Kirchliche und weltliche Grundherrschaften

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Dieser Artikel behandelt kirchliche und weltliche Grundherrschaften im ehemaligen Erzstift.

Geschichte

Bis zur Grundentlastung (auch Grundablöse genannt), der wichtigsten und bleibenden Errungenschaft des Revolutionsjahres 1848, gab es in Salzburg, wie auch in Österreich (Cisleithanien), keine freien Bauern und auch keine politischen Gemeinden. Mit wenigen Ausnahmen von so genannten freieigenen Gütern waren die Güter auf dem Land im Eigentum verschiedener Grundherrschaften. Diese vergaben sie an untertänige Bauern zur Leihe. Von da her kommt die Bezeichnung "Bauernlehen" für einen Bauernhof.

Die im Eigentum der geistlichen und weltlichen Grundherren befindlichen Güter wurden seit dem Mittelalter auf Grundlage der Stift- und Urbarrechte durch Urbarämter verwaltet, die auch das Niedergericht ausübten und für jene Fälle zuständig waren, die keine todeswürdigen Verbrechen betrafen. Auf dem Stifttaiding (siehe Taiding) unter dem Vorsitz des Grundherrn oder seines Bevollmächtigten (Urbarprobst oder Urbaramtmann) wurde über alle Fragen der Grundherrschaft entschieden, z. B. Instandhaltung der geliehenen Güter, rechtzeitige Leistung der Abgaben u.a.

Parallel dazu gab es die Landrechte oder Ehaft-Taidinge, das in den Hochgerichtssprengeln des Erzstiftes, den Pfleggerichten und Landgerichten geltende Recht. Als Taidinge wurden nicht nur Rechtsgrundlagen, sondern auch die Gerichtsversammlungen bezeichnet. In die Kompetenzen dieser Pfleg- bzw. Landgerichte fielen alle todeswürdigen Verbrechen, sowie auch das Strafrecht im weiteren Sinn, was zu oftmaligen Differenzen mit den Urbaramtleuten der Grundherrschaften führte.

Diese Zweigleisigkeit des Gerichtswesens - grundherrschaftliche Niedergerichtsbarkeit und landesfürstliche Hochgerichtsbarkeit, also das Nebeneinander von Urbarämtern und Pfleg- bzw. Landgerichten wurde erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit der Zusammenlegung der erzbischöflichen Urbarämter mit den Pfleg- und Landgerichten größtenteils beendet. „Fremdherrliche“ Urbarämter (z. B. St. Peter oder Herrschaft Lodron) beschränkten sich in Hinkunft bis zur Grundentlastung 1848 nur noch auf die Ertragshoheit. Eine Ausnahme bildeten die zwölf Hofmarken (geschlossene Niedergerichtsbezirke) Törring, Tengling, Wolkersdorf, Lampoding, Triebenbach (diese fünf fielen 1816 endgültig an Bayern), Sighartstein, Ursprung, Koppl, Leopoldskroner Moos, St. Jakob am Thurn, Bischofshofen und Fischhorn, die mit niederen Gerichtsrechten ausgestattet blieben, welche allerdings nur rund zwei Prozent der Salzburger Bevölkerung betrafen.

Wenn der Sitz des landesfürstlichen Gerichtes auf einer Burg war, sprach man von einem Pflegegericht (z. B.: Wartenfels oder Mittersill), sonst von einem Landgericht (z. B. Rauris). Mit Erzstift ist der weltliche Hoheitsbereich des Salzburger Erzbischofs als deutscher Reichsfürst bezeichnet, mit Erzdiösese das wesentlich größere Gebiet des kirchlichen Hoheitsbereiches.

Für ihre obrigkeitlichen Dienste in Verbindung mit der Verleihe ihrer Güter erhielten die Grundherren Robotleistungen und Zins (Naturalien und Geld). Mit der Grundentlastung wurde die Untertänigkeit aufgehoben, sowie die obrigkeitlichen Rechte und die Gerichtsrechte der Grundherren eliminiert. Verwaltung und Gerichtsbarkeit lagen nun erstmals ungeteilt in der Hand des Staates, dem Kaisertum Österreich. Salzburg, das 1816 nach mehreren Herrschaftswechseln und Verlust eines Drittels seines Gebietes (Mühldorf am Inn, Windisch-Matrei, Brixental, Zillertal, Rupertiwinkel) endgültig an Österreich angeschlossen worden war, blieb bis 1849 als fünfter Kreis der „Provinz Österreich ob der Enns und Salzburg“ der Landesregierung in Linz unterstellt.

