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Kapitelplatz

Blick vom Kapitelplatz zur Festung Hohensalzburg
Kapitelplatz von Festung Hohensalzburg
Kapitelplatz Panorama Ansicht: Nord nach Süd
Kapitelplatz mit Fiaker und Sphaera vor dem südlichen Dombogen des Salzburger Dom
Kapitelschwemme am Kapitelplatz
Kapitelplatz und Festung bei Nacht
Ansicht: Nord nach Süd
Blick von der Festungsgasse
auf Kapitelplatz und Dom
Kapitelplatz mit der Strassermühle, Aufn. ca. um 1930

Der Kapitelplatz ist ein repräsentativer Platz in der Altstadt von Salzburg und ein Teil der ehemaligen Fürstenstadt.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Kapitelplatz befindet sich zwischen dem Salzburger Dom im Norden und dem Festungsberg mit der Festung Hohensalzburg im Süden. Man erreicht ihn über den Domplatz, den Residenzplatz oder die Kapitelgasse, sowie von der Herrengasse, der Festungsgasse oder dem Friedhof von St. Peter kommend.

Geschichte

Der Kapitelplatz entstand erst durch radikale städtebaulichen Maßnahmen im Auftrag von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, indem die mittelalterliche Stadt nach Idealen der Renaissance zur barocken Residenzstadt umgestaltet wurde. Zuvor befanden sich hier unter anderem das Domkloster und der diesem zugehörige Domkreuzgang mit Kapellen. Wolf Dietrich von Raitenau ließ zwischen 1606 und 1608, während der zweiten Abrissetappe des abgebrannten romanischen Doms, auch die nördlich gelegene ältere Hälfte des Domklosters abreißen, um Platz für Scamozzis Domprojekt zu schaffen.

Ob Wolf Dietrich diesen und andere Plätze um den Dom schaffen ließ, um in der engen Stadt Salzburg nach dem in der Renaissance entwickelten Architekturmodell der "idealen Stadt"[1] einen Platz bzw. gleich mehrere Plätze als öffentlichen Raum für die fürstliche Repräsentation zu schaffen, aber auch um den in seinem Auftrag begonnenen Neubau des Dom eine bessere Wahrnehmbarkeit und Wirkung zu verschaffen, scheint nach der momentanen Quellenlage[2] eher unwahrscheinlich.

So entstand etwa um 1614 durch den Neubau des Salzburger Doms unter Fürsterzbischof Markus Sittikus nach neuen Plänen von Santino Solari mit dem Längshaus als neuen Bezugspunkt der rautenförmige Platz, dessen größte Länge in West-Ost-Richtung etwa 100 Meter, dessen größte Breite in Nord-Süd-Richtung etwa 90 Meter beträgt und dessen Fläche etwa 5 800 Quadratmeter umfasst. Architektonisch ist er in der Formgebung als zweiseitig funktionales Bindeglied zwischen der der bischöflichen Domkirche und den Domherrenhäusern konzipiert.

Im 17. Jahrhundert befand sich nahe der Mitte zum Platz ein Brunnen mit dem geflügelten Pferd Pegasus, das heute im Mirabellgarten zu finden ist. [3]

Bauten um den Platz

Begrenzt wird der Platz:

Dompropstei

Hauptartikel: Dompropstei

Sie wurde unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau um 1600 erbaut ist ein stattlicher Bau mit einer siebenachsigen Front und dadurch ein beherrschender Teil des Platzes. Die Einfahrtshalle zur Kapitelgasse mit ihren toskanischen Säulen stammt vermutlich auch aus der Zeit Wolf Dietrichs. Das Rustikaportal zum Kapitelplatz wurde erst 1977 wieder freigelegt und teilweise rekonstruiert.

Erzbischöfliches Palais

Hauptartikel: Erzbischöfliches Palais

Dieser Bau ist aus dem Zusammenschluss von zwei ursprünglich getrennten Kanonikalhöfen um 1690 entstanden. Seit dem 19. Jahrhundert ist es die Residenz der (Fürst)[4]Erzbischöfe. Das Portal wird von einem Wappen von (Fürst)Erzbischof Maximilian Josef von Tarnóczy geziert. Das alte Portal zur Kapitelgasse trug ein Wappen von Fürsterzbischof Markus Sittikus (1693).

