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Tempo 80

Flexibles Tempolimit auf A1 wirkt (Land Salzburg), 2 min Video
Messwerte 2015
Die Schaltzeiten des Tempos 80 im Jahr 2015

Tempo 80 km/h wurde zum emotionellsten Thema des Jahres 2013 im Bundesland Salzburg und im Frühjahr 2015 umgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Umweltreferentin Astrid Rössler wollte ab Jänner 2014 auf der Stadtautobahn in Salzburg Tempo 80 km/h anordnen - trotz einer außergewöhnlichen Welle des Protests wie die Protestseite "Gegen Tempo 80 auf der sechsspurigen Autobahn" im Netzwerk Facebook, die binnen weniger Tage rund 30 000 Unterstützungserklärungen erhalten hatte. Dies kommentierte Astrid Rössler gegenüber den Salzburger Nachrichten mit "Ich sehe derzeit keinen Grund, das nicht umzusetzen. Es gibt den Konsens der Landesregierung, ich habe den Auftrag dazu." und argumentiert, dass die Rahmenbedingungen es Autofahrern sehr einfach machen würden "Die Leichtigkeit, mit dem Auto überall flott und schnell hinzukommen - die Berechtigung dazu muss man infrage stellen.". Bereits Ende 2012 hatten SPÖ, ÖVP und Grüne im Landtag gemeinsam beschlossen, die 80-km/h-Zone prüfen zu lassen. Dann ging das Thema in den Wirren des Finanzskandals des Landes Salzburg unter.

Bei der geplanten Strecke handelt es sich um einen zehn Kilometer langen Abschnitt. Die Zeitdifferenz zwischen 80 und 100 km/h für diese zehn Kilometer beträgt für die Autofahrer nicht einmal zwei Minuten.

Fast 90 000 Fahrzeuge fuhren laut einer Verkehrszählung des Landes 2010 Tag für Tag auf der Salzburger Stadtautobahn durch den Stadtteil Liefering. Im Oktober 2013 wurde bereits einmal ein Monatsmittelwert von 107 000 Fahrzeugen erreicht[1].

Nach langen, teilweise sehr emotionalen Debatten, wurde diese Geschwindigkeitsbeschränkung bei schlechter Luftqualität im Frühjahr 2015 umgesetzt.

Herbst 2015: Rückblick auf vier Monate Tempo 80

Flexibles Tempolimit auf der Westautobahn wirkt

Rössler zu Zwischenbericht im September 2015: Starker Rückgang der Stickstoffoxidemissionen belegt eindeutig positiven Effekt

Im Bereich der Salzburger Stadtautobahn wurde und wird der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid deutlich überschritten. Da dieser Grenzwert vor allem zum Schutz der menschlichen Gesundheit definiert wurde, ist gemäß dem Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) das Land verpflichtet, Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte zu setzen. Diese Verpflichtung ist auch einklagbar. Die Landesregierung hat im März 2015 ein flexibles Tempolimit auf einem Teilstück der Westautobahn (A 1) als eine von vielen Maßnahmen für eine bessere Luftqualität verordnet. Ein Zwischenbericht für den Zeitraum zwischen Mai und September ergab nun einen sehr starken Rückgang der Stickstoffkonzentrationen.

Eine Evaluierung des im Jahr 2014 durchgeführten dreimonatigen Probebetriebs mit Tempo 80 ergab eine Reduktion bei den Stickstoffoxiden von rund sechs bis sieben Prozent, was einer Gesamtsperre der Autobahn von knapp einem Monat entspricht. Bei der aktuellen Auswertung wurden die Schadstoffkonzentrationen an der Luftgütemessstelle "Salzburg A 1" während der Sommermonate der Jahre 2014 und 2015 verglichen. In den beiden betrachteten Zeiträumen gab es an der Salzburger Stadtautobahn im Jahr 2014 ein Tempolimit von 100 km/h bzw. im Jahr 2015 den immissionsgesteuerten flexiblen 80er. Da die beiden betrachteten Zeiträume meteorologisch nicht ganz vergleichbar sind (der Sommer 2015 war außergewöhnlich heiß) wurden zusätzlich die Messwerte der autobahnnahen Messstelle "Hallein A 10" (Tauernautobahn) herangezogen. Die für Luftschadstoffe günstigere Meteorologie des Sommers 2015 sollte sich dabei auf beide autobahnnahen Messstellen, die im Salzburger Zentralraum liegen, in etwa gleichermaßen positiv ausgewirkt haben.

