Lochen am See

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel hat einen Salzburgbezug
Der Inhalt dieses Artikels hat einen Salzburgbezug, der mindestens eine der Salzburgwiki-Artikel-Richtlinien erfüllt.


Lochen am See, Ansicht vom Tannberg

Lochen am See ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Oberen Innviertel. Sie grenzt im Süden an den Flachgau im Bundesland Salzburg.

Allgemeines

Das Gemeindegebiet grenzt im Westen auf einer Länge von vier Kilometern an das Ufer des zur Gänze zum Land Salzburg gehörenden Mattsees. Wer im gemeindeeigenen Strandbad Lochen das kühle Nass im See betritt, der überschreitet damit die Landesgrenze ins Salzburgische.

Der Gemeindename kommt aus dem Mittelhochdeutschen (loh=lichter Wald, Buschwald). 903 scheint der Ort als Loochum auf.

Namensänderung

Der Ortsteil Niedertrum im Südwesten des Gemeindegebiets grenzt unmittelbar an den Mattsee an. Dies ist ein Hinweis auf den zweiten Namen des Mattsees, der um 1800 auch Niedertrumer See genannt wurde.

Um im Wettbewerb der Gemeinden im Fremdenverkehr bestehen zu können, überlegte man im Jahr 2012, einen eindeutigeren Namen für die Gemeinde zu finden. Nur wenige Gemeinden im nördlichen Land Salzburg bzw. westlichen Oberösterreich grenzen an Seen und können in ihrem Namen darauf hinweisen (z. B. Perwang am Grabensee, Obertrum am See, Seekirchen am Wallersee, Henndorf am Wallersee oder Neumarkt am Wallersee. Der Tourismusverband Lochen verwendet für Marketing- und Werbezwecke schon seit seiner Gründung die Bezeichnung „Lochen am Mattsee“. Nun überlegte aber auch die Gemeinde, den Gemeindenamen „Lochen“ mit dem Zusatz „am See“ zu versehen. Mit dieser Bezeichnung „Lochen am See“ soll mitgeteilt werden, dass das Gemeindegebiet an einem See liegt und einen Erholungsraum vorweisen kann.

Zu diesem Thema wurde im Frühjahr 2012 von der Gemeinde eine öffentliche Umfrage durchgeführt, weil die Namensänderung auch praktischerweise mit der im Sommer geplanten Eröffnung des neuen Gemeindeamtes verbunden werden könnte. Was in der Folge, nachdem der Umbenennungsbeschluss des Gemeinderates von der OÖ. Landesregierung genehmigt worden war, auch so geschah. Seither heißt die Gemeinde "Lochan am See".

Flughafen Lochen

Im Zuge einer Debatte um die Neuerrichtung des Salzburg Airport W. A. Mozart war 1974 Lochen als möglicher Standort im Gespräch.

In den OÖ Nachrichten konnte man am 28. August 1974 in einen Zeitungsartikel lesen: ...Die Hemdärmeln krempelt man im oberen Innviertel auf, seitdem bekannt ist, dass Lochen als Standort für einen neuen Salzburger Flughafen ausersehen sei. Mit Dreschflegeln, Heugabeln und Sensen - so zwei Bürgermeister - will man sich notfalls wehren!...

Geschichte

Erinnerungstafel an letzte Hinrichtung in Lochen

Bayern übte in Lochen Gerichtsbarkeit über Salzburger Untertanen aus. Salzburger Delinquenten wurden bis ins 18. Jahrhundert auf Lochener Gebiet durch bayerische Scharfrichter geköpft. Die letzte Hingerichtete war erst 16 Jahre alt.

1398 erwarb das Erzstift als letzte bedeutende Salzburger Gebietserweiterung die passauische Herrschaft Mattsee. Diese bestand nach verschiedenen Änderungen schließlich aus den Ämtern Mattsee, Lochen, Schleedorf, Obertrum am See, Seeham und Berndorf bei Salzburg. Im Norden war Lochen vom Herzogtum Bayern umgeben. Untertanen und Grundbesitz des Gebiets von Lochen waren zwischen bayerischer und salzburgischer Herrschaft aufgeteilt. Und damit nicht genug: Einige der Bewohner Lochens standen direkt unter der Grundherrschaft des Stifts Mattsee, waren aber dem Erzstift Salzburg gegenüber wehrpflichtig.

