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Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei

(Weitergeleitet von DNSAP)

Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) war im Österreich der Vor- und Zwischenkriegszeit eine (nicht mit der NSDAP zu verwechselnde) Arbeitnehmerpartei des deutschnationalen Spektrums, die ab 1923 in wechselndem Maß dem Einfluss Adolf Hitlers unterlag.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Geschichte

Der ursprüngliche Name der Partei war „Deutsche Arbeiterpartei“. Sie wurde am 14. November 1903 in Aussig (tschechisch: Ústí nad Labem) in Nordböhmen gegründet. Entstehung und Entwicklung wurden durch die Nationalitätenkonflikte (seit der Badeni-Krise von 1897) der späten Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Allgemeinen und die mit der Zuwanderung tschechischer Arbeiter in deutschsprachige Gebiete Böhmens und Mährens verbundenen Probleme im Besonderen bestimmt. Eine Zielrichtung war die Verteidigung der Rechte und Interessen der Deutschen (Deutschösterreicher), die in Böhmen und Mähren, und in der Monarchie insgesamt, eine Minderheit bildeten. Dementsprechend wurde - wie dies im Deutschnationalismus überhaupt der Fall war - die Gemeinschaft aller Deutschen beschworen und das Slawische, aber auch das Judentum abgelehnt.

Am 4. und 5. Mai 1918, wenige Monate vor dem Ende des Ersten Weltkrieges, fand in Wien der letzte Reichsparteitag („Reich“ bedeutete hier die österreichische Hälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) statt, in dessen Verlauf der Name der Partei in „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSAP) geändert wurde.

Nachdem im Oktober und November 1918 die Monarchie zerfallen war, bildete die DNSAP in der Tschechoslowakei und in Österreich je eine eigene Organisation. Die österreichische Partei wurde vom Wiener Rechtsanwalt Walter Riehl (* 1881; † 1955) geführt.

Bei den Wahlen zur österreichischen Konstituierenden Nationalversammlung erzielte die DNSAP im Februar 1919 nur 23 431 Stimmen, das waren 0,78 %. Von diesen Stimmen kam fast ein Drittel (7 382) aus dem Land Salzburg.

Am 7. und 8. August 1920 fand in Salzburg ein Vertretertag aller nationalen Sozialisten des deutschen Sprachgebietes statt. Die Versammlung eröffnete der österreichische Parteiobmann Walter Riehl. Als Salzburger Landesparteiobmann begrüßte Gemeinderat Franz Sieger die Gäste. Erschienen waren Vertreter

  • der deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei Österreichs,
  • der deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei der Tschechoslowakei,
  • der nationalsozialistischen Partei Ostschlesiens,
  • der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Deutschlands (mit Sitz in München) und
  • der deutschsozialen Partei (mit Sitz in Hannover).

Diese Parteien erklärten ihren Zusammenschluss zur „Deutschen national-sozialistischen Partei“. Diese Erklärung hatte freilich nur deklaratorischen Charakter, die Mitgliedsparteien blieben selbstständig, auch wenn sie ihr für das betreffende Staatsgebiet geltendes Programm „in Übereinstimmung mit den Leitsätzen aller Nationalsozialisten“ aufzustellen gelobten. Adolf Hitler (* 1889; † 1945) war zwar damals noch kein hochrangiger Funktionär der Münchener NSDAP, nahm aber als vielbeachteter Redner an der Veranstaltung teil. Dieser Zusammenschluss blieb ohne Bedeutung, da er Hitlers autoritären Vorstellungen widerstrebte.

Die österreichischen Nationalsozialisten betrachteten die deutsche Schwesterpartei grundsätzlich mit Sympathie, pflegten mit ihr einen Redneraustausch für Veranstaltungen und gewährten, als Hitlers Putschversuch 1923 scheiterte, nach Salzburg entkommenen Putschisten Zuflucht und Unterstützung.

Ab 1920/21 führte der zunehmende Einfluss des deutschen NSDAP-Führers Adolf Hitler, der sich zum Führer der Münchener NSDAP aufgeschwungen hatte, zu einer Radikalisierung. Dementsprechend wurden zur Periodisierung des österreichischen Nationalsozialismus

  • eine präfaschistische Phase (1918–1921) und
  • eine frühfaschistische Welle (1922–1925)

vorgeschlagen[1], teils aber[2] die DNSAP noch bis 1926 als demokratische, sozialreformerische Partei eingeschätzt.

