen 18 und 35 Jahre. Als Kapo fungierte mit großer Wahrscheinlichkeit der damals 44-jährige Sicherungsverwahrte Karl Herkert aus Hamburg.

Einsatz und Einsatzbedingungen der Häftlinge

Die Häftlinge wurden zum Bau der Pferdeställe für das SS-Remonteamt eingesetzt und waren auch in kleinen Arbeitskommandos in der gutseigenen Landwirtschaft tätig. Der Häftling Mlinaric arbeitete im sog. „Sandkommando“. Dieses bestand aus acht Häftlingen, die aus einem etwa 300 m entfernten Bach – möglicherweise ist hier die nahe gelegene Salzach gemeint – unter unzulänglichen Bedingungen Baumaterial ergraben mussten. Dabei standen die Häftlinge im Wasser, obwohl sie nur Leinwandschuhe zur Verfügung hatten. Ein anderes Kommando errichtete in Zell am See große Hallen, die für eine Schule gedacht waren, dann aber als Lagerhallen Verwendung gefunden haben. Dieses Kommando war im Dachboden des Wirtschaftsbetriebes von Schloss Fischhorn untergebracht.

Unterbringung der Häftlinge

Nach Häftlingsaussagen bestanden die Lagerbaracken aus einfach zusammen gefügten Holzwänden, sodass durch die Spalten ständig Zugluft zu verspüren war. In den Baracken, deren Böden uneben waren, war es auch sehr kalt. Die Beheizung erfolgte durch einen einzigen Ofen pro Baracke, die etwa 20 Meter Gesamtlänge aufwies. Die Waschgelegenheit bestand aus einer Pferdetränke. Die überdachte Latrine befand sich außerhalb der Häftlingsbaracken. Diese Missstände wurden auch durch den Vierteljahresbericht des SS-Lagerarztes vom 27. März 1945 bestätigt, der dem Außenlager Fischhorn einen „primitiven Zustand“ attestiert. Es fehle an einer „entsprechenden Unterkunft“, die Abortanlagen seien unzureichend und unhygienisch und der Küchenbetrieb unsauber. Der ehemalige Häftling Mlinaric gibt in seiner Aussage an, dass für die Häftlinge keine Ambulanz zur medizinischen Versorgung zur Verfügung gestanden habe.

Die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen führten rasch zu Gewichtsreduktion, zu zahlreichen Erkrankungen und allmählicher physischer Erschöpfung der Häftlinge. Unterernährung, Läusebefall, mangelnde medizinische Betreuung bei Erkrankung und nach Verletzungen führten bereits nach 20 Tagen im Außenlager Fischhorn zur Rückführung von 15 Häftlingen in das Stammlager Dachau. Sie wurden am 30. September 1944 durch die gleiche Anzahl an neuen Häftlingen aus Dachau - alle im Alter zwischen 18 und 24 Jahren – ersetzt. Drei der Rückgeführten verstarben bald darauf in Dachau. Ein weiterer Häftlingsaustausch mit je 15 männlichen Gefangenen hat ebenfalls noch im Herbst 1944 statt gefunden. Diese neuen Häftlinge kamen aus dem Außenlager Innsbruck-Neustift zusammen mit ihrer Wachmannschaft nach Fischhorn.

Ein Häftling soll aufgrund der Lagerbedingungen in Fischhorn gestorben sein. Gezielte Tötungen wurden nicht beobachtet, sodass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen eingestellt wurden. Dennoch ist anzumerken, dass im Außenlager Fischhorn unter den österreichischen Außenlagern Dachaus neben dem Außenlager Uttendorf-Weißsee die schlechtesten Lebensbedingungen herrschten.

Erwähnenswertes

Fünf der ehemaligen Häftlinge konnten nach 1969 anlässlich der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch persönlich befragt werden.

Neben den KZ-Häftlingen wurden auch junge Frauen aus Bruck an der Großglocknerstraße nicht ganz freiwillig für Arbeiten im Schloss eingesetzt, sowie ausländische Zivilarbeiterinnen zur Haus- und Gartenarbeit zwangsverpflichtet.

Die im Schloss residierenden SS-Angehörigen waren direkt oder indirekt auch an Übergriffen auf kirchliches Eigentum beteiligt. Jedenfalls wurde ein Bild aus der Jakobskapelle bei der Burg Kaprun, die in der NS-Zeit mehrfach mutwillig überfallen, zerstört und geplündert worden war, nach Kriegsende auf Schloss Fischhorn entdeckt.

Nachwort

Im Juli 1945 wurden Schloss und Gutsbesitz Fischhorn dem rechtmäßigen Eigentümer zurück erstattet und sind heute im Besitz seiner Erben. Zwischen dem Abzug der SS und der Rückübernahme durch die Besitzerfamilie fanden Plünderungen des Schlossinventars durch im Umfeld des Schlosses lebende Personen statt.

Im Bewusstsein der Menschen der Region ist das KZ-Außenlager Fischhorn noch weniger verankert als andere Außenlager. Auch in Berichten von Regionalzeitungen, in denen KZ-Außenlager und NS-Terror thematisiert wurden, kam das KZ-Außenlager Fischhorn nicht vor. Selbst in der im Jahr 2004 im Verlag Böhlau erschienenen Fachpublikation „Arbeiter für den Endsieg“, Zwangsarbeit im Reichsgau Salzburg 1939 – 1945, wird im Kapitel „Nebenlager des KZ Dachau“, S. 209 bis 221, das KZ-Außenlager Fischhorn nicht erwähnt. (St. Gilgen, Pabenschwandt in der Gemeinde Plainfeld, Hallein und Weißsee in Uttendorf werden darin als KZ-Außenlagerstandorte beschrieben und es entsteht somit der Eindruck einer vollständigen Aufzählung, was das Gebiet des Bundeslandes Salzburgs betrifft.)

Quellen

  • Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German occupied Territories, Sept. 1st, 1939 – May 8th, 1945, Band K-15, 20-3210 (Vol.) II: Hier scheint unter Fischhorn/Bruck im Pinzgau, Kreis Zell am See, US-Zone, N(oder X)48/E 86 folgende Eintragung auf: CC Kdo. of Dachau. First mentioned on 6.9.1944, aprox. 150 pris. were working on construction of SS-Remonteamt Fischhorn. Last mentioned on 22.4.45 (Dachau Files).
  • Knoll, Albert, "Der Ort des Terrors", Band 2, Metropol-Verlag, Berlin 2005
  • Effenberger, Max, Brucker Heimatbuch. Aufzeichnungen zum Erinnern, Nachdenken und zum gegenseitigen Verstehen. Herausgegeben von der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße, oJ [1983].
  • Salzburgwikiartikel KZ-Nebenlager im Pinzgau
  • Nöbauer, Christina, Mauthausen und Dachau im Salzburger Pinzgau. Drei Beispiele zur Heimatgeschichte „im Spiegel der Ortschronik“, in Pöllinger Briefe Nr. 45/1995, „Lauf der Geschichte“, HG arge region kultur, Horn
  • Dohle, Oskar / Slupetzky, Nicole, Arbeiter für den Endsieg. Zwangsarbeit im Reichsgau Salzburg 1939 – 1945, Verlag Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2004
  • Pfarrchronik Kaprun