Kultur

Bundespräsident Van der Bellen bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele: "Wir müssen heraus aus der Komfortzone"

Am Mittwochvormittag wurden die 74. Bregenzer Festspiele im Beisein von Bundespräsident Alexander Van der Bellen feierlich eröffnet. Rund 2.000 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und des öffentlichen Lebens nahmen daran teil. Es wurde ein charmanter und clownesker Festakt, mit besonderen Reden.

Die Eröffnung der Bregenzer Festspiele zählt traditionell zu den Highlights des österreichischen Kultursommers. 559 künstlerische Mitwirkende sind am Festspielprogramm 2019 beteiligt. Der Festakt in Bregenz bot ein Schaufenster auf alle Opernproduktionen, die die Besucher in den kommenden Wochen am Bodensee erwarten. Verdis Rigoletto, das diesjährige Spiel auf dem See, machte den Anfang und bildete auch den Schluss unter dem Dirigat von Enrique Mazzola. Dazwischen traten die Dirigenten der Hausoper Don Quijote und des Opernstudios am Kornmarkt Eugen Onegin ans Pult.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte sich entschieden, als letzter Redner bei der Eröffnung"g'scheiter über die Politik zu reden", wie er erzählte. Denn sonst wäre er womöglich in die Situation gekommen, "dass alles schon gesagt worden ist, nur nicht von mir". Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Er nützte die Rede für eine Botschaft: "Wir werden uns aus den Komfortzonen herausbewegen müssen, wenn wir den jetzigen Klimanotstand nicht zu einer Klimakatastrophe werden lassen wollen." Die Jugend gehe uns hier positiv voran, mit den "Fridays for Future". Und mit einfachen Möglichkeiten könne viel getan werden, indem beispielsweise ein Moor erhalten werde, das extrem viel CO2 speichern könne. Von der Schönheit der Natur ganz abgesehen.

Die Klima-Botschaft fiel in seiner Rede unter die Rubrik "Wie wir sein wollen", eines seiner Schlagworte. "Denn die Herausforderungen, vor denen wir alle miteinander stehen, werden wir nur gemeinsam lösen können." Er nannte neben dem Klima auch die Suche nach Frieden auf unserer Welt, den Ausgleich zwischen arm und reich. "Wir werden so nicht weiterleben können, wenn wir weiterleben wollen." Er gab sich zuversichtlich, dass dieses Bewusstsein bei den meisten von uns wächst. "Nicht irgendwann, nicht irgendwo, nicht morgen, sondern hier und jetzt."

Vorher hatte der Bundespräsident an die Ibiza-Affäre erinnert und das daraus resultierende Österreich-Bild. Er wiederholte seine Worte von damals - "so sind wir nicht" -, das zeige nicht die österreichische Realität.

Gastgeber und Festspielpräsident Hans-Peter Metzler betonte: "Das Charakteristische an den Bregenzer Festspielen ist, dass sie im bewährten Rahmen immer noch neue und überraschende Antworten finden." Dass sie gleichzeitig ein volkswirtschaftlicher Faktor sein wollten, sei legitim. Metzler nutzte aber auch seine Eröffnungsrede vor prominentem Publikum, um die öffentliche Hand charmant daran zu erinnern, dass bauliche Maßnahmen anstünden. Diese seien am Festspielhaus, an der Bühne und Tribüne notwendig. "Denn Erfolg belastet auch die Bausubstanz - und unser Erfolg verpflichtet."

Launig führte der den Festakt moderierende Clown Kulturminister Alexander Schallenberg ein, von dem ihm noch das Gesicht fehle, weil die Minister so schnell wechselten. Schallenberg quittierte das mit einem Lächeln - und erzählte dann auch gleich eine Anekdote: "Ich erinnere mich sehr gut, sehr geehrter Herr Bundespräsident, als wir Ende Mai, gemeinsam mit Bundeskanzlerin Bierlein, unser erstes Gespräch m Zuge der Bildung der geschäftsführenden Bundesregierung hatten. Damals haben Sie mir beim Ausdämpfen einer Zigarette etwas verschmitzt lächelnd erklärt - "no, dann werden wir eben gemeinsam Bregenz eröffnen". Damals habe es ihm gedämmert, dass seine neue Aufgabe doch einige Überraschungen mit sich bringe. "Dass ich heute hier vor Ihnen stehen darf, das hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht gedacht. Und ich empfinde das als besondere Ehre und Auszeichnung."

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