Seppenbauerngut

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Projekt Lebenshilfe Salzburg, das Seppengut und seine Bewohner.
Karte
Projekt Lebenshilfe Salzburg. Menschen am Seppengut.
Projekt Lebenshilfe Salzburg, Bewohner beim Holzschneiden
Projekt Lebenshilfe Salzburg. Jausen-Pausenzeit am Hof während der Renovierungsarbeiten
Brot aus dem Holzofen
Das Seppengut ist seine neue Heimat geworden
Beim Heueinbringen

Der Bauernhof Seppengut in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee im Ortsteil Haslach ist ein Erbhof.

Geschichte

Der Bauernhof ist als "Gut Haßlach" 1609 urkundlich erwähnt. 1960 wurde er Erbhof, da er seit 1634 in ununterbrochenem Familienbesitz war. Am 29. Mai 1959 brannten das Wohn- und Wirtschaftsgebäude bis auf die Grundmauern nieder und wurde wieder neu erbaut. Das neue Wohngebäude gliedert sich in zwei Wohnebenen mit je ca. 120 m² Nutzfläche. Jede Ebene ist mit einem separaten Zugang aufgeschlossen. Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur und das Dach erfolgten um 2010. Mittels einer 2011 errichteten Biomasse-Hackschnitzelheizung wird das Wohngebäude beheizt, Solarkollektoren liefern zusätzlich umweltfreundliche Energie.

Das angebaute Wirtschaftsgebäude bietet im Erdgeschoß die ursprüngliche Stallfläche sowie Lagerräume. Im Obergeschoß befindet sich die nach einem Brand in den 1980er-Jahren neu errichtete Tenne.

Insgesamt umfasst der Bauernhof 6 179 m² Grundfläche, zu dem 20 ha Wiese und zehn ha Wald gehörten.

In den 2010er-Jahren war dort zunächst ein Projekt der Lebenshilfe Salzburg, das Menschen mit Beeinträchtigung das Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft ermöglicht, untergebracht. Nachdem das Projekt der Lebenshilfe aus Kostengründen aus dem Seppenbauerngut ausziehen musste (siehe unten), konnte die Caritas einen Teil des Guts für die Unterbringung von Asylwerbern anmieten. Von Anfang 2016 bis Ende April 2017 wohnten dort zehn Asylwerber aus Afghanistan. Nach dem Verkauf des Bauernhofes musste sie wieder ausziehen.

Heute ist der Hof in Privatbesitz und wird nicht mehr in seiner ursprünglich Form genutzt, wohl aber sind heute Pferde dort untergebracht.

Zum Seppengut gehört auch die über 250 Jahre alte Sepplkapelle zum Gegeißelten Heiland.

Projekt Lebenshilfe Salzburg

Matthias Hauser († 8. März 2013), der Erbe des Seppenguts, war selbst geistig beeinträchtigt und seit 2001 Klient der Lebenshilfe. Er lebte im Seniorenwohnhaus St. Rupert in Straßwalchen, sein Wunsch war es jedoch, wieder auf dem Hof seiner verstorbenen Eltern zu wohnen. Gemeinsam mit seinem Sachwalter und auf eigene Kosten sanierte er deswegen das Untergeschoß als Wohnbereich. Die Landeshauptmannschaft Salzburg, die Lebenshilfe Salzburg und Förderer übernahmen die Kosten der Adaptierung der Räume im Obergeschoß, wo ein Aufenthaltsraum, eine Küche und Sanitärräume entstanden. Insgesamt wurden € 120.000 investiert. Dann sanierte man den Stall, renovierte den alten Backofen und befestigte den Vorplatz. In diese Arbeiten flossen weitere € 65.000. Die Lebenshilfe Salzburg erhielt daraufhin einen Bestandsvertrag.

