Wintersportverein St. Wolfgang

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Skifahren auf der Postalm um 1929.
Die Postalm um 1920.
Aufstieg zur Thorhöhe.
Skisprunganlage am Rackenroith.
Die Turnerriege des Wintersportvereins 1937.
Eine WSV Moarschaft 1914.

Der Wintersportverein St. Wolfgang ist ein traditionsreicher Sportverein aus dem Salzkammergut.

Geschichte

Der Wintersportverein St. Wolfgang wurde am 12. Oktober 1910 gegründet. Die Gründungsmitglieder Paul und Franz Peter, Paul Gandl, Anton und Wolfgang Ernst, Georg Rechberger, und Johann Paul Wallner waren die Vorkämpfer bis zum aufblühenden Wintersport im Wolfgangskigebiet. Der erste Obmann des neu gegründeten Wintersportvereins war Hotelier Paul Peter. Zweck dieses am 2. Dezember 1910 genehmigten Vereins war die Pflege des Eisstockschießens wie das Eislaufens auf dem zugefrorenen See. Für die Eisstockschützen gab es auch eine künstliche Eisbahn im Garten des "Hotel Peter" mit elektrischer Beleuchtung [1].

Das Eisstockschießen hat eine unendlich lange Brauchtumstradition, der Wettkampf der "Moarschaften" mit handgedrechselten Eisstöcken aus heimischen Obstbaumholzsorten vom Wagnermeister Henn gehört im Winter in St. Wolfgang zum gesellschaftlichen Leben.

Rodelrennen waren in diesen Jahren die große Fremdenverkehrsattraktion, so wurde von der Vormauer über die Boxau herunter eine 1,5 km lange Rodelrennbahn, auch bobtauglich, schon 1911 ausgebaut. Den Skipionieren St. Wolfgangs diente die Postalm als Skiübungsgelände, die "Höpli- und Gandlhütte" als "Kader Schmiede" der Hödlmoser, Höplinger, Aistleitner, Henn, Ramsauer, Raudaschl, Rössler. Solange der See nicht zugefroren war fuhr man mit Sack und Pack per Traunerl ins Abersee – von hier aus begann das Spuren der Aufstieg hinauf über "Vitz am Berg", Niedergaden in das wundervolle Skitourengebiet der Postalm, bis zur erhofften Abfahrtsroute von der Thorhöhe. Diese Vision ging auf. Der "Wintersportverein St. Wolfgang" war bald Mitglied des "Salzkammergut Skiverbandes", daher stand auch die ganze Postalm als Übungswiese zur Verfügung. Begeisterung riefen die großen alpinen Abfahrtsläufe von der Thorhöhe, bei denen ein Höhenunterschied von ca. 1000 m und 7 km Abfahrt zu bewältigen waren hervor. Die Organisation der ersten großen Abfahrtsläufe von der Postalm war eine logistische Herausforderung in dieser Zeit.

Zur Siegerehrung ging man damals von Abersee sehr oft über den zugefrorenen See nach St. Wolfgang, ließ es die Eisdecke zu gab es auch Pferdefuhrwerke zur Überfuhr. Die Erschließung mit Skiliften vom Vitz am Berg bis zur Thorhöhe und zur Postalm war das gigantische Traumziel der sportbegeisterten Gemeinschaft von St. Wolfgang – allerdings erlebten die Wintersportpioniere der Frühzeit dieses Erfolgserlebnis nicht mehr. Doch stellte es sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein, der Wintersportverein St. Wolfgang mit der großen Anzahl ausgezeichneter Läufer, anerkannter Skilehrer, Jugendtrainer war an dieser Entwicklung geistig beteiligt.

