Salzpurch

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Die Salzpurch, das Castrum superius (die obere Burg), war zunächst Residenz der Baiernherzöge der Agilolfinger.

Zum Namen

Der bairische Herzog Theodo II. schenkte im Jahr 696 ein Drittel der Reichenhaller Saline der Salzburger Kirche unter Rupert von Worms. Die Salzburger Kirche besaß damit den größten Anteil an der Saline. Rupert ließ die Salzproduktion verbessern und ausbauen, wodurch sich die Saline im 8. Jahrhundert zur einzigen exportorientierten Salz-Produktionsstätte im Ostalpenraum entwickelte. Bis zum Beginn des Salzabbaus am Dürrnberg Ende des 12. Jahrhunderts, blieb die Reichenhaller Saline das wirtschaftliche Rückgrat der Salzburger Kirche.

In der um 755 verfassten Lebensbeschreibung des heiligen Bonifatius wird erstmals für das frühere römische Gebiet Iuvavum der deutsche Name Salzburg für den darin zentral gelegenen Ort verwendet. Abgeleitet vom Salz aus der Saline Reichenhall und der Herzogsburg der Agilolfinger auf dem Salzburger Festungsberg weist der Name auf die dominierende Position Salzburgs in der Salzproduktion und im Salzhandel hin.

Den Namen der Stadt übertrug man auch auf das Land, das sich im 14. Jahrhundert vom Herzogtum Bayern löste.

Wo erstreckte sich die obere Burg?

Der sogenannte „Bergspitz“ ist die höchste Stelle des Festungsberges, dessen Fels hier ein natürliches flaches Plateau bildet. Dort traten bei archäologischen Kampagnen in Zuge von Umbauten in der Festung Hohensalzburg in den 1990er-Jahren bedeutsame Funde zutage. Unter einer umgestürzten Bruchsteinmauer der Spätantike kamen römische Funde zum Vorschein, die aus der Zeit des Kaisers Valentinian I. (369–375) stammen.

Durch diese und weitere archäologische Untersuchungen ist nachgewiesen, dass der Festungsberg seit der Jungsteinzeit (4. Jahrtausend vor Christus) besiedelt war. Er bot größere Sicherheit als die versumpften und von Überschwemmungen bedrohten Niederungen entlang der Salzach. Einem römischen Bau folgte im 4. Jahrhundert n. Chr., ein Wehrturm (Burgus). Im Gegensatz zur Talsiedlung war auf der höher gelegenen Nonnbergterrasse und auf dem Festungsberg eine echte Kontinuität von der Spätantike zum frühen Mittelalter gegeben.

Bei der Ankunft Ruperts in Salzburg um 696 residierte Herzog Theudebert, der älteste Sohn und Mitregent von Herzog Theodo, in der „Oberen Burg“ auf dem Festungsberg über dem alten römischen Zentrum Iuvavums. In der Stadt hatten sich im 7. Jahrhundert bayerische Siedler niedergelassen, wie Gräber am Kapitelplatz und am Domplatz belegen. Der Herzogssohn regierte weiterhin auf dem Festungsberg. An Rupert wurde ein Teil der darunter liegenden Stadt übertragen. Später - möglicherweise in der Regierungszeit von Herzog Odilo († 748) - verlegte man den Herzogssitz in die Stadt hinunter. Der Herzogshof („curtis publico“) lag wohl im Bereich des Waagplatzes und der Filialkirche zum hl. Michael. Diese „Pfalz“ wurde 788 vom fränkischen König Karl dem Großen übernommen.

Die Existenz dieser als gleichwertig neben der Stadt genannten oberen Burg wird von den Breves Notitiae bestätigt. In einer gefälschten Urkunde wurde noch zweihundert Jahre später das Kastell der hl. Erintrudis genannt. Damit wurde die Anlage des Klosters im Burgbereich erwähnt. Innerhalb dieses Burgbereichs der oberen Burg stand auch eine Kirche, die dem hl. Martin geweiht war. Diese Martinskirche lag auf einem auffallenden Felsen gegenüber des Nocksteins. Zumindest wird er in Urkunden des 10. Jahrhunderts mit dem Nockstein identifiziert.

Vergleicht man diese Fakten mit der Lage der heutigen Festung Hohensalzburg, stellt man fest, dass der Aufstieg zu dieser doch beschwerlich war (und noch ist) und in der Festung stets Wassermangel herrschte. Was beispielsweise den Verteidigern in den Bauernaufständen im 16. Jahrhundert zu schaffen machte.[1]

Ein Faktor, der für die Einbeziehung des höher gelegenen Festungsberges in die Verteidigungsmauern der Salzpurch spricht, ist der Verteidigungsfaktor. Wäre doch eine nur auf dem Nonnberg gelegene und nur dort befestigte Burg leicht von den Höhen des Festungsberges herab angreifbar gewesen. Die Nonnbergterrasse mit Kloster und früherer Martinskirche war miteinbezogen in die Befestigungsanlagen der Oberen Burg auf dem Festungsberg. Damit erklärt sich auch die Bezeichnung „Obere Burg“, die muss schon oben (über dem Nonnberg) gelegen sein. Außerdem wäre es unverständlich, wenn man den strategisch besten Platz nicht dafür nutzen würde.

Namensentwicklung

Die Schreibweisen waren bis Ende des ersten Jahrtausends nach Christus unterschiedlich: Salzpurch, Salzburch, Salzburc und Salzburg. Salzburg wird so erstmals im Salzburger Güterverzeichnis unter Erzbischof Arn erwähnt: in der Stadt Salzburg [Salzburch] im Gau der Iuvavenser [Ioboacensium], am Flusse Ignota, der mit anderem Namen Salzach [Salzaha] genannt wird....[2]

Weblinks

Quellen

  • Heinz Dopsch: Der heilige Rupert in Salzburg – Vor 1300 Jahren kam der „Gründerheilige“ aus Worms am Rhein, in: Hl. Rupert von Salzburg 696-1996, Katalog zur Ausstellung im Dommuseum und in der Benediktiner-Erzabtei St. Peter, Salzburg 1996, S. 66-67
  • Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs, Band I/1, Salzburg 1999, S. 121-135
  • Wilfried Kovacsovics: Salzburg im Frühmittelalter. Zur Frühzeit der Stadt aus archäologischer Sicht, in: S. Felgenhauer-Schmiedt, A. Eibner, H. Knittler (Hg.): Zwischen Römersiedlung und mittelalterlicher Stadt – Archäologische Aspekte zur Kontinuitätsfrage. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 17 (2001), S. 91-102
  • Heinz Dopsch, Robert Hoffmann: Salzburg, die Geschichte einer Stadt, Salzburg 2008, S. 86, 89 sowie 3. Auflage 2014, Seite 27-28
  • Wilfried Kovacsovics: Baugeschichte im Überblick, in: Festung Hohensalzburg, Führer 2012, Hg.: Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung, S. 36, 44-45
  • Heinz Dopsch: Kleine Geschichte Salzburgs, Salzburg 2014, S. 27-28

Einzelnachweise

  1. Legende vom Salzburger Stierwascher
  2. Notitia Arnonis c. I. SUB I. S. 4