Über 1000 Jahre Gastein - Gasteiner Mosaiksteine 2

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Titelbild des Buches

Im Jahr 2020 erinnert man sich an 1000 Jahre Gastein, da die erste urkundliche Nennung des Gasteinertales im Jahr 1020 erfolgte. Die Hintergründe zur damaligen Nennung und Allgemeines zum Namen Gastein schildert dieser Artikel.

Autor: Fritz Gruber
Herausgeber: Rotary Club Bad Gastein
Verlag: Eigenverlag - Kontakt E-Mail: fritz.gruber@sbg.at
Erscheinungsjahr: 2020
ISBN 978-3-200-07389-0
520 Seiten

Inhalt

Aus den einzelnen, teilweise sehr umfangreichen Kapiteln werden nur einzelne Abschnitte exemplarisch hier aufgezählt (nicht vollständig!)

Geschichte

Der Name „Gastein“ findet zwar schon um 963 Verwendung, doch bezieht er sich nur auf die Tatsache, dass in diesem Jahr 963 die Einmündung der Gasteiner Ache in die Salzach (also im heutigen Lend, einem relativ jungen Ort, den es damals noch nicht gab) als Grenzmarke punktuelle Erwähnung findet. Es ging damals um große Waldschenkungen, so z. B. im benachbarten Raurisertal und Taxenbach, aber auch im Ennspongau.

In der bisherigen Geschichtsschreibung wurde das Jahr 1023 genannt, doch konnte Univ.-Prof. Dr. Heinz Dopsch, an der Universität Salzburg zuständig für „Salzburger Landesgeschichte“, völlig eindeutig nachweisen, dass nicht 1023, sondern 1020 stimmt. Prof. Dr. Dopsch, dem der Verfasser [dieses Beitrages] zu freundschaftlichem Dank verpflichtet ist, verstarb 2014. Auf seinen Forschungen beruhen auch die meisten der hier folgenden Details. Die Quellenangaben sind dem Buch zu entnehmen, das Ende 2020 erschienen ist.

Die falsche Jahreszahl schlich sich ein, da die Urkunde selbst nicht datiert (aber sekundär eindeutig datierbar) ist. Der Verfasser war bekannt: Erzbischof Hartwig (991–1023). Es war weiters bekannt, dass die Urkunde gegen das Ende seiner Bischofs-Sedenz (Dauer seines Bischofsamtes) ausgestellt wurde – und so führte man früher sicherheitshalber sein Sterbejahr an, nämlich 1023.

Die Urkunde hat laut dem von Willibald Hauthaler OSB edierten Salzburger Urkundenbuch folgenden Inhalt:

Die leiblichen Brüder und Edlen, der Diakon Friedrich und der Graf Sieghard übergeben [an Erzbischof Hartwig] acht Bauerngüter und dreizehn Joch im Salzburggau, in den Ortschaften Wals, Tyrlaching und Berndorf bei Salzburg

wogegen ihnen der Erzbischof die St. Marienkirche im Gasteinertal (Hofgastein) samt dem dazugehörigen Zehent, auch die ganze Talbegrenzung {nämlich durch die Berg-Grate im Süden, Osten und Westen} mit alle Rechten und Nutzungen einer Mutter- und Pfarrkirche überlässt. Hauthaler schließt mit dem Hinweis, dass die Datierung fehlt und dass 1023 nur eine Annahme ist. Er gibt als Datum an: „Regensburg, (vor 1023) August 2. Die für Gastein entscheidende Passage in dieser Urkunde lautet im mittelalterlich-lateinischen Originaltext:

Predictus dom(i)nus archiepiscopus Hartwic … tradidit prenominatis germanis fratribus ecclesiam in honore sancte Marie constructum in valle que Gastuina dicitur.