Der Bauernhof wurde in Folge von insgesamt 14 Klienten der Lebenshilfe-Werkstätte Steindorf benützt und beherbergte seit Februar 2010 einen haus- und landwirtschaftlichen Betrieb mit und für beeinträchtigte Personen der Lebenshilfe Salzburg. Im Mai 2014 lebten elf Personen am Hof.

Der Wunsch von Matthias Hauser, am Hof seine letzte Ruhe zu finden, konnte ihm erfüllt werden, er ist in einer Urne in der Seppengut-Kapelle begraben. Hauser hatte in der Reaktivierung seines elterlichen Hofes eine neue, wenn auch nur kurze, Lebensaufgabe gefunden und weitere Menschen mit geistiger Behinderung dafür begeistern können. Er hatte mit diesem Projekt aufgezeigt, dass Menschen mit geistiger Behinderung eine Bereicherung für die Gesellschaft sind, Leistung erbringen und sie so wieder eine Aufgabe in ihrem Leben haben. Es war wohl auch der Wille Hausers, dass sein Projekt auch nach seinem Tode weitergeführt wird.[1]

Dienstleistungen und Produkte

Das Seppengut wurde als landwirtschaftlicher Betrieb geführt und zu den Arbeiten der Bewohner zählten unter anderem die Pflege und Kultivierung des Obst- und Gemüsegartens, die Samenzucht mit Samen der Arche Noah (Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung[2]), Vorbereitung und Anlieferung eigener Produkte für Schulbuffets (Mai 2014, vier Schulen), Brennholz bereiten, Brot aus Holzofen, Tierhaltung (Hühner, Enten, Schafe und Hasen).

An Dienstleistungen erbrachten die Bewohner des Seppenguts unter anderem Waldpflege, Mäharbeiten, sie erhielten das Seppengut selbst, führten den Haushalt (Kochen, Putzen usw.) und pflegten die bäuerliche Tradition. Gerade die Pflege der bäuerlichen Tradition war ihnen ein besonderes Anliegen und verschiedene Veranstaltungen wie Palmbuschenbinden und Hofladen unterstrichen dieses Bemühen.

2014: Steht das Projekt vor dem Ende?

Seither fand dieses Sozialprojekt Seppengut viel Unterstützung und mit verschiedenen Veranstaltungen wurde auf das Projekt aufmerksam gemacht und Spenden gesammelt. Doch seit dem Tod von Matthias Hauser bangten die Lebenshilfe und die Bewohner des Hofes um ihr Projekt. Denn der Hof, auf dem seit nunmehr fünf Jahren im Rahmen der Lebenshilfe Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen eine Beschäftigung fanden und auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, hatte den Besitzer gewechselt. Elf Männer und Frauen aus der Umgebung führten dort im Mai 2014 die Landwirtschaft, backten Brot, hielten Hühner, Hasen und Schafe und gingen so unter der Aufsicht und mit der Unterstützung von Betreuer Gustav Eppenschwandtner ihrer Arbeit nach.

Nach dem Tod des Besitzers Matthias Hauser hatte die Erbengemeinschaft das Gehöft mit rund 30 Hektar Grundfläche zum Verkauf angeboten. Die Lebenshilfe war am Kauf des Hofes sowie einer umliegenden Grundparzelle in der Größe von 3,7 Hektar interessiert. Doch der Zuschlag für die gesamten 30 Hektar erging an einen anderen Interessenten, Toni Greischberger, Landwirt, Gastronom sowie Tourismusverbandsobmann in Neumarkt am Wallersee. Er hat kein Problem damit, dass die Lebenshilfe weiter am Seppengut engagiert war. Garage und Stall würde er natürlich an die Lebenshilfe vermieten, sagte er. Und hier begann das Problem. Denn Greischberger wolle dafür 4.000 Euro pro Monat, wusste Bürgermeister Adi Rieger (ÖVP). Greischbergers Sohn, Toni Greischberger jun., wollte das den SN[3] gegenüber weder bestätigen noch dementieren. „Nur so viel. Wir suchen das Gespräch mit der Lebenshilfe und sind verhandlungsbereit.“ Für die Lebenshilfe waren 4.000 Euro monatlich utopisch: „So etwas können wir vor unseren Spendern nicht verantworten“, so Eppenschwandtner und weiter "Das ist für die Menschen auf dem Seppengut natürlich bitter“.

