KZ-Nebenlager im Pinzgau

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Schloss Mittersill
Karte
Uttendorf, Weißsee
Erinnerung an das Nebenlager von Dachau in Uttendorf, Weißsee
Rechts im Bild Schloss Fischhorn vor Naturschutzgebiet Zeller See und dem noch zugefrorenen Zeller See. Im Bildhintergrund das Steinerne Meer

Es gab mehrere KZ-Nebenlager im Pinzgau.

Allgemeines

Konzentrationsstammlager wie Dachau und Mauthausen führten im NS-Reichsgebiet zahlreiche Nebenlager. Im Pinzgau, dem damaligen Landkreis Zell am See, existierten ein Nebenlager von Mauthausen und zwei von Dachau. Gründung und Auflösung dieser drei Nebenlager sind nicht genau eruierbar. Die Existenz dieser Nebenlager wurde lange Zeit weitgehend verdrängt.

KZ-Nebenlager Schloss Mittersill

Im 1938 arisierten Schloss Mittersill wurde im Jahr 1943 unter der Patronanz der SS das Sven-Hedin-Forschungszentrum für Innerasienforschung, mit Schwerpunkt Tibet, errichtet und betrieben. Unter der Leitung von SS-Hauptsturmführer Dr. Ernst Schäfer, ein Schüler Sven Hedins, waren etwa 20 Wissenschaftler tätig, unter ihnen der Botaniker Dr. Volkmar Vareschi aus Innsbruck und der Anthropologe Dr. Trojan. Nach Augenzeugenberichten sollen im Rahmen dieses Projektes zahlreiche wertvolle Gegenstände aus Tibet vor Ort gewsesen sein - wohl NS-Beutegut -, die nach Kriegsende spurlos verschwanden. Für Reinigungs- und für allgemeine Arbeiten wurden 15 weibliche Häftlinge aus dem KZ-Mauthausen eingesetzt. Die Unterbringung der Häftlinge soll vergleichsweise human gewesen sein. Die Auflösung des Lagers erfolgte am 8. Mai 1945.

KZ-Nebenlager Schloss Fischhorn in Bruck an der Großglocknerstraße

Hauptartikel: KZ-Außenlager Fischhorn

Im KZ-Außenlager Fischhorn im damals beschlagnahmten Schloss Fischhorn waren von 1944 bis einige Wochen vor der Befreiung 150 Häftlinge eingesetzt. Kurz vor der Befreiung reduzierte man die Häftlingszahl auf die Hälfte. Auch wurden junge Frauen aus Bruck an der Großglocknerstraße, sowie ausländische Zivilarbeiterinnen zur Haus- und Gartenarbeit zwangsverpflichtet. Es befanden sich zu dieser Zeit zwei SS-Kommandos im Schloss. Die Waffen-SS mit dem SS-Remonteamt (Aufgabe: Ergänzung des militärischen Pferdebestandes durch Jungpferde) und ein Baukommando. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Häftlinge werden im oben erwähnten Artikel näher beschrieben. Die im Schloss residierenden Parteiorganisationen waren direkt oder indirekt auch an Übergriffen auf kirchliches Eigentum beteiligt. Zumindest fand sich zu Kriegsende ein Bild aus der Jakobskapelle bei der Burg Kaprun, die in der NS-Zeit mehrfach überfallen, teilweise zerstört und geplündert worden war, im Schloss Fischhorn.

KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee

Hauptartikel: KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee

Während des Kraftwerkbaues in der NS-Zeit kamen am Weißsee zumindest zwischen dem 26. August 1944 (erste Erwähnung) und dem 3. Dezember 1944 (Schließung des Lagers) zahlreiche KZ-Häftlinge zum Einsatz. Das im Besitz der Deutschen Reichsbahn befindliche Lager Uttendorf-Weißsee war ein eigenständiges Nebenlager des Stammlagers Dachau. Die durchschnittliche Belagszahl wird mit 450 Mann angegeben. Die Häftlinge verfügten auf dieser Hochgebirgsbaustelle mit Meter hohen Schneelagen nur über die „dünne Kluft“ wie in Dachau (Peter Fritz). Die meisten hatten - ebenfalls laut Peter Fritz, ehemaliger Dachauer KZ-Häftling, eingesetzt im Nebenlager Uttendorf-Weißsee - „sog. Fluchtpunkte aus rotem Stoff an besonders prägnanten Körperstellen – etwa Brust und Rücken – aufgenäht. Zielscheiben auch für die schlechteren Schützen unter den SS-Schergen.“ Die Lebensbedingungen waren entsprechend und es ist von einer unbekannten Anzahl von Opfern, bedingt durch unzureichende Ernährung, Kleidung, Unterbringung, Unfälle und entsprechender Behandlung durch das Wachpersonal auszugehen.

Quellen

  • BEGDV 6 Anlage zu § 1 Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG, http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/begdv_6/anlage_6.html
  • Mittersill in Geschichte und Gegenwart, HG. Marktgemeinde Mittersill, 1985
  • Brucker Heimatbuch, Maximilian Effenberger, Hg. Gemeinde Bruck a.d. Glocknerstraße
  • Nyvelt, Grete: Kaprun einst und jetzt. Gemeinde Kaprun 1960, S. 97.
  • Pfarrchronik Kaprun
  • Josef Lahnsteiner Oberpinzgau von Krimml bis Kaprun. Eine Sammlung geschichtlicher, kunsthistorischer und heimatkundlicher Notizen für die Freunde der Heimat., Hollersbach, Salzburg, Selbstverlag 1956
  • Stationen meines Lebens, Heinrich Fritz, Globus Verlag, Wien 1990
  • Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation, Hg. Dokumentationsarchiv des Österr. Widerstandes. Österr. Bundesverlag, Wien, Universitätsverlag Anton Pustet, Salzburg 1991
  • Pöllinger Briefe 45/95, „Mauthausen und Dachau im Salzburger Pinzgau“, Christina Nöbauer
  • „Arbeiter für den Endsieg – Zwangsarbeit zwischen 1938-1945“, Slupetzky Nicole, Artikel im Internet
  • Alois Nußbaumer, "Fremdarbeiter" im Pinzgau, Zwangsarbeit - Lebensgeschichten, Edition Tandem, Salzburg 2011