Pereira und die Salzburger Festspiele

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Pereira und die Salzburger Festspiele waren schon vor dem offiziellen Amtsantritt von Alexander Pereira als Intendant der Salzburger Festspiele im Sommer 2012 Gesprächsthemen. Dies änderte sich auch nicht nach seinem ersten Jahr als Intendant in Salzburg.

2012: Budget-Streitereien mit Pereira noch vor seinem offiziellem Antritt als Intendant

Hauptartikel: Pereira droht mit Rücktritt

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele hatte in seiner Sitzung am Donnerstag, den 26. Juli 2012, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Salzburger Festspiele 2012, das Budget von Intendant Alexander Pereira in der Höhe von 60 Mio. Euro für 2013 einstimmig genehmigt.

Durch den Trick, das 2,6 Mio. Euro teure musikalisch-soziale Sonderprojekt "El Sistema" aus Venezuela aus dem regulären Budget auszugliedern, sowie den Ball der Salzburger Festspiele 2013 beim Verein der Freunde der Salzburger Festspiele anzusiedeln, konnte die vom Kuratorium gesetzte 60-Mio.-Euro-Budgetobergrenze von Pereira gehalten werden.

Geeinigt hatten sich das Kuratorium (politisch besetztes Aufsichtsgremium mit Vertretern der öffentlichen Geldgeber Bund, Land, Stadt und Fremdenverkehr, Anm.) und das Direktorium (Präsidentin und Intendant, Anm.) auch darauf, dass die Salzburger Festspiele keinesfalls - so wie von 2011 auf 2012 - weiter wachsen sollen. Im Gegenteil: Die Zahl der Veranstaltungen soll von 248 auf 200 und die Zahl der aufgelegten Karten von 265 000 auf 256 000 heruntergefahren werden. Und zwar inklusive der Veranstaltungen des Sonderprojektes "El Sistema", dessen Kosten zu Gänze durch Sponsoren wie der Liechtensteiner Hilti-Stiftung finanziert werden.

Deutlich erweitert werden soll das Kartenangebot hingegen bei den Pfingstfestspielen 2013. Wegen Cecilia Bartolis enormen Erfolges 2012 wird es 2013 statt 9 700 exakt 13 150 Karten geben.

2013: Budget-Streit, weil Pereira vereinbartes Budget überschritt

Die vereinbarte Deckelung von 60 Mio. Euro war bereits im März 2013 überschritten worden, was kurz vor einer Kuratoriumssitzung Anfang März bekannt wurde. Bei der Kuratoriumssitzung am 6. März 2013 wurde zwar das budgetäre Einrechnen des Salzburger Festspielballs, der Auflösung des Festspielhäusererhaltungsvereins, die neuen Umsatzsteuerverrechnung[1] sowie des Kinderprogramms akzeptiert, aber Bürgermeister Dr. Heinz Schaden, Kuratoriumsmitglied, schloss eine Vertragsverlägerung für Pereira über 2016 hinaus aus.

Das Kuratorium hatte sich also neuerlich den Forderungen Pereiras nach mehr (öffentlichem) Geld gebeugt und genehmigten das neue Budget von 62 Mio. Euro. Nicht genehmigt wurden hingegen die Mehrausgaben des Direktoriums für andere Teile des Programms in der Höhe von 2,3 Mio. "64,3 Mio. Gesamtbudget wurden explizit abgelehnt. Das Direktorium muss die fehlenden 2,3 Mio. Euro selbst auftreiben", erklärte Schaden. "Wenn dies nicht gelingt, dann verringert sich das Budget 2014 um den entsprechenden Betrag. In Zukunft wollen wir ohnehin keine Überschreitungen und wünschen wir uns, so wie in all den vergangenen Jahren üblich, wieder eine Rücklagenbildung."

Verärgert war Schaden auch, weil Pereira Vorgaben des Kuratoriums nach Ansicht Schadens nicht ernst genug nimmt. Schaden erklärte, Pereira habe immer betont, dass das Jahr 2013 ein Ausnahme sei, wegen der Jubiläen von Giuseppe Verdi (2013 - 200. Geburtstag) und Richard Wagner (2013 - 200. Geburtstag). Obwohl das Budget für 2014 noch nicht im Detail vorliegt, weiß Schaden aber schon im März 2013, dass inhaltlich und quantitativ vom versprochenen und vereinbarten Zurückfahren der Kosten keine Rede mehr sein kann, trotz (offenbarer) früherer Zusagen Pereiras. Das Vertrauen von Schaden in Zusagen des Intendanten sei daher am Ende. So wies das Kuratorium Pereira an, "zwei szenische Opern-Neuproduktionen für 2014 weniger zu planen, um das mit dem weiteren Wachstum verbundene finanzielle Risiko einzudämmen," wie es im Sitzungsprotokoll der Kuratoriumssitzung vom 6. März 2013 festgeschrieben wurde.

2013: Pereira wünscht sich Doppeltätigkeit in Salzburg und an der Mailänder Scala

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele beschloss am 11. Juni 2013 die Trennung von Pereira im kommenden Jahr 2014.

Der Vertrag mit Alexander Pereira wird mit 30. September 2014 und damit vorzeitig aufgelöst. Er bleibt 2013 und 2014 bei vollen Bezügen Intendant der Salzburger Festspiele. Das hatte das Kuratorium der Festspiele in seiner Sitzung am Dienstagnachmittag, den 11. Juni 2013, beschlossen. Pereira, der 2015 Intendant der Scala in Mailand werden soll, hätte die Festspiele ursprünglich bis September 2016 leiten sollen. Für die Jahre 2015 und 2016 sollen die Festspiele von Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf zusammen mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler geleitet werden.

Laut Dienstvertrag ist dem Intendanten während seiner Salzburger Amtszeit eine Nebenbeschäftigung "in der Leitung oder sonstigen gestaltenden Funktion einer Kulturveranstaltung, insbesondere eines Festivals oder einer Opern- und Konzertinstitution" untersagt. Ausdrücklich ausgenommen war nur die Leitung der Züricher Oper bis 31. Juli 2012.

Alexander Pereira hat das Kuratorium zwar immer über seine Mailänder Avancen informiert. Doch das Kuratorium hat ihm als sein Dienstgeber jedes Mal erwidert: Beides komme nicht infrage; er müsse sich für Mailand oder Salzburg entscheiden.

Quellen

Einzelnachweise

  1. siehe Salzburger Festspielfonds Punkt "Allgemeines", "Änderung 2013"