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Karl Mauracher (Orgelbauer)

Karl Mauracher (* 24. Oktober 1789 in Kapfing, Tirol; † 24. Mai 1844 ebenda) stammte aus der bekannten Tiroler Orgelbauerfamilie Mauracher (Fügener Linie). Er führte die Orgelmacher-Werkstätte seines Vaters Andreas Mauracher weiter. In der Rezeptionsgeschichte des Liedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“ spielt Karl Mauracher eine Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karl Mauracher, Sohn des Andreas Mauracher, baute etwa 50 Orgeln, außerdem Pianofortes.

Benedikt Pillwein schrieb 1821 folgendes über ihn:
Mauracher (Karl), ein unweit von Fügen (im Zillerthale) in dem Riedlein Kapfing wohnender Orgelbauer, ein junger Mann von etwa 30 Jahren, der allenthalben als Meister in seiner Kunst gilt. Seine Geschicklichkeit hat ihm die Aufmerksamkeit der Fürstbischöflichen Stadt Trient erworben, wo ihm schon vor 3 Jahren die dortige Domorgel zur Uebersetzung und Reparation anvertraut wurde, durch welche Arbeit er den ungetheilten Beifall der Kunstverständigen erhielt, so, daß er erst unlängst wieder einen Ruf dorthin zur Herstellung der Seminariums-Orgel bekam, woran er gegenwärtig wirklich arbeitet. Da sein glückliches Talent mit einem unverdrossenen Fleiße gepaart ist; so läßt sich seiner weiteren Vervollkommnung mit dem sichersten Grunde entgegensehen. Auch der Vater dieses Künstlers, Andreas Mauracher, verdient als kunstreicher Orgelmacher bei dieser Gelegenheit eine Ehrerwähnung. (Mscrpt.)[1]

Nach einer in mehreren Varianten überlieferten Tradition soll er das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ aus dem Salzburgischen in das heimatliche Zillertal gebracht haben, von wo aus es durch Volkssänger weiterverbreitet wurde und seinen Weg in die gesamte Welt fand. Karl Mauracher war angeblich 1821 bei Franz Xaver Gruber, bzw. mit der Reparatur der Orgel der Arnsdorfer Wallfahrtskirche Maria im Mösl beschäftigt, eine Behauptung, die sich nicht belegen lässt. Für den Neubau der Kirchenorgel in St. Nikola allerdings, den er zeitgleich wie in der Vikatriatskirche in der Faistenau 1825 ausführte, hatte er schon im Jänner 1824 den Kostenvoranschlag erstellt. Franz Xaver Gruber schrieb selbst in seiner „Authentischen Veranlassung“, das Lied sei von einem „bekannten Zillertaler“ nach Tirol gebracht worden.
Maurachers für 1824/25 belegbare Zusammenarbeit mit Gruber erklärt allerdings nicht, warum sich das Lied im Kirchenliederbuch des Tiroler Organisten Blasius Wimmer schon mit der Datierung „22. Juli 1819“ fand.[2]

Seine Söhne Johann Nepomuk und Ludwig wurden, wie ihr Vater, ebenso Orgelbauer.

Werke

In Salzburg baute Karl Mauracher folgende Orgeln (Manuale/Register:)

Werkliste (Auswahl)

Die Liste führt einige seiner nachgewiesenen Neubauten auf. Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1825 Faistenau Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä. Rekonstruktionsstudie Karl Mauracher 1825 Faistenau.pngRekonstruktionsstudie I Vikar (1823–1826) Johann Waibl schaffte die Orgel an,[3] für sie und die Schulkinder ließ er vorne eine Seitenempore aufstellen. Das Gehäuse mit den aus Lindenholz geschnitzten Verzierungen lieferte der Tischler Johann Hacksteiner aus Laufen, es war ca. 210 cm hoch, 140 cm breit und 60 cm tief. Gespielt wurde sie von Franz Strobl, er war zugleich Lehrer und Mesner. Dieses Instrument wurde 1863 von Matthäus Mauracher abgebaut[4] und um 70 fl. übernommen, die Empore und die Säulen, auf der die Orgel gestanden hatte, blieben aber stehen,[5] die Lücke in der Brüstung wurde 1863 geschlossen.
1825 Oberndorf Nikolauskirche Karl Mauracher Orgel Oberndorf 1824 001.jpg I/P 12 Sie ist die erste Orgel mit chromatischer Klaviatur im Land - damals Herzogtum - Salzburg[6] und hatte folgende Stimmen, Manual: Principal 8', Viola 8', Copel 8', Gamba 8', Octav 4', Flauto ottavo 4', Flauto duodez 3′, Superoctav 2', Mixtur 1½' (fünffach). Pedal: Subbaß 16', Octavbaß 8', Posaune 8'.[7] Conrad Franz Xaver Gruber war 1816–1829 Organist in Oberndorf und spielte ab 1825 auf diesem Instrument.
1829 Salzburg St.-Sebastians-Kirche Karl Mauracher Sebastianskirche 1829 (27).jpg I/P 12 Disposition, Manual (C–f3): Principal 8', Gedackt 8', Gamba 8', Dolce 8', Octav 4', Flöte 4′, Quint 3′, Superoctav 2', Mixtur 2'. Pedal (C–f0): Subbass 16', Octavbass 8', Cello 8'.[8]
1832 Saalfelden Pfarrkirche Karl Mauracher Saalfelden.JPG Entwurf zugeschrieben 1811 hatte ein Brand 108 Häuser und auch die Pfarrkirche vernichtet. Beim folgenden Wiederaufbau bekam er 1831/32 den Auftrag, eine neue Orgel anzufertigen, sein Entwurf orientiert sich am „nachbarocken Stil“, in dem insgesamt die Ausstattung der Kirche erfolgte, den passenden figuralen Schmuck lieferte 1836 Johann Haid aus St. Johann.[9] Als der Dechant die Kirche 1858–1861 aufwändig romanisieren ließ,[10] verschenkte er das Orgelgehäuse an die Wallfahrtskirche am Dürrnberg, die übrigen Teile verwendete sein Sohn J.N.C. Mauracher für den Neubau der Orgel im romanischen Stil. Das „nachbarocke Gehäuse“ ist in der Dürrnberger Kirche erhalten.
1835 Maria Alm Pfarr- und Wallfahrtskirche Karl Mauracher, original.jpg I/P 12 Der Plan, auf der Westempore eine Orgel nach dem Entwurf Karl Maurachers zu errichten, die 800 fl. gekostet hätte, wurde nicht umgesetzt. Folgende Stimmen waren vorgesehen, Manual: Principal 8', Gamba 8', Koppel 8', Flöte 4', Octav 4', Quint 3′, Superoctav 2', Mixtur 2' (vierfach), Cymbel 1' (zweifach). Pedal: Subbass 16', Octavbass 8', Posaune 8'.[11] Der erhaltene Aufriss hat große Ähnlichkeit mit dem in Oberndorf, s.o.
1839 Hallein Bürgerspitalskirche zum hl. Kreuz (14. September)
Hallein Bürgerspietalskirche 003.jpg I/P Franz Gruber schrieb, dass die Orgel durch Wohltäter, zu denen auch Erzbischof Schwarzenberg gehört hatte, errichtet wurde, damit die Schüler während der Schulmesse den Kirchengesang üben könnten.[12] Disposition: Copel 8', Prinzipal 4', Flöte 4', Flageolet 2', Quinte 11/3', angehängtes Pedal.
sp. zw. 1820–1840 Entwurf Entwurf Vermutlich Entwurf Karl Maurachers, event. für Saalfelden, um 1831, 1832.JPG Undatierter und nicht zugeordneter Entwurf für eine Brüstungsorgel, möglicherweise also Prototyp für z. B. Faistenau (1825), Hallein (Bürgerspitalkirche 1839) u.a.

