Biber im Pinzgau

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Die Haider Senke unterhalb der Ortschaft Haid. Im Bildvordergrund die Pinzgauer Straße (B 311), im Bildhintergrund die Schwalbenwand
Biberbau, Haider Senke, Saalfelden
Biberbau, Haider Senke, Saalfelden
Biberdamm, Haider Senke, Saalfelden
Schon etwas ältere Biberspuren in der Haider Senke in Saalfelden

Seit 2006 gibt es wieder ortsansässige Biber im Pinzgau.

Rückblick

Der Priester und Chronist Josef Lahnsteiner schreibt unter dem Titel "Die Biber" mit Bezug auf Saalfelden folgendes:

„Das jägerische Kleinod von Saalfelden waren die Biber, die köstlichen Saalfeldner Biber. Die Biber waren sehr begehrt wegen des Bibergeil. Das ist ein Drüsensaft des Bibers, der starken Geruch verbreitet und als Heilmittel außerordentlich geschätzt war. Aus den Bälgen, die seidenartige, feine Wollhaare haben, wurden feinste Pelzwaren, Muffe, Hüte, Handschuhe und Krägen erzeugt. Der Biberschwanz, der mit Schuppen bedeckt und breit ist, galt als Delikatesse. Daher stellten die Wilddiebe dem Biber stark nach. Aber selbst die strengsten Strafen, 1685 die Galeerenstrafe, später 50 Dukaten oder vier Jahre Miliz, konnten die Ausrottung des Bibers nicht verhindern. Seit 1800 gibt es keine Biber mehr in unserem Lande. Sie wurden seinerzeit gehegt und bewacht. Sie hielten sich am Ufer der Saal (Anm.: Saalach) und der einfließenden Bäche auf. Da gab es mehrere Biberschwellen. In diesen durften die Fischer nicht fischen, um die Biber nicht zu beunruhigen. Gefangen wurde der Biber mit Tellereisen, wie auch die Fischottern.“

Der Europäische Biber, einst selbstverständliches Mitglied der Wildtierpopulation im Pinzgau und damit auch auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks Hohe Tauern, in Europa im 19. Jahrhundert bis auf Restpopulationen ausgerottet – in den Salzachauen – konkret in der Antheringer Au – erfolgte der letzte Abschuss im Jahr 1869, ist in den Pinzgau zurückgekehrt. Im Frühjahr 2014 wurde hauptsächlich vom Naturschutzbund eine Bestandserhebung durchgeführt, aus der hervorging, dass nunmehr etwa 25 Tiere im Pinzgau ansässig waren.

Rückkehr über Saalfelden

Seit etwa 2006 ist der Biber nach seiner Ausrottung und Jahrhunderte dauernden Abwesenheit im Bereich seiner einst angestammten Pinzgauer Lebensräume – zuerst in der Haider Senke in der Katastralgemeinde Haid in Saalfelden – erneut sesshaft geworden. Die allerersten Spuren der Wiederkehr des Pflanzenfressers hatte man aber bereits in den 1990er-Jahren am Saalachufer zwischen Stoissengut und Kläranlage der Stadtgemeinde Saalfelden nordwestlich der Stadt im Eingangsbereich zu den Hohlwegen entdeckt. Entlang des Harhamer Baches gelangten die Biber nachfolgend in die Haider Senke, eine Restfläche eines einst wesentlich größeren Feuchtgebietes auf dem Talboden südlich von Saalfelden. Auch in Uttenhofen, einer südlich von Lenzing und westlich des Hauptortes gelegene Katastralgemeinde der Stadt Saalfelden, hat sich der Biber erneut angesiedelt. Heute geht man von einer Gesamtpopulation von rund 15 auf Saalfeldener Gemeindegebiet lebenden Individuen aus.

Neue Reviere

Seit 2001 macht der Biber auch im Oberpinzgau – konkret im Raum Stuhlfelden – wieder von sich reden. Auch dort hat er sich selbständig wieder angesiedelt.

Insgesamt wird die Pinzgauer Biber-Population – wie oben erwähnt – auf derzeit 25 Tiere, die in fünf bis sechs Revieren zu je drei bis fünf Tieren leben, geschätzt. (Im ganzen Bundesland schätzt man den Bestand auf derzeit 140 Tiere.) Auch wenn die Jungtiere nach ein bis zwei Jahren den elterlichen Bau verlassen und nach einem eigenen Revier suchen, sei eine Massenpopulation nicht zu befürchten. Die Wiederansiedelung von Bibern stelle für die Tier- und Pflanzenwelt eine große Bereicherung dar, so Hannes Augustin, Österreichischer Naturschutzbund.

Anfang des Jahres 2015 bestehen sieben bis acht Biberreviere im Pinzgau. Sie befinden sich mit einer Ausnahme an der Saalach zwischen Unken und Maishofen. Im Juni des Jahres 2016 schätzt man die Anzahl der Pinzgauer Biberreviere bereits auf zwölf bis 15. Man glaubt, dass ein Biber über den Zeller See in den Oberpinzgau vorgedrungen ist. Er hinterließ bei Uttendorf seine Spuren. Auch die 2015 wegen Renovierungsarbeiten notwendige Entleerung des Saalachstausees in Bad Reichenhall könnte für einige Biber Anlass zur Zuwanderung in den Pinzgau gewesen sein.

Nutzungskonflikte

Der Biber tut es fatalerweise dem Menschen gleich: er schafft sich den von ihm benötigten Lebensraum und formt und verändert dazu die Landschaft in seinem Revier. In der gegenwärtigen Welt, in der jeder Quadratmeter von Menschen in Besitz genommen und für die wirtschaftliche Nutzung ausschließlich des Menschen zweckgewidmet scheint, ergeben sich aus dem Verhalten des Bibers automatisch Nutzungskonflikte zwischen Mensch und Tier. Ein „Bibermanagement“, wie bereits in anderen europäischen Regionen erfolgreich eingesetzt und aktiv zum Interessensausgleich zwischen Mensch und Tier tätig, wird letztlich auch für das Bundesland Salzburg unumgänglich sein, will man dem europaweit ganzjährig streng geschützten Nager langfristig das Überleben in Salzburg und damit auch im Pinzgau sichern.

Bildergalerie

Quellen