Hauptmenü öffnen

Salzburger Familiennamen

Ein Familienname dient als Ergänzung zum Vornamen der besseren Unterscheidbarkeit von Personen. Neben allgemeinen Erklärungen bietet dieser Artikel auch Informationen zu Salzburger Familiennamen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines; Geschichte, Arten

Ursprünglich hatte jeder Mensch nur einen einzigen Namen, der ihn von seinen Mitmenschen unterscheiden sollte; daraus wurden die heutigen Vornamen. In unserem Kulturkreis wurde dieser Name in der Taufe festgelegt. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte genügten solche Eigennamen aber zur Unterscheidung nicht mehr, und es wurden unterscheidende Bezeichnungen hinzugefügt, etwa nach dem Beruf, dem Aussehen oder der Herkunft der Person. Als diese Zunamen vom Vater auf die Kinder vererbt wurden und damit auch in gewisser Weise erstarrten, waren die Familiennamen entstanden.

Dieser Vorgang fand nicht überall zur selben Zeit statt, war aber im süddeutschen Raum im Spätmittelalter abgeschlossen.

Je nach dem Anknüpfungspunkt des Familiennamens, also in entstehungsgeschichtlicher Hinsicht, unterscheidet man verschiedene Gruppen:

  • von einem Vornamen, meist des Vaters (Patronym), selten der Mutter (Metronym);
  • von einem Beruf oder Stand;
  • von persönlichen Eigenschaften (Übername);
  • vom Ort der Herkunft (Toponym), vom Herkunftsland oder von der Wohnstätte (zumeist Lagebezeichnungen).

Diese Einteilung nach dem Anknüpfungspunkt der Namensentstehung vernachlässigt freilich praktische Gesichtspunkte. Nach der erkennbaren Bedeutung des Namens können auch

  • Namen von Gegenständen: Werkzeuge, Werkstoffe, Erzeugnisse, ua.,
  • Tiernamen,
  • Farben (Schwarz, Weiß, Braun, …),
  • Standesbezeichnungen (weltlich: Kaiser, König, Herzog, Graf, …; kirchlich: Papst, Bischof, Dechant, Pfaff, …),
  • Bezeichnungen aus der Glaubenswelt (Gott, Teufel, Engel, …)
  • Satznamen (bei denen der Name ein zusammengezogener Satz ist (zB „Sengsbratl“, „Hupfauf“, „Lachnit“)

und noch andere unterschieden werden.

Von den eben angeführten Arten von Namen sind viele entweder als Berufsnamen oder als Übernamen einzuordnen. Von den Gegenstandsbezeichnungen wird die Mehrzahl als Berufsnamen einzuordnen sein, wenn es sich etwa um berufstypische Werkzeuge (Hammer udgl.) oder Erzeugnisse (Nagel) handelt. Bei den Standesbezeichnungen (Kaiser, König, Herzog, Graf, …; Papst, Bischof, Dechant, Pfaff, …), ist meist davon auszugehen, dass der erste Träger des Familiennamens nicht selber zB Kaiser oder Bischof war, sondern wegen persönlicher Eigenschaften (Geltungsdrang, Frömmigkeit udgl.) so benannt wurde – dann handelt es sich entstehungsgeschichtlich um Übernamen. Ebenso bei einem Ursprung in der Religion (Gott, Teufel, Engel, …). In manchen Fällen sind solche Namen auf Rollen zurückzuführen, die der erste Träger zB in einem Passionsspiel verkörpert hat.

Tiernamen symbolisierten ursprünglich meist Eigenschaften (Haas: ein Feigling; Fuchs: ein listiger oder rothaariger Mensch, usw.).

Süddeutsch-bairische und salzburgische Besonderheiten

Die einheimischen Salzburger Familiennamen weisen vielfach morphologische und lexikalische Eigenheiten des süddeutsch-bairischen Sprachraumes auf: Salzburgische Besonderheiten bestehen hauptsächlich insofern, als etliche Toponyme auf im Land Salzburg liegende Orte zurückgeführt werden können und als die Häufigkeit des Vorkommens anders ist als sonst im deutschen Sprachraum.

