Michael Stadler

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Michael Stadler

Michael Stadler (* 16. Jänner 1960 in Suben im Innviertel; † 10. März 2015) war für mehr als 20 Jahre Chefredakteur der Salzburger Woche. Mit Ende März 2011 legte er diese Funktion zurück. Sein Nachfolger wurde der 27-jährige Michael Minichberger.

Leben

Michael Stadler kam 1980 nach Salzburg, um an der Universität Germanistik und Geografie zu studieren. Ab 1983 veröffentlichte er in den Salzburger Nachrichten Literatur- und Filmkritiken. Am 21. Oktober 1985 übernahm er die Leitung der Tennengauer Nachrichten und avancierte fünf Jahre später, am 1. November 1990[1], zum Chefredakteur der sechs Regionalausgaben. Sein Motto war: "Lokaljournalismus darf nie provinziell sein.". Seither hatte er die Zeitungslandschaft in Salzburg mitgeprägt. Unter seine Ägide fallen auch mehrere Layout-Reformen, zuletzt 2009, die den Zeitungen stets den der Zeit angepassten Auftritt verliehen. Mit Reichweiten bis zu 70% führte Stadler die Salzburger Woche an die Spitze der unabhängigen Media Analyse.

Redaktionell war Stadler vor allem in der Kultur verhaftet, die Fotografie und Reisen zählten zu seinen Leidenschaften. Er plante seine Urlaube allerdings meist fern von ausgetretenen Pfaden: So war Michael Stadler unter anderem zu Fuß am Amazonas, mit dem Kajak in Norwegen und mit dem Katamaran in der Südsee. 2008 fuhr er mit einem Landrover zwei Monate lang 14 885 Kilometer auf der Seidenstraße.

Worin Michael Stadler auch als Spezialist galt, sind kulinarische Beiträge aus den Ländern, die er bereiste. So berichtete er beispielsweise in seiner Reportage Zum Barbecue in die Arktis[2] von einem "Grillteller, bestehend aus Fleisch von Wal, Robbe und Rentier sowie Fisch". Von seiner mehrmonatigen Seidenstraßen-Reise brachte er Interessantes zurück: Pferdedarm & Hammelfleisch'[3], in Kulinarisch im Niemandsland[4] lässt seinen kulinarischen Frust ob der Eintönigkeit des Essens in Usbekistan, Tadschikistan und Kasachstan erkennen.

Stadler war ein profunder Kenner Italiens, wobei auch hier seine Liebe den Kleinoden im Land gilt. In Zwei Kilometer Mythos ist er dem wohl kürzesten Fluss Italiens auf der Spur, dem Timavo in Friaul-Julisch Venetien, er besuchte Norditaliens kleine Camargue, das Naturschutzgebiet im Mündungsgebiet des Isonzo, machte einen Abstecher in die Provinz, nämlich in der Toskana ins Hinterland von Arezzo. Oder sein Geheimtipp 1997 - Treviso - ein norditalienischer Geheimtip, den er zusammen mit einem zweiten Italienkenner, Peter Krackowizer, erkundete.

Michael Stadler lebte seit vielen Jahren in Adnet im Tennengau. Er erlag im März 2015 der heimtückischen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die ihm im Juli 2007 diagnostiziert wurde. Obwohl ihm damals die Ärzte nicht viel Zeit gegeben hatten, kämpfte Stadler mutig und tapfer noch fast acht Jahre gegen diese Krankheit.

Die Salzburger Medienlandschaft verliert mit Michael Stadler nicht nur einen großartigen Qualitätsjournalisten, sondern auch einen besonderen Menschen mit viel Empathie, feinem Humor, großem Optimismus und unbändigen Lebensmut.

