Konrad Steindl

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Konrad Steindl (* 3. September 1955 in Hof bei Salzburg) ist ein ehemaliger Salzburger Unternehmer und Politiker, insbesondere ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat und Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg.

Leben

Ausbildung und Beruf

Nach Volks- und Hauptschule absolvierte Steindl eine dreijährige Ausbildung zum Bilanzbuchhalter und Steuersachbearbeiter. Von 1974 bis 1978 war er als Bilanzbuchhalter in der Steuerberatungskanzlei Antosch beschäftigt.

Er war ab 1978 Leiter des Rechnungswesens im Autohaus Neuhofer und von 1980 bis 1984 dessen Geschäftsführer. 1984 gründete er die Steindl-Mayr OHG, kaufte den Mercedes-Betrieb in Kuchl-Garnei, 1988 folgte die Mehrheitsbeteiligung am Autohaus Fisslthaler in Oberndorf, wo Steindl die Geschäftsführung übernahm. Einige Jahre später kaufte er das Autohaus Scheidinger in Salzburg; dieses verpachtete er im Jahr 2016. Aus der Steindl-Mayr OHG zog er sich mit seinem Übertritt in den Ruhestand am 1. Mai 2019 zurück.

Politik

Konrad Steindl war von 1994 bis 1997 Gemeinderat in Plainfeld und von 1997 bis 2004 Vizebürgermeister der Flachgauer Gemeinde. Er ist seit 1997 Gemeindeparteiobmann, seit 1995 Bezirksparteiobmann-Stellvertreter der ÖVP Flachgau und seit 1998 Vorstandsmitglied des Salzburger Wirtschaftsbundes.

Vom 20. Dezember 2002 bis zum Oktober 2013 gehörte Steindl dem Nationalrat an.

Auch in der Wirtschaftskammerorganisation war er aktiv: Im Jahr 2003 wurde er in der Wirtschaftskammer Salzburg zum Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, 2007 zum in der Wirtschaftskammer Österreich zum stellvertretender Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk gewählt. Seit 1989 war er im Innungsausschuss der KFZ-Mechaniker tätig, seit 1996 Landesinnungsmeister-Stellvertreter. Am 3. Dezember 2013 wurde er zum Präsidenten der Wirtschaftskammer Salzburg gewählt. Dieses Amt übergab er im April 2019 seinem Nachfolger.

Privates

Konrad Steindl ist seit 1978 verheiratet und hat zwei Kinder.

Vorgestellt

Auf leisen Sohlen an die Spitze

Aufstieg. Konrad Steindl hat am Dienstag Julius Schmalz als Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS) abgelöst. Als besonders laut oder polternd ist er noch nie aufgefallen – dafür als Experte für diffizile Fragen.

Im Nationalrat galt er als Tüftler, der selbst für die kniffligsten Steuerfragen Lösungen findet. Seit Dienstag hat Konrad Steindl aus Plainfeld eine andere Rolle in der Salzburger Politik: Der ÖVP-Wirtschaftsbundobmann wurde vom Wirtschaftsparlament zum neuen WKS-Präsidenten gekürt und damit zum Nachfolger des seit 1. Oktober 2004 amtierenden Tamswegers Julius Schmalz.

Beim Medientermin kurz vor seiner Kür forderte der 58-jährige Steindl eine Neuausrichtung der Sozialpartnerschaft, „denn wir haben uns mit ÖGB und AK etwas auseinandergelebt“. Weiters sprach er sich für einen Sanierungsbonus aus: Wer Aufträge bis zu 6000 Euro an regionale Handwerksbetriebe vergebe, solle dafür vom Staat 20 Prozent Rückerstattung erhalten. „Angriffe auf den Individualverkehr“ lehnt Steindl hingegen ab – und meinte damit das geplante Tempo 80 auf der Stadtautobahn ebenso wie Ideen in Richtung Citymaut oder Lkw-Maut auf Landes- und Bundesstraßen. Außerdem befürchtet er durch Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rösslers (Grüne) striktere Vorgaben in der Raumordnung „eine künstliche Verknappung“ von Grund und Boden, die der Wirtschaft schade. Beim Reizthema Flughafen hofft der Präsident noch auf „unsere Netzwerke bis Berlin“, die die geplanten Beschränkungen aufweichen sollten. Außerdem forderte er den Lückenschluss bei der geplanten 380-kV-Stromleitung.

Blickt man in Steindls Biografie, so war ihm der Weg an die Kammerspitze nicht vorgezeichnet: Er wurde 1955 in Hof als uneheliches Kind geboren, seine Mutter starb, als er noch keine fünf Jahre alt war. Daher wuchs er bei seinen Großeltern in Plainfeld auf: „Da musste ich schon als Zwölfjähriger oft im Krämerladen aushelfen.“ Nach einer Ausbildung zum Bilanzbuchhalter und Steuersachbearbeiter begann Steindl im Autohandel. 1984 gründete er die Steindl-Mayr OHG, mit der er heute drei Autohäuser in Kuchl, Oberndorf und Salzburg mit zusammen 60 Mitarbeitern führt. Seit 1992 hat er Funktionen in der Kammer, parallel dazu war er bis 2004 Vizebürgermeister von Plainfeld. Von 2002 bis heuer im Oktober war der verheiratete Vater von zwei Töchtern Mandatar im Nationalrat und leitete dort zuletzt den Wirtschaftsausschuss.

Was sagen andere über Konrad Steindl? „Er ist kein Lauter, sondern ein Kluger. Kein Springinsfeld, sondern ein Überlegender“, sagt etwa der ehemalige Zweite Landtagspräsident Wolfgang Saliger (ÖVP) aus Plainfeld. Und der Wirtschaftssprecher der Bundes-SPÖ, Christoph Matznetter, sagt: „Mir tut es leid, dass er nicht mehr im Parlament ist. Er war einer, der sachorientiert und nicht mit parteipolitischen Scheuklappen agiert hat.“

Wie wird es Steindl damit gehen, dass künftig Repräsentation eine seiner Hauptaufgaben sein wird? „Das wird sicher ein Rollenwechsel für mich.“ Christoph Matznetter beurteilt Steindls „eher bescheidene, zurückhaltenden Art“ sogar als Vorteil. „Seine Chance ist, dass er auf leisen Sohlen konsequent Erfolge für seine Mitglieder einheimst.“

Quellen

Zeitfolge