Stefan Zweig

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stefan Zweig um etwa 1912
Signatur Zweigs
Stolperstein für Stefan Zweig am Kapuzinerberg Nr. 5

Stefan Zweig (* 28. November 1881 in Wien; † 22./23. Februar 1942 in Petrópolis, Brasilien) war ein österreichischer Schriftsteller.

Zweig in Salzburg

Stefan Zweig kehrte nach dem freiwilligen Militärdienst im Ersten Weltkrieg und einem 18-monatigen Auslandsaufenthalt in der Schweiz 1919 nach Österreich zurück. 1919 übersiedelt er aus seiner Geburtsstadt Wien in ein 1917 gekauftes Haus am Kapuzinerberg in der Stadt Salzburg. 1920 heiratet er dort die Journalistin Friderike Burger. Stefan Zweig lebte zwischen 1919 und 1934 Kapuzinerberg in der Zweig Villa.

Ab dem Jahr 1923 hielt sich Zweig in den Sommermonaten immer wieder in Zell am See auf, um dem hektischen Treiben in der Festspielzeit zu entgehen und die nötige Abgeschiedenheit und Ruhe für seine Arbeit zu finden.[1] Durch die Bekanntschaft mit der Familie Blaickner kam Zweig seit 1931 mehrfach nach Thumersbach und verbrachte dort in den folgenden beiden Sommermonaten ruhige und arbeitsreiche Tage in dem von einer Bootshütte umgebauten und von ihm mitfinanzierten kleinen Landhaus der Blaickners am See. In dieser Zeit arbeitete Zweig intensiv an der „Postfräuleingeschichte“ und sehr wahrscheinlich auch an seiner „Marie Antoinette“.[2] Die Aufenthalte in Zell am See und Thumersbach spiegeln sich in Zweigs regem Briefwechsel u. a. mit Viktor Fleischer, Richard Friedenthal, Karl Geigy-Hagenbach, Dr. Paul Alverdes, Benjamin W. Huebsch, Anton Kippenberg, Luise Jaffé, Raoul Auernheimer und seiner Frau Friderike wider. [3]

1934 veranlassten eine polizeiliche Hausdurchsuchung nach Waffen, die 1933 erfolgte Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und deren steigender Einfluss auf Österreich, Stefan Zweig zum Verlassen Salzburgs. Er emigriert nach nach London in Großbritannien.

Zweig und Salzburg heute

Im November 2008 bekam Salzburg endlich ein "Haus für Stefan Zweig". Universität, Stadt und Land Salzburg richten in der Edmundsburg, einem repräsentativen, architektonisch Gebäude auf dem Mönchsberg, ein Zentrum für Stefan Zweig ein.

Das "Haus für Stefan Zweig" ist der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich sein, es soll ein lebendiger Ort für kulturelle und wissenschaftliche Projekte sowie ein Ort internationaler Begegnungen sein und seinen Beitrag zur Stärkung des kulturellen und wissenschaftlichen Profils von Stadt und Land Salzburg leisten. Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer junior, Bürgermeister Heinz Schaden, Rektor Univ.-Prof. Heinrich Schmidinger und ao. Univ. Prof. Dr. Karl Müller habtten am 13. März 2008 das Projekt vorgestellt. Im Sommer 2017 verlängerte das Land Salzburg die jährliche Förderung in Höhe von 55.000 Euro bis zum Jahr 2022.

Ehrungen

Nach dem Schriftsteller sind der Stefan-Zweig-Weg auf den Kapuzinerberg, eine Straße in Zell am See und die Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig benannt.

Zum Andenken an Stefan Zweig wurde am 19. August 2016 am Kapuzinerberg Nr. 5 ein Stolperstein verlegt. Neben dem Kapuzinerkloster steht ein Denkmal für Stefan Zweig. Im Verlauf der Linzer Gasse gibt es einen Stefan-Zweig-Platz, ebenso eine Stefan-Zweig-Straße in Zell am See.

Werke

Im Bild unten "An die Reise" (Gedicht).

In Salzburg verfasste Stefan Zweig viele jener Werke, die später seinen Weltruhm begründeten. Darunter sind:

  • Drei Meister: Balzac – Dickens – Dostojewski. Die Baumeister der Welt. Versuch einer Typologie des Geistes, Band 1, Insel, Leipzig 1920
  • Amok, Novellen einer Leidenschaft. Insel, Leipzig 1922
  • Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin – Kleist – Nietzsche. Die Baumeister der Welt, Band 2, Insel, Leipzig 1925
  • Ben Johnson’s „Volpone“. Eine lieblose Komödie in drei Akten. Frei bearbeitet von Stefan Zweig. Mit sechs Bildern nach Aubrey Beardsley, Kiepenheuer, Potsdam 1926
  • Verwirrung der Gefühle. Drei Novellen: Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau, Untergang eines Herzens, Verwirrung der Gefühle; Insel, Leipzig 1927
  • Sternstunden der Menschheit. Fünf historische Miniaturen. Leipzig o. J., 1927, Insel Bücherei 165/2
  • Drei Dichter ihres Lebens. Casanova – Stendhal – Tolstoi. Die Baumeister der Welt, Band 3, Insel, Leipzig 1928
  • Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen, Biographie, Insel, Leipzig 1929
  • Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters, Biographie, Insel, Leipzig 1932

Werke über Salzburg:

  • Salzburg. Die Stadt als Rahmen, in: Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten, Berlin, 1955

"An die Reise"

Schienen, die blauen Adern aus Eisen,
Durchpulsen die Welt, ein stählernes Netz!
Herz, ström’ mit! Raff' auf dich, zu reisen,
Im Flug nur entfliehst du Gewalt und Gesetz.
Sieh! Bloß ein Ruck und schon wurden dir Flügel,
Für dich braust eine eherne Brust,
Heimat enttaumelt mit Hängen und Hügeln,
Ein Neues, es wird dir neuselig bewußt.
Die Grenzen zerklirren, die gläsernen Stäbe,
Sprachen, die fremden, sie eint dir der Geist,
Da er nun frei, in heimloser Schwebe
Die vierzehn Völker Europas umkreist.
Und im Hinschwung von Ferne zu Ferne
Innen doch ruht, allumfassender Blick,
So wie die Welt im Tanz zwischen Sternen
Schwingend ausruht in ihrer Musik.

Ausstellungen

Bilder

 Stefan Zweig – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Stefan Zweig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

  • Adolf Haslinger: Stefan Zweig und Salzburg. In: Das Salzburger Jahr 1967/1968. S.22-25.
  • Oliver Matuschek: Das Salzburg des Stefan Zweig. Mit Fotografien von Angelika Fischer. Edition A. B. Fischer, Berlin, 2008.
  • Peter Wittner (2018): Stefan Zweig. Zu Gast in Zell am See und Thumersbach. Auf Spurensuche. ISBN: 978-3-200-05821-7

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. P. Wittner (2018): S. 13
  2. P. Wittner (2018): S. 18
  3. P. Wittner (2018): S. 22