Die Stickstoffoxidkonzentrationen sind deutlich gesunken

Die Stickstoffoxidkonzentrationen sind zwischen 20. Mai und 13. September 2015 an beiden autobahnnahen Standorten deutlich gesunken. An der A 10 (Hallein) um elf Prozent, an der A 1 um 24,7 Prozent. "Der Rückgang von elf Prozent an der Messstelle Hallein A10 ist einerseits durch den außergewöhnlichen Sommer des Jahres 2015 meteorologisch zu erklären, andererseits sind auch die Emissionen aus dem Straßenverkehr durch verbesserte Motorentechnik insbesondere beim Schwerverkehr zurückgegangen", interpretierte Dipl.-Ing. Alexander Kranabetter vom Referat Immissionsschutz die Ergebnisse. Da sich beide autobahnnahen Messstellen in einem lufthygienisch zusammenhängenden Raum befinden, wäre daher auch ein ähnlich hoher Rückgang bei den Stickstoffoxiden an der zweiten autobahnnahen Messstelle "Salzburg A 1" zu erwarten gewesen.

Der Rückgang der Stickstoffoxidkonzentrationen an der Messstelle "Salzburg A 1" ist aber mit minus 24,7 Prozent deutlich höher ausgefallen als an der Halleiner Messstelle. "Ein Teil der Differenz von gut 13 Prozent ist durch den stärkeren Verkehrszuwachs an der Tauernautobahn gegenüber der Westautobahn zu erklären (Pkw: A 10 plus 4,4 Prozent, A 1 plus 2,6 Prozent). Der Großteil des stärkeren Rückgangs der Stickstoffoxid-Belastung an der Westautobahn, etwa neun bis zehn Prozent, ist auf die Einführung der flexiblen Geschwindigkeitsbeschränkung zurückzuführen", analysierte Kranabetter.

Da das flexible Tempolimit wegen des anhaltend stark überhöhten Jahresmittelwertes bei Stickstoffdioxid an der Salzburger Stadtautobahn erlassen wurde, wird es nach Ablauf eines Betriebsjahres, also im Frühjahr 2016, eine detaillierte Auswertung geben.

Erläuterung der Grafiken zu Schaltzeiten

zum PDF Datei:Tempo 80 Funktionsweise VBA.pdf

In Grafik 1 ist die Entwicklung der IG-L-Schaltzeiten der Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) an der A 1 dargestellt. Sie zeigt die Schaltzeiten aufgrund der Berechnung des IG-L Algorithmus für den gesamten Streckenabschnitt. Baustellenbedingte Geschwindigkeitsbeschränkungen oder andere Tempolimits (z. B. Staumanagement), die sich nur auf ein kurzes Teilstück der Autobahn beschränken können, wurden dabei nicht berücksichtigt.

Grafik 2 zeigt den mittleren Tagesgang der Schaltzeiten. Die Häufigkeit von Tempo 80 war am Morgen um 08:00 Uhr mit 80 Prozent am größten, die zweite Spitze am Abend erreichte nur noch rund 50 Prozent (um 20:00 Uhr). Am Morgen von 01:00 bis 04:00 Uhr war Tempo 80 mit weniger als fünf Prozent Häufigkeit am seltensten.

Im Wochenverlauf weisen die Wochenenden am wenigsten Tempo-80-Schaltungen auf. Werktags gibt es starke Schwankungen in der Häufigkeit zwischen 34 und 51 Prozent, da der betrachtete Zeitraum noch relativ kurz ist.

