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Robert Schwarzenbacher

Dr. Dipl.-Ing. Robert Schwarzenbacher (* 25. Jänner 1973 in Mittersill, Pinzgau) ist ehemaliger Professor (Strukturbiologie) der Universität Salzburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Aufgewachsen im Oberpinzgau ging Schwarzenbacher 1991 zum Studium an die Technische Universität Graz. 1999 schloss er sein Doktoratsstudium ab. Von 2000 bis 2005 hielt er sich zur Weiterbildung in den USA auf. Im Herbst 2005 wurde er Professor im Fachbereich Molekulare Biologie der Universität Salzburg. Dieses Dienstverhältnis wurde wegen Unstimmigkeiten - Schwarzenbacher wurde die Fälschung von Forschungsergebnissen vorgeworfen - im April 2012 gekündigt. Der Ausgangspunkt für die Auflösung des Dienstverhältnisses, die von Schwarzenbacher mit rechtlicher Unterstützung der Gewerkschaft in einem laufenden Verfahren bekämpft wird, soll eine Selbstanzeige Schwarzenbachers gewesen sein. Der Prozess endete mit einem Vergleich, über dessen Inhalt Stillschweigen vereinbart wurde. Schwarzenbacher war nach der Kündigung Lehrer an der HTL Salzburg.

Schwarzenbacher publizierte gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Riedl 2009 eine bahnbrechende Studie, in der sie den Schlüsselmechanismus des programmierten Zelltodes im Körper des Menschen aufklärten. Das Fachmagazin "Nature" veröffentlichte diese Studie in ihrer Ausgabe vom 19. Februar 2009.

Auszeichnungen

  • Erwin Schrödinger Forschungsstipendium (2001)
  • Marie Curie Excellence Grant (2005)

Vorgestellt

"Professor Dr. Robert Schwarzenbacher" steht auf dem zartgrauen Türschild geschrieben. Das Klischee würde nun in dem Zimmer dahinter einen soignierten Herrn mittleren Alters erwarten lassen: mit Brille natürlich, vielleicht schon mit leicht rückgängigem Haaransatz, würdevoll im Umgang, gemessenen Schritts auf und ab gehend. Sich seiner Meriten bewusst. Eventuell im weißen Mantel, da er zwischen seinen Studien immer wieder in den Labors des Instituts für Molekularbiologie der Universität Salzburg zu tun hat.

Robert Schwarzenbacher sieht kurz hinunter auf seine Jeans, fährt sich mit den Händen in seine aufmüpfige Sturmfrisur und grinst breit: "Glatze und Brille? Das kommt noch. Das ist nur eine Frage des Alters."

Keine Frage von Jahren ist sein jüngster Erfolg: Zusammen mit seinem Salzburger Kollegen Stefan Riedl und Kollegen des Burnham-Instituts in Kalifornien hat er ein Rätsel um den Zelltod gelöst und es im Handumdrehen damit in das weltweit renommierte Wissenschaftsmagazin "Nature" geschafft. Robert Schwarzenbacher und seine Kollegen haben – kurz erklärt – den Schlüsselmechanismus gefunden, der das Selbstzerstörungsprogramm aktiviert, welches jede Zelle in ihrem Erbgut trägt. Der Körper benötigt den Zelltod, um unbrauchbare Zellen entsorgen zu können. Diese Grundlagenforschung könnte eines Tages neue Mittel gegen Krebszellen möglich machen. Bei vielen Tumorzellen greift der Zelltod nicht, weshalb sie die Chemotherapie überstehen.

"Ich möchte immer alles verstehen und bis ins Detail wissen, wie etwas funktioniert. Ich bin im Oberpinzgau auf einem kleinen Bauernhof am Rande des Nationalparks aufgewachsen. Der ständige Kontakt mit allem, was wächst, kriecht und fliegt und mit den Kräften, die dahinter wirken, das hat mich sicher sehr geprägt", erzählt Robert Schwarzenbacher.

"Professor" werden, das wollte er schon als Bub. Auf dem Weg dorthin hat er immer mindestens zwei Stufen auf einmal genommen. "Wenn man weiß, was man will, ist man zielstrebiger unterwegs", sagt er. Das bedeutete: Studium der Chemie und Biochemie an der TU Graz, dann fünf Jahre Forschung in San Diego. "Den Aufenthalt in Kalifornien habe ich mir gut ausgesucht: Sonne, Sand und Meer", sagt er augenzwinkernd. "Echt cool" sei die dort herrschende Forschungskultur und der Kontakt zu vielen brillanten Leuten gewesen.

Ein bisschen mehr vom amerikanischen Leistungsprinzip sähe Robert Schwarzenbacher gern an österreichischen Universitäten. Die Professur in Salzburg nahm er nicht so sehr um der Karriere willen an: "Wir müssen so ehrlich sein und sagen, dass wir in der Forschung nicht vorn mitspielen. Nicht einmal im Mittelfeld. Aber ich dachte trotzdem, es ist eine Chance. In Salzburg kann ich vieles gestalten und vor allem jungen Talenten Rüstzeug für ihre Arbeit mitgeben. Sie werden ja unsere künftigen Probleme lösen müssen. Professoren sollen Geld herankarren und Arbeitsplätze in der Wissenschaft schaffen. Wenn wir in Österreich die medizinische Zukunft mitbestimmen wollen, müssen wir uns auskennen und jetzt mit dabei sein."

Das ihm zugeteilte universitäre "Kammerl" im Haus Billrothstraße 11 sieht allerdings nicht nach Bleiben aus: Ein Häufchen papierene Unterlagen, ein Computer, keine Bücher, ein Rucksack unter dem Tisch. Leichtes Gepäck also für den Weitermarsch. Robert Schwarzenbacher lacht schallend: "Alles, was wichtig ist, befindet sich im Kastl und in den Datenbanken. Wie es weitergeht, lasse ich offen. Ich habe hier Verantwortung übernommen und ich möchte das fertigmachen, was ich angefangen habe. Ich möchte dann gehen, wenn ich hier nicht mehr gebraucht werde."

Den Kompass dafür trägt er immer in sich. Es sind die Zeilen eines Gedichtes von Rainer Maria Rilke: "... von deinen Sinnen ausgesandt, geh bis an deiner Sehnsucht Rand ..."

Literatur

Quellen