Albert Hartinger

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Albert Hartinger
Bürgermeister Harald Preuner bei der Verleihung des Stadtsiegels in Gold an Prof. Albert Hartinger, 2018

Prof. Albert Hartinger (* 13. Juli 1946 in Seekirchen am Wallersee; † 22. Jänner 2020 in Salzburg) war Sänger (Bassbariton) und Dirigent, sowie künstlerischer Leiter der Salzburger Bachgesellschaft und des Chores Collegium Vocale.

Leben

Hartinger kam in Seekirchen zur Welt - nachkriegsbedingt dort, da die Frauenklinik des Landeskrankenhauses zu Kriegsende in die Hauptschule Seekirchen ausgelagert worden war.

Aufgewachsen in der Stadt Salzburg, trat er 1960 trat er in die Bundeslehrerbildungsanstalt ein, wo er 1965 maturierte. Schon neben der Lehrerbildungsanstalt studierte er als außerordentlicher Hörer Klarinette am Mozarteum, später das Lehramtsstudium Musikerziehung und Gesang. Seine Gesangsausbildung bei Kammersänger Heinrich Pflanzl schloss er mit Auszeichnung ab.

1970 schloss er sein Musikstudium mit Erfolg ab und wurde vom Staatstheater Braunschweig engagiert. Zuvor errang er einen ersten Preis beim Mozart-Wettbewerb mit einer Konzertverpflichtung bei der Salzburger Mozartwoche. Ab Herbst 1973 arbeitete Hartinger als Lehrbeauftragter an der Universität Mozarteum, nach seiner Lehramtsprüfung 1974 als Hochschulassistent am Institut für Pädagogik. Als Vertragslehrer und später Ordentlicher Professor unterrichtete er ab 1985 an der Abteilung für Musikpädagogik. 1989 wurde er Professor für Gesang und Leiter der Abteilung für Musikpädagogik. 2007 wurde Hartinger Leiter der Abteilung für Alte Musik an der Universität Mozarteum.

Als Bariton unternahm er neben der Lehre vielfältige Konzertauftritte, unter anderem bei den Salzburger Festspielen, bei den Bregenzer Festspielen und in Verona. 1976 gründete Hartinger die Salzburger Bachgesellschaft, deren Vorsitzender und künstlerischer Leiter er seitdem war. Er galt als Initiator des Salzburger Bachchores und rief 1987 das Collegium Vocale ins Leben.

Bei den Salzburger Festspielen war er von 1968 bis 1971 in der Oper Rappresentatione di anima e di corpo zu sehen sowie 1990 in einem Konzert.

Beim 83. Bachfest Salzburg war Hartinger ebenfalls federführend tätig.

Auszeichnungen

Zu seinem 60. Geburtstag wurde er 2006 mit dem Ehrenbecher der Stadt Salzburg ausgezeichnet.

An seinem 72. Geburtstag, dem 13. Juli 2018, verlieh ihm Bürgermeister Harald Preuner das Stadtsiegel in Gold. Außerdem war er Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Nachrufe

Die Salzburger Nachrichten schrieben in ihrer Ausgabe vom 23. Jänner 2020:

Noch im Krankenbett hat er an neuen Projekten gearbeitet, insbesondere - mit Blick auf das Jubiläum der Universität Salzburg - an Musik aus der Zeit Paris Lodrons mit ihrer speziellen Doppelchörigkeit.

Wie groß sein Geist gewesen ist, lassen nicht allein die Meilensteinen seines Schaffens erkennen - wie Gründung von Bachgesellschaft (1976), Bachchor (1984), Festival "Recreation" sowie Barockfest im DomQuartier (2016). Dass er an der Universität Mozarteum, wo er seit 1973 unterrichtete und ab 1989 Professor war, die Volksmusik zum Lehrfach erhoben und 2004 das Institut für Alte Musik gegründet, hat, vermehrt das überregionale Renommee der Kunstuniversität.