Von seinen Artikeln

Auszug aus seinen Italien-Artikeln

  • Wo der Markuslöwe zur Katze schrumpft führte Stadler in die Lagunenstadt Chioggia (SN, 1. Februar 1997)
  • sein Geheimtipp 1997 - Treviso - ein norditalienischer Geheimtip' ("Salzburger Woche", Ausgabe Flachgauer Nachrichten, 6. März 1997)
  • Gondeln aus Glas ist ein Bericht über die Glasbläserkunst zwischen Kunst und Kitsch auf der venezianischen Laguneninsel Murano (SN, 24. Mai 1997)
  • Alla Bolognese - eine Philosophie, Stadler in der Feinschmecker-Metropole Bologna unterwegs (SN 1. August 1998)
  • Abstecher in die Provinz, nämlich in der Toskana ins Hinterland von Arezzo (SN, 8. Mai 1999)
  • Auf den Spuren von Rainer Maria Rilke bewegte er sich in Elegien als "Reiseproviant" in Friaul-Julisch Venetien (23. September 2004)
  • Schwarzbau als Wahrzeichen, das italienischen Filmmuseum in der Mole Antonelliana in Turin, einer Stadt mit alter Kaffeehaustradition (SN, 11. Februar 2006)
  • Insel unter dem Atem Afrikas führte ihn nach Sardinien "zwei Welten, drei Schafe pro Einwohner, sechs Jahreszeiten und 1 850 Kilometer Küste" (SN, 25. November 2006)
  • Norditaliens kleine Camargue, das Naturschutzgebiet im Mündungsgebiet des Isonzo (SN, 8. November 2008)
  • Zwei Kilometer Mythos ist er dem wohl kürzesten Fluss Italiens auf der Spur, dem Timavo in Friaul-Julisch Venetien (SN, 13. März 2010)
  • den Erzengel als Schnäppchen fand Stadler im süditalienischen Monte Sant'Angelo um € 6,50 im Andenkenladen (SN, 25. September 2010)
  • Auf Harlekins großer Bühne in Bergamo - er berichtet über das Theaterleben in dieser norditalienischen Stadt (SN, 19. November 2011)

Von kulinarischen Abenteuern berichtete Michael Stadler unter anderen

  • Calamari zum Hummerpreis fand Stadler an der Seidenstraße (SN, 7. Februar 2009)
  • Makrelen-Döner in Istanbul und allerlei türkischen Ess-Legenden (SN, 14. März 2009)
  • Zum Essen in den Hamman ging Stadler in seinem Artikel in der kulinarischen Landschaft zwischen Täbris und Maschhad (SN, 4. April 2009)
  • Kulinarisch im Niemandsland beleuchtet das spärliche gastronomische Angebot Zentralasiens (SN, 2. Mai 2009)
  • Pferdedarm und Hammelpenis in der Küche Turkmenistans zählten nicht zu Stadlers bevorzugten Speisen (SN, 30. Mai 2009)
  • Garnelen, völlig betrunken werden in der chinesischen Provinz Shaanxi serviert (SN, 27. Juni 2009)
  • Zum Barbecue in die Arktis, wo er Robbenfleisch kostete (SN, 25. Juli 2009)
  • Parfum aus rohen Fischen entdeckte er in Vietnam, "Nouc mam - auch "essbares Parfum genannt" (SN, 8. August 2009)
  • Gewürze für 1001 Nacht bestimmen die Küche Tunesiens - Stadler war dort (SN, 23. Jänner 2010)

in der Rubrik "Kulinarium life" schrieb Stadler unter anderem

  • Langsam, sehr langsam - über slow-food-scouts in Salzburg (Salzburger Woche, 5. Dezember 2013)
  • Alles andere als aalglatt über einen der Lieblingsfische von Michael Stadler (Salzburger Woche, 20. Februar 2014)
  • Nachschlag zu den Bergaustern beschäftigte sich mit den Reaktionen von Stadlers Beitrag über (S)Tierhoden als Delikatesse (10. April 2014)
  • Lieber Hallein als Himalaya über das Salz vom Dürrnberg (Salzburger Woche, 16. Oktober 2014)

Wie war Michael Stadler

  • "Michael Stadler war nicht nur ein Reisejournalist mit außergewöhnlichem geografisch-geschichtlich-kulinarischem Detailwissen, sondern er besaß auch eine tiefe Leidenschaft zur Kulinarik und zu Italien. Ein Gespräch mit ihm war stets eine, wir würden heute sagen, 'google-Abfrage' über Besonderheiten, altes Wissen und Feinheiten. Einige Male begleitete er mich auf meinen Reisen in Italien und stets wies er mich auf Dinge hin, die mir noch unbekannt waren, verließ auch gerne einmal die Gruppe, um in Hinterhöfen oder auf Märkten etwas zu entdecken, was andere nicht sahen. Michael Stadler war sicherlich einer meiner reisejournalistischen Vorbilder." meint Peter Krackowizer.

Quellen

  1. laut Nachruf in den SN vom 12. März 2015 soll es bereits 1989 gewesen sein
  2. Salzburger Nachrichten, 25. Juli 2009
  3. Salzburger Nachrichten, 30. Mai 2009
  4. Salzburger Nachrichten, 2. Mai 2009