Heinrich Freiherr von Crumpipen

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Heinrich Freiherr von Crumpipen (* 1738; † 1811 Stuttgart [Deutschland]) war ein belgisch-österreichischer Staatsmann und Diplomat; im Jahr 1803 war er Besitznahmskommissär des neuen Salzburger Landesherrn Kurfürst Ferdinand III. von Toskana für Salzburg, Passau und Berchtesgaden. Damit fiel ihm für einige Monate die Rolle eines Leiters der Salzburger Regierungsgeschäfte und der Neuorganisation der obersten Stellen der drei Länder zu.[1]

Crumpipen und die Organisierung des Salzburger Kurfürstentums

Bevor noch der Reichstag zu Regensburg die Säkularisation der geistlichen Reichsfürstentümer beschlossen hatte, hatten österreichische Truppen in Ferdinands Namen die diesem nach dem bevorstehenden Reichsdeputationshauptschluss zufallenden Entschädigungsländer Salzburg, Berchtesgaden, Passau und Eichstätt (beide in Bayern gelegen) besetzt.

Parallel zur militärischen Inbesitznahme erwirkte Österreich die Abdankung der betroffenen geistlichen Landesfürsten. Während aber Ferdinand noch einige Monate lang in Wien blieb, erfolgte die rechtsförmliche Übernahme der Herrschaft seitens Ferdinands durch Besitznahmskommissäre, wobei Freiherr von Crumpipen Besitznahmskommissär für Salzburg, Berchtesgaden und Passau war.

Der Auftakt der Zivilbesitznahme erfolgte am 11. Februar 1803 in Wien: Der in Wien residierende Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo unterzeichnete seine Abdankungsurkunde, Ferdinand die Besitznahmsurkunde für Salzburg, Passau und Berchtesgaden sowie die Instruktion für den Besitznahmskommissär Freiherrn von Crumpipen. Mit diesen Dokumenten reiste Crumpipen nach Salzburg, wo er am 15. Februar 1803 eintraf.

Am darauffolgende 16. Februar 1803 legte Crumpipen dem scheidenden fürsterzbischöflichen Statthalterschaft die Originale der Abdankungs- und Besitznahmsurkunden vor und erließ an die Landesstellen ein Dekret, in dem diesen die Änderung der Regierungsverhältnisse mitgeteilt und ihnen aufgetragen wurde, allen untergeordneten Behörden davon Mitteilung zu machen sowie die feierliche Bekanntmachung bei den Untertanen zu veranlassen.

Am 17. Februar 1803 wurde die fürsterzbischöfliche Statthalterschaft, die dabei den Dank des abgedankten Fürsterzbischofs erhielt, für aufgelöst erklärt.

Am 18. Februar 1803 nahm der Besitznahmskommissär die Erbhuldigung der Hohe Salzburger Landschaft entgegen.

Am 20. Februar setzte Crumpipen an Stelle der Statthalterei eine Regierungskonferenz ein, wobei aber der Besitznahmskommissär bis zur Beendigung der provisorischen Verhältnisse auch nach Ankunft des Landesherrn den Mittelpunkt der Regierungsgeschäfte bilden sollte.

Während der neue weltliche Staat für die bisher in der Statthalterei vertretenen Repräsentanten der geistlichen Herrschaft - den Chiemseer Fürstbischof Christof Sigmund Graf Zeil-Trauchburg und den Domdechanten Grafen Waldstein - keine Verwendung in Regierungsfunktionen mehr hatte, berief Crumpipen auch in die neue provisorische Regierungskonferenz die bisherigen weltlichen, beamteten Mitglieder der Statthalterei:

Weniger förmlich als in Salzburg wurde in der bisherigen Fürstpropstei Berchtesgaden vorgegangen: Am 26. Februar 1803 dankte Fürstpropst Josef Konrad ab, mit landesfürstlicher Entschließung vom 11. April 1803 übertrug Ferdinand alle bisher von der Berchtesgadischen Regierung verwalteten Agenden auf die Landesstellen in Salzburg.

Die Huldigung der passauischen Untertanen nahm Crumpipen am 20. April 1803 in Waldkirchen (Bayern) entgegen. Auch die passauischen Regierungsagenden wurden in der Folge nach Salzburg übertragen.

Obwohl Kurfürst Ferdinand „schon“ am 29. April 1803 in Salzburg einzog und sich ab August 1803 ständig hier aufhielt, entband er erst am 10. Oktober 1803 Crumpipen von seiner Funktion als oberster Leiter der Staatsregierung in allen vier Entschädigungsländern.

Sanft und gutmütig, hatte sich Crumpipen während seiner Amtstätigkeit in Salzburg die Liebe und Zuneigung der Bevölkerung erworben.[2]

Crumpipens Vorleben

Baron Henri Herman Werner François Antoine de Crumpipen (Hendrik Herman Werner Frans Anton van Crumpipen) entstammte einer urspünglich aus Westfalen (Deutschland) stammenden Familie des Beamtenadels der österreichischen Niederlande (also des heutigen Belgiens).

Er bekleidete von 1769 bis 1787 das Amt des Staats- und Kriegsrates der österreichischen Niederlande, der auch dem Staatsrat des Generalstatthalters der österreichischen Niederlande angehörte. – In diesem Amt war er seinem Vater Henri de Crumpipen (dem Älteren) gefolgt. Auch sein Bruder Joseph Ambroise de Crumpipen gehörte als Kanzler von Brabant zu den führenden Staatsmännern der damaligen österreichischen Niederlande.[3]

Henri de Crumpipen (der Jüngere) war 1790 bis 1793 auch Präsident des geheimen Rates der österreichischen Niederlande. Wegen der unbedingten Treue, die er dem Herrscherhaus durch 36 Jahre in wichtigen Ämtern, insbesondere auch in dessen Konflikt mit den Ständen erwiesen hatte, war er bei der Bevölkerung verhasst und wurde schließlich, als Zeichen des herrscherlichen Entgegenkommens, aus diesem Amt abberufen.[4]

Als im Jahr 1794 die österreichischen Niederlande vom revolutionären Frankreich überrannt wurden und für das Haus Habsburg endgültig verloren waren, ging Crumpipen außer Landes und fand sich schließlich in Wien wieder. Über die Anerkennung geleisteter treuer Dienste durch das Herrscherhaus sind bittere Worte aus seiner Feder erhalten.[5]

Schließlich fand sich für Crumpipen Verwendung im österreichischen diplomatischen Dienst. Bereits vor seiner Tätigkeit in Salzburg war er 1802 Gesandter bei der helvetischen Republik.

Crumpipens weiteres Leben

Nach seiner Tätigkeit in Salzburg fungierte Crumpipen von 1803 bis 1806 als österreichischer Gesandter in der Schweiz, danach in Württemberg.

Freiherr von Crumpipen wurde am 28. August 1811 in Stuttgart (Württemberg, Deutschland) beerdigt.[6]

Quellen

Einzelnachweise

  • (zum außersalzburgischen Leben und Wirken Crumpipens: Die vorzitierten sowie verschiedene andere Internetquellen)

Weitere Literatur

  • Lefevre, J.: Henri Herman de Crumpipen, in: Nationaal Biografisch Woordenboek, 1, Brussel, 1964, kol. 351-355.
  • Piot, Ch.: Crumpipen Henri, in: Biographie Nationale t. 4, Bruxelles, 1873, col. 569-571.

Weblinks