Heiliges Grab

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Das eindrucksvollste „Heilige Grab“ im Salzburgischen ist die Anlage in der „Wolfgangkapelle“, der Turmkapelle der Stiftskirche zum hl. Petrus
Das „Heilige Grab“ in der Halleiner Peterskapelle neben der Stadtpfarrkirche Hallein
Heiliges Grab in Kuchl
das "Heilige Grab" in der Pfarrkirche zum hl. Dionysius in Bad Vigaun
Im Bild die Dornenkrönung am „Heiligen Grab“ in der Pfarrkirche Bad Vigaun

Heilige Gräber sind Haltegriffe des Glaubens, Orte der Andacht und Zeugnisse der Frömmigkeit.

Einleitung

Sie erinnern ab der Todesstunde am Karfreitag um 15:00 Uhr und am Karsamstag, dem „Tag der Grabesruhe des Herrn“, an Tod und Grablegung des Herrn.

Seit dem Mittelalter waren die Heiligen Gräber Nachahmungen der Grabeskirche in Jerusalem, die Kaiser Konstantin aus dem Anliegen errichten ließ, das Grab Christi für alle sichtbar zu machen. Dann wandelte sich ihre Funktion, das Grab selbst wurde Gegenstand der Verehrung: Ulrich von Augsburg (* 890, † 973) berichtet, er habe am Karfreitag das, was von der Kommunion übrig blieb, „begraben“, um es am Ostermorgen wieder zu erheben. So wurde im Salzburger Dom ab 1545 beim Heiligen Grab das Allerheiligste ausgesetzt. Bis heute ist dies in vielen Kirchen üblich. Das Grab war damit zeitweise auch Tabernakel, meist mit verschleierter Monstranz.

Im 17. Jahrhundert sind in wichtigen Pfarrkirchen Heilige Gräber nachzuweisen. 1751 wird in einem Gesuch an das Ordinariat um Bewilligung eines Heiligen Grabes gebeten, um „eine noch mehr zur Andacht antreibende öffentliche Anbetung einführen und das schmerzhaftigste Leiden des göttlichen Sohnes dem Volke mehr ins Gedächtnis bringen zu können[1]

Verbote in der Aufklärung

1782/83 verfügte Kaiser Joseph II. für Österreich ein Verbot der Heiligen Gräber. Im Erzstift veröffentlichte Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo 1782 seinen bekannten Hirtenbrief, in dem er den „unnöthigen Kirchenaufwand“, „Flitterstaat“ und „unschicklichen Kirchenprunk“ kritisierte: Die Kirche solle Geld einnehmen, „um es mit aller Weisheit auszuspenden und in der Noth Hilfe zu leisten“. (Hieronymus Graf Colloredo: Hirtenbrief des Fürst-Erzbischofs zu Salzburg: Die Abstellung des unnöthigen religiösen Aufwandes...- Salzburg 1782)

In einem folgenden Dekret untersagte Colloredo nach Vorbereitung durch eine Kommission mit Konsistorialrat Johann Michael Bönicke und anderen Räten die „Grabtheater… mit gefärbten Kugeln, Öllampen oder übermäßiger Kerzenzahl…“ und erlaubte eine bescheidene Restanlage. 1783 folgte die Aufforderung für die Visitationen, zu berichten, ob pünktlich und genau das „Verbot des unnöthigen Kirchenputzes“ und „dessen unaufhaltbare Wegräumung“ beachtet worden sei. Wie bei manch anderen Vorschriften des Erzbischofs dürfte es auch hier an der Umsetzung gemangelt haben.

Im Jahrhundert darauf lebte der Brauch der Heiligen Gräber wieder auf, viele Anlagen stammen aus dem späten 19. Jahrhundert. Erst mit der Erneuerung der Karwochenliturgie durch Papst Pius XII. im Jahr 1955 und der Festlegung der Auferstehungsfeier in die Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag rückten die Heiligen Gräber aus dem Blickpunkt des liturgischen Geschehens in der Osternacht. Bis dahin war der Umbau des Grabes mit dem Wegklappen bzw. Verbergen des Leichnams und dem gleichzeitigen Hochfahren bzw. Erscheinen des Auferstandenen vielerorts ein Höhepunkt der Osterliturgie.

"Heilige Gräber" heute

Ein Heiliges Grab gibt es heute wieder in den meisten Pfarrgemeinden, so wird etwa in 14 der 16 Pfarren des Dekanats Hallein ein Grab aufgebaut. Die Gräber haben in fast jeder Gemeinde eine eigene Ausprägung als Zeugnis der Volksfrömmigkeit, ihre Gestaltung reicht von spätbarocken Aufbauten wie etwa in der Stiftskirche zum hl. Petrus in Salzburg (um 1770) bis zu schlichten, beinahe modernen Formen. In unseren Gegenden sind sie meist durch die typischen bunten Gläser geprägt, die von hinten beleuchtet werden – ihre Farben stammen vom eingefüllten gefärbten Wasser.

Dort und da gibt es – nach der Erwähnung der Wache beim Evangelisten Matthäus - bis heute eine Grabwache, meist von Schützenvereinen oder anderen Gruppen in der Pfarre – in Hallein etwa durch die Halleiner Bürgergarde.

Sehr oft sind den ganzen Karsamstag Gebetszeiten fix eingeteilt, in denen auch Ortschaften oder Vereine einander im gemeinsamen Gebet ablösen. Die Funktion des Heiligen Grabes (nach einer Anweisung aus Rom „ein Bild Christi, im Grab ruhend, das das Geheimnis des Karsamstags veranschaulicht...“) endet mit dem Beginn der Osternachtfeier – die Darstellung des Leichnams Christi wird verhüllt, die Beleuchtung abgeschaltet.

