Speicherteich

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Speicherteich im Bereich des Kleinen Asitzkopfes
Speicherteich in Zauchensee nahe der Gamskogelhütte (Zauchensee)
Speichersee unterhalb Wildenkarhütte
Speicherbecken unterhalb Schmittenhöhe
Skipiste und Speicherteich vor der Bergstation der Smaragdbahn
Im Jahr 2011 neu errichtete Speicherteichbecken am Stubnerkogel

Speicherteiche sind künstlich in der Natur angelegte Wasserspeicher für Beschneiungsanlagen, meist in sensiblem Alpingelände wie in Gipfelnähe.


Allgemeines

Für die künstliche Beschneiung, die für viele Fremdenverkehrsmanager nicht mehr wegzudenken ist, müssen in den Salzburger Alpen immer mehr künstliche Wasserreservoirs angelegt werden. Von diesen lässt man in den Wintermonaten das Wasser in frostsicher verlegten Rohren die Alpinhänge hinab zu den Schneekanonen.

460 Teiche gibt es in Österreich. Etwa die Hälfte davon steht in Salzburg zur Verfügung. In den vergangenen Jahren legte man ein dichtes Netz dieser Vorratsspeicher an. 2017 gab es im Bundesland Salzburg 121 Speicherteiche mit einem Gesamtvolumen von 5,94 Millionen Kubikmeter Wasser). Durchschnittlich große Anlagen fassen 50 000 Kubikmeter Wasser, der derzeit größte Speicherteich Zauchensee hat ein Volumen von 450 000 Kubikmeter. Gemessen an Badewannen von 100 Liter Fassungsvermögen ergäbe dies 60 Millionen Badewannen.[1]

Die Menge, die aus den Gewässern zur Befüllung der Speicherteiche entnommen werden darf, ist vorgegeben. Eine Restwassermenge muss bleiben. Das ist bei jeder Anlage ganz genau mit Bescheid festgelegt. Die Entnahmemenge liegt bei maximal zwanzig Litern pro Sekunde.

In der Regel werden die Teiche während der Sommermonate durch natürlichen Eintrag – sprich Regen und Oberflächenwasser – befüllt. Die ersten Anlagen funktionierten ausschließlich so. Mittlerweile wurden die Systeme geändert, damit im Notfall auch nachgefüllt werden kann. Wenn es zu warm zum Beschneien ist, werden die Leitungen zum Ansaugen von neuem Wasser verwendet, das dann in den Speichern auf Vorrat liegt.

Die gängige Größe liegt zwischen 70 000 Kubikmeter und 130 000 Kubikmeter Wasser. Die beschneite Pistenfläche in Salzburgs Wintersportorten bewegt sich bei 3 500 Hektar.

Leitfaden Beschneiungsanlagen

In Österreich wurde unter der Leitung von Dipl. Ing. Thomas Eistert, Wasserwirtschaft Land Salzburg, der bundesweit einheitlicher Leitfaden für das wasserrechtliche Behördenverfahren von Beschneiungsanlagen erstellt und am 12. Mai 2011 herausgegeben[2].

Die Unterlagen wurden in Zusammenarbeit mit allen betroffenen Bundesländern, dem Lebensministerium (Oberste Wasserrechtsbehörde, Staubeckenkommission, Wildbach- und Lawinenverbauung) und mit Unterstützung durch externe Experten ausgearbeitet. Der Fachverband der Seilbahnen und die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten wurden als Interessensvertreter eingebunden.

Band 1 umfasst:

  • Bewilligung und Überprüfung von Neuanlagen

Band 2 umfasst:

  • Wiederverleihungsverfahren von bestehenden Wasserrechten
  • Wiederkehrende Überprüfung
  • Vorkehrungen bei Erlöschung von Wasserbenutzungsrechten

Der Leitfaden soll eine bundesweit einheitliche Orientierung für Behörden, Sachverständige, Planer und Betreiber für das wasserrechtliche Behördenverfahren von Beschneiungsanlagen geben, ohne der Einzelfallprüfung vorzugreifen. Dabei soll Planungssicherheit bei Neubewilligungen und bevorstehenden Wiederverleihungen hergestellt werden.