Nicht nur "drübern See", nein, auch auf der Pfarrer Leithen und in der Rackenroith war die sportliche Jugend nicht untätig. In den schneereichen Wintern bauten sich die Buben die ersten Sprungschanzen auf der Pfarrerleiten und der Rackenroith zur beeindruckenden Talentprobe, zum Hochgefühl nach Norwegischen-Vorbildern. Die klassische "Telemark" Landung war ja auch für Franz Höplinger, Franz Ramsauer und Sepp Schachl der Richtungspunkt. Schon 1922 wurde der erste Skisprung-Wettbewerb auf der neu erbauten Schanze in der Rackenroith abgehalten, welches Sprünge bis 30 m erlaubte. Franz Ramsauer sprang zur Begeisterung aller 37 m auf seiner Heimschanze und schrieb damit Skisportgeschichte. Er galt schon damals als ein Weltklassesportler der Zukunft. Mit seinen Doppelsprüngen wurde er gefeiert. Auf Grund seines Talentes und seiner konditionellen Stärke hatte er große Erfolge auch im Ausland und wurde "Dreifacher Österreichmeister im Skisprung". Hermann Christoforetti, Wolfgang Raudaschl und Franz Ramsauer erzählten, dass in ihrer Jugend das ersehnte Firmgeschenk Kandahar Skier waren und dafür gerne auf die Uhr verzichtet wurde [2]. Die von Wagnermeister, Eisstöcke, Ski- und Rodelerzeuger Wolfgang Henn handgefertigten Holzski mit Riemenbindung die bienenwachsgewichsten "Brettln" mit Bambusstecken und vertäuten Radln am unteren Ende – haben lange Zeit in St. Wolfgang für Erfolge gesorgt und die Welt bedeutet.

Wintersportwerbung gab es in der Presse ab 1928. Josef Gastberger, Photograph, und seine Gattin mit großer Sporterfahrung aus Bad Gastein brachten die ersten Wintersport Werbespots in die Medien. Die unermüdlich betriebenen Wintersportarten in der Umgebung der nebelfreien Sonnenlage des Wolfgangsees wie die Panoramastraße auf die Postalm haben einen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht und auch den Bewohnern einen etwas besseren Lebensstandard beschert.

Bald nach Gründung des Vereins organisierte der Wintersportverband einen jährlichen Kinderwettlauf. Nach Erbauung der Jugendsprungschanze gab es auch Wettkämpfe im Skisprung, Riesentor- und Abfahrtslauf zur Nachwuchspflege um begeisterten Spitzensportler gezielt fördern zu können.

In der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges, von 1914 bis 1918, wie auch in der Zeit von 1939 bis 1945, wird die WS Vereinstätigkeit ausgesetzt. Doch schon 1919 war eine rege Aktivität unter dem Vorstand Bauunternehmer Karl Ramsauer. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945, haben sich Oskar Dignös und der hochrangige Offizier Karl Ramsauer bei der Weiterführung des geschichtsträchtigen Vereins große Verdienste erworben. Es gab schon damals einen Wanderpreis für die Jugendförderung. Für die Schuljugend war der Sprung über die Schanze eine Mutprobe – man wollte ja kein Weichei sein. Abfahrt, Slalom und Torlauf zu heben und die internationale Anerkennung dieser Disziplinen zu fördern war das Ziel. So konnten die großen Erfolge im Laufe der Vereinsgeschichte in ähnlicher Art und Weise fortgeführt werden.

Der dem WSV angeschlossene Turnverein mit den Abteilungen Jugendturnen, Damen und Herren Riege zur sportlichen Ertüchtigung das ganze Jahr über, erbrachte eine jährliche große sportliche Leistungsschau beim Vorturnen im Elektrizitätswerk St. Wolfgang.

Eine neue Erfolgsgeschichte wurde durch die großen Leistungen des Slalom- und Riesenslalomspezialisten Rudi Nierlich von 1987 bis 1991 geschrieben. Rudolf Nierlich feierte in seiner Karriere acht Weltcupsiege und wurde dreimal Weltmeister. Am 18. Mai 1991 fand die Karriere des 25-Jährigen ein tragisches Ende. Rudi Nierlich wurde eine Gedenkstätte in St. Wolfgang im Stöckl, wie auch seinerzeit dem Pionier Paul Gandl in Niedergaden vom Wintersportverein errichtet.

Es soll dies eine respektvolle Rückbesinnung auf die bescheidenen Anfänge der Pionierzeit, auf den sportlichen, ehrenamtlichen Zusammenhalt des Vereines wie ein Gedenken der Spitzensport- und Skipioniere der Frühzeit sein. Der Auslöser für die aufkommende Wintersportbegeisterung war gesunden Sport in einer an Naturschönheiten reichen Gegend mit einem fairen Wettkampf huldigen zu können.

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.

Quellen

  1. Heute Parkplatz Hotel Peter, Familie Elser
  2. benannt nach Feldmarschall Earl Roberts of Kandahar neben Sir Arnold Lund einer der britishen Skipioniere