Bernard Stuart

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Pater Bernard Stuart – auch: Bernhard – (* 31. März 1706 in Schottland; † 22. September 1755 Ferrara, Italien) war ein schottischer Benediktinermönch, Architekt, Mathematiker und Mechaniker, der von 1730 bis 1741 hauptsächlich in Salzburg tätig war. Hier wirkte er auch als Professor für Mathematik an der Benediktineruniversität.

Er hieß ursprünglich Alexander; Bernard war sein Klostername.

Biographischer Hintergrund

In Regensburg gab es das Kloster St. Jakob, dessen Mönche ursprünglich irische, später schottische Benediktiner waren. Ein wichtiger Abt war Ninian Winzent, Beichtvater der schottischen Königin Maria Stuart, unter dem das Kloster ab 1577 einen Aufschwung erlebte. Unter Abt Placidus Fleming (1672–1720 [* 1642; † 1720]) wurde es eine Bildungsstätte für junge Schotten, aus der Wissenschaftler wie eben Bernard Stuart hervorgingen. Weitere Anliegen, die jedoch nicht weit gediehen, waren die Rekatholisierung Schottlands und die Wiedereinsetzung der von den englischen Protestanten entthronten Stuart-Dynastie.[1][2]

St. Jakob gehörte zu jener süddeutschen Kongregation von Benediktinerklöstern, die sich zur Erhaltung und Dotierung der Salzburger Benediktineruniversität zusammengefunden hatte.[2]

Leben

Stuart erhielt seine Ausbildung in Deutschland, wurde 1726 Ordensmann in St. Jakob in Regensburg und empfing 1730 die Priesterweihe.

Es folgte seine Salzburger Periode, die rund elf Jahre dauern sollte.

Salzburg

Zunächst wirkte er als Kaplan des Frauenstiftes Nonnberg.[3] Daneben vervollkommnete er an der Universität seine Kenntnisse des kanonischen Rechts.[2] 1733 wurde er zum Professor der Mathematik an der Universität berufen – ein Amt, das er bis 1741 bekleidete.

Währenddessen übertrug ihm Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian eine Reihe weiterer bedeutender Ämter und Aufgaben. Schon am Bau des – 1732 vollendeten – Schlosses Kleßheim hatte P. Stuart Anteil.[3] Der Fürsterzbischof machte ihn zum geistlichen Rat[2] und 1736 zum [[Hofbaumeister]][3]. Dabei oblagen ihm zwischen 1736 und 1740 die Entwässerung eines Moores[4] – von ihm stammt der Plan, die Moore für die Stadt urbar zu machen und für die Torfgewinnung zu erschließen[5] - und die Planerstellung und Bauleitung für Schloss Leopoldskron[6][2][3] sowie ungefähr gleichzeitig Entwurf und Bauleitung der Missionskirche Schwarzach[2].

Er entwarf weiters u. a. das Hochaltarprogramm für die Salzburger Kollegienkirche.[7]

Seine vielseitige Begabung bewies er auch im Jahr 1735, als er das Uhrwerk einer Prunkuhr für den Fürsterzbischof schuf.

Schwaben

Sein Abschied von Salzburg kündigte sich 1738/39 durch eine Reise nach dem schwäbischen Augsburg an, wo er den Entwurf zu einem Theaterbau des Jesuitenkollegs Augsburg (1739) erstellte.[3][2] 1741 übernahm er die Begutachtung des Neubaus der Benediktinerstiftskirche Zwiefalten[8] in Oberschwaben. Nach einem Besuch, den er 1742 seinem Bruder – der als General in russischen Diensten stand – in St. Petersburg abstattete, erkor ihn die Stadt Augsburg zu ihrem „director aedilitiae“ (Stadtbaumeister) mit einem Gehalt von 1800 Gulden[2]. Zum Schutz Augsburgs ließ er am Lech eine starke Uferbefestigung errichten, was ihm die Stadt mit einem goldenen Pokal dankte.[2] Der Wiener Kaiserhof beschäftigte ihn als Inspekteur schwäbischer Festungen[2].

Abt in Regensburg

Im Jahr 1743 wurde Pater Stuart die Würde eines Abtes seines Regensburger Klosters übertragen.

Unter seiner Führung beteiligten sich die Schotten von St. Jakob an den Konspirationen zur Wiedereinsetzung der Stuart-Dynastie in Schottland, unter anderem mit der Idee der Aufstellung eines bayrischen Regiments für eine Invasion. Als der Restaurationsversuch, der allerdings 1746 in der Schlacht von Culloden[9] scheiterte, tatsächlich stattfand, war zwar kein bayrisches Regiment, aber ein Beichtvater aus St. Jakob an der Seite des Thronprätendenten Prinz Charles Edward Stuart.

1755, im letzten Jahr seines Lebens, reiste Pater Stuart noch nach Rom.

Würdigung

Der Historiograph charakterisiert Abt Bernard Stuart so:[2]

„Er war ein Mann von großer naturgegebener Begabung, aber von wenig edlem oder liebenswürdigem Charakter.
Herausragend auf Wissensgebieten, die weit abseits der Erfordernisse seines Amtes lagen, entfernte er sich sehr häufig von Regensburg.“[10]

Straßenbenennung

Nach P. Stuart ist in Salzburg-Leopoldskroner Moos die Bernhard-Stuart-Straße benannt.

Quellen

  • Eintrag „Stuart, P. Bernhard“, in: Ulrich Thieme, Felix Becker, Hans Vollmer (Hg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Zweiunddreißigster Band (Leipzig 1938) S. 223 f.
  • Th. A. Fischer, The Scots in Germany: Being a Contribution towards the History of the Scot Abroad. Edinburgh (Otto Schulze & Co.) 1902. S. 148 f. (Die Diktion des vorliegenden Artikels wird nicht immer die originalen deutschen Ausdrücke treffen, da diese im benützten englischen Text nicht wiedergegeben sind.)
  • Wikipedia-Artikel „St. Jakob (Regensburg)“.

Fußnoten

  1. Wikipedia-Artikel „St. Jakob (Regensburg)“
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 Fischer aaO.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Thieme/Becker/Vollmer aaO.
  4. Es wird sich wohl um einen Teil des Leopoldskroner Moores, damals noch „Wildmoos“ genannt, gehandelt haben.
  5. Info zu 'Bernhard-Stuart-Straße' auf gis.stadt-salzburg.at.
  6. Thieme-Becker (aaO) führen dazu an, der ausführende Baumeister Joh. Kleber habe später in einem Prozess dem „Baudirector“ P. Stuart die Entwurfleistung streitig gemacht.
  7. Hubert Hosch, Zum Phänomen Franz Joseph Spiegler (1691 - 1757) anläßlich der 300. Wiederkehr seines Geburtstages. Typoskript, Tübingen 1990, S. 70, unter Verweisung auf Thieme/Becker (aaO) bzw. Hans Dieter Ingenhoff, Die Münsterkirche in Zwiefalten – Beobachtungen am barocken Gesamtkunstwerk, in: Pantheon 40, 1982, S. 201-210 (210 Anm. 10) [Diese Angabe erscheint insofern als überprüfungswürdig, da sie durch Thieme/Becker (aaO) nicht gestützt wird und Ingenhoffs Artikel ein anderes Thema hat].
  8. Vgl. den Wikipedia-Artikel „Kloster_Zwiefalten“.
  9. Vgl. den Wikipedia-Artikel „Schlacht von Culloden“.
  10. „He was a man of great natural gifts, but of a character little noble or loveable. Excelling in provinces of learning far removed from the requirements of his office, he very frequently absented himself from Ratisbon.“