Schmuggel

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Unter Schmuggel versteht man den illegalen Transport von Waren, Tieren und auch von Menschen über Außengrenzen von politischen oder wirtschaftlichen Räumen hinweg.

Herleitung des Begriffes

Der Begriff Schmuggeln ist im deutschen Sprachraum jünger als der Vorgang, den er beschreibt. Schmuggeln wurde im 18. Jahrhundert aus dem Niederdeutschen übernommen, wohin er aus dem Neuniederländischen smokkelen gekommen ist. Der Begriff scheint nicht älter als aus dem 17. Jahrhundert zu sein. Vermutlich leitet sich seine Bedeutung von schmiegen im Sinne von schleichen ab.

Ein zweiter Begriff für Schmuggeln ist Schwärzen. Er stammt vermutlich aus dem Rotwelschen[1], wo aus dem 18. Jahrhundert Tobackschwarzer („Tabakschmuggler“) bezeugt ist. Mit schwerzen oder schwarzen ist gemeint etwas bei Nacht tun (zu swerze Nacht im Rotwelschen des 14. Jahrhunderts). Auf heutige Verhältnisse übertragen ist der Begriff in Schwarz-Markt, Schwarz-Geld, Schwarz-Schlachtung, Schwarz-Arbeit eingeflossen. Ebenso bedeutet etwas schwarz machen, ganz allgemein etwas illegal tun.

Dem Schmuggeln in früherer Zeit haftet noch heute etwas romantisch Verklärtes an und ebenso freuen sich gegenwärtig die meisten Menschen über Kleinigkeiten, die sie erfolgreich illegal über eine Grenze schmuggeln konnten.

Zweck des Schmuggelns

Geschmuggelt wurde (und wird) grundsätzlich alles, was Wert hatte (und hat) und transportierbar war (und ist). Der Mehrwert des Schmuggelns ergibt sich bei bestehendem Bedarf

  • aus der Umgehung von Steuern und Abgaben (Mehrwert- oder Umsatzsteuern, Zoll),
  • aus der Missachtung von Einfuhrverboten,
  • aus regionalen Preisunterschieden und Steuersatzdifferenzen,
  • aus Währungswertunterschieden und nicht zuletzt
  • aus Mangellagen.

Das betrifft Konsumwaren, Waffen, Geld, Tiere und genauso die Ware Mensch, nach den Bedürfnissen und der Marktlage der jeweiligen Zeit-Epoche.

Daran verdienten und verdienen Produzenten, Händler und Ausführende - wie Vermittler, Aufkäufer, Werber und Transportpersonal - und nach gängiger Meinung schlussendlich auch die Konsumenten. Leidtragend sind der jeweils übervorteilte politische oder wirtschaftliche Raum und im Falle von geschmuggelten Menschen die Betroffenen selbst.

Schmuggelwaren

Waren

War es zur Zeit des Saumhandels über den Tauern Salz, Wein oder Tabak, sind es heute neben den kleinen privaten Schmuggeleien aller Art Zigaretten oder andere Suchtgifte, die im großen Stil quer durch Europa – nicht selten über die Achse Salzburg (Tauernautobahn und Westautobahn) – bewegt und irgendwo abgesetzt werden. Auch Produktfälschungen werden im großen Stil illegal gehandelt.

Seit Erfindung der Buchdruckerkunst und vor Zeiten des Internets wurden stets auch Schriften geschmuggelt, die im jeweiligen Land verboten waren und daher illegal ins Land gebracht werden mussten. So zur Zeit der Reformation und Protestantenvertreibung und später vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich. Damals war beispielsweise über das Steinerne Meer zwischen Bayern und dem Pinzgau ein reges Hin und Her von Menschen zu beobachten, wobei der Transport von Waffen und Schriftgut in nur eine Richtung erfolgte.

Ein weiteres Schmuggel-Gut war und blieb immer in Mode: das sind Waffen. Was sich geändert hat, ist die Technik der Waffen, die verwendeten Transportmittel, die Schmuggelwege und die Dimensionen des Waffenschmuggels.

Schlussendlich ist Geld als Ware ein lukratives Schmuggelgut, wobei die Wege geschmuggelten Geldes heute andere sind als früher. Spekulation über Währungsgrenzen hinweg und das Transferieren und Reinwaschen von Schwarzgeld löste längst den manuellen Transport eines kleineren oder größeren Geldsackes über eine Landesgrenze hinweg ab und erreicht ohne Zweifel auch ganz andere quantitative Wertdimensionen.