Besonders großartige Anlagen

haben sich in Salzburg in der Benediktiner-Erzabtei St. Peter und auch in der ehemaligen Klosterkirche des Augustinerchorherrenstifts Höglwörth im Rupertiwinkel in der bayerischen Nachbarschaft erhalten. In Höglwörth wird die 1840 neu errichtete Anlage, die den ganzen Hochaltarraum ausfüllt, alle drei Jahre aufgebaut, das nächste Mal nach einer notwendig gewordenen Renovierung im Jahr 2013. Nach Höglwörth kommen an den beiden Kartagen bis zu 15 000 Menschen zum „Grabschaun“ – und wohl auch zum Gebet.

Das Heilige Grab in der Turmkapelle der Stiftskirche zum hl. Petrus in Salzburg ist am Karfreitag nach der Karfreitagsliturgie zugänglich. Am Karsamstag kann man den ganzen Tag hier beten, wo 180 gefüllte Kugeln dem Raum eine ganz besondere Stimmung geben.

Das „Heilige Grab“ in Kuchl

Im süddeutschen und österreichischen Raum haben in der Zeit der Gegenreformation die sogenannten „Heiligen Gräber“ in die kirchliche Tradition Einzug gehalten. Der Brauch, den grabliegenden bzw. auferstandenen Christus in der Kirche ab dem Karfreitag darzustellen, soll der Stärkung des Glaubens dienen, auch wenn diese Tradition nicht in der kirchlichen Liturgie enthalten ist. Umgeben ist das Heilige Grab auch in Kuchl immer mit bunten, leuchtenden Kugeln.

In Kuchl gibt es zumindest seit der Barockzeit ein Heiliges Grab. Vom ersten Kuchler „Heiligen Grab“ ist nur noch der im Grab liegende Leichnam erhalten und im Kuchler Museum ausgestellt. 1882 beschloss der damalige Pfarrer, die umfangreiche, aber sehr düstere Darstellung gegen eine etwas freundlichere Version auszutauschen.

Das heute in der Kirche zu sehende "Heilige Grab" wurde 1883 in Freising bei München hergestellt. Der Künstler selbst ist heute unbekannt, auf einer der Tafeln kann man aber die Jahreszahl und den Wohnort des Künstlers ablesen. Außerdem ist auf der Rückseite der Aufgabeschein der Bahn noch erhalten, da das neue Heilige Grab anno 1883 mit der (damals bereits von München bis Golling ausgebauten) Bahn nach Kuchl versendet wurde.

Bis 1956 gab es jeweils am Nachmittag des Karsamstags eine eigene Auferstehungsfeier: Diese Feier war folgendermaßen aufgebaut: Zuerst wurde die lateinische Ostermette gefeiert, anschließend kam das Rosenkranzgebet. Beim dreimaligen „Halleluja“ wurde schließlich das Potential und die Darstellungsfähigkeit des Heiligen Grabes zur Gänze ausgeschöpft: Der Grabliegende wurde beim zweiten „Halleluja“ nach unten bzw. hinten gekippt, beim dritten „Halleluja“ erschien der Auferstandene an der Spitze des Grabes. Gleichzeitig wurden die violetten Tücher entfernt, und Böllerschüsse verkündeten die Freude über die Auferstehung Christi. Die anschließende Prozession zum Hochaltar und das Te Deum rundeten die Auferstehungsfeier ab.

Insgesamt dauerte diese Feier ca. zwei Stunden, und der damalige Kuchler Mesner Josef Wimmer versicherte, dass zu dieser Feier auch sonst nicht so „kirchfreudige Leute“ aus der Umgebung kamen, da das „Feiergeschehen“ in Kuchl wesentlich sehenswerter und bunter war als in den umgebenden Orten.

Nach der Liturgiereform 1955 wurden diese Auferstehungsfeiern bzw. das dreifache „Halleluja“ mit dem Brauchtum um das Heilige Grab in das Osterhochamt in der Osternacht eingebaut. Die Aufstellung des Heiligen Grabes im rechten Kuchler Seitenschiff und die Tagesanbetung (besonders ab Karfreitag nachmittags und am Karsamstag) ist in Kuchl immer noch üblich.

Renovierung durch die Krippenfreunde

Da das Heilige Grab in Kuchl bereits einige Schäden aufwies, haben die Krippenfreunde in Kuchl nach Ostern 2008 mit der Restaurierung „ihres“ Grabes begonnen: Zunächst wurden die schadhaften Bretter, wo notwendig, neu verleimt. Anschließend wurden alle Teile von Rauch- und Wachsschichten gereinigt. Wo es erforderlich war, wurde – so sparsam wie möglich – malerisch nachgebessert. Schließlich erfolgte noch die Behandlung gegen den bereits vorhandenen Holzwurmbefall.

Das restaurierte Kuchler „Heilige Grab“ kann vor dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche betrachtet werden. Die Kuchler Krippenfreunde haben damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieses Brauchtums in der Tennengauer Gemeinde beigesteuert.

Siehe auch

Weblinks

Quelle

  • Quelle MMag. Michael Neureiter, Presseaussendung des Salzburger Bildungswerkes Tennengau, April 2012

Fußnoten

  1. Quelle Ernestine Hutter in Heilige Gräber – Karwochenliturgie in Bildern, 1989