Der gesamte lateinische Urkundentext wurde von Prof. Dopsch folgend übersetzt:

Im Namen aller heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Die Gesamtheit der Kirche Gottes möge erfahren, dass die zwei leiblichen Brüder, der edle Diakon Friedrich und der Graf Sigehard, einen Tausch mit dem Herrn Hartwig, dem verehrungswürdigen Erzbischof der heiligen Salzburger Kirche, durchgeführt haben. Es haben nämlich dieselben Brüder acht Hufen und 13 Joch im Gau Salzburggau, in den Orten Wals, Tyrlaching und Berndorf gelegen, in die Hand desselben verehrungswürdigen Erzbischofs und seines Vogtes Walther übergeben, aufdass sie zu ewigem Recht dem hl. Petrus und dem hl. Rupert als Eigengut gehören. Dagegen hat der vorgenannte Herr, der Erzbischof Hartwig, durch die Hand desselben Vogtes Walther gemäß dem Rat, der Zustimmung und der Bitte des Klerus, der militärischen Gefolgschaft und der Eigenleute den vorgenannten leiblichen Brüdern die Kirche, die zu Ehren der hl. Maria im Gasteinertal errichtet ist, und den Zehent, der bis dahin zu derselben Kirche gehörte, auch die Begrenzung des desselben Tales, das zu derselben (Kirche) gehört, mit allem Recht und Nutzen, welcher Kirchen, die Mutterkirchen und Pfarrkirchen genannt werden, nach kanonischem Recht zusteht, auf diese Weise übertragen, dass sie die freie Verfügungsgewalt besitzen sollen, damit zu tun, was immer ihnen gefällt. – Und damit dieses Tauschgeschäft auf ewig unverändert und fest bestehen bleibe, sind die folgenden Zeugen herbeigeführt und an den Ohren gezogen worden, deren Namen folgende sind: Graf Friedrich, Ebararo, Maganus, Adalpreht, Erchanbolt, Patto, Embricco, Notpreht, Gumpo, Egilolf, Heimo. – Das wurde durchgeführt am 2. August in Regensburg in einer öffentlichen Versammlung (Hoftag).

Zum Text dieser Urkunde noch einige Anmerkungen

  • Sprachlich: Die Schreibungen variieren zwischen „Sigehard“, „Sighard“ und „Sieghard“. Hier wird „Sieghard“ bevorzugt, da es etymologisch am besten der Urbedeutung :→entspricht: „Sieg + der Starke“.
  • Sprachlich: Der Name „Gastein“ erscheint hier in der Lautform „Gastuine“. Diese Schreibung ist ein Hinweis darauf, dass der Name ein karantanisch-altslowenisches Stadium durchlaufen hat. Zugrunde liegt eine noch ältere Lautform, nämlich „Gastunja“, in deren zweiter Silbe (– „unja“ –) sich ein frühslawisches Ortsnamensuffix zu erkennen gibt. Wegen des Vorhandenseins eines frühen hochzungigen Lautelements, nämlich des >j<, verlief die Entwicklung des im lateinisch-alpenromanisch gegebenen Vorstadiums („Gastuna“) nicht zu >au< („Gastaun“), sondern durch Diphthongierung unter >j< Einfluss zu >eu< (Gasteun) und durch dialektische Angleichung zu >ei< („Gastein“, wie „Leute“ zu dialektisch „Leit“).
  • Historisch: Der Urkundentext erweist deutlich, welch wichtige Position dem Salzburger Kirchenvogt „Walther“ zukam. Er war selbst kein Geistlicher, sondern „herrschte“ über die weltlichen Angelegenheiten einer Person, die ihn mit dieser Aufgabe betraut hatte, im konkreten Fall der Salzburger Erzbischof Hartwig. Kirchenvogt Walther war der ranghöchste Zuständige für die Verwaltung des Kirchengutes, der alle diesbezüglichen rechtlichen Vorgänge zu steuern hatte. In späterer Zeit wurden Vögte manchmal auch Lehensträger und erhielten in Regierungsgeschäften große Macht. Es konnten sich zwischen den beiden Mächtigen, nämlich dem mächtigen Beauftragten und dem höherrangigen Beauftrager, durchaus auch Meinungsverschiedenheiten aufbauen. Die Hauptvögte des Salzburger Erzbistums waren die Grafen von Peilstein.
  • Historisch: Der Tauschvertrag von 1020 galt auch für spätere Nachkommen aus der Sippschaft der Sieghardinger, wie zum Beispiel für Gräfin Ida von Burghausen und Süpplinburg, die ihr Gut in Luggau an die Benediktinerabtei Michaelbeuern übergab; oder auch für Sophie von Burghausen und Grabenstätt, die ihren Besitz in Remsach an das Augustinerkloster in Ranshofen stiftete. Aufseiten der Peilsteiner Linie war es Euphemia von Peilstein und Mörle, die ihre Besitze in Ober-Puchele und Kötschau an das bei Reichenhall gelegene Kloster St. Zeno stiftete.

