Wirtshäuser – eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten

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Titelbild Buch Wirtshäuser – eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten

Buchtipp Wirtshäuser – eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten

Autor: Gerhard Ammerer, Harald Waitzbauer
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2014
ISBN 978-3-7025-0750-3

Rezension 1

Salzburger Wirtshäuser – urig, authentisch und geschichtsträchtig

Die Stadt Salzburg – weltweit bekannt für ihre Festspiele, als Mozartstadt und barockes UNESCO-Weltkulturerbe. Doch die Stadt an der Salzach hat noch weit mehr zu bieten, als seine Hochkultur-Highlights – zum Beispiel eine jahrhundertealte Wirtshaustradition. Diese haben sich Gerhard Ammerer und Harald Waitzbauer zur Brust genommen und sie in ihrem rundum gelungenen Buch „Wirtshäuser – eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten“ verewigt, das „Durst“ auf mehr macht.

Akribisch recherchiert, haben die beiden Autoren die Geschichte der Gastwirtschaft in der altehrwürdigen Salzachstadt aufgearbeitet. Dabei spielten für sie vor allem die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte, die Wirtshäuser, Weinstuben und Brauereien in den unterschiedlichsten Ausprägungen mitbringen, eine ganz wesentliche Rolle. Der geneigte Leser erfährt zum Beispiel, dass es bereits im 12. Jahrhundert in Salzburg unterschiedliche Einrichtungen gab, in denen durchreisende Wallfahrer und Händler gegen Bares verköstigt wurden. Und dass seit der Entdeckung des Gärprozesses in allen Teilen der Erde gerne gezecht wird, muss nicht extra erwähnt werden.

Hochinteressant – auch aus heutiger Sicht – sind vor allem die Verordnungen der Erzbischöfe des 15. und 16. Jahrhunderts die Gastwirtschaften betreffend. Anschaulich skizzieren die beiden Autoren, wie die Stadtherren mit außerordentlich umfassenden Regelwerken die Kontrolle über Wirtshaus, Brauerei und Co erlangen wollten und auch erreichten. Da sage noch einmal jemand etwas gegen die heutige Bürokratie. Und so wird auf äußerst unterhaltsame Weise jede Epoche auf ihre „Wirtshaustauglichkeit“ hin untersucht und dem Leser das Besondere und Außergewöhnliche spannend vor Augen geführt. Ein augenzwinkernder Blick in die Speisekarten und natürlich auf die Wirte selbst fehlt hier ebenso wenig wie kritische Bemerkung über die sozialen Zustände der jeweiligen Zeit. Darüber hinaus ist das großformatige, über 200 Seiten starke Buch reich bebildert, wobei vor allem die Faksimile-Abdrucke besonders hervorzuheben sind.

Das im Verlag Anton Pustet erschienene Werk ist im Ganzen gesehen weit mehr, als eine Aufstellung von Salzburger Gaststätte vom 12. Jahrhundert bis zum heutigen Tag. Es ist eine mit Leidenschaft gestaltete Zeitreise durch die Salzburger Wirtshauslandschaft, die das Leben in den Gaststätten längst vergangener Epochen anschaulich wiederauferstehen lässt – und die vor allem Spaß macht.

Also ein kühles Blondes eingeschenkt oder eine gute Flasche Wein entkorkt und eingetaucht in „Wirtshäuser – Eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten“!

Rezension 2

Über längst vergessene, noch gut bekannte Gaststätten, Gesetze und Vorschriften

Ich habe während meiner Ausbildung an der Höheren Lehranstalt für Fremdenverkehrsberufe in Schloss Kleßheim im alten Grand Café Winkler gearbeitet, als Jugendlicher war ich mehrere Male im Café Centro am Mississippi-Dampfer und das Bild von der Bar des Hotels Winkler an der Franz-Josef-Straße erinnert mich an meine Besuche im Jahr 1981 und 1982 in diesem Hotel, als der österreichische Reiseveranstalter Meridian dort Schulungen für Mitarbeiter der Salzburger Reisebüro veranstaltete. Dies sind nur einige Erinnerungen, die mir beim Blättern und Lesen in diesem einzigartigen "Lexikon der Salzburger Gastwirtschaften" gekommen sind.

Freilich kann ich mich nur an die jüngere Vergangenheit vieler Gaststätten erinnern. Umso spannender ist dieses Buch für mich, was die frühere Geschichte anbelangt: wie aus privater oder klösterlicher Gastfreundschaft kommerzielle Herbergen entstanden sind, welche gesetzlichen Bestimmungen Salzburgs Wirte ärgerten, beispielsweise die Gaststättenordnung aus dem Jahr 1595 (56 Wirte wurde durch sie mit 1. Juni 1595 bestätigt) und andere, durchaus spannende Kapitel reihen sich in diesem Buch aneinander. Das herrliche Schild der Brauerei Mödlhamer an der Getreidegasse ziert noch heute ein "M", allerdings das hässliche McDonald's-M. Das Gasthaus zur Goldenen Kugel wurde wiederbelebt - einst befand sich dort eine Brauerei.

"Wirtshausalltag und gastronomische Festkultur" heißt ein Kapitel, das gleich mit dem Beispiel Stieglbräu beginnt. Da wird ein Brandenburgischer Bierbrauersohn, Michael Gapler, erwähnt, der die verwitwete Braumeisterin Maria Risin ehelichte, wie viele "Henner mit Drate Nudeln" bei der Hochzeit des Herrn "Feldwebl Gunth Löm" verzehrt wurden und eine Tanzordnung aus dem Jahr 1794 - viele Geschichten, Dokumente und Bilder beleben dieses wunderbare Buch, das auf über 200 großformatigen Seiten viel lesenswerte Information bietet. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Kaffeehäusern in der Stadt Salzburg, ein anderes unter dem Titel "Grill Room, Amis, Café-Espresso" der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wo das "Est, Est, Est" war, welches das älteste Salzburger China-Restaurant ist, das Zeugnis der Köchin Leopoldine Buchsbaum im Hotel Mirabell, der Mord- und Selbstmordversuch in der Gastwirtschaft des Franziski-Schlössls, vom halben Brathuhn um drei Schilling (Speisekarte des Stieglkellers vom 19. September 1937, vom Café Papageno (heute Zirkelwirt) und und und. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis schließt dieses hervorragend geschriebene und gestaltete Buch ab. Im Bucheinband vorne und hinten gibt es eine alte Stadtkarte der Stadt Salzburg, auf der die Gaststätten aus dem Jahr 1764 eingezeichnet sind: Stockhamerbräu, Freyhammer Brau, Goldenes Einhorn, Täxisches Wirtshaus, Halber Mondschein, Bettelumkehr? Gerhard Ammerer und Harald Waitzbauer klären auf. Dieses Buch gebe ich sicherlich nicht mehr her!

Rezension 3

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Siehe auch

Quelle