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Carl Ehrenbert Freiherr von Moll

Karl von Moll

Carl Maria Ehrenbert Freiherr von Moll (* 21. Dezember 1760 in Thalgau; † 31. Jänner 1838 in Augsburg, Bayern, Deutschland), war ein Salzburger Jurist und Staatsmann und vor allem ein bedeutender Naturforscher, Gelehrter und Sammler, überdies Mitbegründer des Münchner Oktoberfestes.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ein achtbarer und engagierter Fürstlich Salzburger Landpfleger war Ludwig Gottfried von Moll, dem im 1755 bis 1757 errichteten Pfleggerichtsgebäude zu Thalgau seine Frau Leopoldine, geborene Freiin Christani von Rall, den Sohn Carl Maria Ehrenbert gebar.

Seine Jugend verbrachte Carl Ehrenbert im Zillertal. Ab 1773 erhielt er eine Ausbildung an der Ritterakademie Kremsmünster, Oberösterreich, wo er auch einer der begabtesten Schüler von Placidus Fixlmillner, Wart der Sternwarte Kremsmünster, war. Ab 1780 studierte von Moll an der Universität Salzburg Rechtswissenschaften.

Amtstätigkeit in der Salzburger Landesverwaltung

1782 nahm er seine erste Tätigkeit als Verwaltungsakzessist in Zell am Ziller auf. Nach mehreren Beförderungen wurde Moll 1790 zum Direktor der Salzburger Hofkammer ernannt und übernahm 1791 die Direktion des Salz-, Münz- und Bergwesens.

In seine Amtszeit fallen Entwässerungen des Gasteinertales, Regulierungen der Salzach und Trockenlegungsarbeiten im Pinzgau zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Ebenso zählt die Errichtung der Bruderladen für Bergleute zu den Ergebnissen seines Wirkens.

Im Jahre 1800 wurde von Moll zum Geheimen Rat ernannt und in demselben Jahr zu einem der fünf Mitglieder der (aus hohen geistlichen Würdenträgern und Beamten gebildeten) Statthalterei ernannt, die während der kriegsbedingten Abwesenheit des Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo (der sich vor dem nahenden französischen Heer nach Wien in Sicherheit brachte) die Regierung zu führen hatte. Als im Februar 1803 Salzburg in ein weltliches Fürstentum umgewandelt, die Statthalterei daher aufgelassen und diese zunächst durch eine kurfürstliche provisorische Regierungskonferenz und sodann durch einen Staatsrat ersetzt wurde, gehörte Moll auch diesen Gremien an; dem Staatsrat in seiner nunmehrigen Funktion als Regierungsdirektor (was annähernd einem Innenminister entsprach), die ihm von Kurfürst Ferdinand III. von Toskana am 28. November 1803 übertragen worden war.

Somit übte Moll von 1800 bis 1804 ein – wie wir heute sagen würden – Regierungsamt des Landes Salzburg aus.

Im Jahr 1804 entschloss sich Moll wegen „häuslicher und ämtlicher Widerwärtigkeiten seit dem Jahre 1800“ zu einer tiefgreifenden beruflichen Veränderung.

In bayerischen Diensten

Nachdem er sich mit Erzherzog Johann (* 1782; † 1859) nicht über die Konditionen der Übernahme der vakanten Direktorenstelle des Wiener Hofnaturalienkabinetts einigen konnte, trat Moll am 7. Dezember 1804 in die Dienste des Kurfürsten von Bayern und wurde zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Im Jahr 1832 trat Moll in den Ruhestand, den er in Augsburg, Bayern, verbrachte.

Schriftstellerische und wissenschaftliche Tätigkeit

Neben der Amtstätigkeit widmete sich Moll dem Sammeln von Mineralien, Pflanzen, Büchern, Kupferstichen und der Schriftstellerei.

Aufklärerische Jugendschriften

1783 veröffentlichte er die anonyme Schrift „So machs ich mit den Mönchen“, in der er die Volksverdummung und Geschäftemacherei mit dem Verkauf von Gegenmitteln gegen Hexerei durch die Tamsweger Kapuzinermönche angriff.

1784 erschien seine Schmähschrift wider die Contravertisten, die einen Hirtenbrief des Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo kritisierten.

Moll als Naturforscher

1783 ließ Moll seine zweibändige Studie über Insekten nach dem Linnéschen Vorbild erscheinen. Durch diese Arbeit wurde er Mitglied der angesehenen Berliner „Gesellschaft Naturforschender Freunde“ und auf die Empfehlung Lorenz Hübners, gemeinsam mit Judas Thaddäus Zauner, Mitglied der Burghausener „Sittlich-Ökonomischen Sozietät“.

Moll war eng mit dem bayerischen Botaniker und Insektenforscher Franz von Paula Schrank befreundet. Gemeinsam publizierten sie 1785 die zweibändigen „Naturhistorischen Briefe über Oesterreich, Salzburg, Passau und Berchtesgaden“. Moll beschrieb darin Teile des Erzstifts, vor allem auch das ihm vertraute Zillertal. Das Werk fand auch im Ausland große Anerkennung und gab den Anstoß zur Erforschung der Salzburger Landeskunde.

