Kultur

Bruckner Orchester begeisterte mit Mahlers 5. Sinfonie

Mit einer packenden Wiedergabe von Gustav Mahlers 5. Sinfonie eröffnete das Bruckner Orchester Linz am Samstag die eigene Konzertreihe 2020/2021 im Linzer Brucknerhaus. Chefdirigent Markus Poschner präsentierte den großen Klangkörper in einer Qualität der Extraklasse, die erleben ließ, dass das Orchester nicht nur die "Bruckner-DNA" in sich hat, sondern auch die Sinfonien Gustav Mahlers zu seiner Kernkompetenz gehören.

Poschner und sein Linzer Klangkörper lieferten einen fuminanten Abend SN/APA/FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAY
Poschner und sein Linzer Klangkörper lieferten einen fuminanten Abend

Wie kaum ein anderer Dirigent treibt Poschner seine Musikerinnen und Musiker, mit schon zum besonderen Kennzeichen gewordenen weit ausholenden Arm- und Handbewegungen und anfeuernd-strahlender Mimik, zu musikalischen Höchstleistungen an. Anlass zur Euphorie bot Mahlers "Fünfte" reichlich: Das begann schon mit den ersten Takten der fünfsätzigen Sinfonie im von der Solotrompete angeführten Trauerzug, setzte sich im stürmischen zweiten Satz fort, der zwischen jähen Ausbrüchen und elegischen Partien wechselt und die anfängliche Trauer und Resignation unterstreicht. Im Zentrum der Sinfonie steht das mit zwei Trios außergewöhnliche Scherzo, das dem Solohorn eine tragende Rolle zur Einleitung und Weiterführung der ländlichen Tanzrhythmen zukommen lässt.

Das lyrische, nur von Streichorchester und Harfe vorgetragene, weithin bekannte Adagietto, lädt zum Innehalten ein, ehe der fünfte Satz mit einem polyfonen Geflecht Trauer und Melancholie vergessen macht. Nach einer Fülle musikalischer Themen gipfelt die Sinfonie in einer hinreißenden Schlusssteigerung. Nach der fulminanten Darbietung des Orchesters und der begeisternden Arbeit des Dirigenten war das frenetische Publikum an der Reihe: schier endloser Jubel.

Eingeleitet wurde der denkwürdige Abend mit einem kurzen Werk des in Linz geborenen Komponisten Gerald Resch. In seinen "Inseln" für Orchester verarbeitet er Erlebnisse im norddeutschen Wattenmeer, in dem sich durch Ebbe und Flut Erhebungen bilden, verformen und schließlich wieder in den Wellen verschwinden. Das Prinzip des zyklischen Wandels vom Gestalthaften zum Gestaltlosen und zurück wendet der Komponist auch in seinem 2016 uraufgeführten Werk an, unter besonderem Einsatz des reich bestückten Schlagwerks. Die Instrumentalisten zeigten dabei beispielhafte Präzision.

Insgesamt präsentierte sich das Bruckner Orchester Linz in beeindruckender musikalischer Hochform. Die Streicher mit phänomenaler Klarheit, vom behutsamen Pianissimo bis zum finalen Großeinsatz. Holz- und Blechbläser - jede und jeder für sich solistisch qualifiziert - brillierten ebenso wie die Schlagwerk-Formation. Ein auch optisch überragendes Glanzstück. Selbst Markus Poschner war schlussendlich sichtlich bewegt. Er möge Linz und dem Land Oberösterreich noch lange erhalten bleiben.

Mit Mahlers 5. Sinfonie gastiert das Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner am Sonntag, 7. November im Wiener Musikverein.

(S E R V I C E - "'Eins: Mahler 5", Bruckner Orchester Linz unter Chefdirigent Markus Poschner; http://www.brucknerhaus.at, http://www.bruckner-orchester.at, http://www.konzerthaus.at)

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