Kultur

Virginia Hill: Die Geschichte einer Salzburger Gangsterbraut

Der Salzburger Autor Peter Blaikner hat sich intensiv mit der Biografie von Virginia Hill beschäftigt. Am Donnerstag erzählt Blaikner Hills Geschichte auf der Zistelalm. Mit im Fundus sind auch bislang unbekannte Filmsequenzen.

Zu sehen sein werden auf der Zistelalm Filmaufnahmen aus dem privaten Archiv der Familie Hauser. Sie zeigen Virginia Hill auf der Zistel und in Unken. Dort musste sie sich mit ihrer Familie vor der Mafia verstecken.

Zerschlagen haben sich mittlerweile die Pläne, aus dem Stoff in Kooperation mit dem Landestheater Salzburg eine Bühnenfassung (Text Peter Blaikner) mit Gesang (Musik Konstantin Wecker) vorzubereiten. "Auf Grund dramaturgischer Differenzen mit dem Autor in der Entwicklung und Vorbereitung der Produktion" sei die Durchführung der Produktion nicht möglich", teilte Intendant Carl Philipp Maldeghem in einer Aussendung mit.

Peter Blaikner "Virginia Hill"

Die Geschichte von Virginia Hill erschien in Blaikners Buch "Out of Innergebirg" im Jahr 2014:

Im Heutal bei Unken, am Fuß des Sonntagshorns, das auf seiner Westflanke gerunzelt ist wie der Nacken eines Stieres, steht nicht weit entfernt vom Heutalbauern eine Hütte, die dem Hauser Max gehörte. In dieser Hütte fanden sein Bruder Hans und dessen Ehefrau Virginia im Jahr 1964 Unterschlupf.

Virgina Hill wurde als das sechste von zehn Kindern am 26. August 1916 in Lipscomb, Alabama, geboren. "Mein Vater war Ire", berichtet sie in ihrer Lebensbeschreibung, "mit ein wenig Indianerblut. Ein netter Kerl, wenn er nüchtern war, aber gefährlich, wenn er über den Durst getrunken hatte. Mit zunehmendem Alter soff er immer mehr." Mit siebzehn Jahren lief sie von zu Hause weg, weg von der Kleinstadt, von der Armut, von der Gewalttätigkeit ihres Vaters. Sie kam nach Chicago, wurde Kellnerin und verkehrte in den Nachtclubs mit kleinen Gaunern, Zuhältern und mit den Buchmachern der Wettbüros von der Pferderennbahn. Der Chicagoer Buchmacherkönig Nat Coiner entdeckte die junge, schöne, lebenslustige Frau, die zu allem bereit schien, und machte sie mit den führenden Gangsterbossen Amerikas bekannt.

"

Die Prohibitionsgesetze in den USA, die den Amerikanern den Konsum und den Besitz alkoholischer Getränke bei strengster Strafe untersagten, führten seit ihrer Einführung im Jahr 1920 dazu, dass sich die Kriminellen zu organisierten Verbrecherbanden zusammenschlossen, um den illegalen Handel mit Alkohol besser kontrollieren zu können. Diese stark gewordenen Organisationen wandten sich nach Abschaffung der Prohibitionsgesetze durch Präsident Franklin D. Roosevelt im Jahr 1934 verstärkt neuen Arbeitsmöglichkeiten zu: Drogenhandel, gewerbsmäßige Prostitution, Glücksspiel, Erpressung, Monopolisierung von Importartikeln. Eine der mächtigsten Banden ist die Cosa Nostra.

Virginia Hill wurde von Nat Coiner als Kontaktperson im Rauschgifthandel eingesetzt, sie sollte besonders an der Westküste der USA neue Märkte für die Cosa Nostra erschließen und für Kanäle sorgen, durch die das Rauschgift problemlos von Mexiko in die USA gelangen konnte. Die Gegenleistungen waren großzügig, Geld, Nerze, Brillanten, das luxuriöse Leben, von dem Virginia Hill immer geträumt hatte. Sie war auf den Partys der High Society des Verbrechens gern gesehen und gab in ihren Wohnungen ausgelassene Feste. Ihre Verehrer, von Al Capone über die Fischetti Brüder bis zu Lucky Luciano, Joe Adonis und Frank Costello, nannten sie "Flamingo", erfreuten sich an ihrer Gegenwart und schätzten ihre Verschwiegenheit. Im Alter von zwanzig Jahren war sie eine der wenigen Frauen, denen es erlaubt war, an Versammlungen der Cosa Nostra teilzunehmen.

