Gasteiner Kur (Geschichte)

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Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Gasteiner Kur .
Ein Artikel über die gleichnamige therapeutische Anwendung findet sich unter Gasteiner Kur.
Heilbad und Bäder in Wildbachgastein, Radierung, 1793, Quelle: Salzburg Museum
Gedenktafel für Johann Strauss Sohn, eine der zahlreichen Erinnerungstafeln für bekannte Bad Gasteiner Kurgäste des 19. Jahrhunderts.

Die Gasteiner Kur ist seit 1230 nachgewiesen und erreichte ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert.

Wesen der Gasteiner Kur

Hauptartikel: Gasteiner Kur

Geschichte

Erste Hinweise

Der erste Hinweis auf die Nutzung der bekannten Gasteiner Thermalquellen findet sich bereits in dem aus dem Jahr 1230 stammenden Badegedicht "Die Graserin in der Gastein" des für die mittelhochdeutsche Literatur bedeutsamen Dichters Neidhart von Reuental. Die älteste sichere Darstellung einer medizinischen Nutzung der Heilquellen stammt aus dem Jahr 1350.

Im Laufe der Geschichte und vor allem durch die Entwicklung zum Kur- und Badeort wurde das Gasteinertal von vielen berühmten Gästen besucht. Dazu gehören unter anderem Kaiser Friedrich III. im 15. Jahrhundert und der bekannte Arzt Paracelsus im 16. Jahrhundert.

15. Jahrhundert

Als Konrad Strochner, Pfleger zu Klammstein, Landrichter und Wechsler in Gastein am 25. Februar 1489 unverheiratet und kinderlos starb, bestimmte er in seinem Testament ein Vermögen von 1.300 Gulden zur Errichtung eines „Armenpadt“ in Gastein. Die drei Testamentskuratoren, darunter sein jüngerer Bruder Hans Strochner, Pfleger in Gastein, gewilligte - wie später im Stiftsbrief 1496 dargelegt – weitere 1.300 Gulden und sie kauften im Jahre 1489 zunächst um 380 Gulden die Mitterwirt-Taferne am Mühlbachgraben mit dem darunter gelegenen „Mitter-Bad“. Diese Gebäude bildeten das erste „Armenpadt“, gelegen etwas nördlich der Preimskirche - die den hl. Primus und hl. Felizian gewidmet ist.

17. Jahrhundert

Armenbadespital und Bäder in Wildbachgastein, Radierung, 1690, Quelle: Salzburg Museum

Alle diese Gebäude, sämtliche in Holzbauweise, sind auf der ältesten Darstellung von Wildbadgastein in der Historia Salisburgensis von Josef Metzger, entstanden 1692, auf einem Kupferstich von Johann Friedrich Pereth, um 1690, dargestellt, der im Salzburg Museum (Inv.Nr. 2043/49) zu sehen ist. Der Untertitel dazu lautet:

"Eigentliche Abbildung und Prospect des weitberühmbt=auch haylsam= und warmen Gasteiner=Wild=Bads im Ertz=Stüfft Salzburg"

1. Der große Gastein Wasser=fall 2. Die Kirch S.S. Primi et Feliciani 3. Kirch S.Nicolai und Begräbnis 4. Das Hochfürst Bad 5. Herrn=Bad 6. Capucciner=Bad 7. Stiegen=Bad 8. Willa oder Krückhl=Bädl 9. Der Ursprung von dem bei sich selbst warmen Wild=Bad 10. Das Schneider=Bädl 11. Gemaine Bad 12. Mitter=Würth=Bad 13. Isaac=Bädl 14. Spital=Bad 15. Graben=Bad 16. Bach und Mühlhaus 17. Das Vicariat Haus. [1]

Im 17. Jahrhundert stehen in Wildbachgastein nachweislich elf Bäder in Verwendung.

18. Jahrhundert

Das Heilbad in Wildbachgastein zeigt sich hundert Jahre später im wesentlichen unverändert, als es um 1793 auf einem handkolorierten Radierung von Carl Hempel nach einer Zeichnung von August Franz Heinrich von Naumann dargestellt wird, die im Salzburger Museum Carolino Augusteum (Inv.Nr. 1812/49) zu sehen ist. [2] Naumann nimmt fast den gleichen Standort ein wie Pereth vor ihm, jedoch erweitert er seinen Blick und das Format auf die Berge, v.l.n.r. Gamskarkogel, darunter Palfenwald, Graukogel und Palfenseekogel, darunter das enge Tal der Gasteiner Ache.

An der Zahl der Häuser und an der Erscheinung des Ortes hat sich fast nichts verändert. Einzelne Gebäude sind fester und größer geworden, wie das Armenbadespital oder das neu errichtete Hochfürstliche Bad, nun Hochfürstliches Badeschloss, oberhalb des Cappucciner-Bades (heute: Grandhotel Straubinger).

Im 18. Jahrhundert stehen in Wildbachgastein nachweislich zwölf Bäder in Verwendung.