Hitlers Vorstellungen führten ab 1923 auch zu Richtungskämpfen. Diese entzündeten sich zunächst an der Frage, ob die (hier: österreichischen) Nationalsozialisten sich demokratischen Wahlen verweigern, wie Hitler meinte, oder daran teilnehmen sollten, was die vorherrschende Linie bei den österreichischen Parteiführern war. Dieser Streit zog zunächst den Rücktritt Riehls nach sich, an seine Stelle trat der Werkmeister Karl Schulz.

Nach Hitlers Haftentlassung und politischem Neubeginn war sein Einfluss auch in Österreich wirksam, und die österreichischen DNSAP-Führer versuchten, seinen ideologischen Vorstellungen und seinem Führungsanspruch entgegenzukommen, ohne sich völlig zu unterwerfen. Auf der „Passauer Tagung“ vom 12. August 1926 kam es zum Bruch der österreichischen DNSAP-Führung[3] mit Hitler;[4] es spaltete sich die „Hitler-Bewegung“ ab, die vor allem von radikalen jungen Mitgliedern getragen wurde; zurück blieb die „Schulz-Partei“ oder „Schulz-Gruppe“.

Im Herbst 1929 einigten sich beide Parteien auf eine gemeinsame Struktur, die eine paritätisch besetzte provisorische Bundesleitung und provisorische Landesleitungen, die zwischen der Schulz- und der Hitler-Gruppe aufgeteilt wurden (wobei zB Salzburg der Schulz-Gruppe zugesprochen wurde), umfasste. In allgemein politischen Fragen würde die vereinigte Partei zur reichsdeutschen Bruderpartei gehen und im Einvernehmen mit derselben arbeiten. Dieser Einigungsversuch scheiterte aber letztlich nach einigen Monaten.[5]

1930 erzielte Hitlers NSDAP, bis dahin eine kleine Randgruppe, bei den Wahlen zum deutschen Reichstag einen spektakulären Erfolg – mit 18,3% der Stimmen war sie nun die zweitstärkste Partei. Von da an gelang auch der österreichische NSDAP (Hitler-Bewegung), befeuert von Hitlers Erfolgen im Deutschen Reich und begünstigt durch die hereingebrochene Weltwirtschaftskrise, besonders in den Landtagswahlen von 1932 ein steiler Aufstieg; die meisten Wähler und viele Funktionäre der „Schulz-Gruppe“ wechselten zur Hitler-NSDAP.

Programm und Ideologie

Die DNSAP war deutschnational im damals gängigen Sinn: Sie erstrebte die staatliche Einheit aller Deutschen, also den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, sah sich (vor dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) in einem Abwehrkampf gegen die aufstrebenden slawischen Völker und war stark antisemitisch eingestellt.

In sozial- und wirtschaftspolitischer Hinsicht vertrat sie Arbeitnehmerinteressen in verhältnismäßig moderater Form, indem sie am Privateigentum festhielt und den Marxismus ablehnte.

Die Partei stand lange Zeit auf dem Boden der parlamentarischen Demokratie, öffnete sich aber in den späteren Jahren faschistischen Einflüssen (NSDAP).

Salzburg

Organisationsgeschichte

Bereits im Vorfeld der Gründung der Salzburger Landesgruppe der Partei bestanden in Salzburg deutschnationale Arbeitnehmerorganisationen:[6]

  • 1898 wurde der Reichsbund deutscher Eisenbahner in Österreich, Zweigstelle Salzburg, gegründet. Vorsitzender war 1913 der Magazinaufseher Hans Otte, ab 1915 der Magazinmeister Leopold Schaschko.
  • 1904 fasste der Deutsche Handlungsgehilfenverband (DHV), der einen österreichischen Ableger namens „Gau Ostmark“ hatte, in Salzburg Fuß, wo Hans Prodinger (* 1887; † 1938) sein Mitbegründer wurde. In Salzburg kämpfte der DHV vor allem für die Sonntagsruhe, die er gemeinsam mit den Sozialdemokraten noch vor dem Ersten Weltkrieg durchzusetzen konnte.
  • 1908 erfolgte die Gründung des Bundes deutscher Arbeiter (Vorsitzender Franz Weiß, Maurerpolier) ein Jahr darauf die Gründung des Deutschen Arbeitervereins (Vorsitzender Josef Sindinger, Baupolier)
  • In der Gemeinde Maxglan gab es einen Verband der Deutschen Arbeiterjugend, in dem der Eisenbahntelegraphist Hans Wagner den Vorsitz führte.
  • 1913 gründete Wagner die Ortsgruppe Salzburg des Allgemeinen Deutschen Gewerksvereins, der die nationalen Arbeitervereine zusammenfassen sollte.

