Alpine Peace Crossing

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4. Alpine Peace Crossing, 3. Juli 2010
4. Alpine Peace Crossing, 2010
Wegweiser am Krimmler Tauern
4. APC, Abstieg ins Südtiroler Ahrntal

Unter dem Titel Alpine Peace Crossing erfolgt seit 2007 jährlich eine Überquerung des Krimmler Tauern zum Gedächtnis an die Krimmler Judenflucht im Jahr 1947.

Entstehung und Organisation

1947 erfolgte die sog. Krimmler Judenflucht mehrerer Tausend Juden von Saalfelden am Steinernen Meer aus dem Sammellager Givat Avoda über den Krimmler Tauern nach Südtirol in Italien. Das Alpine Peace Crossing wurde über Initiative des gebürtigen Salzburgers und jetzt in Wien lebenden Ernst Löschner zur Erinnerung an dieses geschichtliche Ereignis einerseits und als Widmung für alle Flüchtlinge der Gegenwart ins Leben gerufen. Unter dem Titel Alpine Peace Crossing Kursiver Texterfolgt seit 2007 jährlich eine Gedächtnisüberquerung des Krimmler Tauern vom Krimmler Tauernhaus nach Kasern im Südtiroler Ahrntal, an der interessierte Personengruppen und Einzelpersonen über vorhergehende Anmeldung teilnehmen können. Die Veranstalter sind: der Kulturverein Chrumbas Krimml, die Gemeinde Krimml, der Tourismusverband Krimml/Hochkrimml, die Nationalparkverwaltung des Nationalparks Hohe Tauern Salzburg und die Südtiroler Gemeinden Ahrntal und Prettau.

Geschichtlicher Hintergrund und Bezug zur Gegenwart

Nach Ende des Zweiten Weltkrieg befand sich eine große Anzahl sog. Displaced Persons, kurz DP genannt, in ganz Europa und somit auch auf österreichischem Staatsgebiet. Im Gelände der heutigen Anton-Wallner-Kaserne in Saalfelden am Steinernen Meer waren im Flüchtlingslager „Givat Avoda“ Juden als Displaced Persons, die den Holocaust überlebt hatten oder vor den Nachkriegspogromen in Polen und in Russland geflohen waren, untergebracht. Da sie auf legalem Weg nicht nach Palästina einreisen konnten, wurden mehrere Tausend Juden von Angehörigen der illegalen jüdischen Transportorganisation „Bricha“ illegal, aber mit stillschweigender Duldung von oben, 1947 über den Krimmler Tauern nach Italien begleitet, wo sie nach Meran gebracht, schließlich in Genua eingeschifft und - ein weiteres Mal illegal - in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina eingeschleust wurden. Zur Erinnerung an diese Ereignisse rief der 1943 geborene Ernst Löschner, Bankier, ehemaliger Schüler in Zell am See, der in der Stadt Salzburg maturierte, als Initiator gemeinsam mit anderen das Alpine Peace Crossing ins Leben, wobei auch auf die Menschen, die gegenwärtig auf der Flucht und auf Asylsuche sind, Bedacht genommen wird und ihre Anliegen zur Sprache kommen.

Marko Feingold, Viktor Knopf, Liesl Geisler-Scharfetter

Im Zusammenhang mit der Krimmler Judenflucht herausragende Akteure waren Marko Feingold, Viktor Knopf (* 1921; † 1998) und Liesl Geisler-Scharfetter, die damalige Wirtin auf dem Krimmler Tauernhaus. Der in Salzburg lebende Marko Feingold erkundete die später benutzte Fluchtroute und organisierte die Flucht. Viktor Knopf begleitete die Flüchtenden in Personengruppen von 60 bis zu 280 Leuten über den Krimmler Tauern, wobei er diesen anstrengenden Weg bis zu drei Mal in einer Woche meisterte. Liesl Geisler-Scharfetter betreute und versorgte die Flüchtlinge auf deren Zwischenstation Krimmler Tauernhaus mit bemerkenswerter Menschlichkeit und Empathie, wofür sie posthum vom Staat Israel geehrt wurde.

Bilder

 Alpine Peace Crossing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

  • Sabine Aschauer-Smolik, Mario Steidl (Hrsg.): Tamid Kadima - Immer vorwärts. Der jüdische Exodus aus Europa 1945–1948. StudienVerlag Innsbruck, Wien, Bozen 2010 Anmerkung: das Buch ist in deutscher und in englischer Sprache verfasst.

Quellen