Hans Wagner (Politiker)

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Hans Wagner (* 16. Oktober 1891 Wien, † Oktober 1957 ebenda) war ein österreichischer, zeitweise Salzburger deutschnationaler Politiker.

Leben

Hans Wagner war Telegraphist der k. k. Staatsbahnen. 1911 übersiedelte er nach Salzburg.

Hier betätigte er sich politisch im Vereins- und Pressewesen. 1913 gründete er die Ortsgruppe Salzburg des „Allgemeinen Deutschen Gewerksvereins“, dessen Obmann er wurde.

1912 gründete er die Wochenzeitung „Deutscher Volksruf“, mit dem Untertitel „Organ der deutschen Arbeitnehmer des Kronlandes Salzburg“, die daraufhin das Sprachrohr der Deutschen Arbeiterpartei (ab 1918: Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei [DNSAP]) Salzburgs wurde. In der am 30. November 1912 erschienenen Probenummer wurde der neuen Zeitung das Ziel gesteckt, die „arbeitenden Massen“ – zu denen außer den Handarbeitern auch Angestellte, Beamte, Lehrer, Kleingewerbetreibende und Kleinbauern gerechnet wurden – für das „nationale Leben“ zu gewinnen. Das ideologische Programm war antimarxistisch, antisemitisch und „deutschnational“. 1912 bis 1914 und 1919/20 war Hans Wagner Herausgeber und Redakteur dieser Zeitung.

1914 bis 1918? leistete er im Ersten Weltkrieg Kriegsdienst.

Mitte August 1917 führte Hans Wagner eine Arbeiterdelegation zum k. k. Ernährungsminister Anton Höfer, um eine Denkschrift über die Ernährungslage zu überreichen. Im April wurde er Landesobmann der Deutschen Arbeiterpartei. Am 15. Juni 1918 reichte er die Satzungen des Landesvereins der deutschen, nationalsozialistischen Arbeiterpartei bei der k. k. Landesregierung zur Genehmigung ein, die sechs Tage später erteilt wurde. 1918 bis 1920 war Wagner Landesparteiobmann der DNSAP. Bei der großen Hungerdemonstration, die am 19. September 1918 in Salzburg stattfand, gehörte er zu jenen, die zu der plündernden Masse sprachen.

Nach dem Zerfall der Monarchie bekleidete er folgende öffentliche Ämter:

  • November 1918 bis März 1921: Mitglied der Provisorischen Landesversammlung bzw. des Konstituierenden Landtages, 3. bis 29. November 1918 Mitglied des Landesausschusses;
  • 1919 Mitglied des Gemeinderates der Stadt Salzburg; dieser Funktion legte er Anfang Dezember 1919 wegen Arbeitsüberlastung zurück.

Der Anschlussprogrammatik seiner Partei gab Wagner auf einer Kundgebung im Jahr 1920 wie folgt Ausdruck: „Uns National-Sozialisten ist es und war es gleich, ob Deutschland monarchistisch, republikanisch oder bolschewistisch ist, wir wollen zum Deutschen Reich!“

1920 war er Beamter der Alpenländischen Exportgesellschaft und wurde er wegen des Verdachtes des Kettenhandels mit Zigaretten und Papier strafrechtlich belangt. Dies führte zur Niederlegung seiner politischen Funktionen. 1921 wurde er freigesprochen.

In die Politik kehrte er jedoch vorerst nicht zurück. Er erwarb seinen Lebensunterhalt als Kaufmann, übersiedelte 1925 nach Wien und trat dort 1928 in den Dienst der Wiener Bezirkskrankenkasse (später: Allgemeine Ortskrankenkasse bzw. Wiener Gebietskrankenkasse).

1928 bis 1932 war er für die (aus Christlichsozialen, Großdeutschen und DNSAP [Riehl- und Schulz-Gruppe] gebildete) „Einheitsliste“[1] Mitglied der Bezirksvertretung von Wien-Währing; 1928/29 gehörte er dem Gemeinsamen Ausschuss der Großdeutschen Volkspartei und der Deutschen Nationalsozialistischen Partei an. 1938 bis 1940 war er Kreisredner der Deutschen Arbeitsfront[2]. 1942 trat er der NSDAP bei.

Quellen

  • Richard Voithofer,
    • Politische Eliten in Salzburg. Ein biografisches Handbuch. 1918 bis zur Gegenwart. Verlag Böhlau. Wien 2007. Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Band 32. ISBN 978-3-205-77680-2 S. 243.
    • »Drum schließt Euch frisch an Deutschland an ...« Die Geschichte der Großdeutschen Volkspartei in Salzburg 1920-1936, Wien 2000 (= Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Band 9;
  • Ernst Hanisch, Zur Frühgeschichte des Nationalsozialismus in Salzburg (1913-1925), in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), Salzburg 1978, S. 371-410, insb. 373 f, 377 f, 387 ff, 399.

Fußnoten

  1. Vgl. zu dieser den Wikipedia-Artikel „Nationalratswahl in Österreich 1927“.
  2. Vgl. zu dieser den Wikipedia-Artikel „Deutsche Arbeitsfront“.