Am 25. Oktober 1913 wurde in den Gasthof Stern eine Zusammenkunft von Vertretern aller nationalen Gewerkschaften einberufen, in der man die Gründung der Deutschen Arbeiterpartei Salzburgs beschloss. Als geistiger Mentor wirkte der Advokat und deutschnationale {{Reichsrat]]sabgeordnete Arthur Stölzel.

Als Parteiorgan fungierte die Wochenzeitung „Deutscher Volksruf“.

Durch den Ersten Weltkrieg kamen die Aktivitäten der Partei im Wesentlichen zum Erliegen. Dies änderte sich mit Karl Wagners Heimkehr (1917) aus dem Krieg. Im April wurde er Landesobmann der Deutschen Arbeiterpartei. Nachdem die Mutterpartei ihren Namen in Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei geändert hatte, zog die Salzburger Landesgruppe nach, indem am 15. Juni 1918 die Satzungen des Landesvereins der deutschen, nationalsozialistischen Arbeiterpartei bei der k. k. Landesregierung zur Genehmigung eingereicht wurde, die sechs Tage später erteilt wurde.

Bald kam es auch zur Gründung von Ortsgruppen außerhalb der Stadt Salzburg, so in Hallein, Bischofshofen, Kuchl, Bad Gastein, Bruck und Zell am See.

Funktionäre und Mandatsträger

Landesparteiobmann war

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Salzburger Landespartei durch DNSAP-Funktionäre verstärkt, die ihre böhmische Heimat verlassen mussten: So vorübergehend Rudolf Jung (* 1889; † 1945)[7], der führenden „Theoretiker“ des frühen Nationalsozialismus, und Sepp Koller, der Anfang der 1920er-Jahre in Salzburg als Parteisekretär angestellt wurde.

Weitere Funktionäre und Mandatsträger waren

  • Dr. Otto Troyer, Rechtsanwalt, 1905 bis 1931 Mitglied des Salzburger Gemeinderates, 1922 bis 1927 der Salzburger Landesregierung;
  • Josef Sindinger, Baupolier, seit April 1918 Landesparteiobmann-Stellvertreter;
  • Nikolaus Donat, Postoberoffizial, seit April 1925 Landesparteiobmann-Stellvertreter;
  • Leopold Schaschko, Magazinmeister, Abgeordneter zur Provisorischen Landesversammlung 1918/19.

Eine starke Basis hatte die DNSAP unter den Eisenbahnbediensteten: So war (1919) der Fahrdienstleiter Malina Ortsgruppenobmann von Bischofshofen, der Signalmeister Franz Awecker Ortsgruppenobmann von Saalfelden.

Landtagsabgeordnete

Im Landtag (1918/19: Provisorische Landesversammlung) war die DNSAP von 1918 bis 1922 mit zwei Sitzen vertreten: 1918/19 Wagner und Schaschko, 1919-1921 Wagner, dessen Mandat von der Postbeamtin Margarethe Diller übernommen wurde, und 1919–1922 Prodinger, der von 1922 bis 1927 der einzige DNSAP-Abgeordnete war. 1927–1931 gehörte Nikolaus Schlam dem Landtag an.

Gemeindefunktionäre

Von 1919 bis 1931 war die DNSAP mit vier Mandaten im Salzburger Gemeinderat vertreten. Diese wurden nach der Wahl vom 13. Juli 1919 von Dr. Otto Troyer, Rudolf Dinnebier bzw. Hans Prodinger, Hans Wagner und Franz Heinzel bekleidet. Anfang Dezember 1919 trat Hans Wagner wegen Arbeitsüberlastung zurück und wurde durch Franz Sieger ersetzt. Auf Prodinger folgte Buchfellner, auf diesen Eitel und schließlich Karasek. Troyer gehörte dem Gemeinderat bis 1931 an.

In Bischofshofen gewannen die Nationalsozialisten bei den Gemeinderatswahlen 1919 zwei, in Saalfelden drei Sitze.

