Kultur

"grey time": Dystopisches in der Antikensammlung des KHM

Trümmer, Ruinen und Überreste sind für eine Antikensammlung nichts Außergewöhnliches, möchte man meinen. Die graue Trümmerlandschaft, die im Zentrum der Schau "grey time - Bruchteile aus dem Museum" steht, die bis 20. Oktober in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums zu sehen ist, hat man so aber noch nicht gesehen. Die Zeiten scheinen sich zu mischen, lebendig ist hier nichts mehr.

"grey time": Ausstellung in der Antikensammlung des KHM SN/APA (KHM)/Barbara Herbst
"grey time": Ausstellung in der Antikensammlung des KHM

Die beiden in Wien lebenden Künstler Jeremias Altmann (geb. 1989) und Andreas Tanzer (geb. 1987) beschäftigen sich in ihrer 2013 begonnen Serie "grey time" mit Zerstörung und Zerfall. "Dabei entstehen dystopisch anmutende Landschaften ohne Menschen", sagte Altmann bei der heutigen Presseführung. Jüngstes Werk und im Zentrum der dreiteiligen Mini-Schau inmitten der anderen Exponate der Antikensammlung, die abseits der durch die Gemäldegalerie und die Sonderausstellungen ziehenden Besucherströme kontemplative Ruhe ausstrahlt: das Diptychon "Bruchteile", das die beiden Künstler in den öffentlichen Galerieräumen des KHM "vierhändig" gemalt haben. "Quer durch die Säle des Hauses paraphrasierten die beiden Exponate von Ägypten über die Antike bis zur neuzeitlichen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts", heißt es dazu in den Presseunterlagen.

Man sieht auf dem Bild die Ruine einer Kirche und eines Wohnhauses sowie ein Trümmerfeld, in dem sich Torsi und Tempel erkennen lassen. Wer genau schaut, kann die Vorbilder gleich nebenan oder in einem anderen Saal des Museums entdecken. "Was wir nicht wollten, ist eine Schnitzeljagd, aber es gibt auf jeden Fall ein paar Referenzen, die ins Auge stechen", sagte Altmann. Einen weiteren Hinweis liefern die ausgestellten Fotografien, auf denen Kuratorin Barbara Herbst den Malprozess dokumentierte. Dazu gibt es in einer Vitrine das "Gebilde Nr. 3" (2016) von Altmann und Tanzer, in dem Knochen und moderne Artefakte zusammengefügt werden, in Grau, selbstverständlich.

Für Georg Plattner, den Direktor der Antikensammlung, bietet dieses "Cross-Over" eine ideale Beschäftigung mit zentralen Themen der Archäologie wie Zerstörung und Bewahrung, Fragmentierung und Konservierung. Es gehe darum, neue Sichtweisen auf alte Sammlungsobjekte zu vermitteln. "Wir Archäologen sind ja immer ganz aufgeregt, wenn wir mit lebenden Künstlern arbeiten können", schmunzelte er. Eine 112-seitige Publikation (Herbst: "weit mehr als ein herkömmlicher Ausstellungskatalog") vertieft die angerissenen Themen in Beiträgen von u.a. Robert Pfaller, Jasper Sharp und Vitus Weh, weiters gibt es die "Künstleredition" einer Radierung. Eine Kooperationsausstellung im Bildraum 01 (Wien 1, Strauchgasse 2) soll von 4. bis 29. September dann den ganzen Bilderzyklus der "grey time" zeigen.

Quelle: APA

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