Nach einer Reihe von Affären und drei gescheiterten Ehen lernte sie im Jahr 1940 Benjamin Siegel kennen und wurde seine Geliebte. "Er war der sauberste, gepflegteste und adretteste Mann, den ich je gekannt habe. Auch ich hatte mir immer geschmeichelt, als appetitlich zu gelten, doch im Vergleich zu ihm kam ich mir vor wie ein Schmierlappen", schrieb sie über ihn. Benjamin Siegel, genannt Bugsy, die Wanze, ein Spitzname, den er sein Leben lang hasste, war Mitbegründer der "Murder Incorporated", einer Organisation, die sich in eindeutiger Weise um Personen kümmerte, die die Arbeit der Cosa Nostra behinderten. Als Gegenleistung für seine Dienste machte man ihn zum Geschäftsführer der Cosa Nostra im gesamten Gebiet der Westküste, Kalifornien inklusive Nevada.

In der Wüste von Nevada, in dem unbedeutenden und abgeschiedenen Ort Las Vegas, begann er, seinen großen Traum zu verwirklichen, eine Hotel- und Casinoanlage errichten zu lassen, die er nach Virginia Hills Spitznamen "Flamingo" nannte. Es sollte das luxuriöseste Hotel der Welt werden. Das Geld für die Kosten, die sich im Lauf der Bautätigkeit um das Sechsfache auf insgesamt sechs Millionen Dollar erhöhten, stammte von der Cosa Nostra. Die Eröffnung des Flamingo am 26. Dezember 1946 wurde eine finanzielle Katastrophe, zwei Wochen später musste es schließen. Die Geldgeber fürchteten um ihre Investitionen und beschuldigten Bugsy Siegel, ihr Geld schlecht veranlagt zu haben. Schließlich erhärtete sich der Verdacht, dass zwei Millionen der Bausumme heimlich abgezweigt und von Virginia Hill auf anonyme Schweizer Konten gebracht worden waren.

Am Abend des 20. Juni 1947 saß Benjamin Siegel allein im Salon von Virginia Hills Haus "Falcon's Lair" in Beverly Hills, das einmal Rudolfo Valentino, dem großen Schauspieler der Stummfilmzeit, gehört hatte. Während er die Titelseite der "Los Angeles Times" las, wurden vom Garten des Hauses durch das geschlossene Fenster acht Revolverschüsse auf ihn abgegeben. Die ersten beiden Schüsse trafen ihn im Gesicht. Benjamin Siegel starb mit zweiundvierzig Jahren. Virginia Hill, die von Nat Coiner erfahren hatte, was Siegel bevorstand, hielt sich auf seinen Rat hin zum Zeitpunkt des Mordes in Paris auf. Der Mord wurde, wie viele Morde im Gangstermilieu, niemals aufgeklärt. Noch in der gleichen Nacht übernahmen die Geldgeber des Flamingo das bankrotte Hotel, das bereits ein paar Tage später erstmals Gewinne verzeichnete und sich zu einer Goldgrube für seine Besitzer entwickelte.

Virginia Hill stürzte in eine schwere Krise. Nach einigen Selbstmordversuchen kehrte sie in die USA zurück, wo sie als Braut des ermordeten Siegel von den Medien belagert wurde. Auch das FBI war hinter ihr her. Um sie zu schützen, schickte sie ihr alter Freund Nat Coiner, der ihr gewohntes Luxusleben, das sie auf keinen Fall aufgeben wollte, nun wieder finanzierte, nach Mexiko. Dort organisierte sie zur Zufriedenheit ihrer Auftraggeber den Rauschgift- und Goldschmuggel, baute ein Netz von Bestechungen auf und aktivierte die einst von Benjamin Siegel arrangierte "Milchstraße" für den Transport von Rohopium von den Feldern südlich der amerikanischen Grenze über seine Verarbeitung in Tijuana bis zum Vertrieb des Kokains und Heroins in Los Angeles.

