Kultur

Ars Electronica - Konzertnacht zwischen Bruckner und Elektro

Seit 18 Jahren bildet ein Konzert des Bruckner Orchesters Linz den Beitrag des Landes Oberösterreich zum städtisch getragenen Ars Electronica Festival. Da in dieser Woche mit dem Geburtstag von Anton Bruckner (am 4. September) auch das Internationale Brucknerfest Linz begonnen hat, lag es nahe, am Freitagabend das "Festival for Art, Technology & Society" mit einer Sinfonie Bruckners anzureichern.

Markus Poschner führte das Bruckner Orchester Linz durch den Abend SN/APA/FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAY
Markus Poschner führte das Bruckner Orchester Linz durch den Abend

Für dessen unvollendete 9. Sinfonie ließ sich Chefdirigent Markus Poschner ein besonderes Finale einfallen: György Ligetis 1966 entstandenes "Lux Aeterna" ("Das ewige Licht leuchte ihnen") für einen sechzehnstimmigen gemischten Chor a cappella. Poschner hat bereits vor drei Jahren eine Aufführung von Bruckners "Neunter" in einem Stiftskonzert in St. Florian mit einem Orchesterwerk von Ligeti ("Lontano") abgeschlossen.

In "Lux Aeterna" vertonte der Komponist den letzten Teil der lateinischen Totenmesse. Bei der "Großen Konzertnacht" des Ars Electronica Festivals in "Keplers Garden" der Linzer Johannes Kepler Universität war der in höchstem Maße anspruchsvolle Chorpart der "Company of music" unter Johannes Hiemetsberger anvertraut. Ligetis bekanntestes Chorwerk besteht statt hörbarer Mehrstimmigkeit aus schwebenden Klangfeldern, bei denen die Einzelstimmen zu Clustern verschmelzen und der Text der lateinischen Vorlage für die Zuhörer kaum erkennbar ist.

Poschner und Hiemetsberger hatten die ersten beiden Teile des Chorwerks zunächst in die Wiedergabe des zweiten Satzes der Sinfonie eingebaut und dann das gesamte vierteilige Chorwerk noch einmal in das abschließende feierliche Adagio der Sinfonie platziert. Die Leistung des Chores und seines Dirigenten ohne Orchesterbegleitung war uneingeschränkt bewundernswert. Ligeti hat für jede der 16 Stimmen präzise Einsätze und Tonfolgen vorgegeben. Trotz der Einzelstimmen entstehen aber auch tonale Akkorde. Insgesamt kennzeichnet das rund zehn Minuten dauernde Werk eine ruhige Atmosphäre des Gebets für die Toten. Bruckner wäre mit diesem Finale seiner letzten Sinfonie wohl auch einverstanden.

Das Spiel des Orchesters wurde aus der "Kepler Hall" in den Uni-Park übertragen, beim ersten Satz für das unter Bäumen stehende Publikum, in der Folge dann auf die Wiese vor der "Kepler Hall" für die nun sitzende Zuhörerschaft. Die Regelung der das Publikum umgebenden Lautsprecher ergab abwechselnde Klangrichtungen. Als eine Art "Präludium" und zwischen den sinfonischen Abschnitten gestalteten Künstlerinnen und Künstler der Ars Electronica akustische "Flächen" mit freilich etwas überlangen meist lautstarken Anklängen an Naturgewalten. Oder waren es kriegerische Assoziationen?

Nach rund zweistündigem Outdoor-Konzert setzte sich die Konzertnacht Indoor mit Post-industrial Dynamics, Morphologies und Sounding Letters bis Mitternacht fort.

(S E R V I C E - Ars Electronica "Die große Konzertnacht", Anton Bruckner Sinfonie Nr. 9 d-Moll, WAB 109, Dirigent: Markus Poschner, https://ars.electronica.art)

KULTUR-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Kulturmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 18.09.2021 um 12:52 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/ars-electronica-konzertnacht-zwischen-bruckner-und-elektro-109328467

Schlagzeilen