Literatur

  • Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer theils verstorbener theils lebender Künstler, auch solcher, welche Kunstwerke für Salzburg lieferten ec. Nach den zuverläßigsten Quellen, besonders Manuscripten, bearbeitet. Nebst einem Anhange worin a) die Glasmalerei auf dem Nonnberge, b) die aufgefindenen Alterthümer zu Glas, c) bei Rosenegger, d) zu Loig und e) die Norischen zu St. Martin in Lungau beschrieben werden, hrsg. von Benedikt Pillwein, k.k. Landgerichts-Civiladjutanten zu Neumarkt bei Salzburg. Mayr’sche Buchhandlung, Salzburg 1821, S. 141f.
  • Reichling, Alfred: Tiroler Orgelbauer der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 78, 1998, S. 229-250; hier: S. 235.
  • Schmeißner, Roman: Die Geschichte der Orgelkunst am Beispiel des Dekanats Thalgau. Diplomarbeit Pädagogische Akademie des Bundes in Salzburg 1982.
  • Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen. WiKu-Verlag, Duisburg & Köln 2015, zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Universität Mozarteum 2012, ISBN 978-3-86553-446-0.
  • Walterskirchen, Gerhard: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg. Dissertation Universität Salzburg 1982.
  • Walterskirchen, Gerhard: Orgelbau und Orgelmusik im 19. Jahrhundert in Salzburg. In: Bürgerliche Musikkultur im 19. Jahrhundert in Salzburg, Symposiumsbericht 1980, redigiert von Rudolph Angermüller, hrsg. von der Stiftung Mozarteum, Salzburg 1981, S 104–111.
  • siehe auch den Artikel Mauracher

Quellen, Fußnoten

  1. Benedikt Pillwein (Hrsg): Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer theils verstorbener theils lebender Künstler, auch solcher, welche Kunstwerke für Salzburg lieferten ec. Mayr’sche Buchhandlung, Salzburg 1821, S. 141f.
  2. Salzburger Nachrichten vom 19. Dezember 2009, Beilage „Wochenende“, S. 2.
  3. Die Obrigkeit wollte damals den unpopulären Volksgesang mit Orgel durchsetzen und setzte dabei auf Lehrer und Volksschulkinder.
  4. Roman Schmeißner: Die Geschichte der Orgelkunst am Beispiel des Dekanats Thalgau. Diplomarbeit Pädagogische Hochschule Salzburg 1982, S. 44.
  5. Dass die Säulen unnütz geworden waren entdeckte man erst bei der Renovierung 1980, sie wurden daraufhin entfernt.
  6. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 266.
  7. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 170.
  8. [1] Orgeldatenbank der Erzdiözese Salzburg.
  9. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 29.
  10. Die Kosten dieser Maßnahmen beliefen sich auf 78.755 Gulden. Österreichische Kunsttopographie 25, hg. vom kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, redigiert von Karl Ginhart: Die Denkmale des politischen Bezirkes Zell am See, verlegt bei Rudolf M. Rohrer in Baden bei Wien 1933, S. 146f.
  11. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 180–182.
  12. Franz Gruber: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung. Ein Beitrag zur Heimatkunde, Salzburg: Verlag von M. Glonner (Duyle’sche Buchhandlung am Mozartplatz) 1870, S. 59.
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