Virginia Hill war nach der Geschichte mit Benjamin Siegel, nach ihren Selbstmordversuchen und wegen der andauernden Bedrängung durch Reporter und FBI nervlich angeschlagen und wollte wieder nach Europa, um Ruhe zu finden. Nat Coiner schlug ihr vor, zur Erholung in den mondänen Wintersportort Sun Valley in den Rocky Mountains zu fahren. Sie verschob ihre Europareise, traf am 4. Jänner 1950 in Sun Valley ein und begann nach einigen Tagen, Schi fahren zu lernen. "Ein großgewachsener, gutaussehender Kerl namens Hans Hauser wurde mein Schilehrer. Er war Österreicher, ehemaliger Weltmeister im Abfahrtslauf und hatte alle möglichen Pokale und Medaillen für seine Leistungen im Slalom, Schispringen und Langlauf vorzuweisen."

Johann Hauser, ein achtunddreißigjähriger Salzburger, kam 1936 als Schilehrer nach Sun Valley, wurde während des Zweiten Weltkriegs als feindlicher Ausländer gemeinsam mit anderen Österreichern von den Amerikanern in ein Lager gesteckt und sollte 1945 aus den USA ausgewiesen werden. Er bekämpfte den gegen ihn erlassenen Ausweisungsbefehl mit allen Mitteln, wollte in den USA bleiben und kam schließlich wieder als Schilehrer nach Sun Valley. Virginia Hill fühlte sich in seiner Gegenwart sehr wohl und hatte bald ein enges Verhältnis zu ihm. "Eines Abends gab ich eine Party in meinem Appartement. Hans war einer der Gäste, trank aber ein wenig über den Durst und verschwand plötzlich. Nachdem alle gegangen waren, zog ich mich in mein Schlafzimmer zurück und fand Hans nackt in meinem Bett. Es machte mir Spaß, mich ebenfalls auszuziehen. Noch in dieser Nacht entschloß ich mich, mit meiner Europareise noch ein wenig abzuwarten." Virginia Hill und Hans Hauser wurden ein Liebespaar, sie war glücklich und hatte das Gefühl, erstmals in ihrem Leben einen geradlinigen, natürlichen Mann getroffen zu haben, der sie als Mensch achtete und der es auch mit der Liebe ernst meinte.

Die High Society in den Wintersportorten betrachtete ihre Schilehrer als persönliches Eigentum. Um diese Leute zu brüskieren, um Hans eine Aufenthaltsgenehmigung für die USA zu verschaffen und natürlich aus Liebe heirateten Virginia Hill und Hans Hauser im Frühling 1950. Am 20. November kam ihr Sohn Peter Jackson Hauser zur Welt. Virginia wollte nun alles anders machen, doch wie soll man ein neues Leben beginnen, wenn das alte noch sehr lebendig ist? Bisher spielten sich ihre Bekanntschaften im Kreis der Gangster und Ganoven ab, nun gab es einen Mann von außen, der in ihr Leben trat. Das konnte gefährlich werden für sie und für die gesamte Organisation. Darüber hinaus hatte Virginia Hill nicht vor, auf ihr bislang luxuriöses Leben zu verzichten, ein Leben, so stellte sie bald fest, das ihr Hans auch nicht annähernd bieten konnte. Dafür brauchte sie vor allem Nat Coiner und seine großzügige finanzielle Unterstützung, die es nicht umsonst gab. Hans Hauser, der Außenseiter und Eindringling, wurde belächelt, er wusste anscheinend nicht, welche Art von Frau er da geheiratet hatte. Er liebte seine Frau, wollte mit seiner Familie ein normales Leben führen, für sie sorgen, als Schilehrer sein Geld verdienen und mit Virginia glücklich sein.