Siehe auch:Schmuggel von Kaffee und Zigaretten nach 1945

Tiere

Waren es früher Nutztiere wie das Pinzgauer Rind, die hie und da heimlich über heimische Pässe gebracht wurden, sind es heute illegal eingeführte Hundewelpen und exotische Kleintiere, die unter Artenschutz stehen. Sie sind gerade in Mode und wecken die Begehrlichkeit (will haben-Mentalität) unreflektierter Menschen.

Menschen

Wo Bedarf besteht, findet sich jemand, der daran verdient. Schon in keltischer Zeit transportierte man Sklaven über das Fuscher Törl, wie der Fund einer keltischen Sklavenkette auf 2 050 m ü. A., die in das 1. Jahrhundert datiert werden konnte, belegt. Im Mittelalter wurden Menschen aus dem noch nicht christianisierten Nordosten Europas von Christen gefangen genommen und anderswo als Sklaven verkauft.

Geschah dies zur damaligen Zeit nach geltendem Recht in der Regel legal, so werden heute vor Kriegswirren oder wirtschaftlicher Not flüchtende Menschen zur Schmuggelware. Gegen meist hohes Entgelt und unter oft schrecklichen Bedingungen finden die illegalen Transporte in andere politische oder wirtschaftliche Räume statt, wo die Flüchtlinge nicht selten einfach ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen werden.

Eine zweite Gruppe sind jene Kinder und Erwachsene aus wirtschaftlich schwachen Ländern, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geködert oder unter Zwang illegal in andere Länder gebracht und als Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen oder als Bettler und Bettlerinnen eingesetzt und nicht selten zwangsweise fest gehalten werden.

Schmuggelwege

Schmuggelte oder schwärzte man früher im kleinen Stil nach mündlicher Absprache über Pässe, wie dem Hirschbichl oder die Tauernübergänge, nutzt man heute die vielfältigen Möglichkeiten der globalisierten Welt:

die Kommunikationsmöglichkeiten, die Gesetzeslücken, die Verkehrswege und die Transportmittel zu Land, zu Wasser und zur Luft, und es geht dabei weltweit um kriminell erwirtschaftete Milliardenumsätze, die zum Schaden aller der Volkswirtschaft entzogen werden.

Salzburg als Drehscheibe europäischer Schmuggelrouten

Die zentrale Lage in Europa einerseits und die Grenznähe andererseits macht Salzburg auch in Zeiten der EU zu einer Region, durch die frequentierte Schmugglerrouten, wie Westautobahn und Tauernautobahn, auf denen Waren und Menschen illegal durchgeschleust werden, führen. Salzburg als Region ist weniger das Ziel, sondern liegt mehr am Weg zu den großen Märkten: von Norden nach Süden und von Westen nach Osten und umgekehrt.

Marterl in der Nähe des Walserberges
Marterl für einen zu Tode gekommenen Schmuggler in der Nähe des Freilichtmuseums Großgmain
Schmugglermarterl bei Großgmain, Detail

Schmuggel am Walserberg (Geschichte)

Der Schmuggel spielte im Bereich des Walserberges hauptsächlich im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen und nach 1945 eine Rolle. Hier war der Grenzübertritt nicht durch den Saalachflussverlauf verhindert.

Von Zeitzeugen aus der Gemeinde Wals wurde berichtet, dass vor allem der bewaldete Grenzbereich für den unerlaubten Grenzübertritt und auch zum Schmuggel genützt wurde. Es wäre auch nicht selten vorgekommen, dass sogar Einheimische im betreffenden Waldgebiet von Zollorganen angehalten und der Schmugglerei verdächtigt wurden.

In der Nähe des Walserberges erinnert ein Marterl an einen Einheimischen, der im Jahr 1920 wegen des Verdachtes des Schmuggels von einem Zöllner hinterrücks erschossen wurde.

Quellen

  • Eigenartikel von Benutzer:Wald1siedel
  • Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 22. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin und New York
  • Benutzer:Franz Fuchs, Abschnitt Schmuggel am Walserberg

Fußnoten

  1. Rotwelsch ist ein Sammelbegriff für geheimsprachliche Soziolekte gesellschaftlicher Randgruppen auf der Basis des Deutschen, also eine Gaunersprache, Quelle Wikipedia Rotwelsch und www.kirchenweb.at Gaunersprache