Mindestens wie dies und wie die beiden opulenten Bachfeste 1985 (das den Bachwürfel als süßen Bruder der Mozartkugel erzeugt hat) und 2008 bleibt das Funkeln der Details von Albert Hartingers Initiativen. Fast jedes Werk in seinen Konzertprogrammen war eine Rarität. Zudem machte er diese aparte Musik an ihren originalen Orten lebendig - etwa in der Müllner Kirche und mit "Mozart in Maria Plain".

Unermüdlich entdeckte er Verborgenes und Vergessenes aus der Salzburger Musikgeschichte - zuletzt etwa für die CD "Wege zur stillen Nacht" mit Weihnachtsmusik aus Salzburg sowie über Musik nach Ende des Fürsterzbistums.

Er war ein Pionier der Kinderkonzerte: Heutige Kapazunder wie Benjamin Schmid, Martin Grubinger und Franz Welser-Möst hatten als Buben erste Soloauftritte in Konzerten der Bachgesellschaft. Für die Musik aus und in Salzburg ist Albert Hartinger unersetzlich. Sein großes, leuchtendes Erbe bleibt als Auftrag zum Weitermachen.

Die Universität Mozarteum teilte zum Tod Albert Hartingers mit:

Die Universität Mozarteum Salzburg trauert um einen überaus geschätzten Künstler und Pädagogen.

Der Seekirchner Albert Hartinger studierte am Mozarteum Klarinette Musikerziehung (Lehramt) und absolvierte das Konzertfach Gesang/Oper mit Auszeichnung. Währenddessen errang er einen 1. Preis beim Mozartwettbewerb mit einer Konzertverpflichtung bei der Salzburger Mozartwoche. Nach dem Studium wirkte er als Opernsänger am Staatstheater Braunschweig und gastierte als Konzertsänger in allen wichtigen Musikzentren.

Zu seiner ausgedehnten Konzerttätigkeit zählten Auftritte bei den Salzburger und Bregenzer Festspielen, beim Verona-Festival, im Wiener Musikverein und im Konzerthaus sowie zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen und Fernsehauftritte. Albert Hartingers Verständnis für die Aufführungspraxis Alte Musik verdankte er Nikolaus Harnoncourt, mit dem er auch musizierte.

1973 kam er zurück ans Mozarteum, zunächst als Lehrbeauftragter, danach als Gastprofessor bzw. Vertragslehrer für Gesang. 1989 wurde er zum Ordentlichen Hochschulprofessor für Gesang ernannt, von 1989 bis 1993 war er Leiter der Abteilung für Musikpädagogik in Salzburg. Des Weiteren war er über viele Jahre Mitglied des Gesamtkollegiums, des Gründungskonvents und des Senats sowie Promotor und Leiter des Institutes für Alte Musik. Darüber hinaus hat sich Albert Hartinger maßgeblich für die Erhaltung der pädagogischen Studienrichtung IGP, für die Einrichtung des Lehrgangs Alpenländische Volksmusik bzw. für einen Schwerpunkt volksmusikalischer Fächer innerhalb der Studienrichtung IGP eingesetzt.

Als Experte und Vermittler der historischen Aufführungspraxis setzte er in Salzburg nachhaltige Akzente, vor allem zur Wiederbelebung der Barockmusik und zur Bereicherung der Chorlandschaft. Vor mehr als 40 Jahren gründete Albert Hartinger die Salzburger Bachgesellschaft und war seit dieser Zeit ihr künstlerischer Leiter. Als Intention sah er es an, jungen Künstlern eine Plattform zu bieten, um sich in der damals wenig belebten Szene der Alten Musik auszutauschen und erste Bühnenauftritte zu verwirklichen. Die vielfache Würdigung seiner Verdienste reichte vom Salzburger Stadtsiegel in Gold bis zum Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Die Universität Mozarteum Salzburg trauert um einen hochgeschätzten Künstler und Pädagogen und wird ihm stets ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.

Quellen