1951 leitete Senator Estes Kefauver in New York eine Untersuchung des organisierten Verbrechertums ein. Virginia Hauser, geborene Hill, wurde als Zeugin geladen. Sie gab zwar zu, die größte Gangsterbraut Amerikas zu sein, bestritt aber massiv, irgendetwas über die Machenschaften des organisierten Verbrechens zu wissen. Es wurden hohe Summen genannt, die ihr die Gangsterbosse bezahlten. Auf die Frage, für welche Dienste sie so viel Geld bekam, konfrontierte sie die Kommission mit der Aussage, das müsse wohl mit ihrer besonderen Begabung im Umgang mit Männern zusammenhängen. "I'm the goddam best lay in the country." Ich bin die gottverdammt beste Matratze im Land.

Die Zeitungen gaben Virginia Hill-Hauser mehr Schlagzeilen, als sie Senator Kefauver und seiner Untersuchung widmeten. Das Verfahren, das im Fernsehen übertragen wurde und aus Virginia eine landesweit bekannte Persönlichkeit machte, brachte keinen Erfolg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Doch nun wurde die Steuerbehörde auf Virginia Hill aufmerksam, beschlagnahmte ihren gesamten Besitz und forderte Nachzahlungen in einer Höhe, die ihre Möglichkeiten bei weitem übertraf. Das und die Tatsache, dass der Ausweisungsbefehl für Hans Hauser auch durch seine Heirat mit einer US-Bürgerin nicht aufgehoben war, führten dazu, dass Hans, Virginia und Peter Hauser die USA verließen und schließlich in der Nähe von Salzburg, auf der Zistelam am Gaisberg, einem kleinen Berggasthof, der der Mutter von Hans gehörte, eintrafen. Hans hatte keine Arbeit, Virginia hatte Schulden. Sie begann wieder zu reisen, Nat Coiner zu treffen und für ihn zu arbeiten, was mit Hans und Peter an ihrer Seite nicht mehr so einfach war wie früher. Hans wusste von den Verstrickungen seiner Frau und auch, woher das Geld kam, von dem sie lebten. Er wollte ihr ein ruhiges, bescheidenes Leben bieten, Virginia aber liebte den Luxus, für den ganz normalen Familienalltag auf einem österreichischen Berggasthof war sie nicht geschaffen. Es gab immer mehr Streit zwischen ihr und Hans, das Familienglück bekam Risse, schließlich trennten sich Hans und Virginia Hauser. Peter kam in ein Internat in Montreux, Hans blieb auf der Zistelam, Virginia, die in der Zwischenzeit einen österreichischen Pass bekommen hatte, reiste in die USA, um ihr gewohntes Leben wieder aufzunehmen. Doch nun war sie die Ehefrau eines Außenseiters, die Mutter eines Sohnes, für den sie zu sorgen hatte. Ihre Jugend, ihre Schönheit, ihr Glanz vergingen, andere Frauen hatten ihren Platz eingenommen. Nat Coiner verlor das Interesse an ihr und stellte schließlich seine Zahlungen ein. Verzweifelt reiste Virginia ohne Geld zu ihrem Mann nach Salzburg auf die Zistelam. Hans bot ihr einen neuen gemeinsamen Anfang, doch Virginia wollte alles sein, nur nicht arm, sie wollte alles, nur kein langweiliges Leben führen. Sie schrieb an Nat Coiner, dass sie, sollte er seine Geldsendungen nicht wieder aufnehmen, gezwungen sei, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und alles über die Machenschaften der Cosa Nostra und ihre Rolle im Rauschgiftgeschäft zu erzählen. Nat Coiner flog sofort nach Salzburg und stieg im Hotel "Österreichischer Hof" ab. Der Chefportier des Hotels rief auf der Zistelam an und warnte Hans und Virginia, die daraufhin ins Heutal bei Unken flohen, wo sie am Fuß des Sonntagshorns Unterschlupf in einer abgelegenen Hütte fanden, die dem Hauser Max, Bruder von Hans, gehörte. Hans kehrte bald danach auf die Zistelalm zurück, Virginia blieb im Heutal und schrieb dort während der nächsten zwei Jahre ihre Lebensgeschichte auf.