Soweit im Folgenden Zahlen angeführt werden, geben sie die Zahl der gefundenen Familiennamen im Bundesland Salzburg an, die bei einer Suche nach Familiennamen auf www.herold.at, begrenzt auf das Bundesland Salzburg (soweit nicht anders angegeben, im Jahr 2010) gefunden werden.

Sprachliche Besonderheiten

Die genannten Namensentstehungs- und –bildungsweisen kommen in allen europäischen Sprachen vor, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung. Für den süddeutsch-österreichischen Raum sind vor allem folgende Besonderheiten zu erwähnen:

  • Wohnstattnamen und Herkunftsnamen sind sehr häufig und lauten, anders als in Mittel- und Norddeutschland, auf -er:
    • Wohnstattnamen (Ableitung von Kennzeichen der Lage der Wohnstätte; sehr verbreitet):
      • Gruber, Pichler, Berger, Steiner, Bacher, Auer,
      • Moser (Moos = Moor),
      • Ebner, Eder (Ed = Öde),
      • Reiter/Roittner/Roider uä. (von Reit oder Reut: Rodung: nach Maria Hornung[1] jedoch: Person, die rodet),
      • Wallner (von Wald, rund 700)[2],
      • Schachner (rund 860; Schache ist ein meist kleines, einzeln stehendes Waldstück[1]),
      • Egger (rund 670), Ecker (rund 40), von Eck = Geländevorsprung[1],
      • Leitner (an die 700), von bairisch Leite(n) = Abhang[1],
      • Steger (500), Stöger,
      • Brucker, Brugger, Bruckner, Brückner (zusammen rund 360),
      • Wenger (rund 200), Wanger (40), von Weng oder Wang = Hang[1],
      • Gschwandtner (190), Gschwendtner (55), von Gschwand(t) oder Gschwend(t), abgeleitet von schwenden: Roden durch Absterbenlassen der Bäume[1]
      • Hager (190), von Hag = Hecke, Zaun[1],
      • Lanner (150), von Lahn = Lawine, also ein lawinengefährdetes Gebiet[1] (gilt vielleicht auch für Glanner [40] und Gloner),
      • Gschaider (130), von Gschaid = Gescheide, Wasserscheide, Grenzgegend[1],
      • Fellner (rund 110), von Feld.
    • Herkunftsnamen sind zahlreich und insgesamt recht verbreitet: Haslauer, Lienbacher, Pfeifenberger, Haslinger, Hirschbichler, Scharfetter, Krackowizer …
  • Vatersnamen haben nicht (wie in Norddeutschland oder Skandinavien) die Endung -son, -sen oder -sohn, nicht einmal -s (Mertens von Martin uä.), sondern sind einfach ein Vorname, der meist in Kurzform oder Dialektform, teilweise mit Verkleinerungsform auf -l auftritt –** unverkürzt: zB Karl (rund 230),
    • Kurzformen: zB Fritz, Wolf (von Wolfgang), Heinz, Gann (rund 120, von Candidus[1]),
    • Verkleinerungsform auf –l: * Friedl (rund 150, von Personennamen wie Friedrich), Riedl (rund 140, von Personennamen wie Rudolf), Reichl (rund 200, von Personennamen wie Reichart=Richard), Sampl (140, vom altdeutschen Personennamen Sandbold), Essl (rund 100, von Personennamen wie Oswald), Gangl (90, von Personennamen wie Wolfgang), Rendl (40, von Personennamen wie Reinhard),[1]
  • Verkleinerungsformen auf –l oder –erl sind – hier: in Familiennamen – überhaupt charakteristisch für den bairischen (bayrisch-österreichischen), und daher auch für den Salzburger Raum:
    • zB bei Vatersnamen, wie eben erwähnt,
    • zB bei Gegenstandsnamen: Blattl, Steindl (rund 100), Schöchl, Hackl, Stöckl, …
    • zB bei Tiernamen: Meisl (von Maus)[1].

