Wolfgangibrunnen

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Weltberühmter Pilgerbrunnen im Hintergrund der Schutzpatron des Ortes

Der Wolfgangibrunnen ist ein mehr als 500 Jahre alter Pilger- oder Wallfahrerbrunnen vor der Pfarrkirche von St. Wolfgang.

Geschichte

Das ausgehende Mittelalter, das 15. und 16. Jahrhunderts waren für St. Wolfgang hohe Zeiten der Kunstentfaltung. Der Geist des Humanismus, die naturwissenschaftlichen Spekulationen des Paracelsus und die Visionen Dürers finden hier Eingang. Eines dieser bedeutenden, weltberühmten Meisterwerke, voll großartigen Formengutes aus der Frührenaissance, ist der Wolfgangi- Pilger- oder Wallfahrerbrunnen zwischen dem Chor der St. Wolfgangkirche und dem früheren Pfarrhof, dem Priorat und heutigen Schloss.

In der Hochblüte der Wallfahrt prägten drei hervorragende Äbte des um 748 gegründeten Klosters Mondsee St. Wolfgang. Abt Simon Reuchlin (1420 - 1462) erteilte den Auftrag zum Neubau der zweischiffigen Hallenkirche von St. Wolfgang nach dem großen Brand. In diese Zeit fällt die "Melker Reform" und die Visitation des Kardinallegaten Nikolaus Cusanus aus Brixen. Abt Benedikt II. Eck (14631499) erweiterte das Gotteshaus um den einschiffigen gotischen Chor und gab 1471 den Auftrag zur Errichtung des heutigen "Michael Pacher Altares". Dieser hoch gebildete Abt verdoppelte auch den Buchbestand von 300 auf 591 Bände, so dass die Bibliothek von St. Wolfgang durch Ausbau vergrößert werden musste. Abt Wolfgang Haberl (1499 - 1521), ein Mondseer, der vom Haberlgut in Zell am Moos stammte, war der 54. Vorsteher des Klosters und der Letzte der großen "Äbtetrias". Unter seiner Ära gelangte der Humanismus zur vollen Blüte. Aus dem Chronicon Lunelacense geht hervor, dass im Gefolge Kaiser Maximilians auch der Salzburger Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach wie der Arzt und Humanist Cuspinian[1] im Jahre 1506 Gäste bei Haberl in Mondsee waren und weiter nach St. Wolfgang zogen. Haberl war Beichtvater und ein persönlicher Freund Kaiser Maximilians, der ihn meist nur "seinen Mönch" zu nennen pflegte. Abt Haberl war wie der Kaiser ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft, so wurde im Jahre 1514 das erste Mondseeer Stiftsgymnasium in Oberösterreich gegründet. Mondsee stand in dieser Zeit oft im Zentrum der Macht- und Finanzpolitik Kaiser Maximilians und des Salzburger Fürsterzbischofs Leonhard von Keutschach, der seine Vorteile zur Landnahme zu wahren wusste.

Das berühmteste und wohl bekannteste Werk welches dieser gebildete Abt Wolfgang Haberl einerseits für St. Wolfgang, zu Ehren seines Namenspatrons 1515 schaffen ließ, andererseits für die zahlreichen ärmeren Wallfahrer, die sich rund um die Kirche lagerten, ist der Wolfgangi-Pilgerbrunnen von Lienhard Rännacher, Stadtbüchsenmeister zu Passau und Peter Mülich. Zwei Brunnenquellen waren von Anfang an in den Heilquellenkult, die Legendenbildung um den hl. Wolfgang, mit einbezogen, eine Quelle am Falkenstein und die andere im Kirchenbereich von St. Wolfgang.

Aus den Heilungsberichten der Mirakelbücher erfahren wir auch, dass dort die "Celle" des Heiligen und der "Bußstein" besondere Verehrung erfuhren, letzterer hatte bei Fußleiden besondere Heilkraft. Das "Wolfgangiwasser" galt für vielerlei Leiden und Gebrechen als besonders heilsam. Man wusch sich zuerst die Augen, benetzte den Mund, trank es und nahm es in meist blauen Glasflaschen abgefüllt als kostbaren "Gesundbrunnen" mit nach Hause. Für derlei Wolfgangiflascherl gab es hier am See eine eigene Glashütte und auf dem "Samsen Haus" am Bichl St. Wolfgang Markt 81 die Glasergerechtigkeit (Zunft-Gewerbe zur Fertigstellung der Rohlinge). Diese kleinen Kunstobjekte haben einen eigenen Typus, sind in Form gegossen und zeigen den Heiligen mit Kirche, Stab und Beil. Die Rückseite zeigt meist ein Alm- und Wildmotiv.

Die Wunderkraft der Heilquelle wird in den Mirakelbüchern hundertfach beschrieben und wirkte besonders gut bei "Fraisen, Frauenleiden, Haut- und Stichverletzungen". Der Reiseschriftsteller und Arzt. J. A. Schultes berichtet in "Reisen durch Osterreich - 1809 ", dass das Wasser in St. Wolfgang für "Weiber" ein sehr gerühmtes Mittel gegen Unfruchtbarkeit sei.