Stellen sie ein Gefährdungspotential dar?

Überprüfung

Je Speicherteich müssen zwei Personen benannt werden, die den Teich überwachen müssen. Der eine ist der Beckenwärter, der andere der Talsperrenüberwacher. Beide müssen eine spezielle Ausbildung für ihre Bereiche absolvieren. Die Sicherheitsphilosophie hat drei Standbeine: beobachten, erproben und messen. Jedes Jahr erfolgt dann eine Begehung mit einem Experten vom Amt der Salzburger Landesregierung und an Hand einer Checkliste werden Speicherteich und Anlagen überprüft.[1]

Risiko Abdichtungsfolie

Beim Bau der Teiche wird ganz besonders auf die Sicherheit geachtet. Ein Leck in der Dichtungsfolie könnte bewirken, dass der Damm des Teiches bricht und sich eine Mure talwärts über die Skipisten wälzt. Teiche alter Bauart können im Sommer nicht als Bademöglichkeit angeboten werden. Die Folien würden beschädigt. Um beide Nutzungen, also die als Speicherteich und die als Schwimmteich zu haben, bedarf es einer sehr aufwendigen Bauweise.

Bei neueren Speicherteichen kann man bei der Einreichung bereits deren Nutzung bestimmen und bautechnisch darauf reagieren. Folien brechen unter UV-Bestrahlung schnell. Befindet sich diese Abdichdungsfolie jedoch gut überschüttet, so könnte man sich eine Nutzungsdauer von 20 Jahren vorstellen. Dies ist nämlich die Genehmigungsdauer der Salzburger Landesregierung für die Betreibung eines Speicherteiches.[1]

Bei Zwangsentleerung

90 Prozent der Speicherteiche stellen ein erhebliches Gefährdungspotential in den Alpen dar. Dieses Faktum wurde in einem Seminar für Betriebsleiter der österreichischen Seilbahnen im Frühjahr 2011 in Zauchensee festgehalten.

  • Unterhalb dieser künstlich angelegten Wasserspeicher liegen Pisten, Skilifte und Siedlungen. Wie beim Ramingsteiner Dammbruch deutlich wurde, könnten bei einem Dammbruch eines Speicherteiches große Flächen vermurt und ausgeschwemmt werden.
  • Gefahr kann durch undichte Zuleitungen, unterirdische Quellen oder Folien entstehen, die durch UV-Strahlung porös wurden;

Landesgeologe Gerald Valentin wies im März 2012 auf eine sehr konkrete und aktuelle Gefahr hin. Jedes Jahr kommt es zu mindestens einer Zwangsentleerung oder ähnlicher Maßnahme. Die Standsicherheit sei nicht gegeben. Valentin machte auf die enorme Zerstörungen aufmerksam, die eine Flutwelle aus einem geborstenen Speicherteich verursachen könnte. Ihm ist bewusst, dass er sich mit diesen Aussagen bei der Seilbahnwirtschaft nicht beliebt machen wird, jedoch steht er zu seinen Aussagen. Die Firmen würden teils versuchen, größer und billiger und mit steileren Böschungen zu bauen, als die Sicherheit erlaube. Der Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft, Ferdinand Eder, wies die Vorwürfe zurück - sie hielten alle vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen beim Bau ein. Zwar sei ein Unglück nie auszuschließen, doch etwaige Risiken würden sich ganz und gar im überschaubaren Rahmen halten, so Eder[3].

Wie sieht es bei Erdbeben aus

2016 registrierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik rund 10 000 seismische Ereignisse in Österreich. 61 dieser Erdbeben hatten hier Epizentrum in Österreich. Durchschnittlich waren es in den letzten 16 Jahren etwa 46 Beben. Die mit Abstand meisten gefühlten Erdbeben - 24 - wurden in Tirol registriert.

