Seeknödel

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Zeller Seeknödel

Dem Rätsel um die verschwundenen Seeknödel des Zeller Sees im Gemeindegebiet von Zell am See spürte Cavaliere Horst Scholz im Pinzgauer Bezirksarchiv nach und berichtete darüber in der ersten Ausgabe der Pinzgauer Nachrichten im Juli 2014.

Japaner forschen auch in Zell am See, ein Fernsehteam kam für eine Dokumentation ins Bezirksarchiv

Die Geschichte mit den Zeller Seeknödeln hat ihre eigene Bewandtnis und auch die alten Zeller werden sich dieser Dinge nicht mehr recht erinnern können, denn es ist schon sehr lange her, dass die letzten in unserer Gegend gefunden wurden. Gefunden wurden sie am Ufer des Zeller Sees. Kam da eines Sonntags, es war im Sommer 1830, ein junger, städtisch gekleideter Mann an das sumpfige, verschilfte Südwestufer des Zeller Sees, fischte etwas Grünliches aus dem Wasser, drückte es aus, langte nach einer länglichen Blechdose und gab das Zeug hinein. Dann bückte er sich wieder und wieder und es hatte den Anschein, als wollt sich der spaßige Herr den Behälter damit anfüllen. „Was ist das nachher?“, fragte ihn ein Bauer, den die Neugier geplagt hatte, der auf den Fremdling zugegangen war. „Ich sammle Wasserpflanzen, weil ich Botaniker bin.“ „Das ist mir zu gescheit“, erwiderte treuherzig der Einheimische und zog enttäuscht von dannen. Der junge Gelehrte aber, denn ein solcher wollte er zumindest werden, war niemand anderer als der Student der Medizin Anton Eleutherius Sauter, der sich auf der Studienreise durch unser Heimatland befand. Zu einer Zeit, in der auch der berühmte Maler Friedrich Gauermann in Zell weilte und Skizzen für sein bekanntes Bild „Der Zeller Marktplatz“ anfertigte.

So ein Knödel ist eine Fadenalge, aber was für eine?

Nun setzte sich der spätere Bezirksarzt Dr. Sauter gemächlich auf einen Weidenstumpf, holte umständlich sein Vergrößerungsglas aus der Ledertasche heraus und fing an zu „untersuchen“. Nur immer genau schauen! So war er es immer gewohnt zu tun. „Zweifellos ist so ein Knödel eine Fadenalge“, sprach er zu sich selbst, „aber was für eine? Ja, das ist eine schwere Sache.“ Aber Dr. Sauter wusste sich zu helfen. Als er in seinen Fachbüchern nichts fand – die Knödel waren nicht zu „bestimmen“ –, schrieb er einen langen Brief an den hochwohlgeborenen Herrn Professor Karl Adolph Agardh in Lund in Schweden, denn dort gab es ähnliche Moor- und Sumpfböden. Getrocknete, gepresste „Zeller Knödel“ lagen bei und die Post entführte sein Schreiben nach Schweden.

Sauters Ziegelfilz

Nach monatelangem Warten traf endlich die heiß ersehnte Antwort ein. Sauter zitterte vor Aufregung, als er den versiegelten Brief öffnete. „… ihre interessante Alge, die man bei Euch ,Zeller Knödel‘ nennt, ist eine ganz neue Pflanze, die bisher völlig unbekannt war. Es ist eine Fadenalge besonderer Art. Ich gab ihr daher auch einen neuen Namen und benannte sie Ihnen zu Ehren ,Aegagropila Sauteri‘.“ Sauter machte vor Freude einen Luftsprung und schwenkte jauchzend den Brief umher. „Nein, diese Ehre, nein, so was; das Glück!“, jubelte er. Mit einem Schlage war er ein Fachmann geworden. Leider ist „Sauters Ziegelfilz“ – wie die deutsche Übersetzung des wissenschaftlichen Namens eigentlich lautet – schon seit 1868 verschollen. Während dazumal erbsen- bis kindskopfgroße Knödel zu Hunderten den Lehmboden der Südwestseite des Zeller Sees bedeckten, sind sie alle mit der Salzachregulierung, durch die der See tiefer gelegt wurde, verschwunden.

Sauter aber wurde ein berühmter Gelehrter, der ab 1838 in Mittersill als Arzt tätig war. Am 21. August 1871 trat er als hoch angesehener und weitum beliebter Arzt in den Ruhestand. Er erforschte die Flora des Landes Salzburg und hinterließ ein umfangreiches botanisches Werk. Eine Gattung und 17 Arten tragen seinen Namen. 1860 war er zudem Mitbegründer und von 1864 bis 1874 Vorstand der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Im Jahresbericht des „vaterländischen Museums Carolino-Augusteum der Landeshauptstadt Salzburg“ aus dem Jahre 1855 wurde über die „zur Vermehrung der Sammlung“ gebrachten Seeknödel aus dem Zeller See berichtet – „die den Boden des Zeller Sees bedecken, dass er wie mit grünen Kugeln gepflastert erscheint“.

Eine Sammlung von „Zeller Seeknödeln“ ist im Stadt-Museum im Vogt- oder Kastnerturm ausgestellt. 1999 war ein Professor der Nihon Universität in Tokio (Japan) zu Besuch in Zell, der Forschungsarbeiten über die Seeknödel in ganz Europa machte. Am 28. Juni 2014 kam sogar ein TV-Team aus Japan, das eine umfassende Dokumentation über die Geschichte dieser Unterwasserpflanze/Alge-Mooskugel (u. a. „Zeller Seeknödel“) aufzeichnete, die bei Botanikern sehr beliebt, aber inzwischen weltweit sehr selten geworden ist. Koordiniert wurde das Team, das von Kensuke Azuma (Japan Broadcasting Corporation) angeführt wurde, von der Deutschen Martina Ramiga. Nach einem Dreh im Bezirksarchiv ging es hinaus auf den See, wo im Bereich des Südwestufers Aufnahmen gemacht wurden.

Quelle