Die Lebenshilfe hatte zwar einen gültigen Bestandsvertrag, der ihr zusichert, bis 2039 rund 120 Quadratmeter Fläche im ersten Stock des Bauernhauses zu nutzen, sowie einen Mitnutzungsvertrag für den angrenzenden Garten. Eine Nutzung von Stall und Garage war mit Matthias Hauser jedoch nur mündlich vereinbart. Eppenschwandtner: „Wir fürchten nun, dass wir nur mehr den ersten Stock nutzen dürfen. Das macht für unsere Leute natürlich wenig Sinn.“ Denn die schätzen die Arbeit auf dem Bauernhof sichtlich.

Nun suchte auch die Stadtgemeinde nach einer Lösung und Bürgermeister Rieger betonte, er sei sehr stolz darauf, ein solch erfolgreiches Projekt in seiner Gemeinde zu wissen. Man sei mit Greischberger im Gespräch sowie mit einem Landwirt im Ort, der sich vorstellen könnte, das Gut zu erwerben und den Hof sowie die Parzelle rundherum der Lebenshilfe zum Kauf anzubieten.

Lebenshilfe-Präsident Michael Russ ergänzte: „Als Verein, der sich für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung einsetzt, können und wollen wir das Anwesen nicht zu einem erhöhten Preis erwerben oder pachten.“ Schließlich trage die Lebenshilfe die Verantwortung für seine Klienten und man werde alles daran setzen, ein derartig gutes Arbeitsangebot für sie weiter zu betreiben.

Neues Kaufangebot liegt vor

Nach dem SN-Bericht über den Verkauf des Seppengutes hatte sich ein weiterer Kaufinteressent gemeldet, berichteten die SN in ihrer Ausgabe vom 16. Mai 2014: Unternehmer Kurt Schimmerl aus Straßwalchen wollte das 30 Hektar große Anwesen zum Schätzwert von 1,5 Mill. Euro kaufen und der Lebenshilfe die benötigten 3,7 Hektar 20 Prozent unter dem Schätzwert überlassen. Schimmerl: „Ich finde das Projekt toll und möchte, dass es bestehen bleibt.“ Er selbst hatte beim Notar sein Kaufinteresse bekundet, sei aber nie zur Angebotslegung geladen worden. Schimmerl wollte auf dem Areal einen eigenen Bauernhof errichten und später seltene Tierrassen halten[4].

Die Bewohner ziehen weiter ins Standlgut in Haslach

Mit dem Verkauf des Seppenguts verloren elf beeinträchtigte Menschen ihre Wirkungsstätte. Doch deren Eltern gaben nicht auf. Im Juli 2016 wollten sie ein neues Gut eröffnen und hatten dazu eine Idee. Sie gründeten einen Verein, um das erfolgreiche Projekt an einem anderen Ort weiterzuführen. Obmann des Vereins wurde Josef Lettner. Sein Sohn Lukas ist Autist. Gemeinsam machten sich die Eltern auf die Suche nach einem neuen Bauernhof. Und wurden genau gegenüber fündig. Im Juli zog die Gruppe ins Standlgut.[5]

Bildergalerie

Das Seppenbauerngut als Projekt der Lebenshilfe:

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Betreuer Gustav Eppenschwandtner in einer Präsentation vor dem Sozial-, Bildungs- und Generationenausschuss der Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee am 14. Mai 2014 bei einer öffentlichen Sitzung
  2. siehe www.arche-noah.at
  3. Salzburger Nachrichten, 14. Mai 2014
  4. Salzburger Nachrichten, 16. Mai 2014
  5. Salzburger Nachrichten, 25. Mai 2016