Kardinal-Schwarzenberg-Haus

Hauptartikel: Kardinal-Schwarzenberg-Haus

Das ehemalige Granarium, der fürsterzbischöfliche Kornspeicher, wurde 2003 zu einem Speicher des Wissens umgestaltet und nach dem späteren Kardinal (Fürst)Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (* 1809,† 1880) benannt. Im Speicher des Wissens befindet sich neben dem Domarchiv und Räumen für das Dommuseum auch ein großer zeitgemäßer Übe-Raum für die Dommusik.

Brunnen

Kapitelschwemme

Hauptartikel: Kapitelschwemme

Diese Pferdeschwemme wurde 1732 unter Erzbischof Firmian neu errichtet. Sie ist von einer marmornen Balustrade eingefasst und besitzt eine dem Brunnenhaus vorgebaute Nischenarchitektur. Doppelpilaster tragen eine hohe Rundbogennische, in der als monumentale Skulptur der Meeresgott Neptun mit Dreizack und Krone auf einem wasserspeienden Meeresross dargestellt ist. Diese Skulptur stammt von Josef Anton Pfaffinger. Die zwei seitlichen Wasser speienden Tritone stammen von 1691. Über dem Schaugebälk findet sich das Prunkwappen von Erzbischof Firmian, sowie eine Inschrift mit einem darin versteckten Chronogramm.

Brunnen (nicht mehr existierend)

Veranstaltungen

Bilder

  Kapitelplatz – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Lehrerarbeitsgemeinschaft am Pädagogischen Institut Salzburg unter der Leitung von Josef Hübl: Heimatkunde Stadt Salzburg, Salzburger Druckerei, Ausgabe Mai 1974

Einzelnachweise

  1. Malerei des 15. Jahrhunderts, Mittelitalien, Gemälde (Öl auf Leinwand) jeweils von unbekannten Meistern, 1. "Die ideale Stadt", Palazzo Ducale, Urbino (Scala/Art Resource, N.Y.), 2. "Die ideale Stadt", Staatliches Museum, Ost-Berlin, 3. "Die ideale Stadt", The Walters Art Gallery, Baltimore, MD
  2. Im Begleitbuch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zur gleichnamigen Landesausstellung 1987 schreibt Architekt Dr. Georg W. Seunig, dass der von Wolf Dietrich geholte Baumeister für den Domneubau Vincenzo Scamozzi sich am italienischen Baumeister Andrea Palladio orientierte. Palladio, dessen geschriebenes Hauptwerk «Dell'idea della architettura universale» ("Von der Idee der universalen Architektur") hieß, dürfte somit nicht dem Renaissance-Modell einer idealen Stadt' verhangen gewesen sein. Welche Ideen der Fürsterzbischof und Scamozzi tatsächlich hatten, kann auch Seunig in seinem Beitrag nicht sagen. Jedenfalls schreibt Seunig, dass Wolf Dietrich zwischen 1606 und 1608, während der zweiten Abrissetappe des abgebrannten romanischen Doms, auch die nördlich gelegene ältere Hälfte des Domklosters abgerissen, um Platz für Scamozzis Domprojekt zu schaffen. Ein beträchtlicher Teil des Domklosters, der Südwesttrakt, blieb jedoch erhalten und wurde erst um 1680 abgebrochen. (Seite 198)
  3. "Der Thumb-Platz", noch mit dem Pegasos-Brunnen, Kupferstich, Augsburg um 1690, in der Platte signiert: "Joh(a) nna Sübylla Küsllen fe.", war meist beigebunden dem Buch Joseph Metzger: "Historia Salisburgensis", Salzburg 1692, ca. 39 x 44 cm, Nebehay-W. 414 / 3
  4. Vom Ende des Fürstentums 1803 bis 1951 trugen die Salzburger Erzbischöfe zwar noch den Titel Fürsterzbischof, hatten damit jedoch keinerlei Fürstenrechte mehr