Kultur

Barbara Kleins "Voll Zeit" geriet voll in den Lockdown

Ein Jahr lang haben Barbara Klein und Krista Schweiggl an ihrem neuen Kabarettprogramm gearbeitet, seit einem halben Jahr warten sie nun darauf, es erstmals auch zeigen zu dürfen. Genau einen Tag vor der geplanten Premiere am 4. November wurde nämlich der Lockdown verlängert und verschärft. Nach der vierten Verschiebung peilen sie nun den 7. September an. Da passt sowohl der Name des Duos wie der Titel des Programms: Als "Die SpätSies" nehmen sie sich nämlich "Voll Zeit".

Barbara Klein & Krista Schweiggl / Die SpätSies SN/APA/Bettina Frenzel
Barbara Klein & Krista Schweiggl / Die SpätSies

"Wir können uns nicht beschweren. Im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen sind wir in einer privilegierten Situation: Wir sind nicht existenziell davon abhängig", stellt Klein im Gespräch mit der APA gleich klar. Deswegen lassen sie in dem "unglaublichen Stau an vorbereiteten Programmen", der im Lockdown entstanden sei, nun bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs zunächst den anderen den Vortritt. Zwar sei "Voll Zeit" eher ein Kabarett-Stück als ein tagesaktuelles Programm, aber auch die notwendige Gedächtnisleistung sei nicht zu unterschätzen. "Das warm zu halten ist eine ganz schöne Herausforderung", lacht Barbara Klein.

Falls das mit dem Gedächtnis nicht ganz klappen sollte, haben Klein und Schweiggl, die in den frühen 80ern das erste feministische österreichische Kabarettduo "Chin & Chilla" gründeten und fünf gemeinsame Programme auf die Bühne brachten, dramaturgisch vorgesorgt: Ihre Bühnenfiguren sind ältere Frauen, die von ihrem Gedächtnis immer wieder im Stich gelassen werden. Beim Versuch, ihren Führerschein erneuern zu lassen, wird eine der beiden mit Erinnerungen aus ihrem Leben, zahlreichen Figuren und manchen Zeiterscheinungen konfrontiert. Eine dieser Zeiterscheinungen ist ein Umstand, der für Klein damals wie heute ein Ärgernis darstellt: "Ältere Frauen existieren einfach nicht." Was dagegen in ihrem Programm nicht existiert, ist etwas, was unser Leben im vergangenen Jahr bestimmt hat: Corona. "Das wird eine bewusste Leerstelle. Ich glaube, man mag schön langsam nichts mehr davon hören."

Von den feministischen Anliegen, die die 66-jährige Wienerin, die 1997 Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens und 2000 Gründerin des "kosmos.frauenraum" (ab 2002: "Kosmos Theater") war, stets vertrat, wollten in der Corona-Zeit auch nur wenige etwas hören. Wie hat Klein, die 2018 die Leitung des Kosmos Theaters abgab, in gesellschaftspolitischer Sicht die Coronakrise erlebt? "Es hat mich gewundert, wie solidarisch man mit den Älteren war und ist. Die Jungen mussten in dieser Zeit wirklich auf viel verzichten." Wie in jeder Krise hätten sich bestehende Probleme und Ungleichheiten jedoch verschärft. "Doch ich bin ein restlos optimistischer Mensch. Ich glaube, dass der kommende Einbruch auch eine Chance für Umverteilung ist - global und in Österreich. Es muss angeschlossen werden an die im vergangenen Jahr geübte Solidarität, denn die Klimakrise ist eine viel größere Herausforderung. Es ist ein idealer Zeitpunkt, diese Welt umzustrukturieren. Wann, wenn nicht jetzt?"

(S E R V I C E - "Die SpätSies": "Voll Zeit", Premiere im Theater Akzent Studio am 7. September, www.akzent.at)

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