Josef Ernst, Steuerbeamter, war von 1922 bis 1931 Bürgermeister von Zell am See.

Der DHV-Obmann Josef Renner errang 1931 das letzte Mandat der DNSAP im Salzburger Gemeinderat (Voithofer (Diss.), aaO 299)

Kammerfunktionäre

Bei den ersten Arbeiterkammerwahlen am 5./6. März 1921 wurden fünf nationale Gewerkschafter gewählt, darunter Koller, Prodinger und Schaschko.

Beziehungen zu anderen Parteien

In weltanschaulicher Hinsicht stand die DNSAP den beiden anderen deutschnationalen Parteien, der Großdeutschen Volkspartei und dem Landbund, nahe. Sie befand sich aber insbesondere zu der bürgerlichen Großdeutschen Volkspartei in einem Interessengegensatz. Wegen ihrer geringen Stärke war sie bei Wahlen auf Allianzen angewiesen und fand diese denn doch zumeist bei den Großdeutschen, nur 1922 bei den Christlichsozialen. Zu den Sozialdemokraten bestand ein scharfer Gegensatz.

In den Funktionen, in die Nationalsozialisten gewählt wurden, waren sie weitgehend konsens- und sachorientiert tätig; so etwa im Salzburger Gemeinderat und (Dr. Troyer) in der Landesregierung.

Bei den Gemeinderatswahlen 1931 traten die Schulz-Nationalsozialisten ohne Bündnis mit den Großdeutschen an und erlitten eine schwere Niederlage. Sie kamen (in der Stadt Salzburg) nur mehr auf 4,4 % der Stimmen und ein Mandat, während die Hitler-Bewegung 9,2 % der Stimmen und vier Mandate errang. Bei den Landtagswahlen von 1932 traten die Schulz-Nationalsozialisten nicht mehr in Erscheinung; die Hitler-Bewegung hingegen kam auf 20 % der Stimmen und sechs Mandate[8].

Quellen

Fußnoten

  1. Vgl. Ernst Hanisch aaO 372 unter Verweis auf Gerhard Botz, Aspects of the Social Structure of Austrian National Socialism (1918-1939) , Beitrag zur Bergen Conference on Comparative European Nazism und Fascism, Juni 1974; denselben, Faschistische Bewegungen und Lohnabhängige in Österreich, in: Arbeiterbewegung und Faschismus. Der Februar 1934 in Österreich. Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung („X. Linzer Konferenz“ 1974), Wien 1976, S. 329 ff.; denselben, Faschismus und Lohnabhängige in der Ersten Republik, in: ÖGL (Österreich in Geschichte und Literatur (mit Geographie)) 21 (1977).
  2. Gerhard Jagschitz, Zur Struktur des NSDAP in Österreich vor dem Juliputsch 1934, in: Das Jahr 1934: 25. Juli, Wien 1975, S. 9, S. 11, S. 84 ff.; derselbe, Der Putsch. Die Nationalsozialisten 1934 in Österreich, Graz-Wien-Köln 1976.
  3. Die historische Literatur ist hier nicht ausführlich und einheitlich. Laut Whiteside (aaO S. 359) stimmte 1926 auf einer Konferenz der österreichischen Parteiführer, die in München und bezeichnenderweise unter Hitlers Vorsitz stattfand, die Mehrheit für die unbedingte persönliche Führerschaft Hitlers und für sein 25-Punkte-Programm.
  4. Richard Voithofer, Hans Prodinger (1887-1938). Nationalsozialist zwischen Ständestaat und Konzentrationslager, in: Franz Schausberger (Hg.), Geschichte und Identität. Festschrift für Robert Kriechbaumer zum 60. Geburtstag (= Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek Salzburg, Band 35), Wien-Köln-Weimar 2008. S.149-159 (152); nach anderer Lesart (Oskar Dohle [http://www.rainerregiment.at/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=192&Itemid=122 Unruhige Grenze – unruhige Nachbarn. Salzburg und Bayern 1918-1938 vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NSDAP) erfolgte auf dieser Tagung die Vereinigung der deutschen und der österreichischen Nationalsozialisten.
  5. Voithofer, Diss., aaO 264 f.
  6. Hanisch aaO 375-378.
  7. Vgl. den Wikipedia-Artikel „Rudolf Jung (Politiker)“
  8. Vgl. Voithofer, Diss., aaO 318.