Theodor Steidl, Leiter des Referats Allgemeine Wasserwirtschaft des Amts der Salzburger Landesregierung, Abteilung 7 - Wasser, erklärte in einem Gespräch mit den Salzburger Nachrichten[4], das die Sicherheit der Speicherteiche auf die Last eines Erdbebens ausgelegt sei.

Bisher war es Usus, dass Liftunternehmen in der Regel eine Dammhöhe von 14,80 Metern bei der Planung der Teiche vorsahen. Dann genügte ein übliches Wasserrechtsverfahren. Ab 15 Metern trat/tritt die Staubeckenkommnission des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich auf den Plan. Um diesem Verfahren aus dem Weg zu gehen, beließen viele Einreicher die Dammkrone unter 15 Metern.

Die bauliche Entwicklung

Seilbahngesellschaften bauen immer größere Speicher - 100 000 Kubikmeter sind heute die Norm - um möglichst rasch zu Saisonbeginn die Grundbeschneiung durchführen zu können. Sie ist etwa der Skicircus in Saalbach-Hinterglemm in der Lage, binnen drei Tagen 30 Zentimeter Kunstschnee auf 240 Kilometer Pisten aufzubringen. Um solche Leistungen erbringen zu können, wurden die Kapazitäten (Querschnitte) der Druckrohre und der Ausstoß der Schneekanonen ständig erhöht.

Störfallinformationsverordnung

Es muss für jeden bestehenden und geplanten Speicherteich eine Art Katastrophenplan erstellt werden. Dieser hat u. a. zum Inhalt, wie ist anhand eines genauen Ablaufplans zu reagieren, wenn Alarm ausgelöst wurde. Im gesamten Bauwerk müssen Mess-, Überwachungs- und Sicherheitssysteme eingebaut sein. Vorgeschrieben ist auch, dass jeder Teich binnen drei Tagen gefahrlos entleert werden kann.

Beispiele von Speicherteichen

  • Die Schmittenhöhebahn AG kalkulierte für 2009 vier Millionen Euro an reinen Beschneiungskosten, für den Winter 2009/10: eine Million Euro für 190 Hektar Skiflächen und insgesamt in eineinhalb Jahren 2009-2010 14 Millionen Euro für Beschneiungsanlagen und einen Speicherteich. Am 13. September 2010 nahmen Schmittenhöhenbahn-AG-Chef Erich Egger und der Bürgermeister von Zell am See, Hermann Kaufmann, die Öffnung des Einlasses des neuen Speicherteiches auf der Schmittenhöhe vor. Dieser Teich, der größte im Pinzgau, fasst 174.000 Kubikmeter Wasser - zum Vergleich der Jahresverbrauch der Stadt Salzburg 2009: 12 Millionen Kubikmeter (knapp für 69 Jahre der Wasserbedarf). Er hat eine Fläche von vier Hektar. Die Erstbefüllung des Speicherteiches dauerte fünf Tage.
  • Auf den größten Speicherteich im Bundesland Salzburg kann Zauchensee zurückgreifen. Er hat eine Kapazität von 400 000 Kubikmeter Wasser. Das entspricht zwei Millionen gefüllter Badewannen. Mit dem Inhalt des Speicherteichs kann eine Million Kubikmeter Schnee produziert und 250 Hektar beschneit werden.

Bilder

 Speicherteich – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

  • Dipl. Ing. Thomas Eistert "Leitfaden für das wasserrechtliche Behördenverfahren von Beschneiungsanlagen: Band 1 und Band 2"
  • Salzburgwiki-Artikel Schneekanonen
  • Salzburger Nachrichten, ,20. August 2008, 29. Dezember 2009, 14. September 2010, 18. September 2012
  • Heinz Bayer Eine Checkliste für alle Speicherteiche, SN Lokalteil, 14. Mai 2011

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Salzburger Nachrichten, 5. Jänner 2019
  2. siehe www.salzburg.gv.at
  3. Salzburger Nachrichten, 19. März 2012
  4. Salzburger Nachrichten, 21. Jänner 2017, Heinz Bayer: Der Schatz im Speicherteich