Noch kein Fortschritt bei Stickstoffoxid-Emissionen durch moderne Diesel-Pkw

Im Gegensatz zu den Partikelemissionen, die beim Diesel-Pkw durch den Einbau von Partikelfiltern drastisch reduziert werden konnten, gab es beim Ausstoß von Stickstoffoxiden seit 20 Jahren kaum einen Fortschritt. Im Gegenteil, Diesel-Pkw der Euro-Klasse 5 emittieren im realen Fahrbetrieb mehr Stickoxide und vor allem viel mehr vom problematischeren Stickstoffdioxid als 20 Jahre alte Dieselfahrzeuge.

Seit dem 1. September ist die Euro-6-Norm generell für alle neuzugelassenen Pkw verbindlich. Diesel-Pkw werden dabei mit einer speziellen Stickoxid-Abgasnachbehandlung (Speicherkat oder SCR-System) ausgestattet. Diese Fahrzeuge halten zwar auf dem Prüfstand unter Laborbedingungen die geforderten Werte ein, im realen Fahrverhalten emittieren sie aber immer noch viel zu viel Stickstoffoxide (im Schnitt 700 Prozent über dem vorgeschriebenen Grenzwert). Dies belegen auch Studien zu realen Emissionen moderner Diesel-Pkw (ICCT, 2014) und zum Abgasproblem beim Diesel-Pkw (T&E, 2015).

Das Problem dabei ist der immer noch geltende EU-Abgastest aus den 1980er Jahren, der in keiner Weise das reale Fahrverhalten widerspiegelt. Die EU hat reagiert und hat für 2017 eine neue Abgasnorm angekündigt, der ein realitätsnaher Testzyklus zugrunde liegen soll. Bei modernen Lkw hingegen hat sich die Stickstoffoxid-Abgasnachbehandlung bewährt. Hier liegen die Stickstoffoxid-Emissionen im Bereich der vorgegebenen Grenzwerte.

Wie die Verkehrsbeeinflussungsanlage funktioniert

Da die Funktionsweise der Radarüberwachung im Zusammenspiel mit der Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) der Asfinag, also den elektronischen Überkopfanzeigern, immer wieder zu Fragen von Autofahrerinnen und Autofahrern geführt hat, hat die Umweltabteilung mit der Asfinag einen Folder erstellt, der häufig gestellte Fragen beantwortet. Der Folder kann auf der Landes-Website heruntergeladen werden.

Insbesondere die Anzeige von Geschwindigkeitsbeschränkungen, die niedriger als Tempo 80, etwa Tempo 60 wegen Stau, Nässe oder Baustellen, sind, hat bisweilen zu Missverständnissen geführt. Denn diese werden nicht nach der IG-L-Verordnung, sondern nach der Straßenverkehrsordnung aus Sicherheitsgründen geschaltet.

Chronologie

2013: Keine Rechtsgrundlage für Tempo 80?

Am 20. November 2013 konnte man in den Salzburger Nachrichten lesen, dass das Aus für Tempo 80 naht. Jedenfalls behaupteten dies die Tempo-80-Gegner. Nachdem 20 Personen tagelang das Internet durchforstet und stapelweise Gutachten gelesen hatten, fanden sie heraus, dass sogar für den Testbetrieb die rechtliche Grundlage fehle.

Die Tempo-80-Gegner um Anwalt Peter Harlander und Journalist Ferdinand Wegscheider präsentierten unter "gt80.at"[2] Fakten, die den Tempo-80-Vorschlag negieren sollen. Konkret sollen die Zahlen belegen, dass Stop-and-go-Verkehr [im Stadtgebiet selbst] doppelt so viel Stickoxide (NOx) verursacht wie Tempo 100, erklärten Harlander und Wegscheider auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am 20. November. "Verursacher der Stickoxide ist der Stop-and-go-Verkehr auf Stadtstraßen und nicht die Autobahn."