Die bisher untertänigen Bauern erhielten nun nach Bezahlung einer Ablöse das Eigentum an den von ihnen bewirtschafteten Gütern. Die Ablöse betrug ein Drittel des 20fachen Jahres-Geldwertes bestimmter „grund-, vogt- und zehentherrlicher Rechte“ (der Jahres-Geldwert entsprach ungefähr dem Jahreszins, jedoch ohne Robotleistungen und verschiedene Gebühren). Der Wert eines Drittels betrug ca. 25 bis 75 Gulden und war innerhalb von 20 Jahren zu bezahlen. Auf ein Drittel musste die Grundherrschaft verzichten und das übrige Drittel übernahm der Staat.

Der letzte Akt der Grundablöse, die Auflösung des Lehensbandes von Beutellehen, des nach römischen Rechts so bezeichneten Obereigentums, im Gegensatz zum Nutzungseigentum, erfolgte ab den 1860er Jahren. Hierfür musste eine relativ geringe Freimachungsgebühr bezahlt werden, die beispielsweise für das Unterhöfnergut in Hof (erst ab 1951 Hof bei Salzburg) 82 Kreuzer Österreichischer Währung betrug. Das entsprach damals rund 10 Stundenlöhnen eines Industriearbeiters oder dem Preis von fünf kg Brot. In Salzburg wurden rund 24.000 Güter, davon ca. 1.400 Beutellehen und 22 Ritterlehen abgelöst.

Quellen

Autoren

  • Martin Gschwandtner und Alois Roither (ehem. Altbauer von Strumegg in Hof bei Salzburg).

Literatur

  • Ammerer, Gerhard: Verfassung, Verwaltung und Gerichtsbarkeit von Matthäus Lang bis zur Säkularisation (1519 - 1803) - Aspekte zur Entwicklung der neuzeitlichen Staatlichkeit. In: Dopsch, Heinz, Spatzenegger, Hans (Hrsg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land, Bd. II, Neuzeit und Zeitgeschichte, Teil 1, Salzburg 1988, S. 325-374, hier 352-357.
  • Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hrsg.): Geschichte Salzburgs. Stadt und Land. Vorgeschichte, Altertum, Mittelalter. Bd.I/2, Salzburg 1988.
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  • Dopsch, Heinz: Recht und Verwaltung. In: Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger (Hrsg.): Geschichte Salzburgs. Stadt und Land. Neuzeit bis zum Ende des geistlichen Fürstentums (1803), Bd. II/1, Salzburg 1988.
  • Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hrsg.): Geschichte Salzburgs. Stadt und Land. Neuzeit und Zeitgeschichte. Bd. II/2, Salzburg 1988.
  • Dopsch, Heinz: Kleine Geschichte Salzburgs. Salzburg 2001, S. 61-66.
  • Dopsch, Heinz: Steinbrünning und seine Herrschaftsgeschichte. In: Das Salzfass, Neue Folge. Heimatkundliche Zeitschrift des Historischen Vereins Rupertiwinkel, 7 (1971), 1/2, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Steinbrünninger Kirche. S. 2-40, hier S. 15-23.
  • Dopsch, Heinz: Von den Anfängen menschlicher Siedlung bis zum Ende der erzbischöflichen Herrschaft (1803) und zum Übergang Salzburgs an Österreich (1816). In: Gemeinde Plainfeld (Hrsg.): Geschichte von Plainfeld. Salzburg 2003, S. 27-82, hier S. 62-75.
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  • Stierle, Günter: Der „Landständisch Salzburgische Militär St. Ruperti Ritterorden“. In: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (Hrsg.): Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSL), 140 (2000) S. 143-168.

Weblinks