Liesl Geisler-Scharfetter

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Krimmler Tauernhaus

Liesl Geisler-Scharfetter (* 1905; † 1985) war Wirtin im Krimmler Tauernhaus.

Leben

Liesl Geisler wurde im Jahr 1943 nach dem Tod ihres ersten Mannes Wirtin im Krimmler Tauernhaus. Geboren als Sandbichltochter in Krimml, heiratete Elisabeth Unterwurzacher 1932 Friedrich Geisler, Tauernhauswirt im Krimmler Achental. Leider verunglückte ihr Mann nur elf Jahre später im März 1943 auf tragische Weise und hinterließ seine Frau und zwei Söhne. Liesl Geisler musste nun neben der Familie und ihren Pflichten als Wirtin auch die bisher von ihrem Mann ausgeübten Aufgaben wahrnehmen. Im Jahr 1946 heiratete sie in zweiter Ehe den Schi- und Bergführer Bert Scharfetter.

Krimmler Judenflucht

Im Jahr 1947 erfolgte die Krimmler Judenflucht, die über 5000 Displaced Persons aus dem jüdischen Lager „Givat Avoda“ in Saalfelden die illegale Ausreise nach Italien ermöglichte. Der Weg führte vom Lager in Saalfelden, das auf dem Gelände der heutigen Bundesheerkaserne bestand, nachts per Lastwagen nach Krimml, von wo die jüdischen Flüchtlinge - neben Erwachsenen auch Kinder - noch in derselben Nacht zu Fuß bis zum Krimmler Tauernhaus gingen, wo sie gegen Morgen ankamen. Es waren jeweils 60 bis 280 Personen in einer Transportgruppe, die neben dem Tauernhaus lagerte. Die Flüchtlinge waren nach den Ereignissen des Holocaust, bzw. der Nachkriegspogrome in Polen und Russland schwer belastet und schlecht ausgerüstet. Was für Tauernüberquerer der Gegenwart selbstverständlich ist, nämlich ausreichende Fitness und Ausdauer, gepaart mit geeigneten Schuhen und wetterfester Kleidung, war damals nicht vorhanden.

Alle Flüchtlingsgruppen wurden von Liesl Geisler-Scharfetter bis zu ihrer Weiterreise durch das Windbachtal über den rund 2600 m ü. A. hohen Krimmler Tauern in das Südtiroler Ahrntal, von wo sie über Meran und Genua nach Palästina gebracht wurden, in bestmöglicher Weise betreut und verpflegt und dies bei bis zu drei Transporten in einer Woche. Dies bedeutete nicht nur eine organisatorische Herausforderung sondern auch ein großes Maß an Menschlichkeit und Empathie.

Späte Anerkennung

Liesl Geisler-Scharfetter wurde 2009 posthum mit einer Ehrenurkunde der Jewish Agency for Israel gewürdigt. Auch im Rahmen des seit 2007 zur Erinnerung an die Krimmler Judenflucht stattfindende Alpine Peace Crossing wird jährlich ihrer gedacht.

Quellen