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Klingendes Österreich

Sepp Forcher 2019, eine Minute Video

Klingendes Österreich war eine ORF-Fernsendung, die 1986 von Sepp Forcher begonnen wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Forcher begann 1986 mit der Präsentation der Fernsehsendung "Klingendes Österreich". Die erste Folge wurde am 10. Juni 1986 ausgestrahlt. In 200 Folgen präsentierte Forcher dabei die musikalische Tradition und landschaftliche Schönheit österreichischer und grenznaher Gegenden. Sein spezieller Blick auf die kleinen Dinge des Lebens und seine Kunst, auch diesen große Bedeutung beizumessen, haben Sepp Forcher zu einer herausragenden Persönlichkeit der Volkskultur gemacht. Die letzte Folge mit der Nummer 200 wurde im Herbst 2019 aufgezeichnet. Danach ging Forcher in Pension.

Die einzelnen Episoden

Die Episodenliste "Klingendes Österreich" listet alle 200 Folgen auf.

Nach 33 Jahren "Klingendes Österreich" ist jetzt also Schluss

Ein Beitrag von Peter Gnaiger in der Ausgabe der Salzburger Nachrichten vom 30. Oktober 2019.

Die letzte Reise für sein "Klingendes Österreich" führte Sepp Forcher zum Erzberg. Der Titel erinnert daran, wie er jede Sendung seit 1986 moderiert hat: "Reise zum Herzen".

"Aus is'", sagt Sepp Forcher. Er sitzt in seinem Lieferinger Haus an seinem runden Esstisch auf der Eckbank. Er bemerkt, dass sein Gast verkühlt ist, und reicht ihm einen Apfel. "Iss den", befiehlt er fürsorglich. "Dann geht der Schnupfen weg." Forcher ist und bleibt eben ein Mensch der einfachen und natürlichen Lösungen.

Nach 33 Jahren "Klingendes Österreich" ist jetzt also Schluss - wenngleich zeitverschoben: Die 200. Sendung, die im Frühjahr 2020 ausgestrahlt wird, war bereits vor Wochen im Kasten. Dafür drehte Forcher dieser Tage Sendung 199. Der letzte Dreh - die letzte Klappe. "Das heißt aber nicht, dass ich in Zukunft die Klappe halte", sagt Forcher mit einem Augenzwinkern. "Des konn i mir a net vorstellen", ergänzt Helli, seine Ehefrau.

Der letzte Dreh stand unter dem Motto "Reise zum Herzen". Sie beginnt im steirischen Naturschutzgebiet Zirbitzkogel-Grebenzen. Es sind auch diesmal vor allem die leisen Töne und gut versteckten Geschichten, die es Forcher wieder angetan haben. So wie die unscheinbare Spitalkirche in Obdach, in der ein sitzender Papst mit dem Gesicht eines Bauern bewundert werden kann. "Das ist der Bauernpapst", sagt Forcher. Bäuerliche Aufmüpfigkeit war schon immer sein Ding. Und dann kündigen auch schon die Hammerherrenhäuser das Herz der 199. Folge an: den Erzberg, der auch Brotlaib genannt wird. "An dem Berg nagen die Menschen bereits seit 1 000 Jahren", sagt er.

Ob er in den 1950er-Jahren, als er noch Träger in Kaprun war, von einer Karriere als TV-Moderator geträumt hatte? "Ich wusste damals nicht einmal, was ein Fernseher ist", antwortet er. Als größte damalige Errungenschaft fällt ihm spontan die Gewerkschaft ein: "Da hat mir imponiert, dass ich mehr Geld bekommen habe − ohne dass ich mich kümmern musste."

Seine Standuhr schlägt jetzt zwölf Uhr. Er hebt beide Augenbrauen und sagt: "Zeit für ein Glas Weißwein." Darauf, dass sein "Klingendes Österreich" zu den erfolgreichsten Serien der ORF-Geschichte zählt, bildet er sich übrigens nichts ein. "Wir sind vom Anfang bis zum Schluss einfach geblieben. Das war wie Brotbacken. Da darf man auch die Rezeptur nicht verändern."

Mehr als 3 000 Orte in Österreich, Bayern und Südtirol hat er besucht. Das ergab 11 000 Sendeminuten, die er mit 2 000 Musikgruppen gestaltete. Ob es einen Ort in Österreich gibt, den er nicht kennt? "Da gibt es sicher viele", sagt er. "Aber ich glaube in Anspruch nehmen zu können, dass mir keine Region in den 200 Sendungen ausgekommen ist." Ein Segen sei gewesen, dass seine Frau Helli so oft wie möglich dabei war. Eine ähnliche Konstante in seinem Leben sei höchstens noch sein Hut. "Den habe ich auch immer dabei", sagt er. Dieser Hut sei eine Art Schweizer Messer für ihn. "Damit schöpfe ich Wasser, daraus kann ich auch trinken und meine Steigeisen habe ich auch immer darin eingewickelt." Diesen Eisen habe er auch das eine oder andere kleine Loch im Hut zu verdanken. "Die sind jetzt eine Art Lüftung."

Von einer Rückschau mag er lieber absehen. "Meine Hobbys sind Vergangenheit. Ob Klettern, Eisgehen, Skifahren und Höhlenforschen. Das habe ich alles hinter mir. Und da habe ich auch eine satte Leistungsbilanz." Jetzt sei die Zeit angebrochen, in der er sich mit seiner Helli einfach nur auf den nächsten Tag freut. "Auch wenn an diesem Tag das Leben zu Ende geht", sagt er. "Ich habe so ein schönes Leben gehabt. Warum soll es nicht drüben auch etwas Schönes geben?"

Die letzte Folge mit der Nummer 200 wurde im Herbst 2019 aufgezeichnet und am 21. März 2020 ausgestrahlt. Mit diesem Datum ging Forcher in Pension. Der Österreichische Rundfunk, das Land Salzburg und die Großglockner Hochalpenstraßen AG hatten für den 12. März 2020 "ein Fest für Sepp Forcher" im Prunkräume der Alten Residenz#Carabinierisaal in der Residenz in der Stadt Salzburg unter dem Motto "Die große Liebe - Mein Klingendes Österreich" anlässlich der Vorpremiere der 200. und letzten Ausgabe geplant. Der sich ausbreitende Corona-Virus führte zur Absage der Veranstaltung.

Quellen