Er veröffentlichte Antonio Canestrinis „Historia de utero duplici“' und führte nach dem Tode Franz Damian Friedrich Müllenkampfs dessen „Sammlung der Forstordnungen verschiedener Länder“ ab 1796 als „Fortgesetzte Müllenkampfsche Sammlung der Forstordnungen verschiedener Länder“ weiter. Daneben korrespondierte er mit den bedeutendsten Naturwissenschaftern seiner Zeit.

Moll begründete 1797 die Publikationsreihe „Nebenstunden des Berg- und Hüttenmanns“, die sich montanwissenschaftlichen, geognostischen und mineralogischen Themen widmete und noch im selben Jahr in „Jahrbuch der Berg- und Hüttenkunde“ umbenannt sowie ab 1801 als „Annalen der Berg- und Hüttenkunde“, ab 1805 als „Ephemeriden der Berg- und Hüttenkunde“ und von 1809 bis 1826 als „Neue Jahrbücher der Berg- und Hüttenkunde“ fortgeführt und dann mit Karl Cäsar von Leonhards „Taschenbuch für die gesammte Mineralogie“ vereinigt wurden.

Moll als Sammler

Moll war auch ein eifriger Sammler.

In den 1790er Jahren war Molls naturhistorische Sammlung so umfangreich geworden, dass er zu ihrer Unterbringung das Landgut Neudegg, ein dreistöckiges Haus im äußeren Nonntal, ankaufen musste. Die Sammlung war damals schon viel besucht und so berühmt, dass selbst Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt und Erzherzog Johann nach Salzburg kamen, um Molls Naturalienkabinett zu besichtigen. Der Erzherzog wurde beim Besuch der Sammlung angeregt, ein ähnliches Naturkundemuseum zu errichten. Die Sammlung umfasste u.a. ein aus 2000 Arten bestehendes Herbarium, eine Mineraliensammlung, heimische und fremde Hölzer, eine große Insektensammlung, Skelette tierischer und menschlicher Missbildungen sowie eine kulturhistorischen Abteilung. Nachdem im Dezember 1800 die Franzosen Salzburg besetzt hatten, musste Moll seine Mineraliensammlung zugunsten der Pariser Bergakademie abtreten.

Nachdem Moll 1804 nach München übersiedelt war, verbrachte er 1805 seine Sammlungen – 80 000 Bücher und 5 000 Mineralienstücke, ein Herbarium von 2 000 Exponaten, eine 62-bändige Porträtsammlung und 269 Kupfer – nach München. In den Jahren 1807 bis 1824 übersiedelte er sie in Teilen in das von ihm gepachteten aufgehobenen Kloster Fürstenfeldbruck (südwestlich von München).

1824 verkaufte er von seiner Bibliothek 50 000 Bände gegen Leibrente an die Moskauer Universitätsbibliothek, etwa 20 000 an das Britische Museum in London. Die restlichen Bücher verschenkte er u.a. an die Königliche Hof- und Staatsbibliothek in München. Ebenfalls 1824 trat er sein Naturalienkabinett an die Königliche Akademie der Wissenschaften ab.

Moll als Landwirtschaftsfunktionär

Moll war auch Vorstandssekretär des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern und als solcher einer der Väter einer alljährlich in München eingeführten Agrarausstellung, die sich später zu dem bekannten „Oktoberfest“ entwickelte.

Ehrungen

Carl Moll-Tafel am Universitätsplatz in Salzburg
Erinnerungstafel an Carl Ehrenbert Frh. v. Moll an dessen Geburtshaus, dem Bezirksgericht Thalgau

1829 wurde von Moll zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Die Gesellschaft für Salzburger Landeskunde erinnerte sich an den großen Sohn Thalgaus und enthüllte am 21. Juli 1985 eine Gedenktafel am Gerichtsgebäude:

„In diesem Hause wurde der Naturforscher und geistige Vater der Landes- und Volkskunde Karl Maria Ehrenbert, Freiherr von Moll, am 21. Dezember 1760 geboren. Er war erzbischöflich salzburgischer Hofkammerdirektor, königlich bayerischer Wirklicher Geheimer Rat und Vizepräsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er starb am 31. Jänner 1838 in Augsburg.“

Nach Moll wurden mehrere Pflanzen- und Tierarten benannt.

Werke

  • Moll/Schrank: Naturhistorischen Briefe über Oesterreich, Salzburg, Passau und Berchtesgaden, 2 Bde 1785
  • Oberdeutsche Beiträge zur Naturlehre und Oeconomie für das Jahr 1787 (Hrsg.)
  • Antonio Canestrini: Historia de utero duplici, alterutro quarto graviditatis mense rupto 1788 (Hrsg.)
  • Fortgesetzte Müllenkampfsche Sammlung der Forstordnungen verschiedener Länder, 1796 (Hrsg).
  • Des Freiherrn K.E. von Moll Mittheilungen aus seinem Briefwechsel als Prodromus seiner Selbstbiographie, 1829-1835.

Quellen, Literatur, Weblinks