Die Umweltabteilung des Landes verschweige in diesem Zusammenhang wesentliche Daten. In Computermodellen sollen nicht alle Messergebnisse berücksichtigt worden sein, sondern nur jene Messstellen, wo es Überschreitungen gab. Die Autobahn um Hagenau soll etwa nur vier Monate gemessen und schließlich hochgerechnet worden sein. Hätte man über das ganze Jahr hinweg gemessen, seien die Werte viel niedriger. "Die Luft ist viel besser als gedacht. Wir brauchen Tempo 80 nicht", wurde öffentlichkeitswirksam ergänzt. Besonders spannend: Die EU-Grenzwerte werden nur an einem einzigen Messpunkt überschritten, deshalb gebe es keine Rechtsgrundlage für einen Tempo-80-Probebetrieb.

Rössler wehrt sich gegen Vorwürfe

Noch am Tag der Pressekonferenz der 80-km/h-Gegner meldete sich Astrid Rössler zu Wort wehrte sich gegen die Vorwürfe von Peter Harlander und den weiteren Tempo-80-Gegnern: "Die Ausbreitungskarten zeigen eindeutig starke Überschreitungen der Stickstoffdioxid-Grenzwerte an der Stadtautobahn im Norden Salzburgs." Die rechtliche Grundlage für die Einführung der Tempo-80-Begrenzung ist für Rössler gegeben: "Die Messstellen der Landesregierung entsprechen den europarechtlichen Vorgaben und belegen eindeutig, dass es zu Grenzwertüberschreitungen kommt."

Dass bei einzelnen Messstellen in Autobahnnähe bei Stickstoffdioxid die Grenzwerte nicht erreicht werden, sei auf meteorologische und standortspezifische Gegebenheiten - etwa starke Windströmungen in Salzach-Nähe - zurückzuführen. "Am Plainwiesenweg, wo häufiger Westwind herrscht und wo der Passivsammler tiefer als die Autobahn gelegen ist, treten geringere Schadstoffkonzentrationen auf. Am Eichpointweg südlich der Autobahn gibt es dagegen sehr hohe Überschreitungen", erläuterte die Grünen-Politikerin.

Rössler auf Informationstour

Anfangs war es emotional und untergriffig, doch nach etwa einer Stunde beruhigten sich die Gemüter bei der ersten von fünf Bürgerdiskussionen zu Tempo 80 auf der Stadtautobahn, die am 20. November 2013 beim Lieferinger Gasthof Hartlwirt stattgefunden hatte.

Rössler argumentierte mit dem Gesundheitsschutz. Das Tempolimit sei ein viel geringerer Eingriff als andere im Gesetz vorgesehene Alternativen wie zeitlich beschränkte Fahrverbote oder Fahrverbote für Fahrzeuge mit höheren Emissionen. Zwischendurch gab es verbale Gefechte zwischen Mitgliedern der Plattform "Gegen Tempo 80" und jenen der Bürgerinitiative Liefering, die das Tempolimit begrüßten. Nur in einem Punkt waren sich beide Gruppen einig: "Wer sich nicht ans Tempolimit hält, soll mehr kontrolliert und bestraft werden."

Verkehrsplattform befürwortet Tempo 80

Für die Salzburger Verkehrsplattform ist die geplante dreimonatige Testphase von "Tempo 80" auf der Stadtautobahn, ein erster Schritt in Richtung mehr Lebensqualität für die Bevölkerung[3].

Skurrile Ansicht des Salzburger Bürgermeisters

Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) stellte am 3. Dezember klar, das die Landeshauptstadt als Bezirksbehörde keine Strafen gegen Schnellfahrer im geplanten 80er-Bereich der Stadtautobahn verhängen werde. Schaden, erklärter Gegner von LH-Stv. Rössler, will die Strafen von Verkehrssündern, die auf 20.000 Euro pro Tag geschätzt werden, von der Stadt nicht einheben lassen. Das sei verwaltungstechnischer Wahnsinn, so Schaden, der sein Strafamt doch nicht auf Zuruf mit fünf Posten für gerade mal drei Monate aufstocken will. Und überhaupt, er will dieses Abzockergeld gar nicht haben. Nach derzeitigem Wissensstand wäre mit circa 400 Strafverfahren pro Tag zu rechnen. Daraus ergebe sich ein zusätzlicher Personalaufwand von fünf Mitarbeitern, für die auch eine entsprechende Raumvorsorge zu treffen wäre, erläuterte Schaden. Hinzu komme eine Anbindung an die EDV des Innenministeriums[4].

