Robert Christl

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Robert Christl

Robert Christl (* 26. Juni 1922 in Stall, im Kärntner Mölltal, aufgewachsen in Zell am See, Pinzgau; † 19. Dezember 2012 in Salzburg) war gelernter Bäcker, Schauspieler und Rekord-Wasserskisportler.

Vorgestellt

Die Jahre scheinen fast spurlos an ihm vorübergegangen zu sein. In seiner Jugend war Robert Christl ein ausgezeichneter Skispringer und Nordischer Kombinierer. Auch als Alpinskifahrer, Turner, Leichtathlet und vor allem als Weltklasse-Wasserskifahrer hat Christl Pokale gewonnen.

Seine Wohnung im Salzburger Stadtteil Itzling ist prall gefüllt mit Siegestrophäen. "Gut 700 werden es schon sein. Am meisten schätze ich den Pokal, den mir König Hussein von Jordanien überreicht hat", sagt der rüstige Senior, und blättert mit seinem Gast in einem Fotoalbum voller Raritäten. Denn Christl war mit vielen Sportgrößen auf Du. Von Formel-1-Superstar Jochen Rindt über Abfahrtskaiser Franz Klammer, Skisprungstar Andreas Goldberger, Wasserspringer Niki Stajkovic bis zum berühmtesten lebenden Kitzbüheler, Hansi Hinterseer. Besonders stolz ist der 88-Jährige auf seinen Großneffen Hans-Peter Steinacher, Doppelolympiasieger im Segeln.

Robert Christl hat ein bewegtes Leben geführt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1943 in Russland schwer verwundet. Er war Bäckermeister im Betrieb seiner Bruders in der Stadt Salzburg, Schauspieler (in Berlin und mit bekannten Größen wie Bibiana Zeller und Peter Minich in Wien in der Schauspielschule), aber seine Leidenschaft war der Sport. 34 Mal hat er an Wasserski-Europameisterschaften teilgenommen und 30 Goldmedaillen, 54 weitere Medaillen gewonnen. Den Eintrag ins Rekordbuch schaffte er 1997 mit 30 EM-Teilnahmen und 2006 als ältester Ski- und Wasserski-Lehrer der Welt. Als 14-Jähriger durfte Christl 1936 bei der Eröffnung der Köhlergrabenschanze dabei sein. "Mit 2,20 Meter langen Abfahrtsskiern eines Erwachsenen bin ich 49 Meter weit gesprungen."

Auf den Seen ist Christl auch mit 88 flott unterwegs. "Mit mindestens 60 km/h", verrät er. Und meistens barfuß. Mit dem Skifahren hat er aufgehört: "Weil ich die steilen Hänge nicht mehr richtig fahren kann, macht's keinen Spaß."

SN-Sportredakteur Hans Adrowitzer verdankt Robert Christl eine der emotionalsten Begegnungen, die er in 30 Jahren im SN-Sport erlebt hat. An einem traumhaft schönen Wintertag im November 1993 hat ihn Christl eingeladen, ihn nach Oberau am Roßfeld zu seinem Freund Franz Pfnür zu begleiten. Der Ski-Olympiasieger von 1936, damals 84 Jahre alt, konnte nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen. Neben ihm auf der Couch saß sein gleichaltriger Nachbar Toni Angerer. Und auf einmal blickten sich die beiden an und begannen zu singen. "Sie kennen 200 Volkslieder auswendig", verriet Pfnürs Ehefrau ihren momentan sprachlosen Gästen.

Wie hat es Robert Christl geschafft, auf Wasser und Schnee sportliche Höchstleistungen zu erbringen und mit 88 Jahren noch rüstig und vital zu sein? Der gebürtige Pinzgauer gibt sein persönliches Geheimrezept preis: "Ich bin Junggeselle, koche meistens selbst und genieße eine ausgewogene Mischkost. 'Körndlfresser' bin ich keiner, auch kein Gesundheitsfanatiker in Sachen Ernährung." Christl gibt zu, dass er als Jugendlicher stark geraucht hat, ehe er in den Fünfzigerjahren nach einer Wette mit seinem Schauspielerkollegen Peter Minich spontan aufgehört hat. Zwei Tipps hat Christl noch für jene, die gesund alt werden wollen: "Viel Bewegung und möglichst Sorgen von sich fernhalten."

Quellen

  • Salzburger Nachrichten
  • Pinzgauer Nachrichten