Stadtpfarrkirche zu den Hll. Antonius Er. und Hieronymus

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Stadtpfarrkirche Hallein
Stadtpfarrkirche Hallein
Stadtpfarrkirche Hallein, Altarpanorama
Besonderheit Kirchenstuhl mit Tür, Ansicht von außen

Die Stadtpfarrkirche zu den Hll. Antonius Er. und Hieronymus ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der Stadt Hallein im Tennengau. Das Patrozinium wird am Antoniustag, dem 17. Jänner, gefeiert.[1].

Allgemeines

Die Kirche steht im Kirchenbezirk der Halleiner Altstadt und zählt zu Halleins denkmalgeschützten Objekten. Sie ist den hll. Antonius dem Eremiten und dem Kirchenvater Hieronymus geweiht.

Sie ist die Pfarrkirche der erzbischöfliche Pfarre Hallein, zu der der zentrale Teil des Stadtgebietes gehört und die zum Dekanat Hallein gehört.

Geschichte

Erstmals wurde die Kirche 1193 erwähnt, als sie dem Stift St. Peter übergeben wurde. Die Kirche wurde dann 1347 erstmals als „Sand Antonigen in dem Hallein“ erwähnt, hatte also schon damals den heiligen Antonius den Einsiedler als Kirchenpatron. Seit 1618 war sie Dekanatskirche, 1769 zudem Pfarrkirche. 1768 wurde begonnen, die Kirche um 30 Schuch (ca. 9,5 Meter)[2] nach Westen zu verlängern, ab 1775 wurde sie in eine klassizistische Hallenkirche umgebaut und am 25. Mai 1800 vom letzten Chiemseer Bischof (1797–1808), Sigmund Graf von Zeil, eingeweiht[3].

Umrundet man die Stadtpfarrkirche auf der Augustinergasse bergwärts, kommt man zunächst am Pfarrhof vorbei, dann an der kleinen, aber sehenswerten Peterskapelle. An der Außenmauer der Stadtpfarrkirche kann man noch alte marmorne Grabplatten sehen. Kehrt man dann bergseitig wieder auf den Franz-Xaver-Gruber-Platz vor der Kirche zurück, steht man beim Wohn- und Sterbehaus von Franz Xaver Gruber, dem Komponisten von Stille Nacht! Heilige Nacht!‎, der hier in Hallein in der Stadtpfarrkirche als Chorregent und Organist wirkte.

Bei der Renovierung der Stadtpfarrkirche 2005 hatten Archäologen unter anderem vermutlich den ersten dokumentierten Pestfriedhof des Landes Salzburg gefunden. Dabei handelt es sich um ein Massengrab aus dem 16. Jahrhundert, in dem auch zahlreiche Kinder begraben sind. Dies lässt die Archäologen auf einen Pestfriedhof schließen, in dem die Opfer der Pestepidemie des Jahres 1597 begraben wurden. An die 200 Skelette wurden freigelegt. Dass die früheren Bewohner Halleins großen Respekt für ihre Vorfahren hatten, zeigt der Umstand, das die neue Kirche im 18. Jahrhundert über der alten gotischen gebaut, die Gräber der Pesttoten aber nicht angetastet wurden.

Ereignisse in den 1940er-Jahren

Am 22. März 1943 geriet der Dachstuhl des prachtvollen romanischen Kirchtums in Brand. Das nun der Witterung ausgesetzte Mauerwerk des Turmes stürzte am 26. September 1945 ein[4], sodass ein neuer Turm errichtet werden musste, den der Architekt [[Jakob Adlhart (Architekt)|Jakob Adlhart (* 1936 in Hallein, Sohn des Bildhauers Jakob Adlhart (Bildhauer)) entwarf und der 1964 fertiggestellt werden konnte.

Der Großbrand 1943: ein neuer Zeitzeugenbericht

1943 begann das Ende der 600jährigen Geschichte des ehrwürdigen Kirchturms: Am 22. März brach am Georgsbergaus nie geklärter Ursache im südlichen Klostertrakt… ein Feuer aus und griff rasch auf die Klosterkirche über… Die Flammen wurden durch Funkenflug auf die Stadtpfarrkirche übertragen und erfaßten auch die Kreuzwegstation (‚Drei Kreuze‘) an der alten Dürnbergstraße.“ berichtete Peter Husty im Salzburger Museum Carolino-Augusteum (1993): „Die Tatsache, daß gerade drei kirchliche Stätten beinahe gleichzeitig Feuer fingen, läßt die Vermutung auf Brandstiftung zu, die sich jedoch nicht beweisen läßt.

Der Turmeinsturz 1945

Der alte Turm stammte aus dem Mittelalter. Der Turm aus grauen Konglomeratquadern wies sechs Geschoße auf und trug durch Jahrhunderte ein Zeltdach in Pyramidenform. 1788 wurde nach Plänen von Hofbaudirektor Wolfgang Hagenauer ein achtseitiges barockes Geschoß mit einer ebenfalls achtseitigen Laterne aufgesetzt – die Maurerarbeiten kosteten 190 Gulden, die Zimmererarbeiten 654 Gulden.