Zur Erklärung des Wortes "abzocken", das der Bürgermeister in diesem Zusammenhang wohl fälschlicherweise verwendet hatte: jemandem etwas mit List und Hinterhältigkeit beziehungsweise in betrügerischer Weise oder überhöhte Preise verlangen[5] - beides scheint jedoch bei einer gesetzlichen Aufgabe nicht zutreffend zu sein.

Stimmen des Volkes

Die sehr emotionell geführten Diskussionen und Beiträge entbehren manchmal aber auch jeder Sachlichkeit. Hier einige Zitate (fb = facebook "Gegen Tempo 80 auf der sechsspurigen Autobahn", SN = bei online-Artikeln geführte Diskussionen, SW = Umfrage der Lungauer Nachrichten, Ausgabe 7. November 2013)

" Bin für Tempo 30 auf Autobahnen und lückenlose Überwachung, strengste Geldstrafen, bei 45 Enteignung des KFZ. Allein schon zum Schutz der Pensionisten und Schulkinder zwischen Pressbaum und Altlengbach..." (fb)
"Vielleicht möchte die nur Tempo 80 haben weil die Frisur von ihr aus den 80 iger Jahren stammt. Und jetzt wieder über das Volk entscheiden.Wie immer.Der gehört die Staatsbürgerschaft aberkannt und soll nach China abgeschoben werden um mal tief Smog zu inhalieren. Wenn die Grünen den Mund aufmachen kommt nur schlechte Luft raus." (SN)
"Was soll den das für a argument lärmbelästigung der anrainer? Um sonst is der grund neben einer autobahn nicht billig! Zuerst billig kaufen und dann aufregen. Genau wie die neben dem flughafen!" (fb)
"Wir fahren auf der A8 kommend bis einen Kilometer vorm Walserberg 230 km/h und danach wegen den Schadstoffen nur mehr 80 ... Wenn uns die Berechtigung mit Leichtigkeit, mit dem Auto überall flott und schnell hinzukommen genommen wird, müssen wir Autofahrer hinterfragen ob die extrem hohen steuerlichen Kosten überhaupt gerechtfertigt sind. Irgend einen Vorteil muss ich mit dem Auto ja haben ... " (SN)
"Die total vertrottelten Grünen Wollen wahrscheinlich in den nächsten Jahren dann noch eine Radspur auf der Autobahn haben !!! Sorry Leute aber danke der so dämlich war dieses hirnlose Pak zu wählen !!!" (fb)
" Wie verantwortungslos mit dem Wort "Raser" wieder Mal umgegangen wird. Nur weil jemand ein bisschen das Tempolimit auslotet (wird ja nicht jeder 170 gefahren sein), ist er noch lange kein Raser. Würde ja gerne wissen, wann geblitzt wurde, wahrscheinlich zu einer Zeit, als nichts los war. Wäre typisch. Der 100er gehört weg." (fb)
"Tempo 80 für PKW und du wirst wie im IG-L 100er auf der Tauernautobahn von den LKW überholt. Außerdem denke ich, dass viele PKW so ausgelegt sind, dass im höchsten Gang Tempo 100 weniger Schadstoffe produziert als Tempo 80 in einem niedrigeren Gang. Heutige Autos sind doch gar nicht mehr auf so niedriges Tempo ausgelegt. Dass damit die Emissionen sinken, kann ich mir mit klarem Sachverstand nicht erklären, da der Verbrauch der Autos bei diesem Tempo sich nicht wirklich ändert, im gleichen Gang." (SN)
"Dass ist Schikane und bleibt Schikane. Alle sollten die 80 im 3. Gang fahren. Dann werden wir sehen wie sinnlos diese Aktion ist." (SN)
"Endlich einmal haben wir eine Politikerin die nicht beim kleinsten Gegenwind die Richtung wechselt, und um die Zustimmung der Bürger kämpft. Da könnten sich einige Poliker etwas davon abschauen! Weiter so Fr. Rössler!!" (SN)

Weitere Beiträge u.a. bei Salzburger-Nachrichten-Artikel[6].