Untergliederung des Bauernstandes

„Bauer“ ist im Land Salzburg zwar ein häufiger Personenname, aber längst nicht so häufig (weniger als 500 Eintragungen im Telefonbuch), wie der bäuerliche Beruf einst war. Denn die Bauern wurden in vielfältiger Weise unterschieden:

  • Eigner (Aigner): Ein Bauer, der sein Gut zu Eigen besaß (mehr als 600)
  • Lechner: Ein Bauer, der sein Gut zu Lehen besaß (an die 500)
  • Meier: Besitzer eines Meierhofes (also eines ehemaligen Gutshofes); verschiedene Schreibweisen (gut 2000)[3]
  • Huber (rund 1500), Nebenform Hueber: Besitzer einer Hube (eines Bauerngutes bestimmter Größe,[1] nämlich in historischer Zeit der Normalgröße eines Bauerngutes),
  • Wimmer (rund 820; älter: Wibmer): Besitzer eines Widem, d.i. eines kirchlichen Gutes[1].

Diese Untergliederungen standen auch Herkunftsnamen Pate, zB Steinlechner, Schmiedhuber, Niedermayer, Windischbauer, usw.

Auch bei den Knechten gab es eine Hierarchie und Arbeitsteilung, die sich in Familiennamen (wenn auch weniger als bei den Bauern, da Dienstboten normalerweise nicht heiraten durften) niederschlugen:
Moar oder Schaffer: Großknecht, Futterer: Futterknecht, Schwaiger: auf einer Schwaige (Viehhof) Tätiger, udgl.

Herkunftsnamen

Der Übergang zwischen Wohnstattnamen und Herkunftsnamen ist fließend. ZB kann der Name Ebner von irgendeiner kleinen Ebene abgeleitet sein, wobei aber die Ortsansässigen wussten, zu welcher Ebene der Namensträger gehörte; sie kann aber auch von einem Ort dieses Namens, wie Eben im Pongau, abgeleitet sein. Dasselbe gilt etwa für Ableitungen von Wald (vgl. Wald im Pinzgau) ua.

Durch Zusammensetzungen wird aus einer allgemeinen Flurbezeichnung wie zB Eck (Egg) eine konkrete Örtlichkeit, wie zB Langegg, von der wieder ein Herkunftsname abgeleitet sein kann.

Sonstige regionale Besonderheiten

(unvollständig) ZB bei Tiernamen:

  • Gugg (50): Dialektform für „Kuckuck“.[1]
  • Gimpl (120) ist überdurchschnittlich häufig, sowohl in Bezug auf ganz Österreich (rund die Hälfte der österreichischen Gimpls lebt in Salzburg) als auch auf den deutschen Sprachraum (rund ein Achtel aller Gimpels und Gimpls lebt in Salzburg).

Ableitungen von Har (bairisch für Flachs): Harrer (50), Harlander (rund 120).[1]

Berufsnamen:

  • Walcher (rund 60): Berufsname für den Betreiber einer Lodenwalke.[1]

„Hitliste“ der Salzburger Familiennamen

(nach Häufigkeit geordnet)

„Allerweltsnamen“ (Berufsnamen, Wohnstattnamen, Farben, ...)

