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Bürgerwehr

Bürgerwehr, Wehrseite, innere und äußere Mauer
Bürgerwehr, Wehrseite der Inneren Mauer
Bürgerwehr, Innenseite
Bürgerwehr, nordöstliche Innenseite
Bürgerwehr, Wehrseite der Inneren Mauer
Bürgerwehr, Wehrseite der Inneren Mauer, rechts im Bild: Gehölz im Wehrgraben vor der äußeren Wehrmauer
Bürgerwehr, Stadtseite

Die Bürgerwehr oder auch munimentum diudens montem (= Bollwerk, das den Berg teilt) genannt, befindet sich auf dem Mönchsberg in der Altstadt von Salzburg. Die Ansicht auf die Wehrseite der Bürgerwehr ist durch Verbuschung und Verwaldung des Wehrgrabens derzeit nur sehr eingeschränkt möglich.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Bürgerwehr liegt an der Schmalstelle in der Mitte des Mönchsbergs, etwas nördlich des später darunter hindurch gebrochenen Sigmundstors. Sie verläuft quer zum Bergrücken, von der Riedenburgseite im Westen zur Altstadtseite im Nordosten. Die Bürgerwehr ist etwa 190 Meter lang.

Der heutige Gastgarten des Restaurants Stadtalm bietet auch eine bekannte Aussicht auf die Altstadt (siehe auch Aussichten auf dem Mönchsberg). Weitere Aussichten bestehen zur Altstadt hin auf dem Söller (mächtiger Wehrturm) der Bürgerwehr und nach Westen hin nächst dem Stadttor im Zwinger beim Staufenblick.

Geschichte

Die größtenteils erhaltene Bürgerwehr ist der einzige größere erhaltene Wehrmauerabschnitt aus der Zeit der zweiten Stadtbefestigung. Sie wurde unter Fürsterzbischof Bernhard von Rohr in der Amtszeit von Bürgermeister Hans Glavenberger im Auftrag der Bürgerschaft in den Jahren 148688 als Teil der neuen Stadtmauer auf dem Mönchsberg eine Mauer mit vorerst zwei Türmen und mit einem vorgelagerten Zwinger errichtet, dieser Mauer wurde wenige Jahrzehnte später zu einer achttürmigen Anlage ausgebaut.

Die Rückseite der sechs neueren Türme wurde aus Holz ausgeführt, wie man dies auch noch heute an der Innenseite einiger Türme sehen kann. Auf der Mauer verlief ein hölzerner Wehrgang, der bei einem Brand 1822 größtenteils zerstört wurde. Die spätgotische Bürgerwehr besaß auch einen breiten Wehrgraben und überdies einen vorgelagerten Palisadenbau. Die Stadtrechnung von 1486 erwähnt einen Zaunmeister und vier Zaunhüter, welche des Nachts für die Bewachung der Anlage zuständig waren.

In den Jahren nach 1523 wurde die Bürgerwehr zu einer achttürmigem Anlage erweitert.

Der westlichste sogenannte Marienturm wurde 1649 zu einem Pulverturm umgebaut und wenige Jahrzehnte später auch von der Hochfürstlichen Landschaft (eine Art Landtag des Fürsterzbistums) verwaltet.

Seit der Befestigung des gesamten Nordteiles des Mönchsberges bis zur Müllner Schanze durch Fürsterzbischof Paris Lodron besaß die Bürgerwehr kaum noch militärische Bedeutung. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebten hier Soldaten und danach wohnten bis nach 1 800 Soldaten mit ihren Familien in den Türmen. Im Untergeschoss des Torturmes der Bürgerwehr wurden seit 1575 Schanzsträflinge, also Gefangene, die zu Arbeit bei schlechter Ernährung verurteilt wurden, untergebracht. Ab 1734 wurden hier auch Wilddiebe, die nicht Bürger der Stadt waren, eingesperrt.

1733 oder 1744 wurden außerhalb der Bürgerwehr zwei weitere Pulvertürme errichtet, die aber wegen der dortigen Feuchtigkeit sich aber als ungeeignet erwiesen. Eine von der Riedenburg auf den Mönchsberg führende Treppe quer durch die Lodronsche Mauer am Westhang des Mönchsberges wurde von der Stadt Salzburg im Jahr 1892 errichtet.

Die Bürgergarde

Hauptartikel Bürgergarde der Stadt Salzburg

Gemäß den in einem Sühnebrief vom 20. April 1287 formulierten Bürgerpflichten („Nachweis der Wehrfähigkeit“, „Instandhaltung der Verteidigungsanlagen“ und „Ableistung von Wachdiensten“) leistete die Bürgerschaft der Stadt Salzburg an der gesamten Wehrmauer der Stadt und daher auch auf der Bürgerwehr Wehrdienste. Auch 1488 wurde eine entsprechende Wachmannschaft erwähnt. Nach 1500 wurde diese Bürgergarde aber zunehmend auf rein repräsentative Aufgaben beschränkt. Diese Salzburger Bürgergarde wurde 1821/22 aufgelöst (das Bürgerliche Musik-Korps bestand aber weiter, ebenso die „Salzburger Nationalgarde“, letztere bis 1851). Eine Tafel an der Mauer aus dem Jahr 1970 erinnert an die Wiederbelebung der Bürgergarde als Traditionsverein im Jahr 1979.

Bürgerwehr heute

Seit 1863 befindet sich im nordöstlichen Teil der Bürgerwehr ein Restaurant (früher "Zur Bürgerwehr", heute Stadtalm genannt), das seit 1950 verbunden mit einer kleinen Jugendherberge von den Naturfreunden geführt wird. Zurzeit ist dies das einzige Gasthaus auf dem Mönchsberg. Nach Zustimmung des Bundesdenkmalamtes war 1950 einstimmig beschlossen worden, den dortigen Turm (Kosten 90.000 öS = € 6.540,−) auszubauen und zu vermieten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den Türmen wegen der herrschenden Wohnungsnot Flüchtlinge und ausgebombte Salzburger untergebracht. Heute sind zwei Türme bewohnt. Ein Turm (Söller) ist derzeit noch mit Aushubmaterial verfüllt.

Der Wehrgraben wurde lange vor 1900 größtenteils eingeschüttet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwahrloste der Wehrgraben weiter und ist derzeit mit verschiedenem Gehölz bewachsen, das die Sicht auf die alte Wehranlage stark beeinträchtigt. Im Rahmen eines Pflegekonzeptes ist die Freilegung des breiten Wehrgrabens vor der vorderen Wehrmauer samt seinem störenden Gehölz sowie die Entfernung des vor 1900 eingebrachten Aushubmateriales im vorderen Ostturm mit seinem Ausfalltor vordringlich.

Alte Ansichten

Bilder

  Bürgerwehr – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

  • Salzburgwiki-Beitrag Mönchsberg
  • Bernhard von Rohr
  • Hans Glavenberger
  • Reinhard Medicus: Die Bürgerwehr auf dem Mönchsberg. In: Der Gardist. 31. Jg., S. 37–41.
  • Reinhard Medicus: Die alte Bürgerwehr am Mönchsberg und ihre Geschichte. In: Bastei – Zeitschrift für die Erhaltung von Bauten Kultur und Gesellschaft. 53. Jahrgang, 2. Folge, Salzburg 2004

Weblinks