Die unklaren Grenzverhältnisse wussten auch Räuberbanden für sich auszunutzen. Gegen sie wurden sowohl von bayerischer als auch von Salzburger Seite Grenzstreifen ausgeschickt. Der Lochener Heimatforscher Herbert Handlechner berichtet auch von einem regelrechten Streit um die Leiche eines beim Wildern getöteten Friedburgers, die von beiden Seiten beansprucht wurde. Selbstmörder, die sich erhängt hatten, hingen oft mehrere Tage unter Bewachung, bis Zuständigkeit und Umstände geklärt waren.

Die Richtstätte für ausgelieferte Salzburger befand sich im Lochener Astätt. Die Köpfstattsäule aus Untersberger Marmor neben der einstigen Köpfstätte erinnert noch heute an die blutige Arbeit der Scharfrichter, die zuletzt auf Grund und Boden eines in Astätt lebenden Salzburger Untertanen vom bayerischen "Freymann" vollzogen wurde. Am 8. Februar 1762 wurde ein junges Mädchen enthauptet, nachdem es mehrfach gestohlen hatte. Aufgrund zuvor verübter Delikte musste sie um den Gegenwert eines Taschentuches ihr Leben lassen.

Der Verein Dorfentwicklung Lochen hat einen 28 Kilometer langen barrierefreien Themenweg zu wichtigen Rechtsdenkmälern im Gemeindegebiet von Lochen erarbeitet. Der 2012 eröffnete Richtstättenweg führt über Mattsee, Gebertsham, Astätt, Bergham, Lochen und den Tannberg. Den tragischen "Weg eines Delinquenten" vom Mattseer Gefängnis bis zur Hinrichtung erzählen die Stationstafeln in Mattsee, Gebertsham und Astätt.

In Oberweißau befand sich ein bayerischer Adelsitz (später Wirt z'Weissau). In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich im Ortszentrum der "Bayrische Wirt" (Gasthaus Hauer) und das ehemals salzburgische "Bräu" (Bräugasthof Kriechbaum). Es konnte vorkommen, dass Untertanen, die ihren Durst beim "falschen" Wirt stillten, von der Obrigkeit mit Rutenhieben bestraft wurden. Dieses drastische Nachspiel eines Wirthausbesuchs hatte wohl auch damit zu tun, dass die gelegentlich sich daraus entwickelnden Raufereien von Salzburger, Bayerischen und Mattseer Untertanen ein kompetenzrechtliches Wirrwarr auslösten.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Lochen, Oberweissau, Tannberg und Wichenham. Im Gemeindegebiet gibt es 33 Ortschaften:

Ainhausen, Astätt, Babenham, Bergham, Daxjuden, Dirnham, Edenplain, Feldbach, Gebertsham, Gunzing, Gutferding, Hofstätt, Intenham, Kerschham, Koppelstätt, Kranzing, Laßberg, Lochen (Hauptort), Niedertrum, Oberhaft, Oberweißau (Ortsteile auch in Gemeinde Munderfing), Petersham, Reitsham, Scherschham, Schimmerljuden, Sprinzenberg, Stein, Stullerding, Tannberg, Unterlochen, Wichenham und Zeisental;

Bildergalerie

Weblinks

Quellen

ursprüngliche Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz vom 6. Februar 2013
gleicher Text - Fundstelle in Kurioses über Grenzen hinweg, Ausgabe Mehr Salzburger Grenzfälle, in Schriftenreihe des Landesmedienzentrums, Sonderpublikation Nr. 249, erschienen im Dezember 2013, ISBN 978-3-85015-275-4
Bezirksbuch-Braunau am Inn
  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Lochen am See"