(sicher unvollständig)

  • Meier: mehr als 2000 in allen Schreibweisen
  • Gruber: rund 1500
  • Huber: rund 1500
  • Eder: mehr als 1200
  • Pichler: mehr als 1000
  • Moser: rund 1000
  • Schmied: rund 900 in allen Schreibweisen
  • Schachner: rund 860
  • ex aequo:
    • Hofer: rund 850
    • Steiner: rund 850
  • Ebner: 830
  • Wimmer: 820
  • Wallner: rund 700
  • Leitner: an die 700
  • Egger: rund 670
  • Berger: rund 660
  • Reiter: 635
  • Maier: rund 620
  • Mayr: rund 600
  • Schwaiger: rund 580
  • Auer: rund 560
  • Fuchs: rund 520
  • Mayer: rund 500
  • Steger: 500
  • Bauer: an die 500
  • Stadler: rund 370
  • Wieser: 350
  • Langer: 325
  • Schneider: rund 320
  • Lang: rund 310
  • Schwarz: rund 310
  • Fischer: rund 300
  • Buchner: rund 300
  • Weiß, Weis: rund 300
  • Baier: rund 300 (samt anderen Schreibweisen wie Bayer, Bayr)
  • Schober: weniger als 300
  • Holzer: weniger als 300
  • Schwab: 250
  • Brugger: an die 280
  • Haas: an die 280
  • Hutter: rund 250
  • Winter: rund 250
  • Kaiser: rund 250
  • Kocher: 220
  • Hauser: 210
  • Koller: mehr als 200

„Ferner liefen“ (vielleicht anderswo häufige Namen, in Salzburg aber weniger als 200):

  • Wolf: weniger als 200
  • Lederer: weniger als 200
  • Maurer: 170
  • Vogel, Vogl: 170
  • Kirchner: rund 150
  • Lainer: rund 140
  • Koch: rund 140
  • Schuster: 140
  • Kaufmann: rund 100
  • Lehner: rund 100
  • Müller, mit Nebenformen Müllner, Mühlner, Miller, Millner: rund 80
  • Köhler: 25 (siehe aber oben den gleichbedeutenden[1] Namen Koller: mehr als 200)
  • Metzger, Fleischhacker, Hacker: Je um 20

Herkunftsnamen

(sehr unvollständig)

Hofnamen, Vulgonamen

Mit dem Prinzip der Vererbung in der Familie stand teilweise die Benennung nach der Wohnstatt im Wettstreit, die die Durchsetzung des Vererbungsprinzips, und damit der Familiennamen selbst, verzögerte.

Viele, besonders ältere Haus- und Hofnamen knüpfen z. B. an Besonderheiten des Hofes (Besonderheiten der Lage, Eigenschaft als Meierhof, Sitz eines Handwerkers [z. B. Schmied] udgl) oder am Vornamen des Besitzers an. Nach der Etablierung von Familiennamen gehen manche von diesen wieder auf den Hof über.

In vergangenen Zeiten waren Personen ihrem sozialen Umfeld vielfach nicht unter ihrem Familiennamen, sondern unter ihrem Haus- oder Hofnamen bekannt. Zur Unterscheidung wird der Familienname als „Schreibname“, der Haus- oder Hofname – unter dem die Person „insgemein“ oder „vulgo“ bekannt ist, als Vulgo-Name bezeichnet.

Gelegentlich geriet in früheren Zeiten der Schreibname in Vergessenheit, und der Vulgo-Name wurde der neue Schreibname.

Literatur

Für Salzburger und österreichische Verhältnisse sind vor allem folgende Nachschlagwerke zu erwähnen:

Für den deutschen Sprachraum insgesamt gibt es insbesondere ein Duden-Familiennamenbuch. Der Wikipedia-Artikel „Deutscher Familienname“ führt etliche solche Nachschlagwerke an.

Internet

Zu erwähnen sind insbesondere

  • die geogen-Familiennamen-Kartographierung (nur mehr für Deutschland) und
  • www.verwandt.at siehe unten unter „Weblinks“

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 Quelle: Maria Hornung, wie unter „Literatur“ angegeben.
  2. Wird von Maria Hornung nicht als Wohnstattname (jemand, der beim oder im Wald wohnt), sondern als Herkunftsname (jemand, der aus einem Ort Wald kommt) aufgefasst.
  3. Maier (rund 620), Mayer (rund 500), Mayr (rund 600), Mair (rund 160), Meier (rund 40), Meyer (rund 45), Meyr (rund 25) und Meir (rund 5).