Helma Schimke

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Helma Schimke 5:21 min Video

Ing. Arch. Helma Schimke (* 16. Februar 1926 in Seekirchen am Wallersee; † 7. April 2018) war eine Salzburger Pionierin des Frauenbergsteigens und Architektin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Helma Schimke blickte auf eine für Frauen der Zwischenkriegszeit eigenwillige Biografie zurück. Sie besuchte die Staatsgewerbeschule in Salzburg und studierte nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien Architektur an der Akademie der bildenden Künste unter anderem bei Prof. Clemens Holzmeister.

Neben der ungewöhnlichen Berufswahl war auch ihre große Leidenschaft, das Bergsteigen, gegen den Zeitgeist. Was sie auszeichnete, war eine Kombination aus Willensstärke, Ausdauer und Durchsetzungskraft. Diese Eigenschaften benötigte sie aus mehrerlei Gründen. Als Frau in den 1950er-Jahren in einem männerdominierten Berufsfeld wie Architektur zu arbeiten, war eine Herausforderung. 1954 baute sie ihr erstes Einfamilienhaus in Obertrum. Dass die Auftraggeberin eine Frau war, war sicher kein Zufall.

Neben ihrer beruflichen Karriere war das Bergsteigen ihr Lebensmittelpunkt. Mit fünf brannte sie im Lungau durch und bestieg einen kleinen Berg. An ihrem 20. Geburtstag stand sie zum hundertsten Mal auf dem Gipfel des Salzburger Hochthrons, dem Salzburger Hauptgipfel am Untersbergstock. Sie betrieb den Bergsport nicht, um Gipfel "zu bezwingen" oder berühmt zu werden, sondern weil sie die Berge und das Bergsteigen liebte. Das Gehen in die Berge ermöglichte ihr, Ruhe zu finden, bei sich selbst zu sein und zu denken. Wenn sie problembeladen zu einer Bergtour aufbrach, so kam sie leichter und zuversichtlicher zurück.

In den 1950er-Jahren begann sie gemeinsam mit Bergsteigerfreunden wie Marcus Schmuck, Hermann Buhl oder dem Wiener Rudolf Bardodej mit schweren Klettertouren, zuerst in den heimischen Kalkalpen, etwa in der Leuchsturm-Südwand im Wilden Kaiser. Als erste Frau beging sie die Maukspitze-Westwand oder die Fleischbank-Südostverschneidung. Auch den Großglockner bestieg sie durch die Pallavicinirinne und ebenso die Monte-Rosa-Ostwand. Die Ausrüstung war mit den heutigen sicherheitstechnischen Standards nicht vergleichbar. Es gab keinen Sitzgurt, keine reißfesten Seile und keine Bohrhaken. Geklettert wurde ohne Helm und mit großen Hakenabständen, gesichert wurde mit dem Seil über die Schulter. Der sechste Schwierigkeitsgrad war zu jener Zeit das obere Limit des Kletterns.

Schon bald zog es sie in die Westalpen, sie fuhr mit dem Motorroller nach Frankreich und in die Schweiz. Sie bestieg den Peuterey-Grad am Mont Blanc oder die Via Ratti in der Westwand der Aguille Noire. Die Frage danach, ob sie für diese Touren auch ausreichend trainiert habe, beantwortete Helma Schimke mit einem freundlichen Lächeln. Für Training fand sie in diesen Jahren kaum Zeit. Sie war verheiratet, berufstätig und Mutter von drei Kindern. Wann immer es ihr knappes Zeitbudget zuließ, verbrachte sie die Zeit in den Bergen, meist mit ihrem Ehemann Konrad Schimke.

Bergsteigerin zu sein, war für Helma Schimke nicht immer einfach. Des Öfteren gab es Kritik an ihrer "Gipfelsucht".

Besonders schmerzlich war diese, als ihr Mann, der Richter Konrad Schimke, im Jahr 1961 in der Watzmann-Ostwand von einer Lawine in den Tod gerissen wurde und sie danach wieder in die Berge ging. Weil sie drei kleine Kinder zu Hause hatte, musste sie sich immer wieder vorwerfen lassen, dass dies unverantwortlich sei. Später wusste sie, dass es die richtige Entscheidung war.

Dann waren der Jesuitenpater Fred Ritzhaupt und die Skirennläuferin und Olympiasiegerin Christl Haas ihre Seilpartner. Im fortgeschrittenen Alter kletterte sie noch schwierige Alpintouren, etwa die Schleierkante, die Tofana-Südwand oder die Agnerkante – immerhin die längste derartige Kletterei in den Dolomiten. Und sie gab ihre Erfahrung auch weiter. Seit mehreren Jahrzehnten saß sie bereits im Ältestenrat des Salzburger Alpenvereins.

Seit 2002 gibt es einen Film über das Leben der Salzburger Bergpionierin: Über allem der Berg (von Annette Mäser und [[Ulrike Gschwandtner|Ulli Gschwandtner]), der unter anderem beim 13. Bergfilmfestival im Das Kino im November 2006 zu Schimkes 80. Geburtstag aufgeführt wurde.

Sie war mit dem Salzburger Richter Konrad Schimke verheiratet. Aus dieser Ehe stammen eine Tochter und zwei Söhne (mit fünf Enkelkindern).

Sie starb im Alter von 92 Jahren.

Werke

O-Ton

In den Tagen vor dem ersten Weihnachtsfest nach dem Tod ihres Mannes bestieg sie den winterlichen Untersbergstock. In ihrem Buch "Über allem der Berg" notierte sie ihre damaligen Gedanken und Gefühle: "Hier aber, auf dem Berg, auf dieser Glücksinsel meiner Jugend, erfuhr ich von einer Welt über der Welt, hier bekam ich den Begriff von höherer Freiheit und tieferer Freude. Hier habe ich das große Gesetz auf meine Art verstehen gelernt, das Gesetz von Notwendigkeit und Zufall, Willkür und Vernunft, Wille und Glauben. Wie dankbar bin ich dafür, jetzt am Beginn eines neuen Lebensabschnittes."

"Als ich das erste Mal nach jener Katastrophe in der Watzmann-Ostwand wieder kletterte, war es eine wertvolle Befreiung."

Quellen