Am Pilgerbrunnen von St. Wolfgang befindet sich auf dem Schalenrand eine Inschrift, die in mehrfacher Hinsicht auf die Gründe zur Errichtung des Quellenheiligtumes hinweist. Ich pin zu den eren sandt wolfgang gemacht abt wolfgang häbrl zu mänsee hat mich petracht zu nütz und zu frömen der armen pilhgrümb dye nit haben gelt umb wein dye sollen pey dissen wasser frelich sein Anno dm 1515 jar ist das werck voll pracht gott sey globt.

Der Brunnen ist von Abt Wolfgang Haberl zu Ehren seines Namenspatrons des heiligen Wolfgang, errichtet worden und diente auch andererseits der Labung für die zahlreichen Wallfahrer. Denn die nicht haben Geld für Wein, sollen bei diesem Wasser fröhlich sein! Gleichzeitig diente diese Quellenanlage auch als Hausbrunnen für den Konvent, das Pfarrhaus und die angrenzenden Bürgerhäuser.

Die Wolfgangverehrung erlebte zur Zeit Haberls eine Hochblüte. Bei Kirchweihfesten und Mehrortwallfahrten aus Salzburg, wurden St. Wolfgang und der Falkenstein immer einbezogen. So war St. Wolfgang in dieser Zeit als nahe gelegener Pilgerort den Salzburgern weit besser bekannt als ihre Stadtheiligen Rupert und Virgil. Das Erzbistum Salzburg gehörte unter Leonhard von Keutschach, dem Finanzgenie, zu den vornehmsten und wohlhabendsten Bistümern. Aufgrund seiner ständigen Geldnot verpfändete der Kaiser das Wolfgangland noch im Jahre 1506 an den Salzburger Fürsterzbischof.

Kurze Zeit nach diesem Höhepunkt brach im Mondseeland die Pest aus und viele Bewohner dieses Landstriches fielen dem "Schwarzen Tod" zum Opfer, darunter ist auch der allseits geschätzte Abbas Wolfgangus Haberl zu beklagen, der am 12. Oktober 1521 sein Leben beendete und seine letzte Ruhestätte in der Äbtegruft der Basilika St. Michael des Klosters Mondsee fand.

Am 17. Mai 2015 fand in St. Wolfgang eine Jubiläumsmesse aus Anlass der 500-Jahr-Feier des Brunnens statt.

Aufbau des Brunnens

Das Wappen des Abts Wolfgang Haberl

Bei der Betrachtung des Gesamtkunstwerkes zeigt sich das Verschmelzen der Elemente der Spätgotik mit der Renaissance, wobei einzigartig und neu das Herausheben des heiteren Lebensgenusses und die Freude an den reizvollen Details mit den nackten Gestalten sind. Auf einem getreppten Sockel steht ein zehnseitiger Pfeiler, welcher die weitausladende, feingeschwungene Brunnenschale hält, in welche die Wasserstrahlen aus vier mit Fischköpfen verzierten Wasserspeiern fallen. Diese wiederum entspringen einem massiven, aus dem Schaleninneren aufragenden Wandpfeiler.

Nischen dieses Pilasters beinhalten Relieffiguren, die in drastischer Weise die Leiden des übermäßigen Weingenusses darstellen. Eine Ritterfigur mit Weinkrug in der rechten Hand ist im Delirium, der nächste, ein bärtiger nackter Mann, hat Herz- und Harnbeschwerden, ein weiterer bärtiger Nackter hat Bauchschmerzen und Diarrhö. Nur der Jüngling, der aus der hohlen Hand das heilsame "Wolfgangiwasser" trinkt, ist kraftstrotzend und gesund.

Über diesen Relieffiguren verzieren Köpfe mit Eulen- und Löwen-Fratzen als Symbol der Weisheit und Macht die Ausflussröhren und die dazwischen befindlichen, mit Kränzen und Astwerk verzierten, Wappenschilder. Auf dem einen sieht man das alte Mondseewappen, den See und darüber den Vollmond. Auf dem anderen Wappen ist das bekannte Monogramm des Abbas Wolfgangus Haberl mit den Anfangsbuchstaben seines Wahlspruches "A M A D - auxilium meum a domine - meine Hilfe kommt vom Herrn". Kielbogen mit Krabben und herausgebogenen Fialen verzieren den Übergang zum nächsten Geschoss.

Auf dem zinnenbewehrten Krönungsabschluss thront die Figur des HI. Wolfgang mit seinen Attributen Bischofsstab und Kirche.

