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Steirische Weinstuben

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geschlossen  Der hier beschriebene Betrieb oder die Einrichtung existiert in dieser Form nicht mehr. Dieser Beitrag beschreibt die Geschichte.
Die Steirische Weinstuben von außen
Christina und Albert Weiss
Alte Innenansicht mit Julius Böhacker 1959

Die Steirische Weinstuben war ein traditionsreiches Gasthaus in der Elisabeth-Vorstadt in Salzburg in der Saint-Julien-Straße 9.

Geschichte

Als Steirische Weinstuben existierte das 1912 von Jakob und Karl Ceconi erbaute Haus seit 1958. 1913 hatte zuerst im Erdgeschoß das Tanzcafé Elisabeth eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Café und Weinhaus Burgund. Nach Kriegsende tanzten dort die amerikanischen Besatzungssoldaten.

1958 übernahm Julius Böhacker das Lokal, benannte es in Steirische Weinstuben um und eröffnete dort eine Brathendlstation. 1985 übergab die Familie Böhacker das Lokal an Christina und Albert Weiss, die es in bewährter Form weiterführten. In der Gaststube lag der Geruch von Grillhendl in der Luft. Er gehörte zur "Steirischen" wie die 60 Jahre alte Schank, die in die Jahre gekommenen grünen Holzsessel und das wuchtige Eichenfass. Back- oder Grillhendl bis drei Uhr früh, das gab es in der Stadt Salzburg sonst nirgends.

In den besten Jahren gaben sich viele heimische Stars die Klinke in die Hand. Das Gästebuch liest sich wie das Who is who der österreichischen Musikszene: Stefanie Werger trug sich am 17. Juni 1986 mit einem Gedicht ein: Des Hendl o'gnogt bis auf die Bana, so wird mei Wampn hoit a net klana. Zu Gast waren auch Falco, Rainhard Fendrich, Ludwig Hirsch, Hansi Lang und Reinhold Bilgeri. Auch die 2007 verstorbene Burgschauspielerin Gusti Wolf, Kabarettistin Lisa Fitz oder Liedermacher Reinhard Mey stärkten sich zu später Stunde. Vielen Dank für das späte Mahl, schrieb Mey.

Das Besondere an der Weinstuben war der Gästemix. Hier verkehrten Arbeiter genauso wie Akademiker und Studenten. Legendär war in der Weinstuben die Speisekarte, die sich über Jahrzehnte nicht geändert hat. Außer Hendl galt gebackene Leber als Spezialität des Hauses. Ab 1994 wurden die deftigen Gerichte auch ins Haus geliefert.

Es sei von Jahr zu Jahr immer schwieriger geworden, sagt Christina Weiss, der bis 2012 ein Drittel des Hauses gehört hat. Viele Stammkunden seien in den vergangenen Jahren gestorben. Darunter auch Jazzmusiker Lee Harper, der bis zu seinem Tod 2010 in Salzburg gelebt hat. Man habe auch Kunden verloren, als ein Teil des Gasthauses rauchfrei geworden sei. Auch die Übersiedlung des BFI habe dem Geschäft geschadet. Zuletzt war es nicht mehr möglich gewesen, das Gasthaus wirtschaftlich zu führen, daher wurde der Betrieb am 13. Jänner 2015, knapp ein Monat vor Auslaufen des Pachtvertrags, eingestellt.

Zukunft

Hauseigentümer sind seit April 2012 die Salzburger Rechtsanwälte Rupert und Lukas Wolff. Die Brüder wollen das Haus in Abstimmung mit der Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung vom Keller bis zum Dach sanieren. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt. Man wolle bis zum Herbst mit Dach, Fassade und Fenstern fertig sein. Geplant seien zwölf Mietwohnungen. Im Erdgeschoß soll wieder ein Gastronomiebetrieb einziehen.

Quelle

  • Salzburger Nachrichten, 15. Jänner 2015 (Barbara Haimerl)