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Großdeutsche Volkspartei

Die Großdeutsche Volkspartei (GDVP oder GdP) war eine österreichische politische Partei der Zwischenkriegszeit. Sie repräsentierte vor allem das deutschnationale Bürger- und Beamtentum.

In programmatischer Hinsicht war die Partei deutschnational, also den Anschluss an das Deutsche Reich anstrebend und antisemitisch, sowie antiklerikal und antimarxistisch ausgerichtet.

Inhaltsverzeichnis

Organisationsgeschichte

Vorgeschichte

Seit seinen Anfängen in der Spätzeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war das „nationale Lager“ in Österreich durch große Zersplitterung gekennzeichnet. Nach dem Zerfall der Monarchie und der Gründung der Republik (Deutsch-)Österreich kam es zu nachdrücklichen Bestrebungen zur Gründung einer einheitlichen Partei, die im Wesentlichen erfolgreich waren.

Insgesamt blieb das nationale Lager aber nach „Standesinteressen“ in drei Parteigruppierungen gespalten:

Salzburg

Am 12. November 1919 schlossen sich die vier bis dahin in der Stadt Salzburg bestehenden deutschfreiheitlichen – das heißt: deutschnationalen bürgerlichen – Gruppierungen

zur „Deutschfreiheitlichen Partei in der Stadt Salzburg“ zusammen.

Obmann war zunächst Ing. Karl Irresberger, ab 15. Mai 1920 Franz Engl.

Am 29. Juni 1920 schlossen sich die deutschfreiheitlichen Gruppierungen des Landes Salzburg –

  • die „Deutschfreiheitlichen Partei in der Stadt Salzburg“ sowie
  • die auf dem Land bestehenden Volksvereine („Deutscher Volksverein für den Pinzgau“, „Deutschfreiheitlicher Volksverein Saalfelden“, „Deutschfreiheitlicher Volksverein für den Pongau“, „Deutscher Volksverein für den Tennengau“)

– zur „Deutschfreiheitlichen Partei für das Land Salzburg“ zusammen. Die Leitung der Partei sollte aus je zwei Vertretern eines jeden Gaues sowie vier Vertretern der Stadt Salzburg bestehen; Obmann der Landespartei sollte der jeweilige Obmann der „Deutschfreiheitlichen Partei in der Stadt Salzburg“ sein[2].

Am 12. November 1920 fand ein erster Landesparteitag statt. Ing. Karl Krieger wurde zum Obmann gewählt.

Die rechtswirksame Parteigründung in Vereinsform erfolgte aber erst im Februar 1921, nachdem am 8. August 1920 im Wiener Parlamentsgebäude die (gesamtösterreichische) Großdeutsche Volkspartei gegründet worden war; die Salzburger Landespartei gab sich den Namen „Landesverein Salzburg der Großdeutschen Volkspartei“.

Landesparteiobmann war
von 1920 /21 bis 1923 Karl Krieger,
von 1923 bis 1931 Heinrich Clessin,
von 1931 bis 1933 Rudolf Palfinger,
1933/1934 Rudolf Edelmayer.

Landesgeschäftsführer war von 1922 bis 1936 Emmerich Sabatin.

Die Mitgliederzahl der Landespartei lag 1921 bei 2000, 1922 bei 3500, 1923 bei 1850, 1924 bis 1926 zwischen 2100 und 2200, 1927 bis 1930 zwischen 2600 und 2800; sie halbierte sich 1931 auf ca. 1400. 1932 bestand die Partei nur mehr auf dem Papier.

Wahlergebnisse

Hochburg der Partei war die Stadt Salzburg, in der sie zB bei den Gemeinderatswahlen 1927 zusammen mit der DNSAP 26 % der Stimmen erzielte und in der Person Max Otts bis 1935 den Bürgermeister stellte.

Bei den Wahlen zur konstituierenden Nationalversammlung vom Februar 1919 traten die Salzburger Deutschnationalen als drei gekoppelte Listen an, von denen die (bürgerliche) Demokratische Ständevereinigung 11,92 %, die DNSAP 7,13 % und der Freiheitliche Salzburger Bauernbund 8,22 % der Stimmen errangen. Der Stimmenanteil von 23,56%, die die drei gemeinsam antretenden Gruppierungen bei den Nationalratswahlen 1920 erzielten, bedeutete demgegenüber eine Schwächung.

Bei den Landtagswahlen 1922 erzielten die allein antretenden Großdeutschen 9,2 %, bei den Nationalratswahlen 1923 10 % der Stimmen.

Die Landtagswahlen 1927 waren für den „Verband der Großdeutschen und Nationalsozialisten“ mit 11,5 % der Stimmen zufriedenstellend, gleichfalls die Nationalratswahlen 1930 (nunmehrige Listenbezeichnung: „Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund“) mit 12,7 % der Stimmen.

Bei den Landtagswahlen 1932 erlitt die Großdeutsche Volkspartei eine vernichtende Niederlage, indem sie (getrennt vom Landbund antretend) nur 1,5 % der Stimmen erzielte und nicht mehr in den Landtag einzog. Großer Gewinner war die NSDAP (Hitler-Bewegung), die auf 20,74 % der Stimmen kam.

Untergang

Die Wahlniederlage war für die Salzburger Landespartei demoralisierend. Ganze Ortsgruppen traten zur NSDAP über. Die Landespartei wollte sich auflösen; dem kam aber das am 15. Mai 1933 auf Bundesebene zwischen der NSDAP, der Großdeutschen Volkspartei und dem Steirischen Heimatschutz abgeschlossene, gegen die autoritäre Dollfuß-Regierung gerichtete „Kampfbündnis“ zuvor, in dem die Nationalsozialisten den Kurs vorgaben und die Großdeutschen vor allem die von ihnen noch gehaltenen Mandate einbrachten. Dass die Regierung fünf Wochen später die NSDAP mit einem Betätigungsverbot belegte, verschaffte der Großdeutschen Volkspartei noch kurz die Hoffnung auf weitere Existenzberechtigung. Diese Hoffnung wurde durch die weitere politische Entwicklung, die 1934 zur Ständestaatsdiktatur führte, zunichte gemacht.

Die behördliche Auflösung der Salzburger Landespartei erfolgte aber erst 1936.

Quellen

  • Robert Kriechbaumer, Die großen Erzählungen der Politik. Politische Kultur und Parteien in Österreich von der Jahrhundertwende bis 1945, Böhlau-Verlag Graz–Wien–Köln 2001, ISBN 3-205-99400-0. Insb. S. 473 ff.
  • Richard Voithofer, »Drum schließt Euch frisch an Deutschland an ...« Die Geschichte der Großdeutschen Volkspartei in Salzburg 1920-1936, Wien 2000 (Dissertation; = Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Band 9). Insb. S. 346.

Einzelnachweise

  1. In Salzburg schloss sich der deutschnationale Salzburger Freiheitliche Bauernbund zwar den Großdeutschen an, doch war der konkurrierende Landbund auch in Salzburg präsent.
  2. Die „Deutschfreiheitliche Partei in der Stadt Salzburg“ bestand also zunächst weiter; ihr Rechtsnachfolger war der bis 1926 existierende Verein „Großdeutsche Volkspartei, Stadtleitung“.