Johann Jellinek

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Stolperstein an der Ecke Dreifaltigkeitsgasse Nr. 1/Platzl Nr. 2 für die Familie Jellinek

Medizinalrat Dr. Johann Jellinek (* 12. April 1885 in Schumitz, Mähren [damals Österreich-Ungarn, heute: Tschechien]; † 20. März 1943 in Theresienstadt (ermordet)), war Jude und ein Opfer des Nationalsozialismus in Salzburg.

Leben

Vom Beruf war Jellinek Arzt und führte diese Tätigkeit seit März 1907 in Salzburg, seit Juli 1909 im Haus der Donau-Versicherung Dreifaltigkeitsgasse 1 (Platzl 2) aus. Im zweiten Stock des Hauses war nicht nur die Praxis, sondern auch privaten Wohnräume untergebracht. Jellink war in dieser Zeit der einzige jüdische Arzt in der Stadt, der viele bekannte Patienten, darunter den Schriftsteller Stefan Zweig hatte, welcher in einem Brief an die Ehefrau Friederike, lobende Worte für ihn fand.

1930 bekam Jellinek den Titel Medizinalrat von dem damaligen Bundespräsidenten verliehen.

Jellink war verheiratet mit Gisela, geborene Mandl (* 19. September 1877 in Wien). Aus der Ehe ging der Sohn Kurt (* 7. April 1907) hervor. Auch Kurt studierte Medizin und trat in die Fußstapfen seines Vaters. Zunächst arbeitete Kurt in Wien, später, ab 1936, in Salzburg-Gnigl, in der Linzer Bundesstraße 36. Kurt war verheiratet mit Maria (geborene Gascho), welche dem protestantischen Glauben angehörte.

Jellink war Facharzt in folgenden Gebieten: Haut-, Harn-, Geschlechtskrankheiten und Kosmetik, Röntgendiathermie, Höhensonne sowie Licht- und Tonisatorbehandlung.

Nachdem die Familie Jellinek von 1917 bis 1938 etwas mehr als 20 Jahre in Salzburg heimberechtigt war und inzwischen auch ein Haus an der Lasserstraße 23 besaß, musste sie die Stadt verlassen. Die beiden Männer wurden gezwungen, ihre Praxen zu schließen. Kurt und seine Frau Maria emigrierten 1939 nach Amerika, Middelborough (Massachusetts).

Jellinek übersiedelte mit seiner Frau nach Wien. Dort wohnten sie bis zum Frühjahr 1942. Am 28. Juli 1942 schrieb Jellinek den letzten Brief an seinen Sohn. Am 10. September 1942 erfolgte die Deportation nach Theresienstadt. Jellinek starb dort am 20. März 1943, seine Gattin am 9. August 1943.

Kurt Jellinek erhielt weder das Vermögen seiner Eltern, noch die Wohnung in der Dreifaltigkeitsgasse, noch das Haus in der Lasserstraße zurück. Er starb 1977 in Middleborough, Mary (Maria) 1998 in East Dennis (Massachusetts).

Zum Gedenken an die Familie Jellinek wurden am 28. August 2008 an der Ecke Dreifaltigkeitsgasse Nr. 1 /Platzl Nr. 2 zwei Stolpersteine verlegt.

Quelle