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Grazer Oper ließ den Traum einer Sommernacht erstehen

Wenn das Ballett der Grazer Oper eine "Sommernacht, geträumt" zeigt, dann bleibt nichts, wie es war. Nach Musik von Mendelssohn und anderen wandern die Menschen durch den Wald ihrer Ängste, Sehnsüchte und Verirrungen, um am Ende in einer ungeschönten Realität anzukommen. Ballettchef Jörg Weinöhl schuf eine Choreografie, die am Samstag voller Musikalität und Melancholie überzeugte.

Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum" lässt die Protagonisten im Wald am Rand der Tragödie herumirren, und Felix Mendelssohn schuf eine romantische Musik dazu. Weinöhl, der sich entschieden hat, Graz am Ende der Saison zu verlassen, blieb nicht in diesem Fahrwasser. Schon zu Beginn, wenn die Compagnie in hautfarbenen Trikots tanzt und dabei an Vasen- oder Höhlenmalerei erinnert, wird klar, dass es hier um die Menschen an sich geht, nicht nur um ein paar verirrte Liebespaare.

Natürlich gibt es diese Paare auch hier, es handelt sich um junge, modern gekleidete Menschen, die ganz altmodische Probleme mit ihren Gefühlen haben. Ihre Bewegungen geben das ungestüme Drängen, das Vorwärtspreschen, ohne irgendwo anzukommen, wieder. Ganz anders dagegen der Herzog von Athen, Theseus, der machtvoll und starr seine mondäne, kühle Hippolyta in die Ehe zwingen will. Es ist großartig anzuschauen, wie Simon van Heddegem und Barbara Flora vom höfischen Gestus hinüberwechseln zu Oberon und Titania, den Naturwesen. Im Wald - als wildes, ungezähmtes Gestrüpp auf einem beweglichen Vorhang präsent - ist eine ganz andere Welt, geheimnisvoll, dunkel, oft bedrohlich, von direkter Erotik.

Die jungen Liebenden verlieren sich im Rausch der Zauberpflanze - oder ihrer verdrängen Gefühle? - ebenso wie Titania, die sich für einen Esel begeistert. Den Höhepunkt dieser ausgelebten Albträume bildet ein Defilee wie am Catwalk zu Stromes "Tous les memes". Der feinsinnige Witz setzt sich fort, wenn das Erwachen aus dem Traum der Nacht von "Und immer wieder geht die Sonne auf" von Udo Jürgens begleitet wird. Doch dann stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es war. Die Nacht hat ihre Spuren hinterlassen, das Ende ist eine Realität, in der die Träume keinen Platz haben.

Die jungen Paare wurden von Daniel Myers, Enrique Saez Martinez, Astrid Julen und Clara Pascual Marti mit Individualität und Frische verkörpert, während Chris Wang als Puck ein schillerndes Zwischenwesen mit großer Präzision tanzte. Robin Engelen leitete das Grazer Philharmonische Orchester umsichtig durch die romantischen Klänge, Sieglinde Feldhofer und Andrea Purtic sangen die Elfen, tatkräftig vom Chor unter Bernhard Schneider unterstützt. Für die Bühne und die geschmackvollen Kostüme zeichnete Saskia Rettig verantwortlich. Jörg Weinöhl ist es gelungen, auf die Geschichte neue Schlaglichter zu werfen, die auch die Melancholie über die verlorene Unschuld im Umgang miteinander deutlich machen. Es bleibt bei aller Schönheit und Anmut eine kleine Traurigkeit zurück - nicht zuletzt darüber, dass der feinsinnige Ballettchef schon bald Graz verlässt.

Quelle: APA

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