Virginia Hill

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Virginia Hill (* 26. August 1916 in Lipscomb, Alabama, USA, † 24. März 1966[1] in Salzburg) war die Ehefrau des Skirennläufers Hans Hauser und eine schillernde Persönlichkeit in der Zeit der amerikanischen Prohibition.

Leben

Schon als junge Frau war sie in Nachtclubs in Chicago, USA, unterwegs, wo sie der Buchmacherkönig Nat Coiner entdeckte. Er brachte sie mit führenden Köpfen aus dem Gangstermilieu zusammen und über diesen Weg lernte sie auch die "ehrenwerte Gesellschaft" (Mafia) kennen. Hill soll dann später von Coiner als Kontaktperson im Rauschgifthandel eingesetzt worden sein. Sie wurde schließlich die Geliebte des Mafiapaten Bugsy Siegel, der die Stadt Las Vegas gegründet hatte.

Nach drei gescheiterten Ehen und der Ermordung Bugsy Siegels lernte Hill 1950 den Salzburger Skilehrer Hans Hauser kennen und lieben. Die High Society in den Wintersportorten betrachtete ihre Schilehrer als persönliches Eigentum. Um diese Leute zu brüskieren, um Hans eine Aufenthaltsgenehmigung für die USA zu verschaffen und natürlich aus Liebe heirateten Virginia Hill und Hans Hauser im Frühling 1950. Am 20. November kam ihr Sohn Peter Jackson Hauser zur Welt.

1951 leitete Senator Estes Kefauver in New York eine Untersuchung des organisierten Verbrechertums ein. Virginia Hauser, geborene Hill, wurde als Zeugin geladen. Sie gab zwar zu, die größte Gangsterbraut Amerikas zu sein, bestritt aber massiv, irgendetwas über die Machenschaften des organisierten Verbrechens zu wissen. Es wurden hohe Summen genannt, die ihr die Gangsterbosse bezahlten. Auf die Frage, für welche Dienste sie so viel Geld bekam, konfrontierte sie die Kommission mit der Aussage, das müsse wohl mit ihrer besonderen Begabung im Umgang mit Männern zusammenhängen. "I'm the goddam best lay in the country." Ich bin die gottverdammt beste Matratze im Land.

Da Steuerbehörden und die Mafia hinter ihr her waren, kamen Virginia, Hans und ihr Sohn Peter nach Salzburg zurück, wo sie bei seiner Mutter am Gaisberg in der Zistelalm wohnten. Hans hatte keine Arbeit, Virginia hatte Schulden. Sie begann wieder zu reisen, Nat Coiner zu treffen und für ihn zu arbeiten, was mit Hans und Peter an ihrer Seite nicht mehr so einfach war wie früher. Hans wusste von den Verstrickungen seiner Frau und auch, woher das Geld kam, von dem sie lebten. Er wollte ihr ein ruhiges, bescheidenes Leben bieten, Virginia aber liebte den Luxus, für den ganz normalen Familienalltag auf einem österreichischen Berggasthof war sie nicht geschaffen. Es gab immer mehr Streit zwischen ihr und Hans, das Familienglück bekam Risse, schließlich trennten sich Hans und Virginia Hauser. Peter kam in ein Internat in Montreux, Hans blieb auf der Zistelam, Virginia, die in der Zwischenzeit einen österreichischen Pass bekommen hatte, reiste in die USA, um ihr gewohntes Leben wieder aufzunehmen. Doch nun war sie die Ehefrau eines Außenseiters, die Mutter eines Sohnes, für den sie zu sorgen hatte. Ihre Jugend, ihre Schönheit, ihr Glanz vergingen, andere Frauen hatten ihren Platz eingenommen. Nat Coiner verlor das Interesse an ihr und stellte schließlich seine Zahlungen ein.

Verzweifelt reiste Virginia ohne Geld 1964 zu ihrem Mann nach Salzburg auf die Zistelam. Hans bot ihr einen neuen gemeinsamen Anfang, doch Virginia wollte alles sein, nur nicht arm, sie wollte alles, nur kein langweiliges Leben führen. Sie schrieb an Nat Coiner, dass sie, sollte er seine Geldsendungen nicht wieder aufnehmen, gezwungen sei, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und alles über die Machenschaften der Cosa Nostra und ihre Rolle im Rauschgiftgeschäft zu erzählen. Nat Coiner flog sofort nach Salzburg und stieg im Hotel Österreichischer Hof ab. Der Chefportier des Hotels rief auf der Zistelam an und warnte Hans und Virginia. Sie flohen ins Heutal bei Unken, wo am Fuß des Sonntagshorns Hauser eine Hütte besaß. Hans kehrte bald danach auf die Zistelalm zurück, Virginia blieb im Heutal und schrieb dort während der nächsten zwei Jahre ihre Lebensgeschichte auf. Es wird erzählt, dass Virginia Hill im Alpengasthof Heutal wilde Parties gefeiert haben soll.

Anfang 1966 kehrte sie wieder in die Stadt Salzburg zurück, wo ihr Sohn Peter als Liftboy im Hotel Österreichischer Hof arbeitete. Sie selbst lebte in der Pension Eibl in der Vogelweiderstraße 98.

Lucky Luciano und Joe Adonis, mächtige Manager der Cosa Nostra und ehemalige Geliebte Virginia Hills, wurden um die Mitte der fünfziger Jahre aus den USA ausgewiesen und lebten nun in Italien. Virginia Hill, die dringend Geld brauchte, flog zu Joe Adonis nach Neapel, um die alte Freundschaft aufzufrischen und ihm anzubieten, wieder ins Rauschgiftgeschäft einzusteigen. Joe Adonis wusste, dass Virginia Hill von Nat Coiner gesucht wurde und versuchte, die Cosa Nostra mit der Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte zu erpressen. Man machte ihr Hoffnungen, sie wieder für sich arbeiten zu lassen. Jacky "Two Black Shoes" Tadori, ein Freund von Adonis, fuhr Virginia mit dem Wagen nach Salzburg. Dort, so lautete sein Auftrag, drohte er, ihren Ehemann Hans und ihren Sohn Peter zu töten, wenn sie sich nicht selber tötete und überreichte ihr zwanzig Schlaftabletten, die innerhalb einer Stunde nach der Einnahme zum Tod führen würden.

Am Dienstag, dem 22. März 1966 traf sich Virginia mit Hans im Gasthof "Zur Schönen Aussicht" auf dem Heuberg bei Salzburg. Sie hatten sich wenig zu sagen, die Gespräche drehten sich hauptsächlich um die Weiterbildung ihres Sohnes Peter. Gegen 18:50 Uhr trennten sich ihre Wege am Heuberg. Am 23. März sah der Pensionist Franz Inzinger am Alterbach unterhalb des Weges eine Gestalt liegen, die er für einen Betrunkenen hielt. Als er die Virginia Hill am nächsten Tag bei seinem Spaziergang noch immer dort liegen sah, meldete er den Vorfall der Polizei. Als offizielle Todesursache im Fall Hill gilt Selbstmord.

Virginia Hill ist wie ihr Ehemann Hans Hauser und ihr Sohn Peter am Friedhof Aigen beerdigt.

Weblinks

Quellen

Fußnote

  1. der offizielle Sterbetag ist der Tag, an dem die Leiche gefunden wurde, zuletzt lebendig gesehen wurde sie zwei Tage vorher.