Rezension 1

2,1 Kilogramm detaillierte Gasteinertal-Geschichte von einem ausgewiesenen Fachmann

Es ist nicht das erste Buch von Prof. Gruber über die Geschichte seiner Heimat. Aber es ist sein umfangreichstes Werk, eine Zusammenführung aller seiner bisherigen geschichtlichen Mosaikbausteine.

Im Jahr 1020 erscheint erstmals der Name „Gastuine“, 2020 erschien dieses Buch. Aber im Buch beginnt die Geschichte mit der Steinzeit. Zwei Schwerpunkte ziehen sich durch dieses Werk: Die Geschichte des Bergbaues und der Badekur. Zu beiden Themen gräbt Gruber interessante Beiträge aus, berichtet über einzelne geschichtliche Besonderheiten und erklärt viele geschichtliche Zusammenhänge zu Begriffen und heute noch bestehenden Einrichtungen und Bauwerken.

Neben etlichen Abbildungen von Urkunden, Bildern und Listen finden sich immer wieder „Gasteiner Zitate“ und „Exkurse“ zu Themen. Beides in eigenen, farblich unterlegten Kästen optisch hervorgehoben. „Gasteiner Zitate“ sind historische Textstellen passend zum jeweilen Buchkapitel, die von Gruber näher erklärt werden. So werden historische Begriffe und Ausdrucksweisen für den Leser verständlich. Bei „Exkursen“ geht Gruber näher auf gerade beschriebene Ereignisse ein. Beispielsweise im Kapitel „Veränderungen in der Betriebsstruktur des Gasteiner Großreviers“ erläutert Gruber im ersten Exkurs die ersten Sprengversuche am Radhausberg und im zweiten Exkurs macht er Preise und Löhne des 16. und 18. Jahrhunderts im Vergleich verständlich. Beispielsweise kostete um 1560 „ein Viertel Wein“ (das waren zwei Liter) 10 Kreuzer im begünstigten Pfennwerthandel (der natürlich erklärt wird) und ein Grubenzimmermeister, der in der mittleren Einkommensklasse war, bekam 60 Kreuzer netto pro Woche.

Unter den vielen interessanten Themen seien exemplarisch erwähnt: „Die Entwicklung des Heilbades in der Gastein bis in das 16. Jahrhundert“ (mit historischen Abbildungen samt Erklärungen dazu), „Die Religionsfrage“, „Gericht und Recht“ mit einem Exkurs über „Weistümer und die Todesstrafe“, „Erklärung einer Auswahl von Ortsnamen altslowenischem Ursprungs“, „Wann und wie sehr war das Gasteinertal von der Pest betroffen?“, „Das Geschlecht der Strochner“ (Stifter des ersten Spitals der „Arm-Leit“), „Die Gründung des heutigen Altböcksteins“ , „Das Bauernkriegsjahr 1525“, u.s.w.

Dem Umfang des Buches entsprechend geht Gruber in vielen Kapiteln in die Tiefe. Es ist also kein „Lesebuch“, sondern ein Nachschlagewerk, das durch viele Details und Querverweise ein detailliertes Geschichtsbuch über eines der historisch wichtigsten Täler im Bundesland Salzburg darstellt.

Weblinks

Quellen

Die Geschichte des Gasteinertals