Peter Rohrmoser, Tamsweg: "Ich bin nicht für Tempo 80 auf der Autobahn,weil das einfach zu langsam ist. Ich bin beruflich viel unterwegs, das würde einfach zu lange dauern. Au0erdem würde man bei Tempo 80 keine Autobahnen mehr brauchen." (SW)
Martin Winkler, Tamsweg: "Da ich beruflich sehr viel unterwegs bin, muss ich schauen, dass ich möglichst schnell von einem Ort zum anderen komme. Deshalb halte ich von Tempo 80 überhaupt nichts, die meisten fahren ohnehin viel schneller." (SW)
Margit Trinker, St. Andrä im Lungau: "Ich halte ehrlich gesagt, nicht viel von Tempo 80 auf der Autobahn, weil ich dann die Frage stelle, zu was wir eine Autobahn haben, zudem es ja sogar auf der Freilandstraße erlaubt ist, Tempo 100 zu fahren." (SW)
Josef Schwaighofer, Niedernsill: "Von Tempo 80 auf der Autobahn halte ich gar nichts, weil ich ein Schnellfahrer bin. Für mich ist Tempo 100 schon die Untergrenze. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Ganze etwas bringen würde." (SW)

Testphase 2014

Die Testphase für Tempo 80 auf der Salzburger Stadtautobahn dürfte Ende Februar 2014 in Kraft treten. Von insgesamt 22 Stellungnahmen zum Verordnungsentwurf waren 15 negativ, darunter sind auch skurrile Einwände. Da habe ein Vater die Beamten schriftlich wissen lassen, dass man Tempo 80 nicht verordnen könne, weil sein Sohn täglich diesen Streckenabschnitt fahren müsse[7].

27 772 Raser geblitzt

In der Testphase wurden 27 772 Raser geblitzt. Täglich langten beim Strafamt Salzburg im Schnitt 343 Anzeigen ein. Ein ausländischer Lenker brachte es sogar auf 196 Stundenkilometer. Aber fast 36 Prozent (9 967 Lenker) werden nicht zur Rechenschaft gezogen und bleiben ungeschoren, weil sie in ihrem Heimatland nicht belangt werden können. Die Anzeigen werden etwa 400.000 Euro an Strafgeldern bringen.

96 Prozent der Geblitzten waren maximal um 30 km/h zu schnell gewesen, 56 Lenker überschritten das Tempolimit um mehr als 50 km/h und müssen ihren Führerschein abgeben.

Ergebnisse der Testphase

Obwohl die erlaubt Höchstgeschwindigkeit 80 km/h, also um 20 Stundenkilometer weniger als im Normalbetrieb, betrug, ging bei den Autos das durchschnittliche Tempo nur um zwölf km/h zurück, beim Schwerverkehr (für den galt schon davor Tempo 80) um sechs Stundenkilometer. Das ist einer der Gründe, weshalb die Reduktion der Schadstoffbelastung nicht die erwarteten 13 Prozent erreicht hat.

Mit dem 80er wurde aber noch ein zweiter positiver Effekt für die Bewohner entlang der Autobahn erzielt: Die Lärmbelastung ging um zwei Dezibel zurück. “Das klingt nicht viel, entspricht aber einem Rückgang des wahrgenommenen Pkw-Verkehrs um 35 Prozent”, erläuterte Günther Lichtblau vom Umweltbundesamt. “Das ist eine ganz massive Entlastung.

Das entspricht einer Vollsperre der Autobahn von 26 Tagen und ist somit ein klarer Erfolg”, so Rössler in dem Informationsgespräch. “Durch keine andere Maßnahme, etwa Lkw-Nachtfahrverbote oder Fahrverbote für bestimmte Lkw-Klassen, können die Luftschadstoffe in diesem Ausmaß gesenkt werden.