Am 26. September 1945 war der Turm endgültig am Ende: Beim Großbrand 1943 (mit 23 Feuerwehren!) war das Mauerwerk des Turms innen ausgebrannt. Der Glockenstuhl samt neun (!) Glocken, die Turmuhr aus 1931, die Zwischendecken und der Turmhelm waren ein Opfer der Flammen geworden.

Christine Egger, Nachbarin in der Pfarrgasse, schrieb am 26. September 1945 ihre Beobachtungen von ihrem Balkon aus nieder: Um 13:15 Uhr sah sie kleinere Steine herabfallen und dann größere Sprünge am Turm, „wo Schutt herausbröselte“. „Die vorher beobachteten Sprünge wurden immer tiefer, der Turm fing an, sich zu bewegen – ich dachte zuerst, ich sei schwindlig. Ich hörte nur noch ein unheimliches Krachen und donnerähnliches Getöse. Eine undurchdringliche Staubwolke brachte mir zum Bewußtsein, was geschehen war.

Im Nachlass seines gleichnamigen Vaters hatte Michael Neureiter 2020 einen bisher unbekannten Zeitzeugenbericht vom Brand 1943 gefunden, der vom damaligen Vikar Isidor Lindner stammt. Er schreibt sehr detailliert u.a.: „Der Turmhelm war bereits eingestürzt, und mächtige Feuergarben schossen aus dem nach oben offenen Turmhelm hinaus.

Orgeln

Gruber-Orgel
Inschrift: Laudate Eum [in] Chordis & Organo[5]

Chororgel

In der Kirche stand bis 1879 eine Chororgel, Franz Xaver Gruber jun. schrieb 1870: „Im Presbyterium steht ein Positv mit 4 Registern.[6] Das Positiv wurde 1879 von Dechant (1872–1903) Johann Bap. Moser um 50 Gulden nach Scheffau verkauft.[7]

Hauptorgel

Hauptartikel Gruber-Orgel

Die Hauptorgel trägt den Namen Gruber-Orgel und war nach den klanglichen Vorstellungen Franz Xaver Grubers von Orgelbauer Matthäus Mauracher I. errichtet worden, Gruber selbst erlebte die Fertigstellung (1864) nicht mehr. 1963 wurde die Orgel grundlegend verändert. Im Zuge der 200-Jahr-Feier „Stille Nacht! Heilige Nacht!‎“ wurde die Gruber-Orgel 2018 neu geschaffen. Obwohl das Werk praktisch ein Neubau ist, kamen einige klangliche Intentionen Franz Xaver Grubers und Matthäus Maurachers d.Ä. wieder zum Tragen.

Bilder

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Historische Ansichtskarten

Quellen

  • Gruber, Franz: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung. Ein Beitrag zur Heimatkunde, Salzburg: Verlag von M. Glonner (Duyle’sche Buchhandlung am Mozartplatz) 1870 (Unveränderter Nachdruck, mit einem Vorwort von Horst Holztrattner, hg. vom Sozialistischen Freien Wirtschaftsverband Tennengau, Hallein: Burgfried-Verlag, H. Nowak 1979), ISBN 3-85388-005-3.
  • Salzburgwiki
  • www.salzburg.orf
  • Halleiner Pfarrgemeinden - gemeinsame Plattform
  • Österreichische Kunsttopographie. Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute der Bundesdenkmalamtes, Wien / Augsburg / Köln 1927.

Einzelnachweise

  1. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 187
  2. Der Wiener Fuß betrug 0,316102 Meter. In: Franc Močnik: Lehrbuch des gesammten Rechnens: für die vierte Classe der Hauptschulen in den k.k. Staaten. Wien: k.k. Schulbücher-Verschleiß-Administration bey St. Anna 1848, S. 131.
  3. Gruber, Franz: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung, Salzburg 1870, S. 89f
  4. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 187
  5. Preist ihn mit Saiten- und Orgel-[Spiel]
  6. Franz Xaver Gruber: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung, Salzburg 1870, S. 64.
  7. Der Gollinger Pfarrer (1879–1885) Franz Xaver Lechner bat das Konsistorium: „Laut gütigster Mittheilung von Seiten [...] des Dechants von Hallein Johann B. Moser wäre die dort sich befindliche kleine Orgel durch Ankauf von 50 fl zu empfangen und nach Angaben entsprechend für eine kleine Kirche. Da in der filialkirche zu Scheffau, die bestehende Orgel recht schadhaft, fast unbrauchbar wird und auf jeden Fall deren Renovierung für das Vermögen der armen Kirche kostspielig würde, so möchte gehorsamst gefertigte f. e. Kirchenverwaltung [...]“. Das Ansuchen wurde mit Schreiben vom 19. August 1879 bewilligt; AES: Golling, Kasten 6, Fach 104, Faszikel 2 (Kopie aus Oeconomica 6/102).