Auf dem Sockel unter der Brunnenschale bewegen sich phantastische Wesen, Drollerien, spielende Kinder, Knaben, auf allen Vieren rückwärts kriechend und an einem mit den Zähnen festgehaltenem Tuche zerrend. Ein fischgeschwänztes Meerwesen holt zum Schlag gegen eine Schild tragende Halbfigur aus. Zwei Sackpfeife und Klarinette spielende Faune blicken zu einer im Nebenfeld lagernden Nymphe. Auch zwei kämpfende Hähne zeigen ihre Drohgebärden. Der Hahn gilt als "Uhr der Nacht", er war dem Gott der Heilkunde Asklepios geweiht. Das Opfer eines Hahnes ist bis ins hohe Mittelalter gebräuchlich, im Volksglauben verscheucht er Böse Geister.

Diese Darstellungen haben bis heute noch keine wissenschaftliche Deutung erfahren und sind sicherlich heidnische Symbole aus der Mythologie der Antike.

Ähnliche Themen finden sich ja auch auf zahlreichen Buchleisten der Stundenbücher. Erwähnenswert ist eine Darstellung, die schon bei Entstehung der Brunnenthematik auf die Heilquelle von St. Wolfgang und das Fruchtbarkeitssymbol hinweist. Es ist diese eine Nymphe, eine kraftvolle junge Frau mit wallendem Haar, die unter einem fruchttragenden Baum ruht. Im rechten Feld über ihren Füßen ist ein Schaff als Zeichen der Heilquelle, aus dem wiederum ein blühender Baum herauswächst.

Die Unterseite der Brunnenschale ziert ein punziertes Ornament mit züngelnden Flammen. Zweimal wurden auch hier die Wappen des Klosters Mondsee und seines Abtes mit schon erwähntem Monogramm und Wahlspruch angebracht. Auf zwei Spruchbändern lesen wir:

Gott hab uns all in seiner acht maister lienhard zu passaw hat mich gemacht.
durch maister Lienhard hat rännacher statpixenmacher zu passaw.

Eine zweite, sehr versteckte Künstlerinschrift auf den kleinen Strebepfeilern des Sockels ergibt aus einzelnen Buchstaben "Peter Mülich", es könnte sich dabei um den Schwiegersohn des großen Nürnbergers Peter Vischer oder um einen Büchsengießer aus Zwickau handeln. Die Forschung schreibt besagtem Mülich den künstlerischen Entwurf der Renaissancefiguren zu.

Das Arbeitsmaterial des Brunnens ist Glockenerz, das in alter Manier in flüssiger Form im Wachsausschmelzverfahren der verlorenen Form gegossen wurde. Diese Technik erlaubt immer nur einen Guss und wird seit der Antike angewandt.

Abt Wolfgang Haberl ließ über dem Wolfgangibrunnen einen kleinen, auf vier Säulen ruhenden Renaissance-Tempel errichten. Auf einer der Säulen befindet sich die Jahreszahl 976, hinweisend auf die Ankunft des hl. Wolfgang hier am See. Auf einer anderen sieht man das Fertigstellungsdatum des Bauwerkes: 1518. Zur Verewigung des Abtes ist wiederum sein markantes Wappen eingemeißelt.

Das auserlesen Brunnenwerk ist nicht nur ein eindrucksvolles Dokument der Handwerkskunst sondern vielmehr auch Beleg tiefer Gläubigkeit, Ausdruck reichen wirtschaftlichen Schaffens und Zeichen der gesellschaftlichen Veränderungen des humanistischen Aufbruchs. Der wache Sinn, die Unbefangenheit der Darstellung zeigen vom wachen Ausdruck der Spannungskräfte im Geiste und der Seele des Menschen, wie auch der Tier und Pflanzendarstellungen. Geist und Natur werden eine Einheit. Eine neue Ästhetik eine neue Faszination am Beginn der Neuzeit wird hier geschaffen.

Literatur

  • Barth, Friedrich: St. Wolfganger Heimatbuch
  • Zibermayr, Ignaz, Dr.: St. Wolfgang am Abersee seine Legende und ihr Einfluß auf die Kunst
  • Zibermayr, Ignaz], Dr.: Die St. Wolfgang Legende, 1924
  • Zinnhobler, Rudolf, Dr.: Der Humanismus und die Wolfgang Verehrung Abt Wolfgang Haberls , 1973
  • Der Heilige Wolfgang in Geschichte und Kunst 1976
  • Ulm, Benno, Dr.: Der Pilgerbrunnen, 1976
  • Wacha, G.: St. Wolfgang und das Wallfahrtswesen im 16. u. 17. Jahrhundert
  • Lipp, F.C., Univ. Dr.: Der Heilige Wolfgang als Brunnenheiliger und Quellenpatron
  • Gugitz, Gustav: Wallfahrten in Oberösterreich, 1953
  • Bebern, Herbert von, Dr.: Aufzeichnungen zum Bronzeguß nach Gespräch 1977
  • Neuhardt, Johannes, Dr.: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, Verlag Schnell und Steiner
  • Beitel, Klaus: Volksglaube, Residenz Verlag Salzburg
  • Das Buch der Zeichen und Symbole, Knaur 403/1972
  • Lexikon der christlichen Kunstmotive, Bertelsmann 1978
  • Symbolik der Kirche, Otto Müller Verlag Salzburg

Quelle

  • Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt.
  1. Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Wolfgangibrunnen"