Man erzählt sich, dass Virginia im "Alpengasthof Heutal" wilde Partys feierte, auf den Tischen tanzte, ihre Striptease-Künste vorführte und ein Verhältnis mit einem Unkener hatte. Die Unkener waren von dieser außergewöhnlichen Frau begeistert, was nicht verwundert, gelten doch auch die Unkener als außergewöhnliche Menschen. Der Unkener Pfarrer Johannes Wieser, der immer sagte, in seiner Gemeinde gebe es keine Schafe, sondern nur Böcke, predigte schon um 1900: "Es gibt dreierlei Menschen: Mandln, Weibln und Unkener."

Anfang des Jahres 1966 zog Virginia Hill nach Salzburg und wohnte mit ihrem Sohn, der als Liftboy im Hotel "Österreichischer Hof" arbeitete, in der Pension Eibl, Vogelweiderstraße 98.

Lucky Luciano und Joe Adonis, mächtige Manager der Cosa Nostra und ehemalige Geliebte Virginia Hills, wurden um die Mitte der fünfziger Jahre aus den USA ausgewiesen und lebten nun in Italien. Virginia Hill, die dringend Geld brauchte, flog zu Joe Adonis nach Neapel, um die alte Freundschaft aufzufrischen und ihm anzubieten, wieder ins Rauschgiftgeschäft einzusteigen. Joe Adonis wusste, dass Virginia Hill von Nat Coiner gesucht wurde und versuchte, die Cosa Nostra mit der Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte zu erpressen. Man machte ihr Hoffnungen, sie wieder für sich arbeiten zu lassen. Jacky "Two Black Shoes" Tadori, ein Freund von Adonis, fuhr Virginia mit dem Wagen nach Salzburg. Dort, so lautete sein Auftrag, drohte er, ihren Ehemann Hans und ihren Sohn Peter zu töten, wenn sie sich nicht selber tötete und überreichte ihr zwanzig Schlaftabletten, die innerhalb einer Stunde nach der Einnahme zum Tod führen würden. Er wünschte ihr viel Glück, drehte sich um und ging weg. Virginia sah noch seinen Nacken, der sie an das Sonntagshorn erinnerte, das auf seiner Westflanke gerunzelt ist wie der Nacken eines Stieres.

Am Dienstag, dem 22. März 1966 traf sich Virginia mit Hans im Gasthof "Zur Schönen Aussicht" auf dem Heuberg bei Salzburg. Sie hatten sich wenig zu sagen, die Gespräche drehten sich hauptsächlich um die Weiterbildung ihres Sohnes Peter.

"Als wir um 18 Uhr 50 das Gasthaus "Zur Schönen Aussicht' verließen, wollte ich meine Frau Virginia mit dem Wagen nach Hause fahren. Sie gab mir jedoch zur Antwort, dass sie wegen eines Spazierganges zur "Schönen Aussicht' gegangen sei. Sie wollte daher nicht mit mir fahren, sondern den Weg zu Fuß nach Hause zurücklegen. Ich gab meiner Frau am Parkplatz noch einen Abschiedskuss, und sie ging allein auf der Straße in Richtung Gnigl. Nach ungefähr fünfzig Metern holte ich meine Frau ein, hupte ein paar Mal und winkte ihr zu. Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine Frau nicht mehr gesehen." So lauten Hans Hausers Angaben im Protokoll des Landesgendarmeriekommandos Salzburg. Als man ihn später fragte, welche die letzten Worte waren, die er mit seiner Frau gesprochen hatte, sagte er:
Virginia fragte mich: "Wo ist der Mond?"
Ich antwortete: "Ich weiß nicht, Darling."
"Du weißt, ich liebe den Mond", sagte Virginia.
"Vielleicht ist er hinter einer Wolke", sagte ich.
"Ich glaube, ich werde ihn brauchen in dieser Nacht", sagte Virginia.
Auf die Frage, ob ihm der letzte Satz seiner Frau nicht zu denken gegeben habe, antwortete er: "Na, denkt hab i mir nix dabei."

