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Kollegienkirche

Die Kollegienkirche, im Vordergrund noch der Furtwänglerpark vor seiner Neugestaltung 2008
Die Kollegienkirche vom Kapuzinerberg aus gesehen

Die Kollegienkirche, auch Universitätskirche genannt, ist die der Universität Salzburg und den Wissenschaften gewidmete Pfarrkirche der Universitätspfarre der Erzdiözese Salzburg. Sie steht unter Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Kollegienkirche am Universitätsplatz steht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Alten Universität in der Salzburger Altstadt. Ihr Standort ist mit Bedacht gewählt. Die kurze Achse nach Osten ist etwa in Richtung Dom und Residenzplatz ausgerichtet, die lange Achse nach Norden, etwa in Richtung zur Linzer Gasse. Wer Salzburg - damals wie heute - aus nördlicher Richtung kommend erreicht, der sieht vom Platzl aus (es war einst an der Salzach bis zur Hauptbrücke von einer Wehrmauer begrenzt), sowie von der Hauptbrücke (Staatsbrücke) aus, zuerst die Franziskanerkirche und zu rechten Hand die Kollegienkirche. Erst dann erblickt man zur linken Hand den Dom. Diese besondere Architektur der großen, hoch herausragenden Kirchen charakterisieren das Stadtbild von Salzburg maßgeblich.

Geschichte

Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun, der „Stifter“, setzte gegen manche Widerstände den lang geplanten Kirchenbau um, indem er am 6. Dezember 1694 ein Baudekret erließ, womit er die Voraussetzung zu einer eigenen Kirche für die seit 1620 in Salzburg tätige Benediktineruniversität schuf. Finanziert wurde der Kirchenbau unter anderem auch aus Gewinnen mit dem Handel von Pfeffer. Die Bauarbeiten begannen nach der Grundsteinlegung am 6. Mai 1696[1]. Am 20. November 1707 wurde die Kirche geweiht und begannen die achttägigen Einweihungsfeierlichkeiten.

Nach einer "ruhigen" Zeit als geweihte Kirche diente sie 1800 als Heumagazin für die Truppen Napoleons (siehe Befreiungskriege (Überblick) und wenig später als Lazarett. Unter bayerischer Herrschaft verlor die Kirche 1810 ihre ursprüngliche Bestimmung, denn die Universität wurde geschlossen. Danach und in der Zeit des Herzogtums Salzburg und des Kaisertums Österreich war sie die Kirche des Staatsgymnasiums, zugleich wurde sie als Garnisonskirche genutzt.

Hugo von Hofmannsthal inszenierte in dieser Kirche 1922 die Uraufführung seines Werkes Das Salzburger Große Welttheater. Mit der Neugründung der Salzburger Universität 1964 erreichte die Kirche wieder ihre ursprüngliche Bestimmung.

Historische Ansichten

Sanierung

In den Jahren 2003 bis 2013 wurde die Kollegienkirche von ihrem heutigen Eigentümer, der Republik Österreich vertreten durch die Bundesimmobiliengesellschaft, mit eigenen Mitteln, maßgeblich mit einer Spende des World Monuments Fund und auch mit Spenden der Salzburger Bevölkerung, von Grund auf außen wie innen saniert.[2] [3]

Die Sanierung kostete etwa 12 Mio. Euro. Zum Vergleich: die damaligen Errichtungskosten betrugen umgerechnet auf heutigen Kaufwert etwa 15 Mio. Euro.

Architektur

Der Architekt der Kirche war Johann Bernhard Fischer von Erlach. Die Kirche ist heute der bedeutendste Kirchenbau der Stadt Salzburg neben dem Dom, ein Hauptwerk des Barockarchitekten Fischer von Erlach und ein Kirchenbau von internationalem Rang. Der Architekt selbst erlebte die Vollendung des Bauwerks nicht mehr sehend, da er mittlerweile erblindet war.

Fischer von Erlach setzt mit der Kollegienkirche das Konzept der Kreuzkirche um, einerseits eine klassisch Formgebung und dennoch in einer für die damalige Zeit in Salzburg und Mitteleuropa in völlig neuartigen Weise. Besonders zu erwähnen sind die klaren Dimensionen. Die Seitenachse ist 29 m, die Längsachse 58 m lang. Das Mittelteil des Haupthauses ist mehr als 30 m lang. Sie ist 29 m hoch, die Kuppel ist ihrerseits 29 m weit und hoch, zusammen ist die Kirche also insgesamt 58 m hoch. Gemäß dem ursprünglichen Baukonzept sollte das Gewölbe und auch die Kuppel des Kirchenbaues allerdings um zumindest etwa 5 m höher werden, erst in einer späten Bauphase wurde beschlossen, die Gewölbe tiefer als geplant anzubringen.

Fischer von Erlach lässt hier zugunsten der Erlebbarkeit des Gesamtbauwerkes und seiner Architektur die Gestaltung der detaillierenden Schmuckelemente – auch durch die Ausführung des Kircheninneren in einheitlich weißer Farbe ohne Gemälde – zurücktreten. Der Kirchenbau wurde zum Vorbild vieler spätbarocker Kirchen im süddeutschen Raum. Die Kirche wurde 1707 zu Ehren der Unbefleckten Jungfrau Maria eingeweiht.