1810 erscheint das Buch: "Das Gasteiner Tal und seine warmen Heilquellen im Salzburgischen Gebirge", ein Taschenbuch für Reisende, insbesondere zum Nutzen und Vergnügen für Kurgäste Gastein´s, von Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld in der Mayr'sche Buchdruckerei in Salzburg. [3] Es enthält die ersten physikalisch-chemischen Analysewerte und die erste medizinische Anwendungsbeschreibung über die Gasteiner Kur.

19. Jahrhundert

Gedenktafel zur Erinnerung an die Kuraufenthalte von Fürst Bismarck in Bad Gastein, an der Außenfassade des Kurhotels Mirabell.

Die bekanntesten Gäste des 19. Jahrhunderts waren Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth von Österreich sowie Kaiser Wilhelm von Deutschland und Fürst Bismarck. König Leopold II. von Belgien, verursachte große Aufregung, als er 1901 in waghalsiger Fahrt zur Kur ins Gasteinertal mit eigenem Auto (!) reiste. Vom Salzach- ins Gasteinertal allerdings mussten Pferde vorgespannt werden.

Die ersten wesentlichen Impulse zur Entwicklung des modernen Alpinismus gab Erzherzog Johann, dessen Initiative u. a. die hochalpine Badgasteiner Hütte am Gipfel des Gamskarkogels zu verdanken ist. Ein weiterer Markstein in der Geschichte Gasteins war 1904 der Nachweis von Radongas im Gasteiner Thermalwasser durch die bekannte französische Chemikerin und Physikerin Marie Curie. Mit der Fertigstellung der Tauernbahn im Jahr 1909 begann allmählich das Einsetzen des Massentourismus der sich bis Mitte der 1930er Jahre ausschließlich noch auf die Sommermonate beschränkte.

20. Jahrhundert

Erst im 20. Jahrhundert werden die naturwissenschaftlichen, medizinischen und therapeutischen Grundlagen der Gasteiner Kur tatsächlich erkannt, erforscht und wissenschaftlich aufgearbeitet.

Die traditionelle und gleichermaßen zeitgemäße Gasteiner Kur basiert im wesentlichen auf:

Der Gasteiner Heilstollen (ursprünglich als Heilstollen Böckstein bezeichnet) ist ein 2600 m langer ehemaliger Stollen eines Goldbergwerkes im Naßfeldtal, der seit 1952 als Therapiestation genutzt wird. Er befindet sich in Böckstein. Bei 37 - 42 °C Lufttemperatur im Stollen atmen die Patienten das Edelgas Radon ein, das vom Gestein abgegeben wird.

Einfahrt und Aufenthalt im Heilstollen dient zur Schmerztherapie von rheumatischer Beschwerden und entzündlicher Gewebserkrankungen.

Kunstgeschichte

Im Gasteiner Museum zeigt die Votivscheibe von 1759, gestiftet von der Fürstin Porcia aus Anlass ihrer erfolgreichen Gasteiner Kur, u. a. in der Bildmitte eine typische Bade-Szenerie: in einer, mit einer barocken Ballustrade einfassten, viereckigen Badeanlage sitzt eine Badegesellschaft, bestehend aus einer älteren Dame (der Stifterin), die einen überdimensionalen Gehstock in die Höhe streckt, sowie sechs weiteren Frauen, die sich auf zwei im Wasser stehenden Spieltischen mit Schach und Karten die Zeit vertreiben.

Darüber steht: "Soll alhier in Baad geschossen sein / vivat! Siẏe Leben. Ruff: Groß und Klein."

Bei der Stifterin steht: "Ich opfere hier den Hilfs-Stock auf und thue ihn fest anhefften. Wers will / der Schieß scharf drāf, Gott Lob ich bin beẏ Kräfften" [5]

Anmerkung: Damals war es üblich, mehrere Stunden lang in den heißen, als heilend bekannten Gasteiner Quellwasser zu baden.

Fremdenverkehr

Jährlich zählen die beiden Kurgemeinden Bad Hofgastein und Bad Gastein rund 2,5 Mio. Übernachtungen, von denen zwei Fünftel, also rund eine Million auf Kurpatienten und Kurgäste fallen.

Einzelnachweise

  1. vergleiche Tafel 71 in "Salzburg in alten Ansichten - Das Land", Franz Fuhrmann zusammen mit Hrsg. Salzburger Museum Carolino Augusteum, Residenz Verlag, Salzburg - Wien, 1980, 236 Bildwiedergaben (davon 64 Farbtafeln, 36 Schwarzweißtafeln, 120 Abbildungen und zwölf Figuren), 380 Seiten, ISBN 3-7017-0234-9, | Österreichische Nationalbibliothek, ONB-Katalog, AC02092238
  2. vergleiche Tafel 73 in "Salzburg in alten Ansichten - Das Land", Franz Fuhrmann zusammen mit Hrsg. Salzburger Museum Carolino Augusteum, Residenz Verlag, Salzburg - Wien, 1980, 236 Bildwiedergaben (davon 64 Farbtafeln, 36 Schwarzweißtafeln, 120 Abbildungen und zwölf Figuren), 380 Seiten, ISBN 3-7017-0234-9, | Österreichische Nationalbibliothek, ONB-Katalog, AC02092238
  3. books.google.at
  4. siehe Wikipedia Radon
  5. Gasteiner Museum: Votivscheibe von 1759 (typische Bade-Szenerie)

Quellen