Der ÖAMTC hingegen hält die Temporeduzierung für uneignet, um Entlastungen zu bringen. “Tempo 80 ist schon alleine deshalb ein ungeeignetes Mittel zur Reduktion von Stickstoffoxiden, weil es großteils die Falschen trifft”, bringt Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung eine Analyse der Technischen Universität (TU) Wien auf den Punkt. “Benzin-Pkw, die etwa ein Viertel des Verkehrs auf der A1 bei Salzburg ausmachen, sind von Tempo 80 betroffen, obwohl sie praktisch keine Stickoxide ausstoßen. Zudem zeigen die Messwerte, dass zwei Drittel der schädlichen NOx-Emissionen durch den Güterverkehr verursacht werden”, erläutert Wiesinger am Donnerstag. “Drei Viertel davon sind Schwerverkehr – dieser war bereits vor der Probephase auf 80 km/h reglementiert.

Real-Time-Messungen der TU Wien zeigten außerdem, dass bei Diesel-Pkw der Ausstoß von Stickstoffoxiden durch eine Reduktion des Tempos von 100 auf 80 km/h nur um fünf bis zehn Prozent verringert wird. Ernst Pucher vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik: “Bei Pkw besteht unter 100 km/h nur ein geringer Einfluss des Tempos auf den NOx-Ausstoß.” Abgasmessungen im realen Verkehr zeigten außerdem deutlich, dass Fahrzeuge bei konstanter Fahrt auf Autobahnen mit Tempo 100 weitaus weniger Schadstoffe abgeben als bei “Stop and Go” im Stadtverkehr.

Flexibles Tempolimit ab 2015

Die Geschwindigkeitsbegrenzung nach dem Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L) trat am 4. März 2015 entgültig in Kraft. Die insgesamt 24 Anzeigentafeln entlang der Westautobahn zwischen Salzburg-Nord und dem Knoten Salzburg vor dem Walserberg werden nun flexibel auf Tempo 80 oder Tempo 100 gestellt. Gesteuert wird die Anlage nach den Werten einer Luftmessstation bei Siezenheim, die in der Einflugschneise des Salzburger Flughafens steht. Diese Maßnahme dient laut Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler, der Initiatorin des Projekts, dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung und sie erwartet eine wesentliche Reduktion der Stickoxidbelastung. Argumentiert wird mit der Darstellung, dass die Stickstoffoxidemissionen stark von der Geschwindigkeit abhängig seien. Zwischen 100 km/h und 80 km/h seien deutliche Unterschiede ersichtlich. Bei Pkw sollten die Emissionen um etwa 15 Prozent, bei den leichten Nutzfahrzeugen sogar um mehr als 28 Prozent sinken.[8]

2016: Flexible Tempolimits auf A1 und A10 zeigen Wirkung

Mitte Juli 2016 gab LH-Stv. Astrid Rössler bekannt, dass die erste vollständige Jahresauswertung die Reduktion des Luftschadstoffes Stickstoffdioxid NO2 um fünf bis sechs Prozent bestätigt. Mit 46 Prozent Schaltzeit der Jahresstunden auf Basis immissionsgesteuerter Schaltung wurden die geforderten Reduktionsziele von 75 Prozent gegenüber einem permanenten Tempolimit erreicht. Dieser Schadstoffrückgang entspricht einer Totalsperre der Autobahn von drei Wochen.

Am Messpunkt Salzburg A1 konnte der Jahresmittelwert von 50,8 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) im Jahr 2014 auf 48,7 µg/m3 im Jahr 2015 gesenkt werden. Damit war die Messstelle A1 die einzige verkehrsnahe Messstelle mit Schadstoffrückgang.

Die flexiblen Tempolimits leisten mit Kohlenstoffdioxid (CO2)-Einsparungen im Ausmaß von 698 Tonnen CO2 (A1) und 2 627 Tonnen CO2 (A10) einen nennenswerten Beitrag zu den Klimaschutzzielen des Landes Salzburg, so Rössler.[9]

Weblinks

Quellen

Weblinks