Die Kirche weist drei Teile auf: die Prunkfassade nach Norden, das Haupthaus nach Süden und die stufig abfallenden Anbauten nach Westen. Die Türme besitzen bei dieser Kirche keine Turmhaube mehr, sie lösen sich vielmehr nach oben hin feingliedrig in von allegorischen Figuren gekrönten Balustraden auf. Die Figuren stellen links die vier Evangelisten und rechts die vier römischen Kirchenväter dar. Die Gestalt der heiligen Maria auf einer Mondsichel krönt die Mitte des Bauwerkes. An den unteren Enden des Giebeldreiecks stehen jeweils zwei Engel auf Postamenten. Im Kircheninneren sind vier Kapellen, die den Heiligen der vier Fakultäten gewidmet sind: Thomas von Aquin - der Theologie, Ivo - der Rechtswissenschaft, Lukas - der Medizin und Katharina - der Philosophie.

Die großen Fenster der Fassade öffnen den Bau nach außen und lösen die Schwere der Fassade auf[4]. Zur Universität hin stand bald anstelle eines Durchgangs das Mesnerstöckl.

Orgel

Matthäus-Mauracher-Orgel

Die Orgel wurde in den Jahren 1866 bis 1868 von Orgelmacher Matthäus Mauracher I. als mechanische Schleifladenorgel erbaut. Das Instrument hat 34 Register auf drei Manualen und Pedal,[5] wobei das II. und III. Manual in einem gemeinsamen Schwellkasten stehen. In der Salzburger Chronik (Nr. 32, 1868) war zu lesen: Die Disposition des Werkes ist ausgezeichnet, die Kraft im pleno wahrhaft erschütternd, und die Zartheit und Lieblichkeit der Singregister besonders im 3. Manual außerordentlich; das Geigenprincipal im 2. Manual hat viel Ähnlichkeit mit der bekannten vox humana der Luzerner Orgel und wird derselben immer näher kommen, je größer die Übung in der Handhabung des überaus köstlich wirkenden Crescendo sein wird.[6]

Anton Bruckner muss dieses Instrument sehr geschätzt haben. Im Winter 1869 spielte er darauf einige Fugen, in jener streng gehaltenen Form vor, die seinen im selben Jahre bereits in Nancy und Paris erhaltenen Ruf, als großer Contrapunktist, der an Beethoven seinen Anschluß hat, entsprach. Im Jahr darauf erfreute er mehrere Musikfreunde durch eine interessante Produktion auf der schönen Orgel der Collegienkirche.[7]

1982 wurde die Orgel von der Tiroler Firma Pirchner restauriert, wobei der orginale Zustand erhalten oder wiederhergestellt wurde. Vor allem die im Ersten Weltkrieg abgelieferten Prospektpfeifen aus Zinn mussten durch neue ersetzt werden. Pirchner legte auch die später hinzugekommene Trompette 8′, im Gehäuseunterteil auf eigenen zwei Laden (C- und Cis-Seite) untergebracht, still. Die Ventile derselben wurden nämlich recht primitiv an der Hauptwerkstraktur angehängt, wodurch die Tasten schwergängig geworden waren.[8]

Disposition

I Hauptwerk C–f3
1. Principal 16′
2. Bordun 16′
3. Principal 8′
4. Doppelflöte 8′
5. Viola 8′
6. Viola baritona 8′ [Anm. 1]
7. Nasard 6′
8. Octav 4′
9. Flöte 4′
10. Fugara 4′
11. Quint 3′
12. Mixtur IV 2′
13. Cornet III
14. Trompete 8′ [Anm. 2]
II Schwellwerk C–f3
15. Quintatön 16′
16. Geigenprincipal 8′
17. Philomela 8′
18. Salicional 8′
19. Geigenpraestant 4′
20. Rohrflöte 4′
21. Flageolet 2′
22. Flagiolet 1′
23. Progression III
III Schwellwerk II C–f3
24. Lieblich Gedeckt 8′
25. Gamba 8′
26. Philomela 4′
27. Dolce 4′
Pedalwerk C–d1
28. Principalbass 16′
29. Subbass 16′
30. Violonbaß 16′
31. Nasard 12′
32. Octavbaß 8′
33. Cello 8′
34. Bombardon 16′[Anm. 3]

Anmerkungen

  1. Nach 1885 hinzugefügt.
  2. Nach 1885 angefügt, durchschlagend, auf eigenen Laden. 1982 stillgelegt.
  3. Mit belederten Holzkehlen.

Bildergalerie

weitere Bilder

 Kollegienkirche – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Kollegienkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

Weblinks

Quellen

  1. Salzburger Nachrichten, Karl-Heinz Ritschel, 23. Februar 2008
  2. Bundesdenkmalamt / Sanierung der Kollegienkirche 2013 abgeschlossen
  3. Bundesimmobiliengesellschaft: Feierliche Eröffnung der Kollegienkirche − Sanierung abgeschlossen
  4. Beitrag Altstadt von Salzburg
  5. Informationen zur Orgel
  6. Zit. nach: Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 196.
  7. Salzburger Volksblatt vom 7. April 1869 und 9. September 1870. Zit. nach: Gerhard Walterskirchen: Baugeschichte der Orgel der Universitätskirche, in: Die Orgel der Universitätskirche Salzburg. Weihe der renovierten Mauracher-Orgel 10. Juli 1982, S. 18f.
  8. Johann Pirchner: Die Restaurierung der Mauracher-Orgel in der Universitätskirche Salzburg, in: Die Orgel der Universitätskirche Salzburg. Weihe der renovierten Mauracher-Orgel 10. Juli 1982, S. 29.