Der Pensionist Franz Inzinger gab am 25. März zu Protokoll: "Am Mittwoch, dem 23. März 1966, ging ich nachmittags allein auf den Heuberg, um mir Schlüsselblumen zu holen. Am Alterbach sah ich unterhalb des Weges eine Gestalt liegen. Die Gestalt lag in seitlicher Lage, zusammengekrümmt, und ich hatte den Eindruck, dass diese Person schlafe. Unmittelbar neben der Person steht ein Baum, ein sogenannter Zwilling. Zwischen diesen beiden Stämmen lag eine schwarze Ledertasche. Da ich mit Sicherheit vermutete, dass es sich um eine betrunkene Person handelte, setzte ich meinen Weg fort. Ich will erwähnen, dass ich vor Jahren einmal einen Betrunkenen, den ich in der Nähe von Hallein aufgefunden hatte, geweckt habe. Dieser Betrunkene hat mich dann furchtbar geschimpft. Aus diesem Grunde habe ich mich der in der Nähe des Alterbachs liegenden Person, bei der ich vermutete, dass sie ebenfalls betrunken war, nicht weiter genähert. Am nächsten Tage machte ich vormittags wieder einen Spaziergang auf den Heuberg hinauf. Die Person lag noch genau am gleichen Platz und ich hatte die Gewissheit, dass sie tot war. Ich konnte aber feststellen, dass sich die Ledertasche nicht mehr bei der toten Person befand."

Hans Hauser übersetzte die Aufzeichnungen der Virginia Hill ins Deutsche, sie wurden im Jahr 1970 unter dem Titel "Virginia Hill. Memoiren einer Gangsterbraut" als Buch veröffentlicht. Virginia berichtet darin über ihre Männerbekanntschaften, über ausgelassene Partys, Geld, Sex, Reisen und Nebensächlichkeiten. Die Personen des organisierten Verbrechens, zu denen sie in Beziehung stand, werden allesamt ausführlich abgehandelt, jedoch in unverbindlicher, fast freundlicher Art und Weise. Sie erinnern eher an Frauenhelden, an Glücksspieler, an gute Freunde als an jene Schwerverbrecher, die sie sind. Man hat fast den Eindruck, als wollte sie sich mit diesem Buch bei ihren Gangsterfreunden rehabilitieren, um wieder ins Geschäft einsteigen zu können.

"Ich hatte für Gangster etwas übrig. Sie waren aufregend und faszinierend. Sie hatten gute Manieren und verstanden es, eine Frau zu bezaubern. Das gefiel mir."

Im Jahr 1974 nahm Hans Hauser zu Joe Adonis Kontakt auf und teilte ihm mit, dass noch andere Aufzeichnungen seiner Frau Virginia aufgetaucht seien, Aufzeichnungen mit für die Cosa Nostra unangenehmen Inhalten. Er selbst sei im Besitz dieses verschwunden geglaubten Manuskriptes und habe vor, es zu verkaufen beziehungsweise zu veröffentlichen. Jacky "Two Black Shoes" Tadori fuhr wieder von Neapel nach Salzburg. Hans Hauser wurde kurz darauf erhängt aufgefunden, die offizielle Todesursache lautete, wie acht Jahre zuvor bei seiner Ehefrau, Selbstmord. Das Manuskript bleibt verschwunden.

Peter Jackson Hauser, der Sohn von Hans und Virginia, starb im Mai 1995 im Alter von vierundvierzig Jahren. Er ist ebenso wie seine Eltern auf dem Friedhof Aigen in Salzburg beerdigt.

Virginia Hill - Gangsterbraut vom Gaisberg

Der Salzburger Autor und Kabarettist Peter Blaikner erzählt die unglaubliche Geschichte einer Frau, die von den höchsten Mafiakreisen der USA nach Salzburg kam, um ihre große Liebe zu finden. Und ihren Tod. Das ist fünfzig Jahre her. Ihr Mythos lebt weiter.

Virginia Hill (1916 - 1966) war die Geliebte und Vertraute von Gangsterbossen der amerikanischen Cosa Nostra wie Joe Adonis und Bugsy Siegel, Gründer von Las Vegas. Und sie war die Ehefrau von Hans Hauser, dem großen Schirennläufer von der Zistelalm.

Donnerstag, 20.Oktober, 19.30 Uhr
Zistelalm (Zistelstadl), Gaisberg
Eintritt frei, Reservierungen: Tel. 0662-641067
www.zistelalm.at
www.blaikner.at

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.09.2018 um 02:29 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/virginia-hill-die-geschichte-einer-salzburger-gangsterbraut-964090

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